Wie ist die Lebenserwartung bei einer Leberzirrhose?

Einleitung

Die Leberzirrhose ist eine lebensbedrohliche bleibende Erkrankung der Leber, die durch verschiedene chronische Grunderkrankungen ausgelöst werden kann. Die wichtigsten Ursachen der Leberzirrhose sind die alkoholische oder nicht-alkoholische Fettleber, sowie Leberentzündungen wie die viral bedingten Hepatitiserkrankungen. Das Lebergewebe bildet sich als Folge chronischer Entzündungsprozesse in zirrhotisches Bindegewebe um, wodurch ein langsam fortschreitender Funktionsverlust des Organs eintritt. Die Lebenserwartung hängt dabei von vielen Faktoren, Lebensumständen und auch Zufällen ab. Prinzipiell kann die Lebererkrankung in sehr frühen Stadien mit nahezu keiner Einschränkung der Lebenserwartung einhergehen, während eine fortgeschrittene Leberinsuffizienz täglich tödlich enden kann.

Wie ist die Lebenserwartung bei einer Leberzirrhose?

Die allgemeine Lebenserwartung ist bei der Leberzirrhose sehr variabel und kann von keiner Einschränkung gegenüber der Normalbevölkerung bis zur täglich lebensbedrohlichen Erkrankung reichen. Abhängig ist die Lebenserwartung von der restlichen Funktion der Leber und der Kompensation der geschädigten Organbereiche. Die Lebenserwartung kann anhand der sogenannten „Child-Pugh-Klassifikation“ abgeschätzt werden. Diese berechnet sich aus verschiedenen Parametern, welche die Synthese- und Produktionsfunktionen aber auch die Filtrationsfunktionen giftiger Stoffe umfassen. Von einer Einschränkung der Lebenserwartung ist erst bei erheblicher Erniedrigung der Albuminspiegel und Gerinnungswerte, sowie einer Erhöhung giftiger Produkte wie dem Bilirubin oder Ammoniak auszugehen. Im sogenannten „Endstadium“, dem Stadium „Child C“ der Erkrankung, liegt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35% pro Jahr vor. Es handelt sich in diesem Stadium um ein bedrohliches Krankheitsbild, das jederzeit dekompensieren und Komplikationen hervorrufen kann.

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Das beeinflusst die Lebenserwartung bei einer Leberzirrhose positiv

Die Leberzirrhose ist eine sehr variable Erkrankung, da sie in sehr unterschiedlichen Ausprägungen und mit verschiedenen Folgeerkrankungen und Komplikationen einhergehen kann. Eine beginnende Leberzirrhose führt im Regelfall zu keinen körperlichen Einschränkungen, da die gesunden Anteile der Leber die Filter- und Produktionsfunktionen der zirrhotischen Leber ausreichend kompensieren können. Die Ausprägung der Leberzirrhose kann anhand einer Klassifikation abgeschätzt werden, die verschiedene Körperfunktionen, die von der Leberfunktion abhängig sind, beinhaltet. Im frühen Stadium der Erkrankung ist die durchschnittliche Lebenserwartung nicht eingeschränkt. Dies hängt weiterhin jedoch von diversen Faktoren ab. Neben dem Stadium ist die ursächliche Grunderkrankung von enormer Bedeutung für das Fortschreiten der Leberzirrhose. Nur mit einer Behandlung und Beseitigung der Ursache kann ein Fortschreiten der Leberzirrhose aufgehalten werden. Ein Verzicht von Alkohol stellt dabei in der Therapie einen wichtigen Faktor dar. Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose ist die Lebenserwartung vor allem vom Auftreten der gefährlichen Komplikationen abhängig. Eine gute Gerinnungsfunktion des Blutes, ein geringer Druck der Blutgefäße der Leber, eine ausreichende Produktion lebenswichtiger Proteine, sowie eine verbleibende Filterfunktion der Leber sind wichtige Faktoren zur Vermeidung leberbedingter Komplikationen.

