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Stuhlgang

Einleitung

Der Stuhlgang, auch Defäkation oder Egestion genannt, bezeichnet das Ausscheiden von Stuhl (Kot) aus dem After. Er entsteht durch die Verdauung der zugenommen Nahrung und besitzt normalerweise eine braune Farbe. Die braune Farbe kommt durch das sogenannte Sterkobilin zu Stande, welches entsteht, wenn die Gallenflüssigkeit im Darm abgebaut wird. Andere Farbtöne werden in folgenden Abschnitten des Artikels behandelt.

Zu seinem größten Teil besteht der Stuhl aus Wasser (in der Regel zu 75 %). Die restlichen Bestandteile sind unverdaute Nahrungsreste, Fette, Darmbakterien (etwa 10 %) und –sekrete sowie Verdauungssäfte (wie Gallenflüssigkeit).

In der Regel spricht man von einer normalen Stuhlfrequenz (Häufigkeit des Stuhlgangs), wenn dieser nicht unter 3 Mal in der Woche sowie nicht häufiger als 3 Mal am Tag auftritt. Wenn Stuhlgang öfter auftritt, spricht man nicht automatisch von Durchfall, sondern von einer „hohen Stuhlfrequenz“, da die Diagnose Durchfall von der Konsistenz des Stuhlgangs abhängig ist und somit nur vorliegt, wenn der Stuhlgang wasserartig ist (siehe unten: Bristol Stool Scale).

Ebenso handhabt es sich mit Verstopfung, die vorliegt, wenn der Stuhlgang über Tage nur schwer auszuscheiden ist. Oft wird dabei starkes Pressen mit der Bauchmuskulatur angewendet, was wiederum zu einem Hämorrhoidalleiden führen kann. Somit ist angeraten, den Stuhlgang auf eine andere Weise, wie beispielsweise durch eine Ernährungsumstellung, zu fördern.

Durchschnittlich beträgt die Stuhlmenge eines Erwachsenen 200 bis 300 Gramm pro Tag. Diese kann aber je nach Nahrungsaufnahme stark variieren. Vor allem bei ballaststoffreicher Ernährung kommt es zu größeren Stuhlmengen bis zu 1 kg.

Der Geruch ist ebenfalls ein wichtiger Parameter des Stuhlgangs. In der Regel ist der Geruch nicht angenehm und wird somit bei nicht übermäßig übelriechendem Geruch als normal bezeichnet. Kommt zu dem Geruch allerdings eine säuerliche oder faulige Note oder sogar metallischer Blutgeruch hinzu, kann dies auf eine vorliegende Erkrankung hinweisen.

Treten Beschwerden beim Stuhlgang auf sollten diese bei einem Arztbesuch abgeklärt werden.

Bristol Stool Scale

Nach der Bristol Stool Scale, zu deutsch Bristol-Stuhlformen-Skala, wird der Stuhlgang nach seiner Form und Beschaffenheit in verschiedene Typen eingeteilt. Sie soll als diagnostisches Hilfsmittel dienen um abschätzen zu können, wie lange die Nahrung vom Aufnahmezeitpunkt bis zur Ausscheidung braucht.

Dabei werden sieben Typen an Stuhlarten unterschieden:

