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Was ist Typhus?

Typhus ist eine Infektionskrankheit, die durch eine bestimmte Art der Salmonellen übertragen wird. Sie tritt vor allem in Afrika, Südamerika und Südostasien auf und kann erst Monate nach der Übertragung zu Symptomen führen.

Dabei führt Typhus zunächst zu langanhaltenden Verstopfungen und Fieber. Später kommt es häufig zu typischen Rötungen der Bauchhaut, Verdünnung des Stuhlgangs und einer Verlangsamung der Herzfrequenz (auch Bradykardie genannt).

Außerdem kommt es zu Veränderungen im Blut und die Betroffenen sind häufig benommen. Typhus wird mit Antibiotika behandelt. In Risikogebieten kann gegen Typhus auch geimpft werden.

Lesen Sie mehr unter: Salmonellen und Bradykardie

Ursachen für Typhus

Da Typhus eine Infektionskrankheit ist, liegt die Ursache in der Übertragung der Erkrankung durch einen Erreger. Bei Typhus ist dies eine bestimmte Art von Salmonellen, also Bakterien, die hauptsächlich beim Menschen vorkommen. Übertragen werden die Erreger entweder direkt von Mensch zu Mensch oder indirekt durch verunreinigtes Trinkwasser. Bei der direkten Infektion werden die Erreger über den Kontakt einer Person mit dem infizierten Stuhlgang einer anderen Person übertragen.
Dies kann passieren, wenn eine Person nach einer bereits durchgemachten Typhus-Erkrankung zum sogenannten Dauerausscheider der Salmonellen wird und sich diese fortan im Stuhlgang des Betroffenen befinden.

Gelangen die Salmonellen in den Körper einer Person, können sie im Dünndarm bestimmte Strukturen des Immunsystems angreifen. Sie infizieren sogenannten Makrophagen, die als Zellen für die Immunabwehr dienen, und gelangen dadurch in das Knochenmark, die Leber, Milz und Lymphknoten.
Im späteren Verlauf werden durch die Vermehrung der Salmonellen und die Streuung über das Blut alle Organe infiziert.

Eine ausführliche Übersichtsseite zu allen Tropenkrankheiten finden Sie unter dem Artikel: Übersichtsseite zu Tropenkrankheiten​​​​​​​

Wie ist der Übertragungsweg von Typhus?

Typhus kann entweder direkt oder indirekt übertragen werden. Bei dem direkten Weg kommt es durch den Kontakt einer Person mit dem infizierten Stuhl einer anderen Person zur Übertragung des Erregers. Der Stuhlgang kann durch eine vorher durchgestandene Typhuserkrankung infiziert werden.

Bei dem indirekten Weg kommt es zur Übertragung der Erreger durch kontaminierte Lebensmittel. Verunreinigtes Wasser, beispielsweise durch eine fehlende Trennung von Trink- und Abwasser, kann ebenfalls zur indirekten Übertragung der Salmonellen führen

Wie ansteckend ist Typhus?

Typhus ist eine Infektionskrankheit, die bei einer Ansteckung zu typischen Symptomen führt. Eine Ansteckung erfolgt entweder durch direkten Weg von Mensch zu Mensch oder indirekt, beispielsweise durch verunreinigtes Trinkwasser.

Bei direktem Weg erfolgt die Ansteckung durch die Ausscheidung der Salmonellen im Stuhlgang. Diese beginnt ca. eine Woche nach Krankheitsausbruch. Die Ausscheidung der Erreger geht aber oft nicht mit dem Rückgang der Symptome einher. Sie kann noch Wochen später vorliegen und bleibt in ca. 5% aller Fälle sogar lebenslang bestehen, ohne dass es zu weiteren Symptomen kommt.

Diese sogenannten Salmonellen-Dauerausscheider dürfen daher beispielsweise nicht mit Lebensmitteln arbeiten, da das Ansteckungsrisiko zu hoch ist.

Nach Infizierung mit den Typhus-erregenden Salmonellen dauert es oft ein bis zwei Wochen bis zum Ausbruch der Symptome. Es kann jedoch auch bis zu 2 Monate dauern, bis die Symptome sichtbar werden. Dieser sehr lange Zeitraum ist sehr tückisch und erhöht das Risiko einer unwissentlichen weiteren Ansteckung.

Da sich Typhus sehr schnell verbreiten kann, besteht in Deutschland bereits bei einem Verdacht auf die Erkrankung eine namentliche Meldepflicht. Diese besteht ebenfalls bei dem tatsächlichen Vorliegen der Erkrankung, einem positiven Laborergebnis oder dem Tod einer Person durch Typhus.

Diagnose

Typhus kann je nach Zeitpunkt der Erkrankung unterschiedlich diagnostiziert werden. Zu Beginn der Symptome können die Erreger im Blut mit Hilfe einer sogenannten Blutkultur nachgewiesen werden.

