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Gebärmuttervorfall

Definition

Der Gebärmuttervorfall (auch Uterusprolaps genannt) bezeichnet eine, meist nach den Wechseljahren auftretende, Veränderung der Lagebeziehung der weiblichen Geschlechtsorgane zueinander. Normalerweise befindet sich die Gebärmutter am Ende des Scheidengewölbes leicht nach hinten gekippt.

Wenn es jedoch zu einem Vorfall der Gebärmutter kommt, stülpt sich diese durch die Scheiden nach außen. Zu sehen ist dann ein nach außen gestülptes Scheidenrohr, in dem sich ein Teil der Gebärmutter befindet. Sie stellt somit eine besonders ausgeprägte Form der Gebärmuttersenkung (Descensus uteri) dar.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Gebärmuttersenkung

Symptome

Die Symptome, die ein Gebärmuttervorfall erzeugt, sind von Frau zu Frau verschieden. Abhängig davon, ob es sich um einen totalen Vorfall (Uterusprolaps) oder lediglich um eine Gebärmuttersenkung (Descensus uteri) handelt, kann entweder eine nach außen gestülpte Scheide samt Gebärmutter selbst gesehen werden oder sich lediglich unter Bauchpresse beim Frauenarzt bemerkbar machen.

Häufige Allgemeinsymptome sind bei beiden Formen Unterleibs- und Rückenschmerzen. Viele betroffene Frauen beschreiben außerdem ein Fremdkörpergefühl in der Scheide. Sie haben oftmals das Gefühl, dass sich etwas aus dem Bauchraum durch die Scheide nach außen bewegt. Dies führt dazu, dass die Beine häufig verkreuzt oder eng beieinander positioniert werden.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Schmerzen der Gebärmutter und Was sind die Symptome bei einer Gebärmuttersenkung?

Schmerzen

Die Schmerzen bei einem Gebärmuttervorfall sind besonders im Unterleib und im Rücken lokalisiert.

Sie werden von der Patientin häufig als ziehend beschrieben. Die Rückenschmerzen treten im Bereich von Kreuz- und Steißbein auf.

Weiterhin können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten und dieser kann erschwert sein.

Durch die Verdrängung benachbarter Strukturen durch Gebärmutter und Scheide können auch Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang auftreten.

Gebärmuttervorfall nach der Geburt

Frauen mit mehreren natürlichen Geburten haben ein höheres Risiko für einen Gebärmuttervorfall.

Während einer Geburt wird die Beckenbodenmuskulatur und der Halteapparat stark gedehnt. Dies kann direkte Schädigungen an der Muskulatur hervorrufen.

Zudem können durch die Dehnung Äste von Nerven geschädigt werden. Häufig regeneriert sich diese Nerven in den ersten drei Monaten nach einer Geburt.

Allerdings können auch Schädigungen verbleiben, die in späteren Jahren zu einem Gebärmuttervorfall führen können.

Bei traumatischen Geburten entstehen meist noch größere Schäden, sodass die Muskulatur nachher nicht mehr so kontraktionsfähig ist, wie vor der Geburt.

 

Therapie

Konservativ

Die Therapie eines Gebärmuttervorfalls ist von vielen Faktoren abhängig. Ein wichtiger Punkt ist das Alter der Patientin und die Frage, ob noch Kinderwunsch besteht. Des Weiteren unterscheidet man verschiedene Grade der Senkung bzw. des Vorfalls.


Ein Totalprolaps erfordert natürlich eine andere Therapie als eine leichte, symptomlose Senkung der Gebärmutter. An dieser Stelle wird gleich ein weiterer wichtiger Aspekt deutlich: Hat die Patientin durch die Senkung bzw. den Vorfall Beschwerden/Symptome?

All diese Punkte bilden gemeinsam die Grundlage für die individuelle Therapieauswahl. Die erste Stufe in der Behandlung einer Gebärmuttersenkung beinhaltet das Beckenbodentraining. Hierbei handelt es sich um konkrete Übungen, die insbesondere die Beckenbodenmuskeln und -bänder trainieren und somit auch stärken sollen.


