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Die Rhabdomyolyse

Definition

Bei der Rhabdomyolyse handelt es sich um eine Erkrankung, bei der es zu einem Zerfall der Muskulatur kommt. Betroffen ist davon jedoch nur die sogenannte quergestreifte Muskulatur, also unsere Skelettmuskulatur.
Durch den Zerfall der quergestreiften Muskulatur kommt es zur Freisetzung der einzelnen Muskelbestandteile. Daher führt eine Rhabdomyolyse zum Anstieg von Stoffwechselprodukten, Enzymen und Proteinen (Eiweißen) der Muskulatur im Blut. Die Rhabdomyolyse kann einzelne Muskeln und Muskelgruppen oder auch den gesamten Körper betreffen.

Statine als Ursache

Statine sind Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken sollen. Bei einem geringen Anteil der Menschen, die diese Medikamentengruppe einnehmen, wird durch den Wirkstoff eine Rhabdomyolyse ausgelöst. Dies trifft insbesondere auf Personen zu, die bereits viele andere Risikofaktoren für den Zerfall der Muskulatur vorweisen: Dazu gehören beispielsweise regelmäßige starke körperliche Anstrengung, hohes Alter, weibliches Geschlecht, das Vorhandensein von vielen weiteren Erkrankungen.

Es ist nicht genau vorherzusagen, wer durch Statine eine Rhabdomyolyse bekommt. Da die Rhabdomyolyse durch ihre Komplikationen jedoch lebensgefährlich werden kann, sollten die Statine sofort abgesetzt werden und der Muskelzerfall behandelt werden. Um das Herz-Kreislauf-Risiko trotz des Absetzens dieses Medikamentes zu senken, sollte eine ausführliche Beratung durch einen Kardiologen (Herzspezialisten) erfolgen.

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Die möglichen Ursachen

Bei den Ursachen der Rhabdomyolyse muss zwischen traumatischen und atraumatischen Gründen unterschieden werden. Traumata, wie beispielsweise eine Quetschung, ein Stromunfall oder trainingsbedingte Überanstrengung der Muskulatur können eine Rhabdomyolyse in einzelnen Muskelgruppen hervorrufen. Auch wenn bei einer starken Blutung der betroffene Körperteil abgebunden wird, kann die Muskulatur danach zerfallen.

Zu den atraumatischen Ursachen zählen vor allem Vergiftungen und Überdosierungen mit Medikamenten, Drogen, Tier- und Pflanzengiften, etc. Dadurch kommt es zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte (Blutsalze) oder einer Störung des Stoffwechsels der Muskulatur. Dies kann eine Rhabdomyolyse im gesamtem Körper in Gang setzen. Auch Infektionen oder Stoffwechselerkrankungen können zu einer Rhabdomyolyse führen.

Sport als Ursache

Eine Rhabdomyolyse kann grundsätzlich durch eine starke Überanstrengung im Sport hervorgerufen werden. Insbesondere durch Krafttraining oder durch Crossfit, werden die Muskeln besonders belastet. Entsteht dadurch ein deutliches Ungleichgewicht im Stoffwechsel und der Elektrolytzufuhr der Muskeln, können diese längerfristig geschädigt werden. Dabei sind häufig nur einzelne Muskelgruppen betroffen, nämlich diejenigen, die beim Sport überstrapaziert wurden.

Insbesondere Leistungssportler, die ihre Muskulatur regemäßig zu Höchstleistungen treiben, können im Blut gelegentlich Werte aufweisen, die einer Rhabdomyolyse entsprechen. Dies ist durch die starke Beanspruchung der Muskulatur zu erklären. Nicht zwangsläufig kommt es jedoch durch das intensive Training zum tatsächlichen Zerfall der Muskulatur.

Symptome einer Rhabdomyolyse

Die Rhabdomyolyse ist durch eine Vielzahl von Symptomen gekennzeichnet, die je nach Ursache der Erkrankung sehr unterschiedlich zur Ausprägung kommen können. In der Regel geht die Rhabdomyolyse zunächst mit Muskelschmerzen einher. Bei einem starken Zerfall der Muskulatur kommt es zunächst zu einer Muskelschwäche, später kann ein vollständiger Kraftverlust der betroffenen Muskelgruppe auftreten.

Ist die Ursache der Rhabdomyolyse ein traumatisches Geschehen, sind meist auch Begleitverletzungen vorhanden. So können auch nicht betroffene Muskelgruppen eine Quetschung oder einen Muskelfaserriss erlitten haben. Auch Verletzungen anderer Strukturen wie Knochen, Bänder, Gelenke, etc. sind möglich.

Bei einer atraumatischen Ursache wie beispielsweise einer Vergiftung treten Symptome wie Elektrolytstörungen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Bewusstseinseintrübungen bis hin zum Rausch oder zur Bewusstlosigkeit auf. Durch den hohen Gehalt der Muskelproteine (Myoglobin) im Urin, kann eine vorrübergehende Rotfärbung des Urins entstehen, man nennt dieses Symptom Myoglobinurie. Tritt in der Folge eine Nierenschädigung auf, können übermäßiges oder vermindertes Wasserlassen weitere Symptome sein.

Informieren Sie sich hier rund zum Thema: Muskelschmerzen

Die Diagnose

Die Diagnose der Rhabdomyolyse erfolgt zunächst klinisch. So eruiert der zuständige Arzt in einem Gespräch die Beschwerden der betroffenen Person. Am auffälligsten sind Muskelschmerzen, Kraftminderung und eventuell die Rotfärbung des Urins.

