Absenkung der Gebärmutter

Synonyme

Descensus uteri

Einleitung/Definition

Eine Gebärmuttersenkung beschreibt die Senkung der Gebärmutter in ihrem Halteapparat. Dies bedeutet, dass die Gebärmutter nach unten sinkt und sich in die Vagina (Scheide) hereindrücken kann. Dabei ist die Gebärmutter von außen noch nicht sichtbar.

Es kann jedoch passieren, dass die Gebärmutter soweit nach unten sinkt, dass es zu einem Vorfall der Gebärmutter, also das Heraustreten der Gebärmutter aus der Vagina (sogenannter Prolaps uteri), kommen kann. Hierbei kann die Gebärmutter dann sogar von außen sichtbar werden.

Häufigkeitsverteilung

Die Häufigkeit des Auftretens eines Gebärmuttervorfalls steigt mit zunehmendem Lebensalter. Eine Schätzung ist, dass etwa 12% der 80-jährigen Frauen einen operationsbedürftigen Befund haben.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Gebärmuttervorfall

Anatomie der Gebärmutter

Verschiedene anatomische Strukturen sorgen dafür, dass sowohl Gebärmutter als auch Vagina an ihrem Platz im Körper verankert sind.

Dazu zählen zum einen der Halteapparat der Gebärmutter, welcher vor allem vom Ligamentum latum uteri und Ligamentum sacrouterium gebildet wird. Diese Bänder fixieren die Gebärmutter im kleinen Becken.

Desweiteren verhindert der Beckenboden ein Absinken der Gebärmutter nach unten. Der Beckenboden besteht aus drei Etagen: dem Diaphragma pelvis, dem Diaphragma urogenitale und den äußeren Schließmuskeln.

Zudem ist die Gebärmutter normalerweise gegen die Achse der Vagina um 90° bauchwärts gekippt (sogenannte Anteversio) und der Gebärmutterkörper ist gegenüber dem Gebärmutterhals ebenso bauchwärts um 135° gekippt (Anteflexio). Somit liegt die Gebärmutter normalerweise der Harnblase auf.

Abbildung der Gebärmutter

  1. Gebärmutter -
    Uterus
  2. Gebärmutterkuppe -
    Fundus uteri
  3. Gebärmutterschleimhaut -
    Tunica mucosa
  4. Gebärmutterhöhle -
    Cavitas uteri
  5. Bauchfellüberzug -
    Tunica serosa
  6. Muttermund -
    Ostium uteri
  7. Gebärmutterkörper -
    Corpus uteri
  8. Gebärmutterenge -
    Isthmus uteri
  9. Scheide - Vagina
  10. Gebärmutterhals - Cervix uteri
  11. Eierstock - Ovarium
  12. Eileiter - Tuba uterina

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen


Ursachen

Ursache für eine Gebärmuttersenkung kann ein schwaches Bindegewebe sein. Das hat zur Folge, dass die Bandstrukturen, mit denen die Gebärmutter im Becken verankert ist, die Gebärmutter nicht mehr so straff in ihrer eigentlichen Position halten können.

Eine weitere Ursache kann eine Schwäche des Beckenbodens sein.
Ein schwacher Beckenboden kann zum Beispiel nach einer Schwangerschaft auftreten.

Ist die Beckenbodenmuskulatur nicht stark genug ausgebildet, bedeutet das, dass die Gebärmutter auch nicht mehr richtig gehalten werden kann und es zu einer Gebärmuttersenkung, manchmal mit gleichzeitiger Beckenbodensenkung kommen kann. Auch eine Fettleibigkeit (Adipositas) kann ursächlich für eine schwache Beckenbodenmuskulatur und somit eine Gebärmuttersenkung sein.

Eine Gebärmuttersenkung ist auch immer damit verbunden, dass die Anteversio und Anteflexio der Gebärmutter aufgehoben sind. Das bedeutet, dass die Gebärmutter nun senkrechter im Becken steht (Retroversio und Retroflexio).

Kommt es zu einer Senkung der vorderen Scheidenwand, kann sich auch die hintere Blasenwand mit senken (Zystozele). Ist eine Senkung der hinteren Scheidenwand der Fall, passiert das gleiche mit der vorderen Darmwand, also eine Senkung des Rektums mit in die Vagina (Rektozele).

