Bakterien im Blut - Wie gefährlich ist das?

Einleitung

Das Auftreten von Bakterien im Blut (Bakteriämie) ist ein häufiges Phänomen und kann bereits infolge harmloser Aktivitäten, wie Zähneputzen auftreten. Deren alleiniger Nachweis stellt primär keine Behandlungsindikation dar.

Eine körperliche Reaktion des Immunsystems mit gleichzeitigem Nachweis von Bakterien bzw. deren Toxinen im Blut muss umgehend behandelt werden. Es handelt sich um eine potenziell lebensbedrohende Erkrankung. Kommt es zum septischen Schock, bedeutet jede Verzögerung bis zum Beginn der antibiotischen Therapie eine Verschlechterung der Überlebenschancen um rund acht Prozent pro Stunde.
Eine schwere Sepsis tritt auf, wenn sich die Krankheitserreger bzw. deren Gifte im Körper ausbreiten und auf Organe übergreifen. In einem solchen Fall kommt es zum akuten Versagen mindestens eines, mitunter lebenswichtigen, Organs. Neben dem Kreislaufversagen (allgemein "Schock"), stehen das Versagen des Atemapparates und eine Niereninsuffizienz im Vordergrund.
Vom septischen Schock spricht man, wenn nicht nur ein Organ, sondern mehrere ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Zugrunde liegende Ursache ist eine stark reduzierte Gewebedurchblutung. Hiervon betroffen sind insbesondere Nieren, Lunge und Leber.


Welche Symptome habe ich, wenn ich Bakterien im Blut habe?

Bakterien im Blut können ein weites Spektrum an Symptomen verursachen. Dies hängt vor allem davon ab, wie viele Bakterien in das Blut gelangen und wie lange sie sich dort aufhalten. Bereits nach heftigem Zähneputzen kann eine geringe Menge an Bakterien in den Blutstrom gelangen. Dies verursacht allerdings im Normalfall keine merklichen Symptome. Außerdem werden die Bakterien normalerweise schnell durch den Körper wieder eliminiert. Gelangen größere Mengen an Bakterien in die Blutbahnen kann sich dies durch Abgeschlagenheit oder ein Gefühl von Krankheit bemerkbar machen. Allerdings kann der Körper auf eine größere Menge an Bakterien im Blut auch mit schweren Symptomen wie Fieber oder starken Kreislaufproblemen reagieren. Dies wird meist als Sepsis bezeichnet. Zu beachten ist, dass Bakterien bei einem gesunden Körper nur schwer in die Blutbahnen gelangen können. Deshalb muss meistens eine lokale Infektion, wie beispielsweise eine Zahnfleischentzündung vorrangehen. Diese ursprüngliche Infektion wird natürlich ebenfalls Symptome verursachen.

 


Bakterien im Blut bei hohem Fieber

Eine Sepsis mit Bakterien im Blut ist in ihrem Frühstadium nicht immer eindeutig zu erkennen. Die Symptome, wie hohes Fieber, sind zunächst unspezifisch. Dies bedeutet, dass die Krankheitsbeschwerden auch im Zusammenhang mit vielen anderen Erkrankungen einher gehen können. Hohes Fieber tritt beispielsweise auch bei einem grippalen Infekt oder der Grippe auf.
Typischerweise handelt es sich um eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Innerhalb kurzer Zeit kann die Körpertemperatur auf deutlich über 38°C ansteigen. Meist leiden die Betroffenen gleichzeitig an Schüttelfrost.
Weitere unspezifische Symptome können neben dem Fieberanstieg eine hohe Puls- und Atemfrequenz, verändertes Bewusstsein, unbestimmte Schmerzen an verschiedenen Körperstellen und Entzündungszeichen am Ort der ursprünglichen Infektion sein. Doch nicht immer tritt eine Sepsis in Verbindung mit hohem Fieber auf. Bei manchen Betroffenen sinkt die Körpertemperatur unter den normalen Wert ab.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Ursachen von Fieber.