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Das beeinflusst die Lebenserwartung bei einer Leberzirrhose negativ

Die Lebenserwartung der Leberzirrhose hängt maßgeblich von der restlichen Leberfunktion und den daraus resultierenden Komplikationen und Folgeerkrankungen ab. Eine beginnende Leberzirrhose kann körperlich zwar gut durch die gesunden Leberanteile kompensiert werden, schreitet jedoch schnell voran wenn die zugrundeliegende Erkrankung die Leber weiter angreift. Ungünstige Faktoren für die Gesundheit des Lebergewebes sind ein starker Alkoholkonsum, eine fettreiche Ernährung und ungesunde Lebensweise, sowie eine aktive Leberentzündung verschiedener Ursachen. Schwere Komplikationen, die zu einem starken Gesundheitsverlust führen, entstehen etwa durch eine Blutung, durch große Mengen Bauchwasser oder einen Gehirnschaden durch ungefilterte gifte Stoffe im Blut. Ein im Laborwert erniedrigter „Quick-Wert“ stellt ein Risiko für schwere Blutungen dar, die bei der Leberzirrhose durch hohen Druck in den Blutgefäßen begünstigt auftreten können. Weitere prognostisch ungünstige Faktoren sind große Mengen Bauchwasser, erniedrigte Albumin- und erhöhte Bilirubinspiegel im Blut, sowie Einschränkungen durch eine Hirnschädigung. Äußerlich erkennbare Auswirkungen einer Leberzirrhose können eine Gelbfärbung der Haut und Augen oder eine Erweiterung der oberflächlichen Venen am Rumpf sein.

Wie ist die Lebenserwartung bei einer dekompensierten Leberzirrhose?

Selbst eine fortgeschrittene Leberzirrhose kann häufig symptomfrei verlaufen, da die gesunden Anteile der Leber die fehlenden Funktionen ausreichend kompensieren können. Erst wenn ein Großteil des Lebergewebes durch die Leberzirrhose zerstört ist, kommt es zu sogenannten „Dekompensationen“, die sich als Veränderung der Laborwerte, durch schwere Blutungen, durch Ansammlungen von Bauchwasser, durch das Auftreten von Infektionen oder durch akute Komplikationen der Niere, des Gehirns und der Lunge bemerkbar machen können. Mit der Schwere der Leberzirrhose und dem fortschreitenden Verlust der Leberfunktion werden die Dekompensationen und Komplikationen schwerer. Auch tödliche Folgen der Leberzirrhose entstehen in den meisten Fällen aufgrund akuter Dekompensationen. Häufige Todesursachen stellen dabei Infektionen oder Blutungen dar. Die Lebenserwartung sinkt mit dem Auftreten schwerer Dekompensationen stark ab, wobei sich akute Komplikationen und das Überleben nur schwer vorhersagen und abschätzen lassen. Im Stadium „Child C“ der Leberzirrhose ist im Allgemeinen von mehreren Dekompensationen jährlich auszugehen, weshalb die durchschnittliche gesamte Überlebenswahrscheinlichkeit für ein Jahr in diesem Stadium etwa 35% beträgt. Innerhalb dieses Stadiums können jedoch auch deutlich stabilere oder komplikationsreichere Krankheitsbilder vorliegen.

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Wasser im Bauch

Wasser im Bauch, auch „Aszites“ genannt, stellt ein typisches Symptom einer fortgeschrittenen Leberzirrhose dar. Dahinter steckt eine Erniedrigung der Albuminspiegel im Blut, die ein wichtiges Kriterium der Leberzirrhose ist. Albumin ist ein von der Leber produziertes Protein, welches in den Blutgefäßen für eine Bindung des Wassers sorgt. Bei einer Erniedrigung kann das Wasser an mehreren Stellen des Körpers aus dem Blutgefäß in das umliegende Gewebe oder die Bauchhöhle übertreten. Das Bauchwasser kann therapeutisch abgesaugt werden, jedoch kann es dadurch zu lebensgefährlichen Schwankungen des Elektrolythaushaltes kommen. Ein Aszites spricht für ein fortgeschrittenes Stadium der Leberzirrhose, in dem die Lebenserwartung bereits reduziert ist.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 15.08.2019 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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