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Grüner Stuhlgang

Grüner Stuhlgang ist ein eher seltener Beratungsanlass beim Arzt und in den allermeisten Fällen auch nicht mit einem wirklichen Krankheitswert belegt. Einmalige Ereignisse sind meist auf Unregelmäßigkeiten im Ablauf der Verdauung zurückzuführen.

Erst ein mehrmaliges oder gehäuftes Auftreten von grünem Stuhlgang sollte Anlass zur Sorge und zur weiteren Abklärung geben. Auch hierbei eröffnen sich eine ganze Reihe potentieller Ursachen, die entweder die Leber, die Gallenblase oder aber auch den Darm betreffen können.

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Ursachen für grünen Stuhlgang

  • zu viel Galle/ unzureichende Gallenflüssigkeitsresorption:
    Die Galle wird zum besseren Verdauen der Nahrungsfette ausgeschüttet. Wenn es zu viel Galle ist oder sie nicht richtig rückresorbiert wird, kann es zur Grünfärbung kommen
     
  • Grünfärbung durch Nahrungsmittel:
    Sowohl grüne Lebensmittelfarbe als auch der natürliche grüne Farbstoff Chlorophyll können eine Grünfärbung des Stuhls bedingen
     
  • nach Antibiotikaeinnahme:
    Antibiotika töten einen Großteil der „guten“ Bakterien im menschlichen Darm, was dir Resorption und Aufbereitung des Speisebreis im Darm erheblich einschränkt.  

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Galle

Die Galle ist in aller Regel das erste, woran der Arzt denken wird, wenn ihm ein Patient von grünlichem Stuhlgang berichtet. Im Normalfall dient die Galle im Magen-Darm-Trakt dazu, Fette in der Nahrung besser resorbierbar zu machen. Dabei wird auch die Gallenflüssigkeit in der Regel zu einem gr0ßen Teil wieder mit resorbiert.

Ist nun also die Resorption im Darm gestört oder es wird zu viel Galle produziert oder die aufgenommene Nahrung wird zum Beispiel aufgrund von Durchfall wesentlich schneller durch den Darm befördert, kann die Galle nicht rückresorbiert werden und wird dann als grünlicher Farbstoff, der sich mit dem Stuhl vermischt hat, ausgeschieden.

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Lebensmittelfarbe

Auch Lebensmittelfarbe kann ein einfacher wie auch unbedenklicher Grund für eine Grünfärbung des Stuhls sein. Während eine kleine Menge meist keine Farbveränderung hervorruft, kann ein intensiver Gebrauch von grünem Farbstoff problemlos grünen Stuhl verursachen. Je unverarbeiteter die Lebensmittelfarbe aufgenommen wird, desto mehr erfolgt dabei Grünfärbung.
Aber auch andere grüne Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Chlorophyll können eine grünliche Farbveränderung hervorrufe. Grüne Soße oder Erbsenpüree wären Beispiele dafür.

nach Antibiotika

Grüner Stuhl infolge einer Antibiotikaeinnahme ist ebenfalls keine Seltenheit und ist dadurch bedingt, dass das Antibiotikum nicht nur die Bakterien attackiert, gegen die es wirken soll, sondern auch Bakterien betrifft, die im menschlichen Darm beheimatet sind.

Da das Antibiotikum geschluckt wird, wirkt es vornehmlich auf die Darmflora und wird nur zu einem geringen Teil aus dem Darm aufgenommen und dann über das Blut an die Stelle transportiert, wo es eigentlich wirken soll. Vielmehr wirkt der Großteil des Antibiotikums im Darm und tötet dort die Bakterien ab. Diese sind jedoch wichtig, um die aufgenommene Nahrung in vollem Umfang verdauen zu können und das maximale an Nährstoffen aus der Nahrung zu extrahieren.

Fallen durch das Antibiotikum nun diese Bakterien weg, funktioniert auch die richtige Verdauung der normalen Nahrung nicht mehr komplett.

durch Eisentabletten

Die Einnahme von Eisentabletten führt bei fast allen Menschen zu Veränderungen des Stuhlgangs. Bedingt ist dieser Umstand dadurch, dass im Darm nicht das komplette Eisen aufgenommen werden kann und somit durch den Stuhlgang einfach wieder ausgeschieden wird.