Bei leichten Formen der Gebärmuttersenkung kann dies bereits erfolgsversprechend sein; bei schweren Formen bzw. einem Gebärmuttervorfall sollten diese Übungen therapiebegleitend durchgeführt werden.

Außerdem bieten Drogeriemärkte spezielle Kegel für das Beckenbodentraining an, welche die Frau sich in die Scheide einführen und lediglich mit den Muskeln des Beckenbodens zu halten versuchen kann. Auch dies führt zu einer Stärkung der jeweiligen Muskulatur.


Vielen Frauen ist es gar nicht bewusst, welche Muskeln sie für die Beckenbodengymnastik anspannen müssen.


In diesem Fall kann ein professionell begleitetes Training, z.B. bei einem Physiotherapeuten, Klarheit bringen.

Für betroffene Frauen, welche sich schon in ihrer Menopause befinden, gibt es mit der hormonellen Behandlung noch eine weitere symptomlindernde Möglichkeit.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Wechseljahre

Östrogenhaltige Cremes

Spezielle östrogenhaltige Cremes oder Zäpfchen (Östrogen ist das weibliche Geschlechtshormon), die vaginal eingeführt werden, können ebenfalls zur Behandlung einer Gebärmuttersenkung beitragen. Auch Vaginalringe, die kontinuierlich eine bestimmte Menge Östrogen absondern, können verwendet werden.

Eine weitere nicht invasive Therapieoption, die insbesondere für ältere Patientinnen geeignet ist, stellen die Pessare dar. Hierbei handelt es sich um eine mechanische Unterstützung der Gebärmutter und somit des Beckenbodens (s. Abschnitt „Pessar“).


Operativ

Bei besonders schweren Fällen einer Gebärmuttersenkung oder bei einem Gebärmuttervorfall ist in der Regel eine Operation die Methode der Wahl. Sie dauert etwa eine Stunde und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Oftmals kann der Arzt durch die Scheide operieren, sodass keine von außen sichtbare Narbe entsteht.

Manchmal hingegen ist aber auch ein Bauchschnitt nötig, welcher meist ca. 5 cm lang ist und quer am Unterbauch erfolgt. Ziel der Operation ist es, die gesenkten oder sogar ausgestülpten Bauchorgane wieder an ihren ursprünglichen Platz zu verlagern und diese dort zu fixieren.

Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am häufigsten angewendet wird die sogenannte Scheidenplastik (Kolporrhapie): Bei einer Blasen- und Scheidensenkung die vordere und bei einer Enddarm- und Scheidensenkung die hintere Plastik. Hierbei wird die Beckenbodenmuskulatur gerafft und die Blase bzw. der Enddarm hochgezogen und vernäht.

Für Frauen, die keinen Kinderwunsch mehr hegen, stellt auch eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) eine häufig genutzte Therapieoption dar. Bei dieser OP wird die gesamte Gebärmutter durch die Scheide entfernt. Übrig bleibt der vernähte Scheidenstumpf, manchmal auch mit Muttermund.

Damit es zu keinem erneuten Vorfall kommen kann, wird dieser über spezielle Gewebestreifen mit dem Beckenknochen fixiert (Vaginosakropexie). Eine weitere Operationsmethode ist das TVM (transvaginal-mesh-method), bei dem der Operateur ein Netz zwischen Beckenboden und Blase implantiert. Auch dieses Verfahren kann vaginal durchgeführt werden und ist somit auch aus kosmetischer Sicht eine gute Variante zur Therapie des Gebärmuttervorfalls.

Bei manchen Patientinnen geht der Prolaps aber auch mit einer Harninkontinenz (unkontrollierter Harnabgang) einher. In diesem Fall sollte eine Operationsmethode gewählt werden, welche die Funktion der harnableitenden Wege im Fokus hat. Bei keinem der genannten Therapieverfahren sind schwerwiegende Komplikationen bekannt. In der Regel bleiben die Patientinnen nach der Operation für etwa 3-4 Tage zur stationären Kontrolle im Krankenhaus.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Vollnarkose - Ablauf, Risiken und Nebenwirkungen

Risiken der OP

Bei der Raffung der vorderen Scheidenwand, wird diese von der Blase entfernt und einzelne Bänder, die mit der Blasenwand in Verbindung stehen werden nach oben gerafft.