Gebärmuttersenkung während der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft bedeutet, dass die Gebärmutter besonderen Verhältnissen ausgesetzt ist.

Das normalerweise recht kleine Organ wächst auf einen sehr viel größeren Umfang an und ist deutlich belastet. Dadurch, dass das ungeborene Kind und die Gebärmutter sehr viel schwerer sind, lastet dieses Gewicht dann zusätzlich auf dem Beckenboden. Dadurch kann es schon während der Schwangerschaft zu einer verstärkten Belastung der Muskeln und Bänder des Beckenbodens kommen und sich eine gewisse Schwäche ausbilden.
Eine leichte Gebärmuttersenkung während der Schwangerschaft bedeutet noch nicht gleich höchste Alarmstufe. Kritischer wird es natürlich, wenn die Gebärmuttersenkung einen gewissen Grad erreicht oder überschreitet.
Sollte es soweit kommen, können sogenannte Pessare eingelegt werden. Ein Pessar wäre in diesem Fall ein Hartplastikstück in Form eines Ringes, welches vom Frauenarzt eingesetzt wird und Gebärmutter sowie Gebärmutterhals in ihrer Haltungsfunktion unterstützt. Ein solches Pessar sollte jedoch regelmäßig kontrolliert und gewechselt werden, um den richtigen Sitz zu gewährleisten und Infektionen vorzubeugen.

Gebärmuttersenkung nach der Geburt

Ein Risikofaktor, dass eine Gebärmuttersenkung auftritt, ist die natürliche Geburt.
Da bei einer natürlichen Entbindung der Bandapparat und die Muskeln des kleinen Beckens besonders beansprucht werden, kann es danach zu einer Beckenbodenschwäche kommen. Gerade wenn zusätzlich Geburtsverletzungen entstanden sind, erhöht dies das Risiko für eine Schwäche der Muskulatur und der Bänder. Durch die Beckenbodenschwäche kann es dann wiederum zu einer Senkung der Gebärmutter kommen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Beckenbodenschäche nach Geburt zu therapieren. Lesen Sie mehr zum Thema: "Beckenbodentraining".

Auch mit jeder weiteren Schwangerschaft beziehungsweise vaginaler (natürlicher) Geburt erhöht sich das Risiko für eine Beckenbodenschwäche und damit einer Gebärmuttersenkung (sogenannte Multiparität). Ein weiterer Belastungsfaktor bei einer natürlichen Geburt sind eine verlängerte Austreibungsperiode oder der Einsatz von Geburtszangen (was in Deutschland aber eigentlich nicht mehr üblich ist).

Generell gilt jedoch, dass es nicht gleich nach jeder natürlichen Geburt zu einer Gebärmuttersenkung kommt. Als Vorbeugung (Prophylaxe) ist es im Wochenbett wichtig schwere körperliche Arbeit zu vermeiden. Diese würde sich nämlich weiter auf die nach der Geburt geschwächte Muskulatur auswirken und die Entstehung einer Gebärmuttersenkung fördern. Genauso wird im Wochenbett gewisse Rückbildungsgymnastik empfohlen um die beanspruchte Muskulatur wieder zu festigen und einer Schwäche des Beckenbodens entgegen zu wirken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Gebärmuttersenkung nach Geburt

Diagnose

Zunächst wird erst einmal eine Anamnese, also eine systematische Befragung der Patientin durchgeführt. Hierbei erfragt der Arzt Beschwerden oder Symptome als auch eventuelle Risiken für eine schwache Beckenbodenmuskulatur, wie z.B. Geburten und deren Anzahl.

Als nächstes wird eine körperliche Untersuchung der Patientin durchgeführt. Bei einer Tastuntersuchung (Palpation) kann der Arzt die Stärke des Beckenbodens beurteilen oder sich schon mal ein Bild über eventuelle Aussackungen in die Vagina machen.