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Bakterien im Blut und Gelenkschmerzen

Bakterien im Blut können aus mehreren Gründen mit Gelenkschmerzen im Zusammenhang stehen. So können Bakterien zunächst ein Gelenk infizieren, um dann von dieser lokalen Entzündung aus in den Blutstrom zu gelangen. Ein infiziertes Gelenk ist sehr schmerzhaft, es kann gerötet und geschwollen sein. Andererseits ist es auch denkbar, dass Bakterien, die sich im Blut befinden, ein Gelenk befallen. In diesem Fall kommt es also erst zu Bakterien im Blut und dann zu einem Befall der Gelenke. Auch Borrelien können Gelenke befallen. Dies wird als Lyme Arthritis bezeichnet. Meist gelangen Borrelien über das Blut in die betroffenen Gelenke. Nicht immer müssen Bakterien sich direkt im Gelenk befinden, um einen Schaden anzurichten. Bei der sogenannten reaktiven Arthritis kommt es zu einer Entzündung der Gelenke nachdem eine bakterielle Erkrankung überstanden wurde. Typischerweise geschieht dies nach Infektionen mit Gonokokken, auch Tripper genannt, Chlamydien oder nach einem Magen-Darm-Infekt. Nicht die Erreger greifen in diesem Fall die Gelenke an, sondern das Immunsystem. Unklar ist, warum es hierzu kommt. Die Erreger können, aber müssen nicht im Blut nachweisbar sein.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Gelenkschmerzen
 

Sind Bakterien im Blut ansteckend?

Um diese Frage eindeutig klären zu können, ist es zunächst wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass man unter einer Ansteckung die aktive oder passive Übertragung eines Krankheitserregers in einen anderen Organismus, wie dem menschlichen Körper, versteht. Verbleibt der Erreger in diesem und kann sich anschließend vermehren, kommt es zur sogenannten Infektion, an die sich die Ausprägung des entsprechend assoziierten Krankheitsbildes anschließen kann. Das Vorliegen eines Ansteckungsrisikos im Umgang mit erkrankten Mitmenschen ist nicht bei jeder Krankheit und in jedem Erkrankungsstadium gleich stark ausgeprägt, sondern hängt vor allem von der Ausscheidung aktiver Krankheitserreger durch den Patienten ab. Prinzipiell ist jeder Kranke, der „lebensfähige“ Erreger ausscheidet potentiell ansteckend, unabhängig von seinem Krankheitsbild.
Die Übertragung von infektiösen Erregern ist meist durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten und den Ausscheidungen des Erkrankten möglich, beispielhaft dafür ist die Ausbreitung der Erkältungsviren über die im Zusammenhang mit der Erkältung gebildeten Sekrete der Nasen- und Rachenschleimhäute, die über Niesen und Husten ausgestoßen werden.
Dabei ist die Übertragung und darauffolgende Infektion zum einen durch direkten Kontakt mit dem Erkrankten, aber auch durch indirekten Kontakt mit den Körpersekreten des Betroffenen, zum Beispiel über Türklinken, möglich. Weitere Beispiele für Erkrankungen bei denen die Ausscheidungen des Patienten besonders infektiös sind, sind die meisten Magen- bzw. Darmerkrankungen, die mit Erbrechen oder Durchfall einhergehen.

Erkrankungen, wie beispielsweise HIV, sind besonders mit dem Nachweis der Erreger im Blut assoziiert. Bei diesen ist vor allem der Kontakt mit dem Blut des Patienten als ansteckend zu betrachten, wobei eine Übertragung über unverletzte Haut sehr unwahrscheinlich ist. Ähnlich verhält es sich mit den meisten vor allem im Blut nachweisbaren Krankheitserregern. Dementsprechend ist ein Mensch, bei dem der Nachweis aktiver Bakterien im Blut positiv ausgefallen ist, prinzipiell infektiös und es besteht für andere das Risiko sich mit diesen anzustecken. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Übertragung dieser Erreger im Normalfall nur durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten, vor allem dem Blut des Betroffenen, möglich ist.

Patienten bei denen die Bakterien jedoch indirekt über eine Besiedlung und Infektion eines Gewebes mit anschließendem Übergang ins Blut gelangt sind, weisen in der Regel ein größeres Infektionsrisiko auf, da bei diesen die Ansteckung mit den Erregern neben dem Blut auch vom primär besiedelten Gewebe ausgehen kann. Kehren wir zurück zu dem oben bereits genannten Beispiel der Lungenentzündung: hierbei würde eine Ansteckung mit den Erregern dieses Patienten neben dem Blut auch von den im Rahmen seiner Lungenerkrankung gebildeten Bronchial- und Rachensekrete ausgehen, die er meist durch starkes Husten ausstößt.