Dies führt dazu, dass die Blase nach der Operation ein wenig höher steht als zuvor. Durch diese Veränderung kann es zu einer sogenannten Stressinkontinenz kommen. Dies ist eine Urininkontinenz, die dadurch hervorgerufen wird, dass die Blase und die Harnröhre zu steil zueinander stehen und somit eine Kontinenz nicht mehr vollständig gewährleistet ist.

Wie bei jedem operativen Verfahren besteht weiterhinaus das Risiko, dass Strukturen im Operationsfeld verletzt werden können, und dass es zu erneuten Absenkungen kommt.  

Ursachen

Grundsätzlich liegt die Ursache für einen Gebärmuttervorfall in einer Schwächung des Beckenbodens. Dieser setzt sich aus Bändern und Muskeln zusammen und kann durch Überbelastung an Funktion und Stabilität einbüßen. Besonders häufig wird ein Zusammenhang mit vaginalen Geburten festgestellt.

Durch den Geburtsvorgang sowie das Pressen (Bauchpresse bedeutet eine Druckerhöhung innerhalb des Bauchraumes) kommt es zu einer ausgeprägten Belastung des Beckenbodens, welcher sich danach nur selten wieder komplett regeneriert.

Durch die ständige Ausstülpung der Scheide kann es ebenfalls zu einer Veränderung des Scheidenmilieus kommen. Die sonst sehr feuchte Schleimhaut kann austrocknen, welches häufig Entzündungen mit sich führen kann. Manche Frauen bemerken auch einen vermehrten, z.T. sogar blutigen vaginalen Ausfluss. Je nachdem, ob der Gebärmuttervorfall die Harnblase mit betrifft, können auch Probleme beim Wasserlassen auftreten.

In diesem Fall wird häufig ein abgeschwächter Urinstrahl bemerkt. Bei manchen Frauen wird das Wasserlassen aber auch durch eine sogenannte Pollakisurie deutlich erschwert. Pollakisurie bedeutet ein häufiges Wasserlassen, bei dem allerdings immer nur sehr kleine Urinmengen ausgeschieden werden können.

Man erhält das unangenehme Gefühl, dass ständig ein Restharn in der Blase zurück bleibt. Für den Fall, dass die gesenkte Gebärmutter nach hinten auf den Mastdarm und das Rektum drückt, können auch Probleme mit dem Stuhlgang (Verstopfung, Schmerzen) entstehen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Gebärmuttersenkung nach Geburt

Ein hohes Geburtsgewicht

Auch ein hohes Geburtsgewicht des Kindes kann einen Risikofaktor für einen Gebärmuttervorfall nach der Geburt darstellen.

Es wurde außerdem beobachtet, dass Mehrgebärende häufiger eine Gebärmuttersenkung bei sich beobachten, als Frauen ohne oder mit nur einer vaginalen Geburt.

Doch es gibt auch andere Gründe, die eine Schwächung des Beckenbodens mit sich führen. So kann z.B. auch eine über Jahre hinweg durchgeführte, schwere, körperliche Belastung zu einer Überlastung der Bänder und Muskeln führen.

Ebenso Fettleibigkeit (Adipositas) oder chronischer Husten bedeuten eine Druckerhöhung in Bauchraum und somit auch auf den Beckenboden.

Diagnose

In den meisten Fällen kann ein Gebärmuttervorfall schnell mittels Arztgespräch und gynäkologischer Untersuchung diagnostiziert werden. Betroffene Frauen bemerken oftmals nach dem Toilettengang, dass sich etwas aus ihrer Scheide herausstülpt, welches man mit dem Finger recht einfach zurückschieben kann.

Erhöht man jedoch den Druck im Bauchraum (z.B. durch Pressen, Niesen, Husten), kommt es zu einem erneuten Vorfall. Diese Umschreibung gibt dem Arzt in der Regel schon ausreichend Information für die Verdachtsdiagnose Uterusprolaps.

