Allergie durch Amoxicillin

Einleitung

Viele Antibiotika und besonders ihre Inhaltsstoffe können allergische Reaktionen auslösen. Einer der häufigsten Allergien besteht gegen das Antibiotikum Penicillin und seine Wirkstoffe wie Amoxicillin.
Amoxicillin gehört zu den ß- Lactam- Antibiotika und ist zudem ein Breitbandantibiotikum, welches oral und parenteral verabreicht werden kann. Aus der Penicillin- Gruppe können daher auch ähnliche Stoffe wie Propicillin, Oxacillin und weitere mehr eine Allergie hervorrufen.

Allgemeine Informationen zu diesem Antibiotikum finden Sie unter: Amoxicillin


Symptome der Allergie

Die allergische Reaktion kann sich unmittelbar nach der Einnahme des Medikaments zeigen oder tritt bis zu mehreren Tagen erst später auf. Man unterscheidet demnach eine Amoxicillin Allergie vom Soforttyp oder vom Spättyp.
Zu den sofortigen Reaktionen der Amoxicillin-Allergie zählen neben einem typischen Hautausschlag, Ekzeme, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Fieber, Unwohlsein, geschwollene Lymphknoten oder sogar ein anaphylaktischer Schock. Auch Verwirrtheitszustände können als Überempfindlichkeitsreaktion möglich sein.
Bei einer bestehenden Allergie gegen den Wirkstoff Amoxicillin treten spätere Reaktionen weitaus häufiger auf. Sie machen sich oftmals erst zwischen dem 5. und 14. Tag nach der Verabreichung des Medikaments bemerkbar. Wie schwer die Reaktion auf den Wirkstoff ausfällt, hängt oftmals von der Dosis des Medikaments aber auch von der Art der Verabreichung aus. Weitaus heftiger fallen Antibiotikagaben als Spritze oder intravenös aus als oral verabreichende Medikamente. Ein anaphylaktischer Schock tritt zudem eher bei einer intravenösen Gabe von Antibiotikum auf und zeigt sich meistens unmittelbar nach der Verabreichung. Der Schock tritt selten erst Tage später auf.

Hautausschlag durch Amoxicillin

Der Hautausschlag kann im Rahmen einer allergischen Reaktion gegen Amoxicillin sofort oder auch erst nach einigen Tagen nach der Verabreichung des allergieauslösenden Medikaments auftreten. Die Ausprägung des Hautausschlages können auf unterschiedliche Weise vorkommen.
Es können großflächig verteilte kleinere Rötungen der Haut auftreten oder auch Ekzeme.
Weiterhin kann der Hautausschlag auch in Form von Quaddeln vorkommen. Quaddeln sind unterschiedlich große Erhebungen der Haut, die meistens mit einer Rötung und Juckreiz zusammen erscheinen. Der Ausschlag kann sich bei einer intravenösen Verabreichung des Medikaments von der Braunüle aus verteilen, sodass er recht frühzeitig erkennt werden kann und die Einnahme des Medikaments auch frühzeitig beendet werden kann.
Neben den Quaddeln könne auch die unangenehmeren Pusteln auftreten. Dies sind oftmals pickelähnliche kleine Bläschen. Als einer stärkere Variante können sie mit etwas Gewebsflüssigkeit gefüllt sein und sich auch stärker entzünden. Zudem können sie zusätzlich einen unangenehmen Juckreiz auslösen. Wie heftig der Hautausschlag auftritt, hängt meistens von der verabreichten Dosis des unverträglichen Arzneimittels (Amoxicillin) ab und auch von dem Patienten selbst.

Lesen Sie viele weitere Informationen zu diesem Thema unter: Hautausschlag durch Amoxicillin

Diagnose

In einer ausführlichen Anamnese kann zunächst erarbeitet werden ob schon mal Symptome nach einer Einnahme eines bestimmten Medikaments (wie z.B. gegen den Wirkstoff Amoxicillin) auftraten und wie sich diese äußerten. Anschließend kann ein Hauttest durchgeführt werden.
Ähnlich wie bei einer Abklärung einer Allergie gegen Haustiere oder Nahrungsmittel, wird auch der Prick- Test zur Abklärung einer Medikamentenunverträglichkeit eingesetzt. Er ist besonders bei allergischen Reaktionen vom Sofort-Typ hilfreich um den Allergie auslösenden Wirkstoff zu ermitteln. Die verschiedenen möglichen Verursacher werden dabei auf dem Unterarm aufgetragen. Die Haut wird leicht angeritzt, damit die Substanz schneller in Kontakt mit dem Gewebe kommt und sich sofort ein Symptom zeigt, wenn eine Allergie besteht.
Weiterhin kann zur Abklärung auch ein Intrakutan Test angewandt werden, der ähnlich wie der Prick- Test abläuft, die Medikamenten werden allerdings in die subkutane Hautschicht injiziert.
Bleiben diese Tests ohne Erfolg und kann keine Substanz sicher als die Verantwortliche für die Allergie ermittelt werden, bleibt die noch die Möglichkeit einen Provokationstest durchzuführen. Bei diesem Test werden kleinere Mengen des möglichen Allergie auslösenden Medikaments (in diesem Fall : Amoxicillin) verabreicht. So kann beobachtet werden auf welchen Wirkstoff der Patient eindeutig reagiert. Dieser Test sollte aber nur unter strenger Beobachtung vorgenommen werden und wenn keine schwerwiegenden Reaktionen zu erwarten sind, da ein anaphylaktischer Schock eine lebensbedrohliche Situation darstellt.
Weiterhin können auch verschiedene Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Bei einer allergischen Reaktion bildet der Körper Antikörper vom IgE- Typ, die typisch für eine sofortige Reaktion sind. Sind sie im Blut erhöht, kann diese ein zusätzlicher Hinweis sein. Darüber hinaus können auch Tryptasen im Blut vermehrt vorkommen. Sie gehören zu den Mastzellen- aktivierenden Mediatoren und sind demnach bei einer akuten oder bereits durchgemachten allergischen Reaktion im Blut erhöht.