Dauer

Die Dauer, in der Bakterien im Blut sind, kann sehr unterschiedlich sein. Wird eine geringe Menge an Bakterien ins Blut eingeschwemmt, so werden diese in der Regel durch den Körper sofort eliminiert. Dies kann beispielsweise bei einem Zahnarztbesuch vorkommen. Häufig gelangen Bakterien aus einem lokalen Infektionsherd in die Blutbahn. Dies kann beispielsweise eine Zahnfleisch- oder Mandelentzündung sein. Besteht dieser Entzündungsherd über einen längeren Zeitraum, so können immer wieder Bakterien ins Blut gelangen. Bakterien können in diesem Fall im Blut nachweisbar bleiben, bis der ursprüngliche Infektionsherd erfolgreich behandelt wurde.

Ursache

Das Vorliegen von Bakterien im Blut geht nicht zwangsläufig mit Symptomen, geschweige denn einem schweren Krankheitsbild einher. Sind Bakterien im Blut vorhanden, so kann dies von einem symptomfreien Bild bis zu einem lebensbedrohlichen Zustand einer Blutvergiftung (Sepsis) mit Multiorganversagen reichen.

Der Eintritt von Bakterien in den Blutkreislauf ist prinzipiell über verschiedene Wege möglich. Vor allem zu beachten ist, ob die Bakterien direkt in das Blut des Betroffenen gelangen oder sich zunächst in einem Gewebe niederlassen. Generell können Bakterien zum einen durch eine direkte Eröffnung eines Blutgefäßes zum Beispiel bei einer offenen Verletzung oder im Rahmen einer bewussten Gefäßpunktion bei einer medizinischen Maßnahme in das Blut eines Menschen gelangen. Ein typisches Beispiel für das direkte Eindringen von bakteriellen Erregern in den Blutkreislauf ist die Aufnahme von Clostridium tetani in Folge eines Unfalls. Zu dieser Infektion kommt es, sofern die offene Wunde in Kontakt mit kontaminiertem Erdboden kommt.

Außerdem können Bakterien, aber auch primär über andere Wege aufgenommen (Nahrung, Atmung), ein Gewebe besiedeln und eine Erkrankung, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung auslösen, in deren Verlauf es zu einem Übertritt der Erreger auch in die Blutbahn kommen kann. Diese Komplikation tritt meist auf, wenn der Patient durch die vorausgehende Erkrankung sehr geschwächt und sein Immunsystem mit den auslösenden Erregern „überfordert“ ist, so dass dieser Vorgang gefürchtet wird.

Der Übertritt von Bakterien der Mundflora nach beziehungsweise während dem Zähneputzen ist normalerweise harmlos, kann aber in Folge dessen auch zur Auslösung von Herzklappenentzündungen führen. Dieses in der Regel harmlose Beispiel illustriert wie differenziert der Nachweis von Bakterien im Patientenblut zu interpretieren ist.

E. coli Bakterien

E. Coli ist ein Bakterium, welches auch beim Gesunden Teil der natürlichen Darmflora ist. In manchen Studien war E. Coli das häufigste im Blut nachweisbare Bakterium. E. Coli ist ein häufiger Verursacher von Harnwegsinfekten oder Durchfallerkrankungen. Es gibt eine Reihe an unterschiedlichen E. Coli Stämmen. Während viele für den Menschen relativ harmlos sind und den Darm nicht verlassen, können andere ernsthafte Krankheiten auslösen. Gelangen E. Coli ins Blut, so können sie eine lebensbedrohliche Sepsis verursachen. Aber nicht immer muss das Bakterium die Blutbahn erreichen. Häufig gelangen lediglich durch E. Coli produzierte Giftstoffe ins Blut, nicht das Bakterium selber.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Escherichia coli

