Borreliose

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Synonyme

Lyme-Borreliose, Borreloiose, Lyme-Krankheit, Lyme-Arthritis, Erythema chronicum migrans
Englisch: borreliosis

Definition

Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, deren Übertragung durch den Stich einer Schildzecke erfolgt. Die Folgen der Infektion reichen von einfachen Hauterscheinungen über neurologische Symptome bis zur sogenannten Lyme-Arthritis. Die Borreliose war 1975 in der Kleinstadt Lyme im US-Bundesstaat Conneticut erstmals beobachtet und als Lyme-Arthritis (Lyme-Gelenkentzündung) beschrieben worden.

Im Unterschied zur auch durch Zecken übertragenen FSME (Früh-Sommer-Meningo-Enzephalopathie), einer viralen Erkrankung, kann man sich gegen die Borreliose nicht impfen! Sie ist jedoch mit Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) gut behandelbar.

Epidemiologie

Borreliose-Erkrankungsfälle sind nur in den neuen Bundesländern meldepflichtig, die Inzidenz (das bedeutet die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr) lässt sich somit nur ungefähr auf 30.000 - 50.000 Fälle pro Jahr schätzen. Die Borreliose ist damit wesentlich häufiger als die FSME. Nach einem Zeckenstich ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 1,5 bis 6% der Betroffenen mit einer Borrelien-Infektion zu rechnen, die aber nicht immer zu Beschwerden führt. Siehe auch Zeckenbiss


Erreger/ Übertragungsweg

Borreliose: Übertragung durch Zecken

Der Erreger der Erkrankung Borreliose, das Bakterium Borrelia burgdorferi, gehört zur Familie der Spirochäten und besitzt die Fähigkeit im Darm der Zecke zu überleben. Durch den Zeckenstich gelangt es in die Blutbahn des Menschen. Borrelien können extrazellulär (außerhalb der Körperzellen) geschützt zwischen Bindegewebsfasern liegen oder auch intrazellulär in Phagozyten (resszellen/Abwehrzellen) überleben, so dass sie über lange Zeit hinweg im Wirt (Borrelienträger) vom Immunsystem „unentdeckt“ persistieren können. Außerdem besitzen die Borreliose Bakterien die Fähigkeit sich zu „tarnen“. Hat die körpereigene Abwehr die Bakterien einmal als Fremdkörper ausgemacht und begonnen sich zu wehren, ändern die Borrelien ihre Oberfläche, so dass sie von den Antikörpern (körpereigene Abwehrstoffe; Siehe Immunsystem) nicht mehr erkannt werden.

Diagnose

Die Diagnose einer Infektion mit Borrelia burgdorferi wird durch den Antikörpernachweis im Blut des Patienten und die Untersuchungsbefunde gestellt.

Insgesamt ist es schwierig die Diagnose einer Lyme-Borreliose zu stellen. Wie schon vorher erwähnt können Monate bis Jahre zwischen den einzelnen Stadien vergehen, was es schwierig macht alle Symptome im Zusammenhang zu sehen. Man braucht sich bloß zu überlegen, wann man das letzte Mal das Gefühl hatte eine Sommergrippe zu haben, und ob man daran denken würde, wenn man mit Gelenkschmerzen zum Arzt geht. Die meisten Symptome der Borreliose sind sehr unspezifisch und können auch von einer Reihe anderer Erkrankungen ausgelöst werden. Erschwerend kommt hinzu, dass es eine große Anzahl an „untypischen Verläufen“ gibt, bei denen es nur zur Ausprägung weniger oder sogar nur eines der genannten Symptome kommt.

Der Antikörpernachweis kann zwar in jedem Stadium der Borreliose angewandt werden, er hat dann allerdings unterschiedliche Erfolgsquoten. Gerade im Anfangsstadium der Borreliose kann nur bei 10%-40% der Fälle eine Antikörperbildung nachgewiesen werden. Im späten Stadium sind die Antikörper praktisch immer nachweisbar, obwohl auch hier vereinzelt Fälle auftreten, in denen die Untersuchung des Blutes „stumm“ bleibt.

Auch wenn die Antikörper im Blut nachgewiesen sind, ist dieses Ergebnis nur eingeschränkt von Nutzen, da es sich auch um eine „alte, ausgeheilte“ Infektion handeln kann.

Man kann grundsätzlich zwei Typen von Antikörpern nachweisen: Antikörper vom IgM-Typ zeigen die frühe Infektion (meist Stadium I der Borreliose oder aber symptomlos) während Antikörper vom IgG-Typ die späte Infektion (Stadium II + III) oder eine länger zurückliegende Infektion, welche komplett ausgeheilt sein kann, anzeigen. Bei den Antikörpernachweisen gibt es die einfacheren Suchtests, wie z.B. der sog. ELISA-Test und die komplizierteren Bestätigungstests wie der Immuno-Blot oder Western-Blot-Test, welche einem die Sicherheit geben, dass der Test nicht falsch-positiv war. Das heißt, um eine aktuelle oder aber durchgemachte Borrelieninfektion festzustellen, sollte man bei einem positiven Suchtest einen Bestätigungstest veranlassen, damit man wirklich sicher sein kann, dass tatsächlich Anti-Borrelienantikörper nachgewiesen worden sind.

Die Höhe des Antikörpernachweises (Titer) ist für die Diagnose von nur geringem Wert.

Therapie der Borreliose

Ist die Borreliose diagnostiziert muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Die medikamentöse Therapie schlägt bei dieser Erkrankung meist gut an. Probleme ergeben sich aus der notwendigen, individuell sehr unterschiedlichen Dosierung und der Therapiedauer, die es erforderlich macht über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen das jeweilige Antibiotikum einzunehmen. Die Borreliose wird je nach Stadium der Erkrankung unterschiedlich behandelt, man bezeichnet dies als „stadiengerechte“ Behandlung.

Im Frühstadium der Borreliose werden meist die Antibiotika Doxicyclin und Amoxicilin eingesetzt, sie sind jedoch nur zwei Beispiele für eine Vielzahl von Präparaten, die angewendet werden können, um jeweils eine optimale Therapie für den Patienten zu erreichen. So sind Ausschlussgründe für bestimmte Wirkstoffe zu beachten, wie z.B. das Vorliegen einer Niereninsuffizienz oder das Alter des Patienten, um nur zwei zu nennen.

Im späteren Stadium der Borreliose wird meist Ceftriaxon verschrieben, ein Cephalosporin-Antibiotikum.

Prophylaxe

Eine Impfung, wie es sie gegen die FSME-Erkrankung gibt, steht für die Borreliose in Europa nicht zur Verfügung, in diesem Bereich wird jedoch intensiv geforscht und erste Ergebnisse dieser Arbeiten in den USA getestet. Trotzdem ist für die nächste Zeit noch nicht damit zu rechnen, dass ein Impfstoff auf den deutschen Markt kommt.

Prophylaxe

Der beste Schutz besteht deshalb nach wie vor in der sogenannten Expositionsprophylaxe.
Hierunter versteht man die Vermeidung von Zeckenbissen, durch Meidung von Zeckenreichen Gebieten, bzw. die Verwendung von insektenabweisenden Cremes, Sprays etc.

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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 08.02.2012