In aller Regel ist die dabei entstehende Farbe des Stuhls aber eher sehr dunkelbraun bis hin zum schwärzlichen und nicht klassisch grün, wie man es zum Beispiel bei durch die Galle hervorgerufenen Stuhlveränderungen der Fall wäre. Gegenüber dem Arzt sollte man die Einnahme der Eisentabletten aber auf jeden Fall erwähnen.

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Kann das ein Hinweis auf Krebs sein?

Das einmalige Auftreten von grünem Stuhl ist kein Indiz, das für das Vorliegen einer Krebserkrankung spricht. Erst bei wiederholtem Auftreten, oder wenn der Stuhlgang fortlaufend grün ist und sich keine andere passende Erklärung für die Grünfärbung des Stuhls findet, kann auch an Krebs gedacht werden.

Generell ist eine tumoröse Erkrankung der Gallenwege oder der Gallenblase sehr selten. Eine weitere potentielle Quelle könnte allerdings eine Krebserkrankung der Leber sein, die für die Produktion der Galle verantwortlich ist. In aller Regel geht einem Lebertumor aber eine Leberzirrhose voran, die aufgrund vieler Symptome diagnostiziert wird.

Kurzum: Sollte die Leber der Grund sein, wissen die Patienten in aller Regel um die Möglichkeit der Krebsentstehung auf dem Boden einer Leberzirrhose. Tumore der Gallenblase sind äußerst selten, können sich jedoch auch durch wiederholten grünen Stuhlgang äußern.

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Diagnose

Eine korrekte Diagnose beginnt in aller Regel mit einer ausführlichen Anamnese. Hierbei geht es darum, wie lange das Problem schon besteht und wie häufig der grüne Stuhlgang auftritt.

Gibt es für den behandelnden Arzt keine naheliegende Erklärung, wird in der Regel eine Sonografie, also eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs angeschlossen. Sie liefert erste Hinweise auf den Zustand und die Größe der Gallenblase bzw. der Leber.

Ist hiermit keine klare Beurteilung möglich, kann zu einer endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikographie (kurz ERCP) gegriffen werden. Dabei handelt es sich um ein Ultraschallgerät, dass unter Narkose vom Mund bis in den Dünndarm vorgeschoben wird, um hier einen direkteren Blick auf die Gallenblase zu erhaschen. Liefert auch diese Untersuchung keine stichhaltigen Anhaltspunkte, wird eine CT-Untersuchung angeschlossen.

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An diesen Symptomen erkenne ich, dass mein grüner Stuhlgang krankhaft ist

Krankheitsverdächtig ist stets eine Beimengung von Blut im Stuhl. Ist der Stuhl also nicht nur grünlich, sondern hat auch noch Auflagerungen aus Blut, so ist dies ein Indiz für eine schwerwiegendere zugrunde liegende Erkrankung und sollte möglichst zügig abgeklärt werden.

Weiterhin ist es bedenklich, wenn der die Frequenz des grünen Stuhlgangs zunimmt. Kommt es also dauerhaft zum grünen Stuhl, sollte dies abgeklärt werden. Keinen unmittelbaren Krankheitswert hat dabei der Geruch des Stuhlgangs. Ähnlich wie bei der Farbe gilt allerdings auch hier: Sollte sich dieser Zustand dauerhaft einstellen und kein „normaler“ Stuhlgang mehr ausgeschieden werden, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.
 

Blähungen

Blähungen treten in Kombination mit grünem Stuhlgang meist dann auf, wenn eine Durchfallerkrankung der Grund dafür ist. Befallen durchfallverursachende Erreger den Darm, kann es bei bestimmten Bakterienarten zu einer gesteigerten Gasproduktion kommen, die sich dann in Form von Blähungen bemerkbar macht, da die Luft aus dem Darm irgendwie entweichen muss.

Generell kann aber auch beobachtet werden, dass bei der Verstoffwechselung von rohem Gemüse eine vermehrte Gasproduktion im Darm einsetzt. Isst man also viel Chlorophyllhaltiges, rohes Gemüse, so kann dies Erklärung für die Blähungen und für die Grünfärbung des Stuhlgangs sein.

