Lymphangitis im Arm

Was ist eine Lymphangitis im Arm?

Bei der Lymphangitis handelt es sich um eine Entzündung der Lymphbahnen. Diese Bahnen sind für den Transport der Lymphflüssigkeit zuständig. Während Arterien das Blut vom Herzen zu den Organen, den Armen und den Beinen führen, wird das Blut über die Venen wieder zurückgeleitet. Jedoch verbleiben etwa zehn Prozent der Flüssigkeit zunächst im Gewebe und werden anschließend über die Lymphbahnen zum Herzen zurückgeführt.

Kommt es zu einer Entzündung in diesen Gefäßen, entsteht eine sogenannte Lymphangitis. Von einer Lymphangitis im Arm spricht man, wenn mindestens eines dieser Lymphgefäße, die vom Arm oder auch der Hand wieder zum Herzen führen, entzündet ist.

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Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen, die einer Lymphangitis im Arm zugrunde liegen können. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Infektion, die an der Hand oder dem Arm liegt und von dort auch zu einer Entzündung der Lymphgefäße führt. Zunächst ist dabei oftmals nur das Weichteilgewebe (Haut, Unterhautfettgewebe, Muskeln etc.) entzündet. Breitet sich die Infektion weiter aus, können auch Gefäße, Nerven und Knochen betroffen sein.

Die Lymphgefäße sind klassischerweise für den Abtransport der Stoffe, die bei Entzündungsreaktionen anfallen, zuständig. Daher sammeln sich bei Entzündungen an der Hand oder im Arm besonders viele der Entzündungszellen und der bekämpften Krankheitserreger in den Lymphgefäßen. Reicht die körpereigene Immunabwehr nicht aus, kann dies auch zu einer Entzündung der Lymphgefäße (Lymphangitis) führen.

Typischerweise handelt es sich um größere Verletzungen beispielsweise durch einen Unfall oder eine Verletzung, die sich mit Bakterien infiziert. Dies hat eine ausgeprägte Entzündung mit gegebenenfalls einer Lymphangitis im Arm zur Folge.

Auch Verletzungen durch (Haus-)Tiere können die Ursache sein: Bei einem Tierbiss können Krankheitserreger aus dem Speichel in die Wunde gelangen und dort zu einer Infektion mit anschließender Lymphangitis führen.

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Grundsätzlich kann eine Lymphangitis auch durch andere Entzündungsvorgänge im Körper entstehen. So führen beispielsweise Autoimmunerkrankungen, bei denen das Abwehrsystem sich gegen den eigenen Körper richtet, auch zu Entzündungen. Jedoch sind in diesem Fall häufiger Blutgefäße und nur selten die Lymphgefäße von der Entzündung betroffen.

Diagnose

Die Diagnose einer Lymphangitis lässt sich oftmals bereits klinisch stellen. So stehen vor allem die Symptome und gegebenenfalls die Ursachen und Entstehung der Erkrankung bei der Diagnostik im Vordergrund. Dazu benötigt man zunächst einen Auslöser der Beschwerden wie beispielsweise eine offene und infizierte Wunde.

Anschließend macht sich die Lymphangitis am Arm durch eine Rötung der Lymphbahnen unter der Haut bemerkbar. Im Gegensatz zu einer flächigen Rötung durch eine Infektion der Weichteile breitet sich die Rötung bei einer Lymphangitis entlang der Gefäße aus und hinterlässt somit rote Streifen, die von der infizierten Stelle in Richtung der Schulter führen, auf der Haut.

In der weiteren Diagnostik sollte die infizierte Wunde untersucht werden. Man kann beispielsweise einen Wundabstrich nehmen und die Krankheitserreger bestimmen. So kann eine gezielte Therapie gegen die Keime eingeleitet werden. Gegebenenfalls kann auch eine weitere Ausbreitungsdiagnostik erfolgen, wenn beispielsweise der Verdacht auf eine zusätzliche Blutvergiftung besteht.

An diesen Symptomen erkenne ich eine Lymphangitis im Arm

Eine Lymphangitis hat ein besonders klassisches Symptom. Dabei breitet sich die Infektion entlang der Lymphgefäße aus und hinterlässt rote „Straßen“ auf der Haut. Diese Rötung verläuft strangförmig entlang des Verlaufs des Lymphgefäßes. Die Lymphgefäße ziehen in der Regel von den Fingern über die Hand und den Unterarm in Richtung der Schulter. So beginnt die Rötung bei einer Lymphangitis im Normalfall in der Nähe der infizierten Weichteile, von dort breitet sie sich langsam immer weiter in Richtung der Schulter aus.

Wie schnell die Ausbreitung stattfindet, ist teilweise von der Schwere der Infektion und teilweise von der Geschwindigkeit des Lymphabflusses abhängig. So kann sich die Rötung innerhalb weniger Stunden bereits einige Zentimeter oder sogar den gesamten Arm entlang ausbreiten.

Wie bei jeder Entzündung treten zudem die weiteren vier klassischen Entzündungssymptome auf: dazu gehören eine Schwellung, eine Überwärmung, Schmerzen und eine eingeschränkte Funktionalität der betroffenen Strukturen. Im Falle einer Lymphangitis am Arm kann dies zu einem Aufstau der Lymphflüssigkeit führen, wodurch beispielsweise der Arm oder die Hand durch Wassereinlagerungen anschwellen kann (Lymphödem).