Bakterien im Blut nach einer OP

Nach einer OP ist das Risiko für Infektionen mit Bakterien im Blut erhöht. Jeder chirurgische Eingriff birgt durch eingebrachtes Fremdmaterial und Verletzung bestimmter Körperstrukturen das Risiko einer nosokomialen Infektion (Krankenhausinfektion).
Es handelt sich demnach um eine sogenannte postoperative Komplikation. So können beispielsweise eigentlich im Darm vorkommende Bakterien, wie E.coli, nach einer Operation im Bauchraum ins Blut übergehen. Man spricht dann von einer endogenen Infektion, bei der die Bakterien des eigenen Körpers an eine andere Stelle gelangen.
Jede postoperative Wunde birgt ein erhöhtes Infektionspotenzial, von wo aus sich die Erreger ins Blut ausbreiten können. Eine solche Infektion kann ebenfalls durch endogene, aber auch durch exogene (von außen kommende) Keime ausgelöst werden. Zu den häufigsten Erregern zählen neben Enterokokken auch Staphylococcus aureus (v.a MRSA) und Enterobakterien.
Insbesondere eingebrachte Implantate, zum Beispiel Kniegelenksprothesen, als auch Eingriffe im Bauchraum oder am Herzen gehen mit einem gesteigerten Sepsis-Risiko einher.
Eine Sepsis infolge eines chirurgischen Eingriffes tritt meist innerhalb von 24 Stunden auf. Im besten Fall werden die auftretenden Symptome bereits kurze Zeit später erkannt und mit einem Antibiotikum, das ein möglichst breites Spektrum abdeckt, behandelt. Jede weitere verstreichende Stunde verschlechtert die Überlebenschancen.
Wird der Infektionsherd ausgemacht, kann unter Umständen ein weiterer chirurgischer Eingriff zur Beseitigung des Herdes notwendig werden.

Bakterien im Blut nach einer Chemotherapie

Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Bakterien im Blut ist nach einer Chemotherapie erhöht.
Die Mehrzahl der Chemotherapeutika ("Zytostatika"), die das Zellwachstum bösartiger Zellen bekämpfen sollen, richtet sich nicht nur gegen Tumorzellen, sondern leider auch gegen körpereigene Zellen. Betroffen sind auch andere, sich schnell teilende Zellen des Abwehrsystems und der Blutbildung im Knochenmark.
Während einer chemotherapeutischen Behandlung muss das Blutbild regelmäßig kontrolliert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf den Leukozyten, den weißen Blutkörperchen, die für die reibungslose Funktion unseres Immunsystems verantwortlich sind. Mit einer abnehmenden Zahl weißer Blutkörperchen steigt gleichzeitig das Risiko für eine Infektion. Diese kündigt sich häufig zunächst mit Fieber an. Eine bakterielle Infektion kann infolge des geschwächten Immunsystems schneller in eine Sepsis übergehen. Ist eine Mitleidenschaft der weißen Blutkörperchen abzusehen, können vorsorglich Antibiotika gegen die häufigsten Erreger eingesetzt werden.
Patienten mit einer akuten Leukämie oder solche, die eine Hochdosischemotherapie erhalten, werden während der Behandlung in der Regel stationär aufgenommen. Hier liegt ein besonders hohes Infektionsrisiko vor. Auf diese Weise wird eine beginnende Sepsis möglichst früh erkannt.

Lesen Sie hierzu auch unser Thema Nebenwirkungen einer Chemotherapie

In Zusammenhang auftretende Krankheitsbilder

Es gibt viele verschiedene Krankheitsbilder, die mit dem Nachweis von Bakterien im Blut untrennbar verbunden sind.

  • Als erstes Beispiel ist die bakterielle Endokarditis (Herzklappenentzündung) zu nennen, die gehäuft bei Patienten mit vorerkrankten, meist auch operierten Herzklappen auftritt. Der Entzündung des betroffenen Herzens geht eine Ablagerung von sich im Blut befindlichen bakteriellen Erregern auf den Herzklappen voraus, welche bei veränderten/vernarbten Klappen mit größerer Wahrscheinlichkeit auftritt. Diese Bakterien finden auf den Herzklappen gute Wachstumsbedingungen, da sie ständig von nährstoffreichem Blut umspült werden. Sehr oft entstehen Endokarditiden infolge eines invasiven zahnärztlichen Eingriffes, da hierbei über die Verletzung und Eröffnung des gut durchbluteten Zahnfleisches große Mengen an Bakterien aus der Mundhöhle in den Blutkreislauf gelangen können. Deswegen ist eine vorsorgliche Antibiotikatherapie beim Vorliegen von Risikofaktoren, wie einer künstlichen Herzklappe von großer Bedeutung und im Anschluss an zahnmedizinische Prozeduren durchzuführen. Typische Symptome sind allgemeine Zeichen einer Infektion, wie Fieber, aber auch das Auftreten neuer, bisher unbekannter Herzgeräusche, sowie Anzeichen einer zunehmenden Herzschwäche gehören zum Krankheitsbild. Im Normalfall wird bei Auftreten einer bakteriellen Herzklappenentzündung unter Zuhilfenahme eines Antibiotikums therapiert.