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Welcher grüne Stuhlgang ist behandlungsbedürftig?

  • Behandlungsbedürftig wird der grüne Stuhlgang dann, wenn sich das Auftreten häuft bzw. grüner Stuhlgang zur Gewohnheit wird. Dies erhärtet den Verdacht eines systemischen Problems, dessen man sich annehmen sollte.
     
  • Weiterhin gilt eine Blutbeimengung zum grünen Stuhl als unbedingte Behandlungsindikation. Dies ist zumeist Hinweis auf eine Blutung im endstreckigen Verlauf des Darms und kann Hinweis für einen Tumor sein. Dies sollte also in jedem Fall weiter abgeklärt werden.
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  • Auch eine eher schwärzliche Färbung des Stuhls, ggf. mit kleinen schwarzen Klümpchen sollte unbedingt weiter untersucht werden. Dies kann Hinweis auf eine Blutung im Bereich des Magens sein, die man sehr gut behandeln kann.
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  • Weiterhin gilt, wenn der grüne Stuhl mit Schmerzen im Bauchbereich einhergeht, sollte er abgeklärt und sofern möglich behandelt werden.

Grüner Stuhlgang beim Baby

Beim Neugeborenen ist es vollkommen natürlich, dass der erste Stuhlgang eine grüne Farbe aufweist. Dabei handelt es sich um das sogenannte Mekonium, umgangssprachlich auch als Kindspech bezeichnet.

Es sollte innerhalb der ersten ein bis zwei Tage ausgeschieden werden und kann als Indiz dafür gewertet werden, dass die Magen-Darm-Aktivität des Neugeborenen in Ordnung ist. Das Mekonium besteht zu einem gewissen Anteil aus grünlicher Gallenflüssigkeit. Das der Fetus allerdings noch keine Möglichkeit hatte, fetthaltige Speisen aufzunehmen, sondern im Mutterleib nur Fruchtwasser „getrunken“ hat, Wird ein Großteil der zugeführten Galle einfach mit ausgeschieden und färbt den ersten sehr wässrigen Stuhl des Babys grün.

Sollten jedoch auch die folgenden Darmentleerungen des Neugeborenen trotz Muttermilchgabe grün bleiben, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Kommt es hingegen nicht zum Abgang des Mekoniums nach der Geburt und generell zu keinem Stuhlgang, so liegt der Verdacht eines Darmverschlusses nahe, der so schnell wie möglich behoben werden muss.

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Grüner Stuhlgang beim Kind

Grüner Stuhlgang ist bei Kindern in den allermeisten Fällen eine Folge der Ernährung. Je nach Menge des aufgenommenen Lebensmittels kann es dabei zu mehr oder weniger deutlichen Farbveränderungen des Stuhls kommen. So können beispielsweise Süßigkeiten mit viel grüner Lebensmittelfarbe eine Grünfärbung bedingen.

Aber auch der vermehrte Verzehr von grünem Gemüse wie Erbsen, Brokkoli oder grünem Obst, wie grünen Trauben, kann die Verfärbung auslösen. Je nachdem, wie viel die Kinder gegessen haben, kann es auch zu Bauchschmerzen kommen.
Erst wenn die Grünfärbung länger anhält und der Grund nicht mehr in den gegessenen Lebensmitteln liegen kann, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

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Dauer / Prognose

In aller Regel handelt es sich bei grünem Stuhlgang um ein einmaliges Ereignis, das seinen Ursprung in der Ernährung oder einer kurzzeitigen Dysregulation des Darmes hat, also vollkommen unbedenklich ist.

Sobald sich die Verhältnisse wieder normalisiert haben, gewinnt auch der Stuhl seine normale Farbe zurück. Setzt sich der die grüne Farbe des Stuhls jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg fort, so sollte unbedingt Ursachenforschung betrieben werden. In der Regel handelt es sich auch hierbei um harmlose Ursachen, die simpel behoben werden können.

Nur in sehr seltenen Fällen ist die Grünfärbung tumorös bedingt.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.09.2020
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