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Impfung gegen Kinderlähmung

Definition

Bei der Kinderlähmung, die fachsprachlich auch als Poliomyeltitis oder einfach nur als Polio bezeichnet wird, handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die zum Befall des zentralen Nervensystems (ZNS) führen kann. In den meisten Fällen bleibt eine Infektion symptomlos, bei manchen Betroffenen können allerdings bleibende Lähmungen zurück bleiben. In der Regel sind von diesen Lähmungen die Extremitäten betroffen. Ist auch die Atemmuskulatur betroffen, muss eine maschinelle Beatmung erfolgen und es kann zum Tod des Patienten kommen.

Die Kinderlähmung gilt in Deutschland als ausgerottet. Der letzte notierte Fall trat in Deutschland 1990 auf. Trotz allem empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Kinder gegen Kinderlähmung impfen zu lassen. In anderen Ländern, vor allem in Nigeria, Afghanistan und Pakistan ist die Erkrankung noch nicht ausgerottet, sodass Reisende die Erreger wieder nach Deutschland tragen können. Um die Krankheit im Idealfall weltweit auszurotten, ist es von Nöten, dass auch in Deutschland Kinder und Erwachsene weiterhin geimpft werden, sodass Deutsche keine potentiellen Überträger von eingereisten Erkrankten mehr darstellen. Es ist davon auszugehen, dass das Poliovirus das nächste ausgerottete Virus aufgrund einer weltweit durchgeführten Impfung darstellt.

Synonyme

Poliomyelitis, Polio

Englisch: Poliomyelitis

    Informationen über die Impfung

    Zur Prävention der Kinderlähmung gibt es einen Totimpfstoff der parenteral verabreicht wird. Die früher applizierte Schluckimpfung wird wegen der Gefahr einer vakzinassoziierten paralytischen Poliomyelitis nicht mehr verwendet. Gegen den parenteralen Impfstoff gibt es keine Kontraindikationen.

    Ab wann sollte geimpft werden

    Die erste Impfung gegen Kinderlähmung kann ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat verabreicht werden. In der Regel findet diese Impfung als Sechsfach-Impfung als sogenannter Kombinationsimpfstoff statt. Die Impfung findet dann gemeinsam mit einer Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Haemophilus influenzae und Hepatitis B statt, sodass Kinder nur einmal statt sechsmal geimpft werden müssen.

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    Wie häufig muss geimpft werden

    Um eine sogenannte Grundimmunisierung zu erreichen, muss der Impfstoff insgesamt viermal gespritzt werden. Hält man sich an den Impfkalender der Ständigen Impfkommission, dann finden die Impfungen mit dem vollendeten zweiten Lebensmonat, dritten Lebensmonat, vierten Lebensmonat und die letzte Impfung zwischen dem elften und vierzehnten Monat statt.

    Zwischen den einzelnen Impfungen sollten mindestens vier bis sechs Wochen Abstand liegen. Die gesamte Grundimmunisierung der Kinderlähmung findet gemeinsam mit fünf anderen Impfstoffen als Sechsfachimpfung statt. Zwar macht die Impfung als Kombinationsimpfstoff Sinn, trotzdem kann die Impfung gegen Kinderlähmung auch als monovalenter Impfstoff, also als Einzelimpfung verabreicht werden. In diesem Fall sind nur zwei bis drei Impfungen für die Grundimmunisierung nötig, die zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr durchgeführt werden.

    Wann muss aufgefrischt werden?

    Die Impfung gegen Kinderlähmung zählt zu den Impfungen die nach einem gewissen Zeitraum nach der Grundimmunisierung nochmals aufgefrischt werden muss, um einen dauerhaften Impfschutz zu gewährleisten. Die Auffrischimpfung wird für gewöhnlich gemeinsam in einem Kombinationsimpfstoff mit der Auffrischung für Tetanus, Keuchhusten und Diphtherie verabreicht. Sie sollte im Alter zwischen neun und siebzehn Jahren durchgeführt werden. Anschließend ist in der Regel keine weitere Auffrischimpfung mehr nötig. Nur in Einzelfällen wird eine weitere Auffrischimpfung zur Sicherheit empfohlen. Dies gilt für Reisende in Länder mit Polio-Infektionsrisiko, deren letzte Impfung gegen Polio mehr als zehn Jahre zurück liegt, sowie für Menschen die beruflich im Labor ein erhöhtes Risiko zur Exposition gegenüber Polioviren besitzen oder in Kontakt zu Polio-Patienten stehen.

    Kosten der Impfung

    Die Polio-Impfung kostet pro Injektion etwa 20€. Rechnet man mit vier Impfungen für die Grundimmunisierung und einer Impfung für die Auffrischimpfung, liegen die gesamten Kosten für die Polioimpfung etwa bei 100€.

    Wer trägt die Kosten?