Erfahren Sie mehr zum Thema: Endokarditisprophylaxe​​​​​​​​​​​​​​

  • Bereits erwähnt wurde das Vorliegen der Tetanuserkrankung, auch Wundstarrkrampf genannt, welche im Zusammenhang mit dem Nachweis des Bakteriums in offenen Wunden und der Freisetzung seines nervenschädlichen Giftes steht. Hierbei kommt es zunächst zu unspezifischen Symptomen, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Schweißausbrüchen. Erst im weiteren Verlauf treten die typischen, spastischen Lähmungserscheinungen auf, bei denen die Muskulatur unkontrolliert verkrampft und der Patient keine Möglichkeit der Entspannung seiner Muskulatur mehr hat. Akute Lebensgefahr entsteht zum Beispiel, wenn die Atemmuskulatur ebenfalls betroffen ist. Das Krankheitsbild wird durch das sich im Blut befindliche Gift ausgelöst, so dass therapeutisch neben relaxierenden Substanzen, auch ein Gegengift eingesetzt wird. Im Gegensatz zu Clostridium tetani, welches durch offene Wunden direkt in die Blutbahn gelangt, löst das Bakterium Tropheryma whipleii zunächst eine „lokale“ Erkrankung des Magens und oberen Dünndarms aus, da es meist über den Mund aufgenommen wird. Die Erreger werden durch Zellen des körpereigenen Abwehrsystems, den Makrophagen, aufgenommen, bleiben in der Schleimhaut und verursachen dort Probleme bei der Aufnahme der Nährstoffe aus der Nahrung. Es kommt infolgedessen zu strukturellen Veränderungen der Darmschleimhaut und sekundär zum Eindringen der Bakterien in die Blutbahn. Über den Blutkreislauf können sich die Bakterien im gesamten Körper ausbreiten und viele andere Organe befallen. Dadurch können weitere, organspezifische Symptome, wie Gelenkbeschwerden oder zunehmende Luftnot bei Belastung ausgelöst werden. Das Krankheitsbild des Morbus Whipple wird antibiotisch behandelt, wobei zusätzlich eine symptomatische Therapie mittels Gabe zum Beispiel von Vitaminen, die zeitweise über die veränderte Darmschleimhaut nicht mehr aufgenommen werden konnten, erfolgt.
  • Das letzte, aber besonders gefürchtete Beispiel für eine Erkrankung, die mit dem Nachweis von Bakterien im Blut assoziiert ist, ist die sogenannte Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, welche im Verlauf durch eine Überreaktion des körpereigenen Abwehrsystems mit dem Ausfall mehrerer Organe einhergehen und damit lebensbedrohlich werden kann. Sie beginnt meist mit einer „harmlosen“, lokalisierten Erkrankung, die jedoch durch eine Schwäche des Immunsystems nicht ausheilt, sondern außer Kontrolle gerät, so dass die Erreger in die Blutbahn gelangen können. Die starke Reaktion des Immunsystems löst schlussendlich die lebensgefährlichen Komplikationen aus, zu denen es eigentlich nicht kommen müsste. Das größte Problem an der Blutvergiftung ist vor allem, dass sie meist infolge ihrer zunächst sehr unspezifischen Symptome (Fieber, Krankheitsgefühl) erst sehr spät erkannt wird. In der Zwischenzeit ist die Reaktion des Abwehrsystems schon weit vorangeschritten, so dass der Patient bereits Zeichen eines Schocks, wie Abfall des Blutdrucks und einen erhöhten Puls, zeigt. Der Betroffene muss schnellstmöglich intensivmedizinisch betreut werden, um den Kreislauf des Patienten zu stabilisieren, die Bakterien mittels Antibiotika zu bekämpfen und das Risiko für Ausfälle wichtiger Organe, wie der Lunge, der Niere oder der Leber zu senken.

