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Antibiotika nach einer Wurzelbehandlung

Definition

Bei einem Antibiotikum handelt es sich um einen Arzneistoff, welcher den Körper bei einem akuten Infekt unterstützt, die vorhandenen Bakterien abzutöten. Jedes Antibiotikum hat einen anderen Wirkmechanismus und wird daher ganz speziell für bestimmte Erkrankungen angewendet.

Im zahnmedizinischen Bereich, z.B. bei Entzündungen im Kiefer, hat sich vor allem das Antibiotikum Amoxicillin  durchgesetzt. Dies wird auch nach einer Wurzelbehandlung verschrieben, wenn die Entzündung sehr stark ist und mit Eiter einhergeht.

Wer braucht nach einer Wurzelbehandlung ein Antibiotikum?

Nach einer Wurzelbehandlung sind Antibiotika nur selten indiziert. Bei einer sehr starken Entzündung ist häufig Eiter mit im Spiel. Dieser fließt bei der Eröffnung des Zahnes aus diesem heraus und zeigt an, dass sich viele Bakterien in der Entzündungshöhle befinden. Häufig geht diese Erkrankung schon im Voraus mit starken Schmerzen sowie einer Heiß-kalt-Empfindlichkeit einher. Gegen die hohe Bakterienzahl kann der Körper in manchen Fällen nicht selbst ankommen.

Hier hilft das Antibiotikum, indem es die Anzahl verringert und so die Entzündung ausheilt. Jedoch ist nach einer Wurzelbehandlung in der Regel kein Antibiotikum notwendig. Falls eine Ausbreitungstendenz besteht, sollte man sicherheitshalber eines verschrieben bekommen. 

Wurzelbehandlungen werden jedoch ab und an auch durchgeführt, wenn keine akute Entzündung besteht. Beispielsweise dann, wenn beim Bohren durch den Zahnarzt der Nerv verletzt wird, weil die Karies schon zu sehr in die Tiefe vorgedrungen war. Hier bestehen im Vorfeld keine akuten Beschwerden, nur manchmal ein dumpfes Ziehen oder Stechen beim Essen. Dann sind in der Regel auch keine Antibiotika nötig.

Welche Antibiotika gibt es?

Beim Zahnarzt ist das Antibiotikum Amoxicillin  das Medikament der ersten Wahl. Es wird in Form von Tabletten verabreicht, kann jedoch bei einem Krankenhausaufenthalt auch über Infusionen zugeführt werden. Eine Hemmung des Zellwandaufbaus der Bakterien führt bei diesem Medikament zu einer Verringerung der Bakterienzahl. Um eine Wirkungsverstärkung herbeizuführen, wird dieser Stoff mit Clavulansäure kombiniert. Diese Erhöht den Amoxicillinspiegel, indem es das Amoxicillin vor einem Abbau schützt. Dadurch wird eine höhere und längere Wirkung erreicht und somit eine schnelle Ausheilung der Erkrankung. Dieses Antibiotikum gehört zu den Penicillinen und darf bei Patienten bei einer Penicillinallergie nicht angewendet werden.

Dann kommt das Antibiotikum Clindamycin zum Einsatz. Clindamycin hat sich in der Zahnmedizin als gute Alternative durchgesetzt. Es gehört zu den Lincosamid-Antibiotika und schneidet den Bakterien die Nährstoffversorgung ab. Die Nebenwirkungen sind jedoch häufig heftiger als bei den Penicillinen, vor allem eine Dickdarmentzündung tritt häufiger auf als bei der Einnahme anderer Antibiotika.

Welche Antibiotika nimmt man in der Schwangerschaft oder Stillzeit ein?

