Respiratorische Azidose

Definition

Bei einer respiratorischen Azidose handelt es sich um eine pH-Wert-Verschiebung im Blut in den sauren Bereich. Der normale pH-Wert des Blutes schwankt zwischen 7,38-7,45. Liegt eine respiratorische Azidose vor, so sinkt der pH-Wert. 

Wie der Name schon andeutet, ist das Vorliegen einer respiratorischen Azidose in einer Störung der Atmung begründet. Der Patient hypoventiliert, das bedeutet, er atmet weniger als normal. Eine ausgeglichene Atmung ist jedoch unabdingbar, um den physiologischen pH-Wert des Blutes aufrecht zu erhalten. Es liegt also nahe, dass wenn die Atmung gestört ist, sich auch der pH-Wert pathologisch verändert.

Ursachen

Die respiratorische Azidose entwickelt sich aufgrund von einer Hypoventilation, also einer Situation, in der der Patient zu wenig atmet. Er atmet also zu wenig CO2 aus, welches den größten Säureanteil im Blut darstellt. Gleichzeitig liegt aber auch ein anderes Problem vor: Durch die ungenügende Atmung atmet der Patient im Gegenzug auch zu wenig Sauerstoff ein.

Die Gründe für das Vorliegen einer Hypoventilation sind unterschiedlich, die häufigsten sind folgende:

  • Lungenerkrankungen, die die Atmung behindern, wie Asthma oder Bronchitis,

  • Die Schädigung des Atemzentrums,

  • Respiratorische Globalinsuffizienz.

COPD

Bei der COPD (englisch für “chronic obstructive pulmonary disease”) handelt es sich um eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Dabei liegt eine Verengung der Atemwege vor, sodass die Ausatmung behindert ist. Die Hauptsymptome dieser Erkrankung sind Atemnot, Husten und Auswurf

Die zwei häufigsten Ursachen sind das chronische Zigarettenrauchen sowie ein genetischer Defekt, der sogenannte Alpha-1-Antitrypsinmangel. In beiden Fällen liegt eine krankhafte Veränderung des Lungengewebes vor: Die elastischen Fasern der Lunge nehmen ab, das Gewebe “verhärtet” zunehmend. Es entstehen Lungenemphyseme, das sind kleine Lungenbläschen, die aufgrund des Mangels an elastischen Fasern überblähen und nicht mehr in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Sie nehmen somit nicht mehr am Gasaustausch teil. 

Da bei der COPD wie gesagt die Ausatmung nicht physiologisch, also nicht wie bei einem Lungengesunden, abläuft, verbleibt mehr CO2 in der Lunge, als es eigentlich sollte, und es resultiert eine respiratorische Azidose. Da der hohe CO2-Wert im Blut einen erhöhten Atemantrieb verursacht, atmen die Patienten vermehrt und überanstrengen sich dabei. Um sie zu entlasten, werden sie in der Klinik beatmet. Dadurch steht den Patienten mehr O2 bereit, außerdem atmen sie besser CO2 ab, wodurch sie auch weniger Atemzüge nehmen müssen.

Außerdem bekommen die Patienten bei einem akuten Ausbruch Medikamente, die die Bronchien weitstellen. Auch dies hilft den Betroffenen dabei, genügend und physiologisch zu atmen.

Diagnose

Die Diagnose der respiratorischen Azidose wird über die Blutgasanalyse des arteriellen Blutes gestellt. Das bedeutet, es wird nicht wie normalerweise aus einer Vene Blut abgenommen, sondern aus einer Arterie. Das Blut wird ins Labor geschickt. Dort wird der pH-Wert bestimmt sowie der genaue pCO2, also CO2-Partialdruck. Über diese Werte kann man dann zunächst einmal feststellen, ob eine Azidose vorliegt und ob der Grund dafür eine Hyperkapnie, also eine zu hohe CO2-Konzentration im Blut ist. Liegt der pH-Wert unter 7,35 und ist der pCO2 größer als 45 mmHg, so liegt definitionsgemäß eine respiratorische Azidose vor.

Lesen Sie auch unseren Artikel "Azidose", um mehr über das Krankheitsbild zu erfahren.

BGA

In der Blutgasanalyse werden bestimmte Parameter im arteriellen Blut gemessen, sodass man eine Aussage über den Säure-Base-Haushalt sowie über die Elektrolyte im Plasma treffen kann. 

Liegt eine isolierte respiratorische Azidose vor, so befinden sich folgende Werte außerhalb des Normbereichs:

  • pH <7,35

  • pCO2 > 44mmHg.