Parodontitis

Als Parodontitis wird eine Entzündung des Zahnhalteapparates bezeichnet. Diese wird meist durch Bakterien ausgelöst. Diese Bakterien können auch in den Blutstrom gelangen. Da eine Parodontitis über einen längeren Zeitraum bestehen kann, können immer wieder Bakterien ins Blut gelangen. Dadurch wird der Körper einer Art Dauerstress ausgesetzt, welche viele schädliche Folgen haben kann. Durch die Entzündungsreaktion steigen unter anderem das Krebs- oder Herzinfarktrisiko. Deshalb sollte eine Parodontitis, wenn möglich, behandelt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Parodontitis

Welche Antibiotika helfen?

Antibiotika werden typischerweise gegen Bakterien eingesetzt. Deshalb eignen sie sich gut für eine Therapie bei Bakterien im Blut. Allerdings ist nicht jedes Antibiotikum gegen jedes Bakterium wirksam. Durch den weit verbreiteten Einsatz von Antibiotika ist es zudem zu einer zunehmenden Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterienstämmen gekommen. Deshalb lässt sich nicht klar sagen, welches Antibiotikum gegen Bakterien im Blut zum Einsatz kommen sollte. Zur Lösung dieses Problem nimmt man zunächst Blut ab, aus dem sich die Bakterien isolieren und züchten lassen. Dann kann man in einem Labor die Resistenz der Bakterien testen. So kann der Arzt sicher entscheiden, welches Antibiotikum im speziellen Fall wirksam ist. Ist die Zeit für ein solches Verfahren nicht ausreichend, so kann auch eine kalkulierte oder empirische Antibiotikatherapie durchgeführt werden. Hierbei wählt man ein Antibiotikum, welches gegen die meisten typischen Erreger einer Erkrankung wirksam ist. Wichtig ist hierzu auch die Information, durch welche Eintrittspforte die Bakterien wahrscheinlich ins Blut gelangen konnten.

Diagnose

Das Vorliegen von bakteriellen Erregern im Blut eines Patienten ist lediglich durch eine spezielle labortechnische Untersuchung, einer sogenannten Blutkultur, nach Entnahme aus einem venösen Gefäß möglich. Die Blutkultur dient der Anzucht sich möglicherweise im Blut befindlicher Bakterien. Idealerweise wird das Blut zu Beginn eines Fieberanstieges abgenommen, da dieser in der Regel mit einem Anstieg der Bakterienkonzentration im Blut einhergeht, so dass die Wahrscheinlichkeit eines positiven und spezifischen Nachweises größer ist. Außerdem sollte die Entnahme mehrmals mit einem Mindestabstand von 30 Minuten erfolgen. Hierbei werden spezielle und sterile Flaschen verwendet, die zum einen geeignete Nährmedien und zum anderen die für das Wachstum aerober (mit Sauerstoff) beziehungsweise anaerober (unter Ausschluss von Sauerstoff) Bakterien benötigte Gasgemische enthalten. Da meist noch keine Erkenntnisse bezüglich des Erregers vorliegen, werden immer mindestens eine aerobe und eine anaerobe Kulturflasche mit dem Blut des Patienten befüllt. Nach der Entnahme und dem Transport in ein mikrobiologisches Labor werden die Proben für mehrere Tage in einem Brutschrank bei Körpertemperatur (circa 37°C) aufbewahrt, um ein Wachstum möglicher Bakterien in der Kulturflasche zu ermöglichen.

