Dornfortsatz

Einleitung

Der Dornfortsatz ist ein Fortsatz am Wirbelbogen, der an dem Punkt der stärksten Beugung ansetzt und mittig nach hinten zeigt. Je nachdem an welchem Wirbel sich der Dornfortsatz befindet, kann er unterschiedlich geformt sein. An den Halswirbeln ist der Dornfortsatz meist gegabelt und bis auf den 7. Halswirbel, der deutlich am Übergang zwischen Nacken und Rücken tastbar ist, kurz gehalten. Bei den Brustwirbeln ist der Dornfortsatz deutlich länger und weist schräg nach unten. Diese Form wird häufig mit Dachziegeln verglichen, die übereinander gelappt sind. Die Dornfortsätze der Lendenwirbelsäule wiederum, zeigen gerade nach hinten. An ihnen orientiert man sich, wenn eine Lumbalpunktion zur Entnahme von Nervenwasser gemacht wird.

Funktion

Der Dornfortsatz hat im Wesentlichen zwei wichtige Funktionen. Zum einen entspringen und setzen Bänder und Muskeln an diesen an. Diese Funktion kann man als Hebel bezeichnen, der dazu dient das Zusammenziehen eines Muskels in eine Bewegung umzusetzen, hier vor allem die Streckung der Wirbelsäule nach hinten oder die Beugung zur Seite. Die Bänder, die die Dornfortsätze der Länge nach miteinander verbinden sind die Ligamenta interspinalia, die zwischen den Dornfortsätzen verlaufen, und das Ligamentum supraspinale, das nur die Spitzen der Dornfortsätze bedeckt. Zum anderen dienen die Dornfortsätze der Brustwirbel, die ähnlich wie Dachziegel nach schräg unten gelappt sind, dem Rückenmark zusätzlich Schutz und verhindern indirekt eine zu starke Streckung der Wirbelsäule nach hinten.

Symptome

Symptome, die von einem Dornfortsatz ausgehen können, sind Schmerzen hervorgerufen durch eine Fraktur, eine Entzündung oder im Rahmen eines Morbus Baastrup. Diese sind meist an bestimmte Bewegungen gebunden und durch direkte Druckausübung auf den Dornfortsatz auslösbar. Außerdem können die Dornfortsätze auf eine Fehlstellung der Wirbelsäule hindeuten, wenn diese von der Mittellinie abweichen.

Schmerzen des Dornfortsatzes

Schmerzen des Dornfortsatzes sind in der Regel in der Mittellinie des Rückens zu spüren. Sie können stechend oder dumpf sein und durch bestimmte Bewegungen schlimmer oder besser werden. Das liegen auf dem Rücken kann als unangenehm empfunden werden. Schmerzen, die den Dornfortsatz betreffen, können zum einen durch eine Verletzung, etwa eine Stauchung oder ein Bruch, desselben im Rahmen einer enormen Kraft- oder Gewalteinwirkung erklärt werden. Zum anderen gibt es ein Krankheitsbild, bei welchem die Schmerzen an den Dornfortsätzen der Lendenwirbelsäule im Vordergrund stehen, der sogenannte Morbus Baastrup.

Durch das Zusammenwirken von großen, grob geformten Dornfortsätzen und einer übermäßigen Streckung der Lendenwirbelsäule nach hinten, seltener die verminderte Höhe der Wirbelkörper, kommt es dazu, dass sich die Dornfortsätze sich berühren. Die Schmerzen entstehen dann vor allem, wenn die Lendenwirbelsäule zusätzlich gestreckt wird und bei direkter Druckeinwirkung auf die Dornfortsätze. Auch eine Entzündung der Wirbel, zum Beispiel bei einer „Spondylitis“, kann dazu führen, dass sich die Entzündungsreaktion so weit ausbreitet, dass die Dornfortsätze schmerzempfindlich auf Klopfen reagieren.