Liegt die respiratorische Azidose schon länger vor, kommt es zu einer sogenannten metabolischen Kompensation. Das bedeutet, dass das andere System, welches den Säure-Base-Haushalt reguliert, der Entgleisung entgegensteuert. Bei der respiratorischen Azidose liegt eine Störung des respiratorischen Systems, also der Lunge, vor. Um einer vollständigen Stoffwechselentgleisung entgegenzuwirken, greift in dem Fall das metabolische System ein, also die Niere. Um den pH weitestgehend im Normbereich zu halten, scheidet die Niere weniger Bicarbonat aus. Es werden also basische Valenzen im Körper behalten, um den sauren Überschuss einzubehalten. Das bedeutet, dass bei einer chronischen respiratorischen Azidose die BGA folgendermaßen aussehen könnte:

  • pH 7,34

  • pCO2 68,2 mmHg (statt wie normal zwischen 36-44 mmHg)

  • pO2 61% (aufgrund der insuffizienten Atmung ist das Blut ungenügend oxygeniert)

  • HCO3-  36,6 mmHg (normalerweise zwischen 22-26 mmHg)

  • BE +8 (normalerweise -/+2)

Interessieren Sie sich für den pH-Wert des Menschen im Allgemeinen? Dann lesen Sie auch unseren Artikel "pH-Wert beim Menschen".

Was können die langfristigen Folgen einer respiratorischen Azidose sein?

Wie bereits im Abschnitt “BGA” erwähnt, führt die respiratorische Azidose langfristig zu einer metabolischen Kompensation, wobei mehr Bicarbonat einbehalten wird. Dadurch wird der pH-Wert weitgehend neutral gehalten. 

Liegt eine ausgeprägte respiratorische Azidose vor, verfärben sich die Lippen des Patienten bläulich. Der Grund dafür ist, dass das Blut zu wenig Sauerstoff enthält. Die Patienten empfinden auch häufig Atemnot. Da die Atemnot aber ein unzuverlässiges Zeichen ist, sind andere Symptome ausschlaggebender:

 

Langfristige Folgen, die sich symptomatisch äußern, aber nicht akut lebensbedrohlich sind, sind folgende:

  • Müdigkeit

  • Stimmungsschwankungen

  • Leistungsknick

  • vermehrte Infektanfälligkeit

  • brüchige Nägel

  • Haarausfall

  • vermehrt Gelenkbeschwerden bei rheumatoider Arthritis.

 

Es ist eindrücklich, dass die respiratorische Azidose eine Reihe an unangenehmen Symptomen hervorrufen kann, weshalb eine Behandlung angestrebt werden sollte.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: An diesen Symptomen erkenne ich eine respiratorische Azidose

Therapie

Die primäre Therapie der respiratorischen Azidose besteht darin, die Ursache für diesen Zustand zu bekämpfen. 

Ist die Ursache eine Atemwegsbehinderung, so muss diese beseitigt werden. Häufig hilft es, die Patienten vorerst künstlich mittels Intubation zu beatmen, um physiologische Atembedingungen zu schaffen. 

Eine Bronchitis sollte antibiotisch behandelt werden.

Liegt die Atemdepression aufgrund von Opiat-Gabe vor, so sollte diese beendet werden. Um den Opiatspiegel zu neutralisieren, kann man ein Medikament geben, welches das Opiat wieder unwirksam macht.

Auch Medikamente, die die Atemwege erweitern, können hier Abhilfe schaffen. Meistens wird Theophyllin oder ein Beta-Sympatomimetikum in Form eines Sprays verabreicht, um die Bronchien zu erweitern und so die Atmung zu erleichtern. Das ist vor allem bei einer asthmatischen Erkrankung notwendig. 

Weitere Informationen zur Therapie von asthmatischen Erkrankungen finden Sie hier: Die wichtigsten Medikamente gegen Asthma.

Prognose

Die Prognose einer respiratorischen Azidose hängt ganz davon ab, was die Ursache für diesen Zustand ist und ob er nachhaltig behoben werden kann. 

Ist die Ursache eine reine Atemwegsbehinderung, so handelt es sich bei der respiratorischen Azidose um ein reines Symptom, welches verschwindet, sobald die Atemwegsbehinderung behoben wurde. 

Falls eine Schädigung des Hirnstamms vorliegt, so hat man in den meisten Fällen leider keine therapeutische Option. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Hirnstammschädigung dann vorliegt, wenn die Patienten nach schweren Unfällen auf der Intensivstation liegen und ihre Überlebenschancen sowieso schon sehr niedrig sind.

Leidet der Patient an COPD, sind seine Atemwege chronisch verengt. Das bedeutet, dass sich bei ihm auch eine chronische respiratorische Azidose entwickelt. Natürlich ist die COPD eine ernstzunehmende, progrediente Erkrankung, jedoch ist der Vorteil im Hinblick auf die respiratorische Azidose, dass der Körper sich langsam und sicher an diesen Zustand gewöhnen kann, ohne dass eine plötzliche Entgleisung erfolgt. Das bedeutet, dass der Patient mehrere Jahre unter diesen Bedingungen leben kann, wenn sie moderat sind und metabolisch ausgeglichen werden können. Voraussetzung dafür ist eine intakte Niere. Sollte eine akute Exazerbation der COPD auftreten, also ein akuter Anfall mit Luftnot, so bekommen die Patienten ein Sympathomimetikum, welches die Atemwege weit stellen kann. 

Insgesamt lässt sich sagen, dass es zahlreiche Ursachen für eine respiratorische Insuffizienz gibt. Die Therapie und Prognose sind extrem variabel und müssen individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 07.10.2019 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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