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Die Schmerzen durch die Entzündung sind meist an der infizierten Stelle selbst am stärksten, können sich jedoch auch entlang der entzündeten Lymphbahnen ausbreiten. Bei einer ausgeprägten Lymphangitis können zudem systemische Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Leistungsschwäche und Kopfschmerzen auftreten. Gegebenenfalls kommt es gleichzeitig auch zu einer Blutvergiftung, die in schweren Fällen zu Kreislauf- und Atembeschwerden sowie einem ausgeprägten Krankheitsgefühl führen kann.

Schmerzen

Schmerzen sind eines der fünf klassischen Entzündungssymptome. Da es sich bei einer Lymphangitis am Arm um eine Entzündung der Lymphgefäße handelt, geht sie oftmals auch mit Schmerzen einher. Zum einen breiten sich die Schmerzen entlang der infizierten Lymphgefäße aus. Zum anderen gibt es meist eine Eintrittspforte für die Krankheitserreger (oftmals eine infizierte Wunde), die ebenfalls schmerzt.

Treten Komplikationen wie beispielsweise ein gestörter Lymphabfluss auf, können auch die Wassereinlagerung und die Schwellung zu Schmerzen führen. Der Grund dafür kann eine starke Dehnung der Haut oder auch ein Druck auf Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Nerven durch die Schwellung sein.

Behandlung

Die Behandlung einer Lymphangitis am Arm zielt zunächst auf die Beseitigung der Ursache ab. In der Regel handelt es sich dabei um eine Weichteilinfektion, die durch Krankheitserreger (meist Bakterien) entsteht. Nachdem ein Wundabstrich zur genauen Erregerbestimmung durchgeführt wurde, beginnt man im Normalfall eine lokale antibiotische Therapie. Außerdem sind eine regelmäßige Reinigung und eine Desinfektion der Wunde von besonderer Bedeutung. Je nach Tiefe der Wunde sollte ein steriler Wundverband aufgelegt werden, der regelmäßig kontrolliert und gewechselt wird.

Ist die Weichteilentzündung so stark ausgeprägt, dass sie eine Lymphangitis im Arm hervorruft, kann auch eine chirurgische Therapie notwendig sein. Häufig kommt es durch die Infektion und die Entzündung der Lymphgefäße zu einer Eiteransammlung im Gewebe (Abszess). Dieser muss gegebenenfalls chirurgisch eröffnet und ausgeräumt (mit antientzündlichen Mitteln ausgespült) werden. Anschließend wird die Wunde je nach Größe und Tiefe genäht oder mit einem sterilen Wundverband verschlossen.

Bei infizierten Wunden kann eventuell auch ein sogenannter sekundärer Wundverschluss notwendig sein. Dabei wird die Wunde zunächst gesäubert, aber nicht verschlossen. Anschließend lässt man dem Körper Zeit, die Krankheitserreger zu bekämpfen, therapiert gegebenenfalls zusätzlich mit Antibiotika und antientzündlichen Mitteln und verschließt die Wunde erst einige Tage später mit einer Naht, wenn die Entzündung auskuriert ist.

Kommt es im Rahmen der Lymphangitis zusätzlich zu systemischen Beschwerden wie Fieber, muss man oftmals ein Antibiotikum in Tablettenform oder sogar über die Vene geben. Auch fiebersenkende Mittel und Schmerzmedikamente können zum Einsatz kommen.

Hausmittel

Hausmittel, die bei einer Lymphangitis am Arm zum Einsatz kommen können, zielen vor allem auf eine Symptomlinderung ab. So können kühlende Umschläge verwendet werden, um die Entzündungssymptome der Gefäße entlang des Arms zu lindern. Dafür eignen sich Kühlpacks oder auch Quark- oder Kohlwickel. Außerdem können antientzündliche Öle auf die Wickel aufgetragen werden.

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Zudem gehört auch eine regelmäßige Reinigung der ursächlichen Wunden zur Therapie dazu. Dies sollte vor allem durch sauberes Wasser und gegebenenfalls auch antientzündlichen Spüllösungen erfolgen.

Dauer und Prognose

Bei einer Lymphangitis am Arm muss man häufig mit einem verlängerten Krankheitsverlauf rechnen. Im Gegensatz zu unkomplizierten Wunden haben sich die auslösenden Verletzungen häufig infiziert, sodass der Heilungsprozess mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Die genaue Dauer ist besonders davon abhängig, wie schnell und effizient die Krankheitserreger bekämpft werden können.

Gelingt es durch Antibiotika und andere antiinfektive Mittel, die Infektion schnell einzudämmen, kann die Lymphangitis folgenlos ausheilen. Bei schweren Infektionen muss gegebenenfalls der Entzündungsherd operiert werden, was Weichteilschäden und Narben an der betroffenen Stelle zur Folge haben kann. In besonders schweren Fällen muss eventuell das gesamte infizierte Gewebe entfernt werden.

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Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf beginnt normalerweise mit einer Wunde, die sich aufgrund von Verschmutzungen mit Krankheitserregern (meist Bakterien) infiziert. Es kommt zu einer Rötung und Schwellung mit Schmerzen an der infizierten Stelle. Anschließend beginnen die Krankheitserreger sich über die Lymphbahnen auszubreiten.

Dort führen sie ebenfalls zu einer Entzündung (Lymphangitis), sodass sich die Lymphgefäße ebenfalls röten. Dies fällt in Form von roten Streifen auf der Haut auf. Bei weiterem Fortschreiten der Infektion kann es irgendwann zu einer systemischen Entzündungsreaktion mit Fieber und Krankheitsgefühl kommen. Im schlimmsten Fall weitet sich diese Infektion bis hin zu einer Blutvergiftung aus, die unter Umständen lebensgefährliche Kreislaufstörungen mit sich bringen kann.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 17.03.2020 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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