  • Typ 1 ist dabei der Stuhltyp, der die längste Passagezeit durch den Darm benötigt (bis zu 100 Stunden) und dann nur schwer auszuscheiden ist. Vom Aussehen her erscheint er etwa haselnussgroß und klumpenförmig.
  • Typ 2 ist ebenfalls klumpig, aber nimmt bereits eher eine wurstartige Form ein.
    Typ 1 und 2 zeigen eine eventuelle Verstopfung an.
  • Der dritte Typ erscheint wurstartig mit Rissen an der Oberfläche.
  • Typ 4 ist wurst- oder schlangenartig, von der Konsistenz her weich und von der Oberfläche her glatt.
  • Typ 3 und 4 werden als die idealen Stuhlarten angesehen, da sie einfach auszuscheiden sind und dem Körper nicht viel Flüssigkeit rauben.
  • Typ 5 erscheint als einzelne weiche Stuhlklümpchen, die einen glatten Rand vorweisen. Sie sind nicht schwer auszuscheiden.
  • Typ 6 kann man als flockige Stückchen mit unebenen Rand oder auch als breiig bezeichnen.
  • Typ 5 und 6 tendiert in Richtung Durchfall (Diarrhoe).
  • Typ 7 ist wasserartig. Hierbei kommen keine festen Bestandteile vor, der Stuhl ist komplett flüssig. Typ 7 wird auch als Durchfall definiert.

Gelber Stuhl

Gelber Stuhl ist in den meisten Fällen eine natürliche Farbvariation. Bestehen keine weiteren Symptome, liegt die Ursache meist in der Nahrungsaufnahme der vorherigen Tage. Ein hoher Konsum von Eiern, Milchprodukten oder stärkehaltiger Kost wie Kartoffeln, Getreide oder Hülsenfrüchte können zu gelblichen Stuhlgängen führen. Dies ist auch der Grund, warum Babys häufig (gold-)gelbe Stühle haben, wenn sie ausschließlich mit (Mutter-) Milch gefüttert werden (sogenannter „Muttermilchstuhl“).

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Fettstuhl

Allerdings gibt es auch Erkrankungen, bei denen der Stuhl eine gelbe Farbe annehmen kann. Meist zeigt sich gelber Stuhl nicht als einziges Symptom einer vorliegenden Krankheit. In der Regel treten analog dazu noch andere Symptome wie beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen oder starke Müdigkeit auf. Ein Besuch beim Arzt ist in diesem Falle angeraten. Ursachen können zum Beispiel Magen-Darm-Erkrankungen wie bakterielle Darmentzündungen (Enteritis) oder Salmonellen sein, ebenso Allergien oder Nahrungsmittelintoleranzen. Therapiert wird, wenn nötig, nach Vorliegen einer bestehenden Grunderkrankung.

Anzumerken ist zudem, dass gelber Stuhl häufig mit dem sogenannten „hellen Stuhl“ verwechselt wird, welcher auf Erkrankungen der Leber, Galle oder Bauchspeicheldrüse und somit des Fettstoffwechsels hindeuten kann.

Weitere ausführlichere Informationen lesen Sie unter: Gelber Stuhlgang - Was habe ich?

Schwarzer Stuhl

Bei Auftreten von schwarzem Stuhlgang muss zunächst differenziert werden, ob dieser lediglich schwarzbraun bzw. sehr dunkel ist oder tatsächlich eine tiefschwarze Farbe aufweist. Bei schwarzbraunem Stuhlgang sollte analog zum gelben Stuhlgang zunächst die eigene Nahrungsaufnahme des Vortages reflektiert werden. Rotwein, Rotkohl, rote Bete oder auch Kirschen können zu einer derartigen Verfärbung führen. Auch Eisenpräparate machen einen schwarzen Stuhl, ebenso wie Kohletabletten und einige andere Medikamente (ein Blick in den Beipackzettel unter „Nebenwirkungen“ sollte die Frage beantworten können).

Lesen Sie mehr dazu in unserem Hauptartikel: Farben des Stuhlgangs

Stuhlgang mit einer tiefschwarzen Farbe, der zudem übel riecht und glänzt wird als „Teerstuhl“ bezeichnet. Tritt diese Art von schwarzem Stuhlgang auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden um die Ursache abzuklären. Kommt es zu zusätzlichem Erbrechen von Blut muss notfallmäßig gehandelt werden.
Mögliche Ursachen für Teerstuhl können Blutungen des Gastrointestinaltraktes (Magen-Darm-Trakt) vor allem im oberen Bereich sein, beispielsweise von Krampfadern in der Speiseröhre, die gerissen sind oder durch eine Magenblutung.
In Kombination mit sehr unregelmäßigem Stuhlgang und Verstopfung und Durchfall im Wechsel kann dies auf einem Tumor hindeuten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schwarzer Stuhlgang sowie Blut im Stuhl

