Imiquimod

Definition

Imiquimod wird in Europa unter dem Handelsnamen Aldara® vertreiben.
Der Wirkstoff ist eine chemische Verbindung, die Ammoniak (Amin) enthält und die Immunantwort im Körper stimulieren kann.

Diese Eigenschaft macht man sich bei der Behandlung von unterschiedlichen Erkrankungen der Haut zu nutzen.
Besonders häufig kommt Imiquimod bei Feigwarzen zum Einsatz, aber auch bei dem Krankheitsbild der aktinischen Keratose oder der oberflächlichem Hautkrebs (Basaliom).

Wirkung/Wirkmechanismus

Imiquimod stimuliert über „Toll-like-Rezeptoren” die Freisetzung von Entzündungsmediatioren und bewirkt dadurch eine Entzündungsreaktion im Körper, durch die das Immunsystem (zellvermittelte spezifische Immunantwort) angeregt wird.
Durch diese Immunsystemaktivierung bekämpft der Körper selbst den Krankheitsprozess und so kann Imiquimod seine Wirkung gegen Viren und Tumoren entfalten.

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Anwendung / Indikation

Humane Papillomaviren (HPV)

Humane Papillomaviren (HPV) werden sexuell übertragen und sind neben der Bildung von Feigwarzen an den Genitalien beider Geschlechter auch an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt. Langjährige Infektionen mit HPV können bei Frauen zu dieser Krebserkrankung führen.

Präventiv wird seit einigen Jahren eine Impfung für junge Frauen empfohlen, die dem Gebärmutterhalskrebs und der Infektion mit humanen Papillomaviren vorbeugen soll.

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Beim Auftreten von Feigwarzen im Genitalbereich kann Imiquimod angewendet werden. Klinische Studien zeigen, dass Imiquimod eine vielversprechende Wirksamkeit in der Therapie von Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs zeigt.

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Außengelegene Feigwarzen an den Schamlippen können mit der Creme behandelt werden. Für weiter innen liegende Feigwarzen kann Imiquimod als Zäpfchen eingeführt werden. Durch das HP-Virus verursachte Veränderungen können so durch den Körper erkannt und bekämpft werden.

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Basaliom

Imiquimod ist zur Therapie von Basaliomen zugelassen.
Allerdings sollte Imiquimod nur bei kleinen und oberflächlichen Hautveränderungen angewendet werden.

Bei ausgedehnten Befunden, die auch tiefer in die Haut hineinreichen, ist eine Operation nicht durch Imiquimod zu ersetzen.

Bei der Behandlung mit Imiquimod kann es zu sichtbaren Hautveränderungen kommen, die allerdings ein gutes Zeichen für das Ansprechen des Körpers auf die Therapie sind.
Im Verlauf der Therapie klingen diese Beschwerden ab. Falls dies nicht der Fall ist sollte Kontakt mit dem Hautarzt aufgenommen werden.

Imiquimod kann in der Therapie von Basaliomen über 5 bis 6 Wochen fünfmal pro Woche vor dem Schlafen gehen angewendet werden.

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Dosierung

Die genaue Dosierung von Imiquimod richtet sich zum einen nach der Applikationsform (Creme, Zäpfchen, usw.) und zum anderen nach patientenbezogenen Fakten, sowie der Krankheit, die es zu behandeln gilt.

Um unerwünschte Hautreaktionen an den Händen zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Hände vor und nach dem Auftragen der Creme gründlich gewaschen werden.
Alternativ kann die Creme auch mit Einmalhandschuhen aufgetragen werden.

Die Creme wird in der Regel dreimal pro Woche über Nacht auf die Stelle aufgetragen und dann für mehrere Stunden auf der Haut belassen. Diese Anwendung wird wiederholt, bis alle Warzen verschwunden sind oder maximal 16 Wochen in Folge.

Sonneneinstrahlung ist während der Therapie mit Imiquimod zu vermeiden, da die Haut durch die Therapie stark gereizt wird.

Applikationsform

Creme

Die Imiquimod Creme dient zur Behandlung von Neubildungen der Haut. Dazu gehören zum einen die Feigwarzen, die vor allem im Bereich des Intimbereichs und des Afters auftreten können. Kleine Basilome, welche eine spezielle Form des Hautkrebses darstellen, werden auch mit Imiquimod-Creme behandelt. Zusätzlich kann die Creme auch bei Wucherungen der oberen Hautschicht verwendet werden, der sogenannten aktinischen Keratose. Die konkreten Anwendungsformen variieren je nach Krankheit. Eine Beratung durch den Hautarzt ist hilfreich, um die Anwendung richtig durchzuführen und auftretende Nebenwirkungen korrekt einzuordnen.

Zäpfchen

Die Imiquimod-enthaltendenen Zäpfchen werden zur Therapie von Feigwarzen im Enddarmbereich oder Vaginalbereich angewendet.

Neue Präparate verbinden den Wirkstoff mit einer Rückhaltevorrichtung im Sinne einer Mulleinlage, die das Hochgleiten des Zäpfchens in höhere Abschnitte des Genitaltraktes oder des Enddarms verhindern sollen.