Dauer der allergischen Reaktion

Die Dauer der allergischen Reaktion gegen den Wirkstoff Amoxicillin ist abhängig von ihrer Ausprägung, von dem Patienten selbst und wie rasch das verursachenden Medikament aus dem Körper entfernt bzw. ihm nicht mehr zugeführt wird. Kleinere Hautausschläge, die zudem frühzeitig bemerkt wurden, verschwinden oftmals noch am selben Tag. Andere Symptome, wie Quaddeln, Pusteln, Ekzeme, Magen- Darm- Beschwerden und Unwohlsein können auch mehrere Tage anhalten. Ihre Besserung kann dann gezielt durch eine Behandlung herbeigeführt werden. Im schlimmsten Fall tritt ein anaphylaktischer Schock auf, der auch eine lebensbedrohliche Notsituation darstellen kann. Der Schock kann länger bis zu Tagen anhalten und in manchen Fällen wird auch eine mehrtägige intensivmedizinische Behandlung notwendig.

Penicillin

Die Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline gehören zu denen, die am häufigsten in der Behandlung vieler Krankheiten eingesetzt werden. Demnach spielen sie auch eine große Rolle bei der Entwicklung einer Allergie. Da es viele verschiedene Penicilline gibt, wie natürliches Penicillin G und V, Aminopenicilline oder Penicillinasefeste Penicilline, fallen auch die allergischen Reaktionen auf den Wirkstoff unterschiedlich aus. Die natürlichen Penicilline lösen meistens eine Reaktion vom Sofort-Typ aus. Diese äußert sich als urtikariellen Hautausschlag mit Quaddelbildung, Ekzeme, Angioödeme oder sogar bis hin zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock mit Atem- und Kreislaufproblemen. Hier ist eine schnelle Behandlung dringend erforderlich. Die Aminopenicilline dagegen lösen einer Reaktion oftmals erst nach einigen Tagen nach der Behandlung mit dem Medikament aus. Die spät einsetzende Allergie zeigt sich häufig in Form eines Exanthems. Da die unterschiedlichen Penicilline in ihrem chemischen Aufbau sehr ähnlich sind, ist es möglich bei einer durchgemachten Allergie auch auf ein anderes Antibiotikum aus dieser Gruppe ähnlich zu reagieren. Daher sollten weitgehend auf diese Gruppe verzichtet werden und andere Antibiotikapräparate für eine Behandlung verwendet werden.

Lesen Sie mehr zum Thema : Penicillin und Hautausschlag nach Penicillin.

Behandlung

Die Therapie einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Amoxicillin sieht zunächst eine möglichst schnelle Ausschaltung der auslösenden Substanz vor. Sie sollten dem Körper so schnell wie möglich nicht mehr zugeführt werden, bis genau geklärt ist, welcher Wirkstoff eine Allergie verursacht.
Äußert sich die allergische Reaktion in Form von leichteren Symptomen wie Hautausschlag oder Quaddeln, kann dem Patienten ein Antihistaminikum verabreicht werden. Es lindert rasch die Beschwerden.
Bei Magen- Darm- Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall können antiemetische Medikamente und solche die den Elektrolythaushalt im Gleichgewicht halten, eingenommen werden. Zusätzlich können dem Patienten flüssigkeitsliefernde Infusionen verabreicht werden, wenn die Symptome schwerwiegender sein sollten und er aufgrund des Durchfalls viel Wasser verliert.
In den schwereren Fällen wie einem Asthmaanfall oder einem anaphylaktischen Schock müssen sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, da diese Reaktionen auch zu einem komplikationsreicheren Notfall werden können. Bei einem Asthmaanfall erhält der Patient bronchienerweiternde Medikamente, damit er wieder besser Atmen kann. Bei einer Schocksituation kann der Kreislauf entgleisen. Dies kann mit einem enormen Blutdruckabfall und Pulsanstieg einhergehen. Daher kann auch eine Behandlung und kontinuierliche Beobachtung des Patienten auf der Intensivstation erforderlich sein. Dort werden sein Vital-Parameter regelmäßig gemessen und er erhält kreislaufstabilisierende Medikamente.
Ist eine Überempfindlichkeitsreaktion zum ersten Mal aufgetreten sollte der behandelnde Arzt dem Patienten einen Allergiepass ausstellen. Dort wird die allergische Reaktion gegen ein bestimmten Medikament oder Wirkstoff dokumentiert. Den Allergiepass sollte der Patient immer mit sich führen, sodass er auch im Falle eines Notfalls, Ersthelfer oder Ärzte über die bestehende Allergie informiert werden. Zudem sollte der Patient bei kommenden Behandlungen seine Allergie immer mitteilen, da auch chemisch verwandte Antibiotika ebenfalls eine allergische Reaktion verursachen können.

Vererbung

Eine Vererbung der Amoxicillin Allergie ist bisher noch nicht bewiesen. Dennoch kann es möglich sein, dass wenn diese Allergie gehäuft in einer Familie vorkommt. Generell kann eine Disposition für allergische Reaktionen vorliegen, wenn die Eltern ebenfalls vermehrt Allergien gegen Medikamente oder andere Substanzen besitzen. Daher sollte bei der Möglichkeit einer Allergie gegen eine bestimmte Substanz, in jedem Fall der Arzt darüber informiert werden. So wird verhindert, dass es bei einer Behandlung mit Amoxicillin zu Komplikationen kommt.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Amoxicillin finden Sie hier:

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.02.2017
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