Schleim im Stuhl

Bei Auftreten von Schleim im bzw. auf dem Stuhl sollte dieser zunächst in seiner Farbe und Menge beobachtet werden sowie auf Begleiterscheinungen geachtet werden, da Schleim auf dem Stuhl allein noch keinen Krankheitswert besitzt. Bei Auftreten über einen kurzen Zeitraum ist die Ursache meist eine Harmlose, wie zum Beispiel eine Änderung in der Nahrungsaufnahme oder eine infektiöse Ursache.
Tritt der Schleim allerdings über einen längeren Zeitraum auf und ist mit anderen Symptomen wie Bauchschmerzen, Fieber oder Übelkeit verbunden oder nach einer Reise in beispielsweise tropische Gebiete aufgetreten, dann sollte dieser bei einem Arzt abgeklärt werden.

Ursachen für Schleim im Stuhl können vor allem Nahrungsmittelintoleranzen/-allergien wie die Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) oder Laktose- und Fruktoseintoleranz sein. Desweiteren tritt auch bei Polypen im Darm oder den Autoimmungerkrankungen Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn Schleim im Stuhl über einen längeren Zeitraum auf.

Therapiert wird Schleim auf dem Stuhl im Zuge der Therapie der eventuell bestehenden Grunderkrankung.

Haben Sie Interesse an diesem Thema? Ausführliche Informationen hierzu können Sie in unserem nächsten Artikel nachlesen: Schleimiger Stuhlgang

Blut im Stuhl

Für Blut im Stuhl gibt es viele Ursachen. Neben ernstzunehmenden Erkrankungen kann Blut im Stuhl allerdings auch harmlose Ursachen haben.

Es gibt verschiedene Arten von „Blut im Stuhl“. Bei der sogenannten „Hämatochezie“ sind hellrote Auflagerungen auf dem Stuhl sichtbar. Da dies auf frisches Blut hinweist, geht man hier in der Regel von einer Blutung im unteren Abschnitt des Darms oder bestehenden Hämorrhoiden aus.
„Meläna“ (=Teerstuhl), sollte auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden (siehe Abschnitt „Schwarzer Stuhl“).

Wenn helles Blut auf oder im Stuhl zu sehen ist, spricht man von „rotem Blutstuhl“. Dieser kann seine Ursache von Blutungen in den oberen Abschnitten des Gastrointestinaltraktes haben, vor allem dann, wenn der Darminhalt den Darm sehr schnell passiert und das Blut nicht „verdaut“ wird und somit in dem Sinne „keine Zeit hat eine schwarze Farbe anzunehmen“.
Des Weiteren können auch Darmerkrankungen, wie Darmdivertikel oder Morbus Crohn sowie Colitis Ulcerosa, Blut im Stuhl verursachen.
Blut im Stuhl kann zudem „äußere Ursachen“ haben, wie ein blutender Riss im After oder weiteren Analbereich.

Bevor man mit einer Therapie beginnt, ist es somit wichtig die Ursache ausfindig zu machen. Bei Verdacht auf Blut im Stuhl ist es möglich beim Arzt einen „Hämoccult-Test“ durchführen zu lassen. Dieser sollte „okkultes (= verstecktes) Blut“ detektieren. Der „Hämoccult-Test“ wird standardmäßig ab dem 50. Lebensjahr jährlich als Darmkrebsvorsorge empfohlen und kann in der Regel beim Hausarzt veranlasst werden. Alternativ besteht die Möglichkeit eine Darmspiegelung durchführen zu lassen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter:

Stuhlgang anregen und fördern

Will man seinen Stuhlgang anregen, helfen in der Regel schon Veränderungen im Trink- und Essverhalten. Viel Trinken (2-3 Liter täglich) von Wasser regt die Verdauung und somit den Stuhlgang an. Am besten ist nach wie vor der Konsum von Wasser oder anderen zuckerfreien Getränken. Auch Kaffee hat eine verdauungsfördernde Wirkung, kann aber bei übermäßigem Genuss auch Verstopfung verursachen.