Bei einer Spekulumuntersuchung führt der Arzt ein Untersuchungsinstrument (Spekulum) in die Vagina ein. So bekommt er einen besseren Blick in die Vagina und kann unter anderem den Gebärmutterhals mit Gebärmuttermund beurteilen. Normalerweise sieht man so die Portio, also den Übergang des Gebärmutterhalses zur Vagina, leicht in die Vagina hineinragen. Bei Verdacht einer Gebärmuttersenkung lässt man die Patientin während dieser Untersuchung kurz pressen. Liegt eine Gebärmuttersenkung vor, dann tritt der Gebärmutterhals während des Pressens sichtbar weiter nach unten. Ebenso können bei einer Spekulumuntersuchung auch Vorwölbungen der Vaginawand sichtbar sein, welche auf eine Zysto- oder Rektozele rückschließen lassen.

Kommt es im Rahmen einer Gebärmuttersenkung auch zu einer Beteiligung der Harnblase und daraus resultierenden Inkontinenzproblemen, können weitere Untersuchungen diesbezüglich angeschlossen werden.

Symptome

Bei einer Gebärmuttersenkung werden verschiedene Symptome beschrieben. Es kommt zu einem Druck- beziehungsweise Fremdkörpergefühl in der Scheide. Die Patientinnen geben das Gefühl an, als ob etwas aus der Scheide fallen würde. Dies kommt dadurch zustande, dass sich die Gebärmutter in die Vagina hereindrückt und so das Gefühl hervorruft.

Ebenso geben manche Patientinnen Schmerzen im Kreuzbereich, also im unteren Rücken, an. Dadurch, dass die Gebärmutter am Halteapparat im Becken befestigt ist und durch die Gebärmuttersenkung nun die Gebärmutter an diesen Bändern nach unten zieht, kommt es zu einem Schmerzempfinden. Dass dies vor allem im unteren Rücken registriert wird, liegt daran, dass die Bänder im Becken an der Rückseite fest sind.

Desweiteren kann es zu Blasenbeschwerden, vor allem zu einer Blasenschwäche, kommen. Hierunter fallen eine Belastungsinkontinenz, eine Pollakisurie und eventuell auch rezidivierende Harnwegsinfekte.
Eine Belastungsinkontinenz bedeutet, dass der Harn bei Druckerhöhungen wie beim Husten, Lachen oder Niesen oder auch bei schwereren Fällen schon beim Treppensteigen oder Aufstehen nicht mehr richtig gehalten werden kann und unwillkürlich Harn abgegeben wird.
Unter einer Pollakisurie versteht man das häufige Blasenentleeren, wobei jeweils nur kleine Mengen abgegeben werden.
Harnwegsinfekte kommen dadurch zustande, dass durch den anatomisch nicht mehr korrekten Aufbau der Harnwege und Vagina Keime leichter in den Körper aufsteigen können.

Ebenso kann es auch zu Miktionsbeschwerden kommen. Diese kommen daher, dass die Gebärmuttersenkung soweit fortgeschritten ist, dass sie die Harnröhre abdrückt. Das bedeutet, dass das Entleeren der Blase erschwert ist, was bis zu Harnverhalt führen kann.

Kommt es im Rahmen der Gebärmuttersenkung auch zu einer Rektozele, also dem Vorfall von Darm in die Vagina, können als Symptom auch Beschwerden beim Stuhlgang auftreten. Hier runter fallen zum Beispiel ein erschwerter Stuhlabgang oder Obstipationen (Verstopfungen).

Therapie

Man unterscheidet bei den Therapiemöglichkeiten zwischen konservativer und operativer Therapie.

Unter konservative Therapie fällt zunächst einmal Beckenbodengymnastik. Diese wird empfohlen, um den Beckenboden zu stabilisieren. Das Beckenbodentraining muss konstant und lebenslang ausgeführt werden, da auch diese Muskeln sich leicht wieder zurückbilden können. Ebenso kann konservativ eine Therapie mit Östrogenpräparaten versucht werden. Diese werden als Zäpfchen oder Salben lokal angewendet. Desweiteren müssen natürlich Risikofaktoren wie Adipositas reduziert werden.