Wie auch bei allen anderen Erkrankungen, die eine Antibiotikaeinnahme erfordern, muss während der Schwangerschaft genau geprüft werden, welches Medikament in Frage kommt. In der Zahnmedizin haben sich bei werdenden Müttern vor allem die Penicilline durch gesetzt, da sie während der gesamten Schwangerschaft eingesetzt werden können. Auf den Wirkverstärker Clavulansäure sollte jedoch verzichtet werden, da seine Unbedenklichkeit nicht bestätigt ist. Besteht eine Allergie gegen Penicilline, dann kann ein Medikament mit dem Wirkstoff Erythromycin  zum Einsatz kommen. Mit einer bakteriellen Infektion sollte nicht leichtfertig umgegangen werden. Einer Empfehlung des Arztes sollte unbedingt Folge geleistet werden, da es gefährlicher werden kann, die Erkrankung fortschreiten zu lassen, als ein Antibiotikum einzunehmen. Denn im Zweifel geht das Leben der Mutter vor, da nur eine gesunde Frau auch ein gesundes Kind zur Welt bringen kann. Vom Stillen unter der Einnahme eines Antibiotikums wird in den meisten Fällen abgeraten, um das Kind nicht zu schädigen. In dieser Zeit sollte eine Ernährung mit speziellen Milchprodukten von Hipp, Aptamil oder anderen Herstellen erfolgen. Eine Therapie darf nur unter strenger Aufsicht des behandelnden Arztes erfolgen, damit keine bleibende Schädigung von Mutter oder Kind stattfindet.

Was tun, wenn das Antibiotikum nicht hilft?

Die Dauer, bis ein Antibiotikum vollständig wirkt, beträgt bei kontinuierlicher Einnahme des Antibiotikums bis zu 2 Tage. Nach etwa einem Tag sollte eine leichte Verbesserung der Schmerzen und der weiteren Beschwerden eintreten. Werden die Schmerzen jedoch nicht besser oder verstärkt sich die Schwellung noch, muss unbedingt der Zahnarzt aufgesucht werden. In diesem Fall kann der Körper die Entzündung nicht alleine bekämpfen und ist auf Hilfe von außen angewiesen. Der sich bildende Eiter muss über einen Schnitt herausgelassen werden und der verursachende Zahn unter Umständen gezogen werden. In manchen Fällen ist es auch sinnvoll, ein anderes Antibiotikum einzunehmen, falls z.B. gegen das erste Antibiotikum Resistenzen entwickelt wurden.

Erfahren Sie mehr zu: Antibiotika-Resistenzen

Wann darf ich wieder Sport machen, wenn ich Antibiotika einnehmen muss?

Antibiotika werden verschrieben, wenn der Körper allein nicht mehr mit der Bekämpfung eines Infektes zurechtkommt. Dies bedeutet, dass der Körper dann schon sehr angeschlagen ist und noch einige Zeit benötigt, um die Entzündung in den Griff zu bekommen - so auch bei der Wurzelbehandlung, welche zumeist aufgrund einer entzündeten Zahnwurzel notwendig wird. Sport ist für den Heilungsprozess kontraproduktiv und sollte wenigstens für die Dauer der Einnahme vermieden werden. Genauere Verhaltensweisen sollten jedoch beim Arzt erfragt werden, damit sich der Infekt nicht weiter ausbreiten kann

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Antibiotika einnehmen muss?

Grundsätzlich wird vom Alkoholgenuss bei Antibiotikaeinnahme abgeraten. Das Problem ist auch hier wieder die generelle Schwächung des Körpers, die bei einem solchen Infekt vorhanden ist. Durch Alkoholverzehr wird der Körper zusätzlich geschwächt, da es Anstrengung benötigt, um den Alkohol zu verarbeiten und auszuschleusen. Ruhe und Erholung stehen daher an oberster Stelle und sollten noch einige Zeit nach der Einnahme eingehalten werden. Weiterhin kann es zu Wechselwirkungen zwischen Medikament und Alkohol kommen, welche die Wirkung des Medikamentes verstärkt oder abschwächt.

Wann darf ich wieder rauchen?

Rauchen ist nach einer Wurzelbehandlung möglich und muss auch bei Antibiotika-Einnahme nicht eingestellt werden. Anders sieht dies bei Eingriffen aus, welche eine Wunde am Zahnfleisch hinterlassen oder sogar genäht werden muss, wie es beispielsweise bei einer Wurzelspitzenresektion notwendig ist. Hierbei sollte man solange nicht rauchen, bis sich die Wunde wieder verschlossen hat, da es sonst zu Wundheilungsstörungen aufgrund verminderter Durchblutung kommen kann.

Generell gilt jedoch: Rauchen schadet der Gesundheit vielmals und sollte unterlassen werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.01.2019
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