Ursache

Eine Ursache für Schmerzen am Dornfortsatz kann eine Fraktur sein, welche durch einen Unfall oder ein Ermüdungserscheinung des Knochens entstanden ist. Des Weiteren neigen Dornfortsätze, die gröber und größer ausgeprägt sind eher dazu sich in die Quere zu kommen, vor allem wenn dann noch eine starke Lordose in der Lendenwirbelsäule, also eine konvexe Biegung nach vorne, vorliegt. Auch eine Entzündungsreaktion kann sich mal bis zu den Dornfortsätzen ausbreiten und Schmerzen verursachen. Zudem kommt noch dazu, dass durch Fehlhaltung oder Fehlstellung der Wirbel, so zum Beispiel bei einer Skoliose oder einem Buckel, die Dornfortsätze durch den Zug den die ansässigen Bänder und Muskel auf diese ausüben, ebenso in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Therapie

Da die Dornfortsätze durch den Bandapparat relativ sicher gehalten werden ist eine Therapie bei einer Fraktur nicht immer nötig. Die Schonung des Rückens und die Gabe von Schmerzmitteln können bei kleineren Verletzungen als therapeutische Maßnahme ausreichen. Erst wenn der abgebrochene Dornfortsatz Probleme bereitet, etwa langanhaltende Schmerzen oder Druck auf Nerven, kann eine weitreichendere Therapie sinnvoll sein. Hier könnte man eine Operation andenken, bei welcher der störende Teil des Dornfortsatzes entfernt wird. Viel häufiger jedoch kommt in der Therapie Krankengymnastik und die Anwendung von Wärme und lokalen Schmerzmittel zum Einsatz. Die Physiotherapie wird besonders bei Fehlstellungen der Wirbelsäule, die Probleme mit den Dornfortsätzen bereiten können, gerne angewandt.

Diagnose

Zur Stellung einer Diagnose bezüglich der Dornfortsätze ist neben der Information zum Hergang der Beschwerden und einer Untersuchung der Wirbelsäule, bei der durch Vorbeugung und Abtastung jedes einzelnen Dornfortsatzes bereits ein guter Überblick verschafft werden kann, auch die Beurteilung eines Röntgenbildes oder einer MRT-Aufnahme von Bedeutung. Hier kann man eine mögliche Fraktur, eine Fehlstellung oder aber die Beschaffenheit des Dornfortsatzes erkennen.

Prognose

Die Verletzungen und Beschwerden an einem Dornfortsatz sind als relativ unkompliziert zu bezeichnen, da sie meist keine weiteren Strukturen beeinträchtigen. Die Prognose ist also recht gut, lediglich Schmerzen können je nach Schwere Probleme bereiten.

Prophylaxe

Zur Prophylaxe kann man relativ wenig machen, da man Verletzungen durch einen Unfall oder die Beschaffenheit des Dornfortsatzes nicht beeinflussen kann. Man kann lediglich dafür sorgen, dass bestehende Fehlstellungen der Wirbelsäule durch Physiotherapie behoben werden und man durch Stärkung der Rückenmuskulatur die Wirbelsäule als Ganzes schützt.

Fraktur eines Dornfortsatzes

Zu einer Fraktur eines Dornfortsatzes kommt es meist nach einer enormen Einwirkung von Kraft auf die Wirbelsäule. Diese kann direkt auf die Dornfortsätze gerichtet sein oder indirekt durch Überstreckung oder Überdrehung der Wirbelsäule am Dornfortsatz ankommen. Da der Dornfortsatz relativ sicher in den Bandapparat der Wirbelsäule eingebettet ist und bei einer einfachen Fraktur keinen direkten, gefährdenden Kontakt zum Rückenmark hat, ist hier in der Regel kein operativer Eingriff nötig. Ebenso wenig wie bei einer Ermüdungsfraktur, bei der der Dornfortsatz der unteren Halswirbel so an Stabilität verloren hat, dass bei wiederholtem, ungewohnt hohem Kraftaufwand, zum Beispiel beim Schaufeln, der Zug der Muskel auf den Dornfortsatz überwiegt, dass er dann abgebrochen sein kann.

Der Dornfortsatz kann auch im Rahmen einer umfassenderen Verletzung der Wirbel abgebrochen sein und dann in dem Zusammenhang behandlungsbedürftig werden.

Weitere Informationen zum Thema Dornfortsatz

Weitere allgemeine Informationen:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.10.2016
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