Eine andere Therapiemöglichkeit bei einer Gebärmuttersenkung ist die Benutzung eines Pessares. Ein Pessar ist ring- oder würfelförmig und wird in die Vagina eingeführt. Hier wird es durch den Beckenboden gehalten und stützt so von innen die Gebärmutter ab. Pessare müssen vom Frauenarzt angepasst und eingesetzt werden. Ebenso müssen Pessare regelmäßig gereinigt werden.

Reichen die konservativen Therapiemöglichkeiten nicht mehr aus oder liegt schon ein Gebärmuttervorfall vor, kann man operativ therapieren. So kann zum einem eine Scheidenplastik (Kolporrhapie) vorgenommen werden. Bei dieser werden Scheidengewebe und Bandapparat gerafft und fixiert. Liegt ein relevanter Gebärmuttervorfall vor, kann es nötig sein, die Gebärmutter dabei komplett zu entfernen (vaginale Hysterektomie).
Nach einer Gebärmutterentfernung ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich, deswegen sollte abgewogen werden, ob bei der Patientin noch ein Kinderwunsch besteht. Geschlechtsverkehr ist auch nach einer reinen Gebärmutterentfernung noch möglich. Bei allen Operationen wird darauf geachtet, dass beteiligte Organe wie Harnblase und Rektum wieder an ihren ursprünglichen Ort gebracht werden. Nach einer Operation wird ein Beckenbodentraining empfohlen. Dies verhindert das erneute Absinken von Organen. Ebenso sollte das Heben schwerer Lasten (>5 kg) vermieden werden.

Operation bei einer Gebärmuttersenkung

Ob eine Operation bei einer Gebärmuttersenkung direkt nötig ist, ist von verschiedenen Kriterien abhängig.
Zum einen ist natürlich die Frage, was für eine Gebärmuttersenkung vorliegt, sprich wie stark sie ausgebildet ist und was die Symptome sind. Dann ist wichtig, wie hoch der Leidensdruck der Patientin ist. Auch das Alter und die gesundheitliche Verfassung spielen eine Rolle. Desweiteren sollte natürlich beachtet werden, ob noch ein aktueller Kinderwunsch besteht.

Als häufigste Operation wird bei einer Gebärmuttersenkung die sogenannte vaginale Hysterektomie durchgeführt. Das bedeutet die Entfernung der Gebärmutter über die Scheide. Hierbei ist im Vergleich zur abdominellen Hysterektomie kein Schnitt am Bauch und somit keine große Operationsnarbe nötig.

Bei der Operation wird also die Gebärmutter komplett entfernt und gleichzeitig die Harnblase wieder etwas angehoben und fixiert, sodass die Symptome der Blasenschwäche und des Druckgefühls der Blase auf oder aus der Scheide heraus gemindert werden (vordere Scheidenplastik). Desweiteren wird auch der Dammbereich (zwischen Scheide und After) verstärkt. Dies geschieht durch das Vereinigen der eigenen Muskulatur, als auch, dass gegebenenfalls ein Kunststoffnetz eingelegt werden kann (hintere Scheidenplastik).

Falls mit der Gebärmuttersenkung gleichzeitig eine Blasenschwäche aufgetreten ist, kann auch dies bei der Operation behoben werden. Hierbei wird eine TVT (Tension-free vaginal tape) durchgeführt. Dabei wird ein Kunststoffband so um die Harnröhre drapiert, dass es gerade nicht mehr zu einem unwillkürlichen Harnabgang kommen kann als auch, dass eine normale Blasenentleerung möglich ist.

Das Risiko bei solch einer Operation ist, dass es auch erst durch den Eingriff zu einer Blasenschwäche (Stressinkontinenz) kommen kann. Auch kann es zu Rückfällen kommen, sodass eine Gebärmuttersenkung erneut auftreten kann. Generell wird aber so operiert, dass Rückfälle (Rezidive) so gut wie ausgeschlossen sein sollten.

Prognose

Alle Operationsmethoden haben eine Erfolgsrate von 90 – 95 %.

Prophylaxe

Als Prophylaxe für eine Gebärmuttersenkung gilt ein stabiler Beckenboden. Dieser kann durch Beckenbodentraining gefestigt werden.

Ebenso kann bei einer Adipositas eine rechtzeitige Gewichtsreduktion von Vorteil sein.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.01.2018
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