    Da die Durchführung der Polio-Impfung von der Ständigen Impfkommission empfohlen wird, werden die Kosten für die einzelnen Teilimpfungen von der jeweiligen Krankenkasse komplett übernommen. Bis zum 18. Lebensjahr sind Patienten von Zuzahlungen für Impfungen befreit, danach kann es in Einzelfällen zu Zuzahlungen kommen.

    Nebenwirkungen der Impfung

    Die Polio-Impfung wird im Rahmen der Grundimmunisierung in der Regel als Sechsfach-Impfstoff verabreicht. Dabei handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe, die also keine lebenden Bestandteile der Erreger mehr enthalten. Totimpfstoffe gelten als unbedenklicher im Vergleich zu Lebendimpfstoffen. Der Sechsfach-Impfstoff wird gewöhnlich gut vertragen. Wenn es zu Nebenwirkungen kommt, ist in der Regel nur mit leichten lokalen Reaktionen, wie einer Rötung der Einstichstelle oder Schmerzen bei Bewegung des geimpften Armes zu rechnen. Selten kommt es auch zu einer leichten Allgemeinreaktion des Körpers mit Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, angeschwollenen Lymphknoten oder auch Magen-Darm-Beschwerden. Diese Impfreaktionen klingen typischerweise nach ein bis drei Tagen wieder ab.

    Die Nebenwirkungen einer Impfung treten durch die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems auf, das auf den Impfstoff mit einer Abwehrreaktion reagiert. Diese Abwehrreaktion ist gewünscht, da durch die Impfung eine Antikörperbildung des Körpers erzieIt werden soll, sodass bei erneutem Kontakt mit dem Erreger die Antikörper schneller gebildet werden können und es somit nicht zu einem Ausbruch der Erkrankung kommt. In Einzelfällen wurden allergische Reaktionen gegen den Impfstoff beobachtet.

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    Fieber nach Impfung gegen Kinderlähmung

    Teilweise kann es durch die Impfung zu hohem Fieber kommen, dass bis über 39 Grad steigen kann. Das Fieber sollte nach ein bis drei Tagen wieder abgeklungen sein und ist als Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff zu verstehen. Sehr selten (weniger als ein geimpftes Kind von 10.000) kann es im Rahmen des schnellen Temperaturanstiegs zu einem unkomplizierten Fieberkrampf kommen. In diesem Fall sollte zur Abklärung ein Arzt aufgesucht werden.

    Vor- / Nachteile der Impfung gegen Kinderlähmung

    Die Vorteile der Impfung gegen Kinderlähmung überwiegen bei weitem die Nachteile der Impfung. Als Nachteil der Impfung ist eigentlich nur aufzuzählen, dass es bei wenigen Kindern zu leichten aber unbedenklichen Impfreaktionen kommen kann. Da seit 1998 von einem Lebendimpfstoff auf einen Totimpfstoff umgestellt wurde, ist nicht mit einem Ausbruch der Erkrankung durch die Impfung zu rechnen.

    Durch die flächendeckende Impfung in Deutschland und in anderen Ländern, wird ermöglicht, dass die potentiell lebensbedrohliche Krankheit in Zukunft ganz ausgerottet wird. Dieses Ziel wird für viele Infektionskrankheiten gegen die geimpft werden kann angestrebt, erscheint für Polio aber momentan am realistischsten.

    Impfung gegen Kinderlähmung beim Erwachsenen

    Der Name „Kinderlähmung“ sollte einen nicht glauben lassen, dass nur Kinder sich mit der Infektionskrankheit anstecken können: auch Erwachsene können bei mangelndem Impfschutz betroffen sein. Die Ständige Impfkommission empfiehlt daher, bei einem fehlenden Impfschutz, sich auch als Erwachsener noch impfen zu lassen. Sowohl eine Grundimmunisierung plus Auffrischimpfung kann beim Erwachsenen noch nachgeholt werden, sowie eine versäumte Auffrischimpfung bei als Kind erhaltener Grundimmunisierung. Besonders bei Reisen in Risikogebiete sollte eine Impfung nachgeholt werden.

    Prognose der Kinderlähmung

    Die leichte Form der „minor illness“ führt häufig zu einer vollständigen, symptomfreien Heilung. Die Letalität der „paralytischen Poliomyelitis“ betrug früher 5-7%. Die peripheren Paresen gehen nur sehr langsam zurück. Um die Motorik wieder vollständig herzustellen sind Physiotherapie und eine optimale Lagerung notwendig. Die Rückbildung der Lähmungserscheinungen kann bis zu 1,5 Jahre dauern. Die bubläre Poliomyelitis hat hingegen eine sehr schlechte Prognose.

    Spätfolgen der Kinderlähmung können Gelenkkontrakturen, Muskelatrophien, Beinlängendifferenz und Armlängendifferenzen, Osteoporose und Skoliose sein.

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    Qualitätssicherung durch: Dr. med Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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