Der Betroffene kann so auch den Sitz des Zäpfchens überprüfen und korrigieren. Besonders in der Frauenheilkunde verspricht man sich durch die Zäpfchen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, die durch HPV entstanden sind, frühzeitig behandeln zu können.

Nebenwirkungen

Imiquimod kann als Arzneimittel Nebenwirkungen verursachen, die aber nicht bei allen Anwendern auftreten.

Bei der Behandlung mit Imiquimod kann es zu lokalen Hautreaktionen kommen, auf denen das Arzneimittel aufgetragen wurde.
Solche Hautreaktionen können sich in Form von Hyper- oder Hypopigmentierung, Rötung, Schwellung oder auch Juckreiz äußern.
Sollte die Hautreaktion zu stark sein, sollten Sie die Anwendung umgehend einstellen und Ihren Arzt oder Apotheker informieren, um bleibende Hautveränderungen möglichst zu vermeiden.
Einige Anwender wiesen eine Erniedrigung der Zahl der Blutkörperchen auf, welche das Infektionsrisiko des Patienten erhöhen kann.
Müdigkeit und die Entstehung von Blutergüssen (Hämatome) können ebenfalls eine Folge der Verringerung der Zahl der Blutkörperchen sein.

Selten wurden auch schwerwiegende Hautreaktionen bei Patienten festgestellt, die sich zunächst als Rötungen bemerkbar machen und dann zu Pickeln werden, die Symptome wie Fieber, Juckreiz, Gelenkschmerzen, allgemeines Krankheitsgefühl, Sehstörungen, Brennen, Augenirritationen und Entzündungen der Mundschleimhaut hervorrufen können.

Alopezie (Haarverlust an den Regionen, wo das Arzneimittel aufgetragen wurde) ist bei wenigen Patienten ebenfalls bekannt.

Bei der Behandlung von Feigwarzen können andere Nebenwirkungen auftreten, als bei der Behandlung von aktinischer Keratose oder dem Basalzellkarzinom.

Nebenwirkungen bei der Behandlung von Feigwarzen:

  • Hautrötung,
  • Ausdünnung der Haut an den behandelten Hautregionen (30% der Anwender),
  • Schuppenbildung der Haut,
  • Schwellung,
  • Verhärtungen und Bläschenbildung unter der Haut,
  • offene Wunden,
  • Juckreiz,
  • Brennen,
  • Schmerzen im Anwendungsbereich,
  • Kopfschmerzen, Migräne,
  • Fieber, grippeähnliche Symptome,
  • Gelenk- und Muskelschmerzen,
  • Gebärmuttervorfall,
  • Schmerze beim Geschlechtsverkehr bei Frauen,
  • Erektionsstörungen,
  • Übelkeit, Magen- und Darmsymptome,
  • verstärkte Schweißbildung,
  • Ohrgeräusche,
  • Hautrötung,
  • Müdigkeit,
  • Benommenheit,
  • Kribbeln,
  • Schlaflosigkeit,
  • Depressionen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Drüsenschwellungen,
  • Bakterien-, Viren- und Pilzinfektionen,
  • Vaginalinfekt,
  • schmerzhaftem Wasserlassen bei Frauen.

Nebenwirkungen bei der Behandlung des Basalioms:

  • Kribbeln, Brennen der Haut,
  • kleine angeschwollene Hautpartien,
  • Schmerzen,
  • Blutung,
  • Rötung,
  • Ausschlag,
  • Eiterbildung,
  • Drüsenschwellungen,
  • Rückenschmerzen,
  • Übelkeit,
  • trockener Mund,
  • Abgeschlagenheit,
  • grippeähnliche Symptome,
  • lokale Hautreaktionen am Anwendungsbereich.

Nebenwirkungen bei der Behandlung der aktinischen Keratose:

  • Juckreiz,
  • Schmerzen,
  • Rötung,
  • Eiterbildung,
  • Infektionen,
  • Kopfschmerzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Brechreiz,
  • Muskel- und Gelenkschmerzen,Gliederschmerzen
  • Müdigkeit,
  • Bluten,
  • Entzündung,
  • Wundsekret,
  • Empfindlichkeit,
  • Schwellung,
  • kleine geschwollene Bereiche in der Haut,
  • Kribbeln,
  • Schorf- und Narbenbildung,
  • Ulzeration,
  • Wärmegefühl,
  • Unbehagen,
  • Entzündung der Nasenschleimhaut
  • verstopfte Nase,
  • grippeähnliche Symptome,
  • Depression,
  • Augenreizung,
  • Schwellung der Augenlider,
  • Halsschmerzen,
  • Diarrhöe,
  • Rötung,
  • Gesichtsschwellung,
  • Geschwüre,
  • Fieber,
  • Schwäche, Schüttelfrost.

Wenn bei Ihnen Nebenwirkungen auftreten, sollten Sie umgehend den Arzt oder Apotheker informieren.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 30.01.2017
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