Allgemein gilt ballaststoffreiche Ernährung als fördernd für den Stuhlgang. Einerseits gilt hier, je mehr desto besser, andererseits kann ballaststoffreiche Ernährung (Obst, Gemüse, Vollkornprodukte) auch zu unangenehmen Blähungen führen, weswegen ein individuelles Maß gefunden werden muss. Empfohlen werden Obstsorten wie Trauben oder Birnen. Auch Trockenobst (z.B. Feigen, Pflaumen) enthält viele Ballaststoffe. Des Weiteren haben Gemüsesorten wie Salate, Tomaten, Gurken, Karotten in der Regel einen verdauungsfördernden Effekt und lösen zudem seltener Blähungen aus.
Es sollte darauf geachtet werden, dass die Mahlzeiten in Ruhe eingenommen werden und Zeit für einen Toilettengang mit eingeplant wird, da die Unterdrückung des Stuhlgangs eine verstopfungsförderende Wirkung besitzt.

Des Weiteren fördert Bewegung die Verdauung und regt somit den Stuhlgang an. Ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten wird empfohlen. Auch Stressreduktion sowie ausreichender Schlaf fördern eine gute Verdauung.

Brennen nach dem Stuhlgang

Für Brennen nach oder bei dem Stuhlgang gibt es unterschiedliche Ursachen. Zum einen muss eine ordentliche Hygiene beachtet werden um Brennen nach dem Stuhlgang zu vermeiden. Allerdings ist es hierbei wichtig, dass nicht nur drauf geachtet wird, eine gründliche Hygiene nach dem Stuhlgang zu betreiben, sondern auch, dass nicht zu viel gereinigt wird. Denn auch eine zu gründliche Hygiene kann, wenn die Haut „aufgescheuert“ wird und sich dadurch entzündet, zu Hautirritationen führen, die ein Brennen der geschwächten Analschleimhaut auslösen.

Zum anderen können auch Erkrankungen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren eine Ursache für das Brennen darstellen. Bei Hämorrhoiden wird das Brennen meist von Jucken und hellrotem Blut im Stuhl begleitet. Analfissuren stellen kleine Risse in der Schleimhaut dar. Wenn Stuhl an diesen Rissen vorbeigleitet wird, führt dies zum Brennen beim sowie nach dem Stuhlgang. Zudem kann es zu Entzündungen kommen, wenn Keime über die Risse in die Blutbahn gelangen.

Seltener führen Wurminfektionen zu Brennen nach dem Stuhlgang. Diese sollten aber nach einer längeren Reise in vor allem „tropische“ Länder bedacht werden. Sehr selten ist Analkrebs die Ursache für Afterbrennen.

Des Weiteren führt der Verzehr von scharfen Speisen, vor allem der Genuss von Chili(schoten), Peperoni oder viel Pfeffer zu Brennen beim Stuhlgang. Dies ist unbedenklich und verschwindet in der Regel bei unterlassen der Aufnahme von scharfen Nahrungsmitteln vollständig.

Bei längerem Bestehen von Brennen nach dem Stuhlgang, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.
Wird dem Juckreiz, der häufig das Brennen begleitet, nachgegeben, können Risse in der Analschleimhaut entstehen, die zu vermehrten Brennen bei Stuhlgang führen.

Lesen Sie hierzu auch: Brennen am After.

Weitere Informationen zum Thema Stuhlgang

Weitere Informationen zum Thema Stuhlgang finden Sie hier:

Eine Übersicht aller Themen aus der Inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 03.04.2019
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