Das Auftreten von bakteriellem Wachstum wird mithilfe spezieller Geräte detektiert, welche bereits bei minimalen Veränderungen des in den Flaschen enthaltenen Gasgemisches infolge bakteriellen Wachstums einen Alarm erzeugen. War die Zucht der Erreger erfolgreich, können diese identifiziert und auf das Vorliegen möglicher Resistenzen gegenüber Antibiotika getestet werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Resistenzen gegenüber Antibiotika

Bei der Untersuchung des Blutes mittels Blutkultur kann es zu Fehldiagnosen kommen, wenn es zum Beispiel bei der Entnahme des Blutes zu einer Kontamination durch Hautkeime gekommen ist. Des Weiteren ist es möglich, dass Bakterien nicht nachgewiesen werden, da sie besonders empfindlich sind und deswegen den Transport bis in das Labor in der Kulturflasche nicht überleben. Außerdem kann das Ergebnis negativ ausfallen, wenn bereits eine Vorbehandlung mit Antibiotika vorliegt oder die das Krankheitsbild auslösende Erreger nicht bakterieller Art sind.

Bakterien im Blut bei Kindern

Bakterien im Blut treten bei Kindern am häufigsten im Kleinkindalter bis zu drei Jahren auf, wobei sie sich ähnlich wie bei Erwachsenen in einem großen Spektrum von einem Zustand ohne Symptome über schwere Krankheitsbilder im Rahmen einer Lungen- oder Hirnhautentzündung bis zum Auftreten einer Blutvergiftung manifestieren können.

Abhängig vom Alter, der Funktion des Immunsystems und des Impfstatus des Kindes werden bedrohliche Krankheitsbilder durch verschiedene Arten von Bakterien bei Kindern ausgelöst; Besonders auffällig ist, dass sich mit Abnahme des sogenannten Netzschutzes (Vorliegen von Antikörper gegen viele Erreger, die während der Schwangerschaft von der Mutter auf ihr Ungeborenes übertragen wurden) nach dem dritten Lebensmonat das Spektrum von Erregern, wie Echerichia coli (Darmkeim) oder Salmonellen hin zu Bakterien, die zum Beispiel eine Lungen- (Streptococcus pneumoniae) oder Hirnhautentzündung (Neisseria meninigtidis) auslösen können, verschiebt.

Die Antwort des Immunsystems auf die in das Blut gelangten Bakterien unterscheidet sich bei Kindern nur in wenigen Punkten von der eines Erwachsenen: bei Säuglingen kann es unter anderem statt dem Auftreten von Fieber auch zu einer Unterkühlung mit Körpertemperaturen von unter 36 °C kommen. Kommt es zu einer Hirnhautentzündung durch Neisseria meningitidis, welche bei Kindern deutlich häufiger als im Erwachsenenalter auftritt, gehört neben Fieber auch die Entstehung von Petechien (kleinen, stecknadelkopfgroße Einblutungen in die Haut) durch das Übertreten der Bakterien ins Blut zum Krankheitsbild.

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Bakterien im Blut beim Baby

Eine Infektion mit Bakterien im Blut bei einem Baby wird auch Neugeborenensepsis genannt. Kinder, die zu früh auf die Welt kommen, als auch solche mit einem geringen Geburtsgewicht weisen ein gesteigertes Risiko für eine Neugeborenensepsis auf. Das kindliche unreife Immunsystem ist besonders anfällig für Infektionen von außen.
Eine "Frühsepsis" wird vor oder während der Geburt ausgelöst. Meist handelt es sich um das Darmbakterium E.coli oder B-Streptokokken. Eine "Spätsepsis" dagegen tritt wenige Tage bis eine Woche nach Geburt auf. In einem Großteil der Fälle handelt es sich ebenfalls um Bakterien aus dem Geburtskanal der Mutter.
Während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt erhält das Neugeborene eine sogenannte Leihimmunität durch die Mutter ("Nestschutz"). Dabei werden Antikörper der Mutter in der Schwangerschaft über den Mutterkuchen und beim Stillen über die Muttermilch an das Baby weitergegeben.
Werden Bakterien oder andere Krankheitserreger nicht ausreichend bekämpft, können sie sich im Blut ausbreiten. Das Immunsystem reagiert mit einer starken Entzündungsreaktion. Ohne rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika kann der Funktionsverlust lebenswichtiger Organe innerhalb weniger Stunden zum Tode führen. Sobald der Verdacht von Bakterien im Blut beim Baby besteht, wird eine "empirische" Antibiotikatherapie begonnen. Das heißt, dass man das zugrundeliegende Bakterium noch nicht genau identifizieren konnte und sich die Therapie deshalb gegen die statistisch gesehen häufigsten Bakterien bei Neugeborenen richten.

Weiterführende Informationen

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