Als nächstes erfolgt dann die Spekulauntersuchung (Spekulum bedeutet Scheidenspiegel) auf dem gynäkologischen Stuhl. Hierbei lässt sich ein vorliegender Gebärmuttervorfall eindeutig erkennen. In jedem Fall wird außerdem noch eine kurze rektale Tast-Untersuchung durchgeführt, bei welcher der Arzt mögliche Ausstülpungen des Rektums in die Scheide fühlen kann.

Zum Schluss erfolgt eine Ultraschalluntersuchung, die der Beurteilung der Harnblase dient. Im Extremfall kann sogar die Harnblase von der Gebärmuttersenkung betroffen sein.

Prognose

Die Therapie eines Gebärmuttervorfalls beinhaltet lediglich eine Symptombekämpfung.

Die Ursache, nämlich eine Schwäche des Beckenbodens, bleibt hierbei meist unbehandelt. Dies bedeutet, dass ein erneuter Organvorfall grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann. Es gibt jedoch mit dem Beckenbodentraining eine Möglichkeit, die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Vorfall zu senken.

Als Prophylaxe empfiehlt es sich außerdem übermäßige, körperliche Belastungen zu vermeiden, um den Druck im Bauchraum möglichst gering zu halten. Auch eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patientinnen stellt eine wichtige Maßnahme in der Vermeidung eines Gebärmuttervorfalls dar.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Beckenbodentraining

 

Anwendung eines Pessars

Älteren Patientinnen, die aufgrund ihres Allgemeinzustandes nicht mehr operiert werden können, wird häufig das Verwenden eines Pessares empfohlen.

Hierbei handelt es sich um ein Medizinprodukt, welches vom Gynäkologen in die Scheide vor den Gebärmutterhals eingesetzt wird.

Heutzutage bestehen die meisten Pessare aus Silikon, Porzellan oder Kunststoff und können ring-, bügel-, würfel- und schalenförmig sein. Bei dieser Behandlungsmethode gilt es jedoch zu beachten, dass der Pessar die Ursache des Gebärmuttervorfalls keineswegs therapiert, sondern lediglich einem weiteren Absinken des Beckenbodens entgegen wirkt.

Um intravaginalen Entzündungen oder Druckgeschwüren vorzubeugen, muss der Pessar spätestens alle acht Wochen gewechselt und gründlich gereinigt werden.

In vielen Fällen hat es sich als nützlich herausgestellt, östrogenhaltige Scheidencremes oder –zäpfchen während der Pessarbenutzung zu applizieren.

Voraussetzung für die Verwendung eines Pessares ist jedoch eine intakte Damm-Muskulatur.

Für etwas jüngere Patienten gibt es auch Pessare zum Selbstwechseln. Diese werden lediglich tagsüber getragen, sodass das Scheidenmilieu in der Nacht die Möglichkeit hat, sich zu regenerieren.

Homöopathie

Einen bereits abgesunkenen Beckenboden oder eine vorgefallene Gebärmutter nur mit homöopathischen Mitteln wieder in den Ausgangszustand zu bringen, ist unmöglich. Jedoch bietet das Feld der Homöopathie Mittel, die eine Ursache des Vorfalls positiv beeinflussen können.

Geht dem Gebärmutterprolaps z.B. eine Bindegewebsschwäche voraus, so soll die mehrmals tägliche Einnahme von Silicea D3 (je vier Globuli) das Bindegewebe wieder kräftigen.

Einige betroffene Frauen berichten auch von einer Beschwerdelinderung durch Homöopathie.

Manche Homöopathen sind der Meinung, dass es auch Mittel gibt, welche direkt gegen den Gebärmuttervorfall wirken. Genannt werden hier Aesculus, Aletris farinosa, Lilium tigrinum und Podophyllum.

In jedem Fall sollte jedoch ein Arzt hinzugezogen werden, welcher dann gemeinsam mit der Patientin entscheiden kann, inwieweit eine homöopathische Therapie für sie sinnvoll sein kann.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.08.2018
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