Ca. 2-3 Wochen später sind die Salmonellen außerdem im Stuhl zu finden. Dies geschieht mit einer sogenannten Stuhlkultur. Ab der 3. Woche der Erkrankung können zusätzlich Antikörper, die vom Immunsystem zur Abwehr gebildet werden, nachgewiesen werden.

Hinzu kommt das für die Typhus-Erkrankung typische Blutbild mit einem Mangel an weißen und roten Blutkörperchen (Leukozytopenie und Eosinopenie) und einer Vermehrung der Abwehrzellen (Lymphozytose).

An diesen Symptomen erkenne ich Typhus

Charakteristisch für Typhus ist, dass die Symptome in verschiedenen Stadien auftreten und sich je nach Stadium verändern. Sie treten meist nach 1-3 Wochen auf.

  • Im ersten Stadium kommt es zunächst zu Verstopfungen und einer langsamen Entwicklung von Fieber. Des Weiteren treten häufig Bauch- und Kopfschmerzen, sowie Bewusstseinsstörungen auf. Das erste Stadium dauert ca. eine Woche und wird durch die teilweise unspezifischen Symptome nicht immer schnell erkannt.
  • Die 2. und 3. Woche der Erkrankung bilden das zweite Stadium. Hierbei kommt es zum sogenannten Kontinua-Fieber, bei dem die Körpertemperatur konstant über 38°C liegt, aber täglich ein bisschen schwankt. Es kommt zu einer Erniedrigung der Herzfrequenz und Bauchschmerzen. Bei ca. 30% aller Betroffenen treten kleine rote Flecken an der Bauchhaut auf, die auch als Roseolen bezeichnet werden. Häufig kommt es auch zu erbsbreiartigen Stuhlgängen und der Eintrübung des Bewusstseins. Auch die Typhus-Zunge lässt sich hin und wieder in diesem Stadium beobachten.
  • Im letzten Stadium, 3 Wochen nach Beginn der Erkrankung, klingen die Symptome langsam ab.

 

Typhuszunge

In der zweiten und dritten Woche der Typhus-Erkrankung kann es in seltenen Fällen zur sogenannten Typhuszunge kommen. Dabei bildet sich auf der Zunge mittig ein gräulich-weißer Belag. Dieser ist am Rand und der Spitze der Zunge von freien stark geröteten Rändern umgeben.

Ausschlag

Bei ca. 30% aller Menschen, die an Typhus erkranken, kommt es im Verlauf des 2. Stadiums, also der 2. und 3. Woche der Erkrankung, zu einem Ausschlag.
Dieser befindet sich auf der Brust- und Bauchhaut und ist meist um den Bauchnabel herum lokalisiert. Dabei entsteht das Bild von kleinen rötlichen Flecken.

Sie sind oft nur für einen kurzen Zeitraum sichtbar, allerdings sehr charakteristisch für die Erkrankung. Im medizinischen Fachbereich werden sie auch als Roseolen bezeichnet.

Fieber

Im Verlauf der Typhus-Erkrankung treten unterschiedliche Arten von Fieber auf. Zunächst kommt es in der ersten Woche zu einem langsamen Anstieg der Körpertemperatur, der in Stufen erfolgt. In der 2. und 3. Woche der Infektionserkrankung kommt es zum sogenannten Kontinua-Fieber.

Dabei liegt die Körpertemperatur konstant über 38°C. Im Laufe eines Tages schwankt sie jedoch leicht. Dieses Fieber ist sehr charakteristisch, da es nicht - wie sonst bei Fieber typisch - zu Schüttelfrost führt und auch nur sehr schlecht auf fiebersenkende Medikamente anspricht.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Hautausschlag nach Fieber

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der bakteriellen Infektionserkrankung Typhus erfolgt mit Hilfe von Antibiotika. Heutzutage ist das Antibiotikum Ciprofloxacin das meist gegebene Medikament zur Behandlung von Typhus.

Alternativ kann auch Ofloxacin gegeben werden, da es sich um ein ähnliches Medikament handelt. Die Einnahme des Antibiotikums erfolgt für 7-10 Tage.
Vor Beginn der Therapie sollte eine Bestimmung eventuell vorliegender Resistenzen der Salmonellen gegen Antibiotika durchgeführt werden. Liegt nämlich eine solche Resistenz vor, kann das gegebene Medikament eventuell nicht wirken, wodurch die Abheilung der Erkrankung verzögert wird. In diesem Fall stehen andere Antibiotika, wie beispielsweise Ceftriaxon, zur Verfügung.

Da die Salmonellen Bakterien sind, die innerhalb der Körperzellen leben, dauert es für gewöhnlich einige Tage, bis das Fieber unter der Therapie zurück geht.