Zudem ist die Untersuchung des Blutes und des Urins wegweisend, da hier die einzelnen Muskelbestandteile durch den Zerfall der Muskulatur ins Blut geschwemmt werden. Von dort müssen sie über den Urin ausgeschieden werden. Bei einem akuten Nierenversagen können in der körperlichen Untersuchung zudem Wassereinlagerungen beobachtet werden.

Die Laborwerte zur Diagnostik

Bei der Rhabdomyolyse werden verschiedene Substanzen in einer Laboranalyse untersucht. Durch den Zerfall der Muskulatur gelangen die einzelnen Muskelbestandteile ins Blut. Daher kontrolliert man im Blut die Werte der Muskelenzyme, des Myoglobins (Muskelprotein) und der Elektrolyte. Auch das LDH wird überprüft, da es ein wichtiges Anzeichen für den Zerfall von Zellen ist. 

Anschließend werden diese Substanzen aus dem Blut gefiltert und über den Urin ausgeschieden, daher sind diese Werte auch im Urin nachweisbar. Insbesondere das Vorhandensein von Myoglobin im Urin ist ein starkes Anzeichen für die Rhabdomyolyse. Um eine Nierenschädigung rechtzeitig zu bemerken, werden auch die Laborwerte für die Niere aus dem Blut und dem Urin gemessen.

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Die Behandlung

Die Therapie der Rhabdomyolyse kann oftmals nicht ursächlich erfolgen. So kann eine Muskelverletzung durch ein Trauma nicht rückgängig gemacht werden. Jedoch können auslösende Medikamente und Gifte abgesetzt bzw. aus dem Körper ausgeschwemmt werden.

Ist eine Therapie der Ursache möglich, sollte dessen Behandlung schnellstmöglich erfolgen. Ansonsten konzentriert sich die Therapie auf die Symptome der Rhabdomyolyse. Dabei gilt es in erster Linie, die Niere in ihrer Funktion zu unterstützen. Da sehr viele Abfallprodukte über die Niere ausgeschieden werden müssen, empfiehlt sich die Gabe von großen Flüssigkeitsmengen (über 5 Liter), zusätzlich sollten Medikamente (sog. Diuretika) eingenommen werden, welche die Niere zu einer hohen Ausscheidungsmenge zwingen.
Um die Flüssigkeitsausscheidung zu kontrollieren ist zudem meist eine Flüssigkeitsbilanzierung notwendig. Dafür werden alle aufgenommenen und ausgeschiedenen Flüssigkeitsmengen zusammengerechnet. Auch durch tägliches Wiegen kann eine zu hohe oder zu geringe Flüssigkeitsausscheidung schnell entdeckt werden.

Bei einem akuten Nierenversagen ist die Niere in der Regel nicht in der Lage, genügend Flüssigkeit zu filtern und auszuscheiden, sodass auch die Ausscheidung der Muskelbestandteile nicht gewährleistet ist. Daher wird bei einem akuten Nierenversagen eventuell eine Dialyse (Blutwäsche mittels einer Maschine) notwendig.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema: akutes Nierenversagen.

Die Komplikationen

Die gefürchtetsten Folgen der Rhabdomyolyse sind die akute Nierenschädigung und die intravasale (innerhalb der Blutgefäße stattfindende) Blutgerinnung, da diese schnell lebensbedrohlich werden können. Auch eine Entgleisung der Elektrolyte (Blutsalze) ist möglich, dies kann zu Stoffwechselstörungen sowie Störungen der Muskelfunktion und damit auch der Herzmuskulatur führen.

Eine weitere Komplikation ist das Kompartmentsyndrom, bei dem es durch Flüssigkeitseinlagerung zu einem starken Anschwellen der Muskulatur kommt. Hat der Muskel nicht genug Platz um sich auszudehnen, kann er zugrunde gehen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Kompartmentsyndrom.

Nierenversagen als Komplikation

Das Nierenversagen beruht bei der Rhabdomyolyse auf einer Überforderung der Nieren. Durch den Muskelzerfall werden viele für den Körper giftige Stoffe aus den Zellen freigesetzt, sie gelangen ins Blut. Die Niere muss all diese Giftstoffe aus dem Blut filtern und ausschieden. Durch die hohe Menge, kann die Niere schnell versagen.
Insbesondere das Myoglobin, ein wichtiger Bestandteil der Muskulatur, kann das Filtersystem der Niere zusätzlich verstopfen und so zusätzlich die Niere schädigen. Das akute Nierenversagen kann lebensgefährlich werden.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: akute Nierenversagen.

Die Dauer

Die Dauer der Rhabdomyolyse ist stark von der Ursache abhängig. Bei Traumata dauert der Muskelzerfall meist einige Tage bis Wochen an. Bei chronischen Erkrankungen beispielsweise Stoffwechselkrankheiten, kann auch die Rhabdomyolyse über einen langen Zeitraum auftreten. Wie lang die Folgen zu spüren sind, ist stark davon abhängig, wie rechtzeitig und intensiv sie therapiert wurden.

Die Prognose

Die Prognose der Rhabdomyolyse ist besser, je eher die Erkrankung erkannt und behandelt wird. Ohne Komplikationen heilt die Rhabdomyolyse in der Regel folgenlos wieder ab.

Bei einem Nierenversagen oder schweren Blutgerinnungsstörungen können monatelange Krankenhausaufenthalte und lebenslange Schäden bis hin zum Tod nach wenigen Tagen auftreten. Solche Komplikationen können bei bis zu 15% der betroffenen Personen entstehen.

Weiterführende Information

Mehr Informationen zum Thema Rhabdomyolyse finden Sie hier:

Eine Übersicht aller Themen der Orthopädie finden Sie unter: Orthopädie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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