Synonyme im weitestem Sinne

„Hüftschnupfen“, Coxitis serosa, transitorische Synovialitis der Hüfte

Definition

Der „Hüftschnupfen“ stellt eine Art Entzündung des Hüftgelenks dar. Genauer gesagt handelt es sich um einen vorrübergehenden abakteriellen Reizzustand des Hüftgelenks von Kindern.

Zusammenfassung

Der „Hüftschnupfen“ ist eine Entzündung des Hüftgelenks bei Kindern unter 10 Jahren. Meist geht ein banaler Infekt voraus. Genaue Ursachen sind ungeklärt. Die betroffenen Kinder fallen vor allem durch ein Schonungshinken auf. Bei Kindern zwischen 3 - 8 Jahren ist die Coxitis fugax die häufigste Ursache für Hüftschmerzen. In seltenen Fällen sind beide Hüftgelenke betroffen. Es besteht jedoch keine Tendenz zu einer bestimmten Körperseite. Mit Hilfe des Ultraschalls kann der sich gebildete Gelenkerguss nachgewiesen werden. Röntgenbilder hingegen haben sich als weniger aussagekräftig erwiesen. Die Therapie besteht in Abwarten, da der „Hüftschnupfen“ sich von selbst wieder erholt und in der Regel ein unbeeinträchtigtes Hüftgelenk zurücklässt. Schmerzmedikamente und entzündungshemmende Mittel können zusätzlich verschrieben werden. Auf jeden Fall muss das betroffene Hüftgelenk entlastet werden.


Abbildung Hüfte

1. Wirbelsäule
2.
 Beckenschaufel (Os ilium)
3. Hüftgelenk
4. 
Hüftkopf
5. 
Schenkelhals
6. 
Symphyse
7. 
kleiner Rollhügel (Trochanter minor)
8. 
großer Rollhügel (Trochanter major)

Vorkommen

In der Regel sind die betroffenen Kinder unter 10 Jahren alt. Jungen sind dabei viermal so häufig betroffen wie Mädchen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 3 und 8 Jahren, wobei sowohl jüngere, als auch ältere Kinder erkranken können.
Beide Gelenke sind gleich oft betroffen. Es besteht also keine Tendenz zu einer Körperseite. Selten sind auch beide Hüftgelenke gleichzeitig betroffen (weniger als jedes zwanzigste Kind). Ein gehäuftes Auftreten ist in den Früh- und Spätjahresmonaten zu beobachten. Im Sommer tritt der „Hüftschnupfen“ dagegen eher selten auf.
Eine familiäre Häufung, also eventuell eine genetische Komponente konnte bis heute nicht bestätigt werden. Auch von angeborenen oder erworbenen Hüftgelenksschäden scheint die Coxitis fugax unabhängig aufzutreten.

Ursachen

Die Entstehung der Coxitis fugax ist unklar. Es wurde jedoch beobachtet, dass dem „Hüftschnupfen“ ein banaler, viraler Infekt meist der oberen Atemwege oder des Magen-Darm-Traktes vorausgeht. Häufig liegt dieser Infekt etwa zwei Wochen zurück. Daraufhin bildet sich ein Gelenkerguss. Gelegentlich sind Übergänge von der Coxitis fugax zum Morbus Perthes beschrieben. Der „Hüftschnupfen“ ist also keine eigenständige Erkrankung, sondern immer Folge eines Infektes.

Symptome

Die Beschwerden der Kinder bei der Coxitis fugax treten plötzlich auf. Die Kinder geben die Schmerzen meist in der Leistengegend an.

Die Kinder fallen vor allem durch Hinken auf. Es kommt schmerzbedingt zu einer Entlastung der betroffenen Seite. Das so entstehende Hinken bezeichnet man als Schonungshinken. Gelegentlich strahlen die Schmerzen einer Coxitis fugax auch in das nahe gelegene Kniegelenk aus. Diese Tatsache ist typisch für einen „Hüftschnupfen“ und sollte die Eltern stets zum Arzt führen. Das Allgemeinbefinden der Kinder ist ansonsten meist unbeeinträchtigt und haben kein Fieber.

Diagnose

Zur Diagnosestellung einer Coxitis fugax dient vor allem der Ultraschall. Dieser ist bei Kindern eine dankbare Untersuchungsmethode, da er weder invasiv noch schmerzhaft ist und schnell durchzuführen ist. Der Schallkopf kann direkt auf das Hüftgelenk aufgesetzt werden. Ein erweiterter und mit Flüssigkeit gefüllter Gelenkspalt lässt sich im Ultraschall sehr gut erkennen. Das Röntgenbild hingegen, welches immer mit einer Strahlenbelastung verbunden ist und daher bei Kindern möglichst versucht wird zu vermeiden, zeigt in der Regel keine Auffälligkeiten. Eine Blutentnahme kann bei einer Coxitis fugax erfolgen, zeigt üblicherweise aber keine Veränderungen der Entzündungsparameter.

Therapie

Der „Hüftschnupfen“ kann - sofern alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen wurden - abwartend behandelt werden.
Nach wenigen Tagen bis Wochen klingt die  Coxitis fugax spontan ab. Währenddessen sollte das Gelenk jedoch geschont und entlastet werden. Dies kann beispielsweise mit Gehhilfen (Krücken) geschehen. Eine generelle Bettruhe von 2 bis 4 Tagen wäre die effektivste Methode. So kann der „Hüftschnupfen“ folgenlos abheilen.
Eine weitere Methode stellt die Extension des Beines dar. Das Bein wird also in der Hüfte gestreckt und ein leichter Zug auf das Hüftgelenk ausgeübt, so dass die Hüfte entlastet wird.
Wichtig ist jedoch eine eventuelle bakterielle Entzündung nicht zu übersehen, da diese das Gelenk schädigen kann. Bei starken Schmerzen können durchaus Schmerzmittel, welche allerdings unbedingt vom Arzt auf Kinder abgestimmt sein müssen, gegeben werden.
Ein Zurückgreifen der Eltern auf bereits im Haushalt vorhandene Schmerzmittel (meist für Erwachsene) kann bei Kindern zu Schäden führen. Sprechen Sie deshalb unbedingt mit ihrem Arzt. Auch antientzündliche Medikamente (NSAR) können bei Bedarf eingesetzt werden.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.12.2011