Bei ca. 5% aller an Typhus erkrankten Menschen kommt es nach Abheilung der Symptome zu einer dauerhaften Ausscheidung der Erreger über den Stuhl. Dies ist sehr gefährlich, da sich dadurch andere Personen im Umfeld anstecken können. Bei solchen sogenannten Salmonellen-Dauerausscheidern werden Antibiotika über einen längeren Zeitraum verschrieben. Dadurch wird versucht, die noch vorhandenen hartnäckigeren Erreger aus dem Körper zu entfernen.

In der Regel wird in solchen Fällen Ciprofloxacin für 4 Wochen oder Ceftriaxon für 2 Wochen empfohlen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Antibiotika

Impfung

Gegen die Erkrankung an Typhus gibt es eine Impfung. Diese wird in Deutschland nicht generell empfohlen, jedoch bei Reisen in Risikogebiete nahegelegt. Hierzu gehören Südostasien, Zentralafrika, Westafrika und Südamerika. Vor einer längeren Reise in diese Gebiete wird empfohlen, eine Impfung durchführen zu lassen.

Es gibt zwei Arten von Impfstoffen gegen Typhus:

  • Der Totimpfstoff, der abgestorbene Erregerpartikel enthält, kann intramuskulär, also in den Muskel gespritzt werden. Diese Impfung kann ab dem 2. Lebensjahr verabreicht werden und eine einmalige Gabe bietet bis zu 3 Jahren Impfschutz. Der Impfstoff besitzt den Handelsnamen Typhim Vi® und ist in der Regel gut verträglich. Allerdings geht aus Studien hervor, dass der Totimpfstoff nur in ca. 60% aller Fälle wirkt.
  • Der Lebendimpfstoff trägt den Handelsnamen Typhoral-L® Er besteht aus einer Mischung aus ungefährlich lebenden und inaktivierten Salmonellen. Hier erfolgt die Einnahme als Tablette, also oral.
  • Außerdem gibt es ein Impfschema, das heißt in diesem Fall, dass insgesamt 3 Tabletten im Abstand von jeweils 2 Tagen eingenommen werden. Auch dieser Impfstoff kann ab dem 2. Lebensjahr gegeben werden, hat allerdings eine ähnliche Wirkungsstärke, wie der Totimpfstoff.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: 

Dauer und Prognose

Die Typhus-Erkrankung dauert in der Regel ca. 3 Wochen, das heißt, dass die Symptome 3. Wochen nach Beginn der ersten Symptome wieder abklingen.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten der Symptome, dauert in der Regel ca. 2 Wochen, kann allerdings auch in manchen Fällen bis zu 2 Monate dauern.

Nach Abklingen der Symptome ist die Prognose einer Typhus-Erkrankung in der Regel gut. Es können gelegentlich Komplikationen auftreten, zu denen beispielsweise Blutungen im Darm oder eine Entzündung der Hirnhäute, auch Meningitis, gehören.

Eine durchgemachte Infektion mit den Typhus-Erregern bietet keine lebenslange Immunität gegen die Erkrankung.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Meningitis

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf von Typhus kann in drei Stadien eingeteilt werden, in denen unterschiedliche Symptome auftreten.

  • Die erste Krankheitswoche mit leichtem Fieber und Verstopfung wird auch als Stadium incrementi, also den Anstieg, bezeichnet.
  • Im zweiten sogenannten Stadium fastigii, dem Gipfel der Erkrankung, kommt es zur maximalen Ausprägung der Symptome.
  • Nach diesem ca. 2 Wochen langen Stadium klingen die Symptome wieder ab. Dies wird auch als Stadium decrementi, also der Abnahme, bezeichnet.

Was können Spätfolgen von Typhus sein?

Bei ca. 5% aller an Typhus Erkrankten kommt es danach zu einer dauerhaften Ausscheidung der Erreger, was ein hohes Risiko für Personen in der Umgebung darstellt. Dies muss mit Antibiotika behandelt werden. Außerdem kann Typhus gelegentlich zu weiteren Komplikationen führen, die theoretisch jedes Organ betreffen können.

Häufiger ist dabei der Darm betroffen und es kann zu Blutungen oder einer Perforation kommen, bei der Löcher in der Darmwand entstehen. Andere Komplikationen können die Entzündung der Hirnhäute, auch Meningitis genannt, oder ein Versagen der Nieren sein.

Der Paratyphus ist ebenfalls eine Infektionserkrankung, die der Typhus-Erkrankung ähnelt. Sie wird jedoch durch eine andere Art von Salmonellen übertragen, die neben dem Menschen auch Tiere befallen können.

Paratyphus-Erkrankungen finden häufig in Indien, dem Balkangebiet und Pakistan statt. Im Gegensatz zu Typhus kommt es bei Paratyphus häufiger zu Durchfällen. Ansonsten ähneln sich die Symptome, Diagnose und Therapie der Typhus-Erkrankungen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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