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TIVA

Einleitung

TIVA steht für Totale Intravenöse Anästhesie und bezeichnet eine Narkose, die nur mit Medikamenten durchgeführt wird, die direkt in die Vene gegeben werden. Es werden also keine gasförmigen Medikamente, die dem Patienten über die Atemwege verabreicht werden (Inhalative Narkotika), verwendet, wie sonst oft üblich bei einer Narkose. Eine Narkose bei der sowohl gasförmige als auch intravenöse Medikamente verwendet werden, nennt man balancierte Narkose.

Die verschiedenen Medikamente werden bei der TIVA über eine programmierbare Spritzenpumpe verabreicht, um eine konstante Zufuhr während der ganzen Narkose zu gewährleisten.

Indikationen einer TIVA

Eine TIVA stellt eine quasi gleichwertige Alternative zur Balancierten Narkose. Sie wird eher bei kurzen Operationen angewendet, der Einsatz bei längeren Operationen ist aber ebenfalls möglich. Besonders gut eignet sich die TIVA für ambulant durchgeführte Eingriffe. Bei einem ambulanten Eingriff kann der Patient am Tag der Operation gleich wieder nach Hause gehen. Ein Überhang, also ein verlängertes Andauern der Wirkung der Medikamente ist bei der TIVA nahezu ausgeschlossen. Der Patient kann also ohne Sorge noch am gleichen Tag wieder nach Hause entlassen werden. Auch in der Notfallmedizin, wenn die Möglichkeit zur Gasverwendung nicht gegeben ist, wird die TIVA verwendet.

Außerdem ist die TIVA gut für Patienten mit Maligner Hyperthermie geeignet. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die im Alltag keine Probleme darstellt, aber bei einer Narkose sehr gefährlich werden kann. Durch verschiedene erbliche Defekte kommt es zu einer Ansammlung von zu viel Calcium in den Muskelzellen. Calcium sorgt für eine Kontraktion der Muskelzelle. Wenn zu viel davon vorhanden ist, zieht sich die Muskelzelle dauerhaft zusammen und es kommt zu einer Überhitzung (Hyperthermie).

Eine TIVA kann außerdem besonders gut bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck eingesetzt werden. Der menschliche Schädel ist ein durch die Knochen begrenzter Raum. Kommt es hier zum Beispiel zu einer Schwellung oder einer Flüssigkeitsansammlung steigt der Druck in diesem begrenzten Raum an, was zu einer Schädigung der Gehirnzellen und wichtigen Zentren im Gehirn führen kann.

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Welche Medikamente werden eingesetzt?

Grundsätzlich besteht eine Narkose aus drei Komponenten von Medikamenten: Analgetika (Schmerzmittel), Hypnotika (“Schlafmittel”) und Muskelrelaxantien (Medikamente zur Entspannung der Muskeln). Wichtig für die bei der TIVA eingesetzten Medikamente ist, dass sie eine kurze Halbwertszeit haben. Das heißt, dass sie im Körper schnell abgebaut werden. Dadurch lässt sich die Narkose nämlich besser steuern und die Wirkung der Medikamente klingt nach der OP schnell wieder ab.

Das meist eingesetzte Hypnotikum bei der TIVA ist Propofol. Es sorgt für einen schnellen Schlaf mit angenehmen Einschlafen und Aufwachen. Außerdem ist es eines der Medikamente, das den Hirndruck senkt. Es wirkt zudem der Übelkeit, die nach einer Narkose auftreten kann entgegen. Ein Nachteil des Propofols ist es, dass es beim Einspritzen in die Vene ein stark brennendes Gefühl erzeugen kann. Dem kann entgegengewirkt werden, in dem vorher ein Schmerzmittel in die Vene gegeben wird. Außerdem senkt Propofol den Blutdruck und den Atemantrieb. In gewissem Maße stellt dies kein Problem dar, wird der Blutdruck allerdings zu stark gesenkt, muss dem mit anderen Medikamenten entgegengewirkt werden.

Alternativ kann auch Etomidat als Hypnotikum eingesetzt werden. Es hat den Vorteil, dass es im Gegensatz zu Propofol weniger Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem hat. Ein Weiteres eingesetztes Hypnotikum ist Ketamin. Dieses Medikament hat den Vorteil, dass es auch schmerzlindernd wirkt. Es wird bevorzugt in der Notfallmedizin eingesetzt, eignet sich aber auch für die TIVA.

Die nächste Komponente der Narkose ist die Schmerzstillung (Analgesie). Hier werden sehr starke Schmerzmittel verwendet, die ebenfalls über die Vene gegeben werden. Meist werden die beiden Opioide Fentanyl oder Remifentanil eingesetzt. Diese werden im Körper schnell abgebaut.

Die dritte Komponente sind die Muskelrelaxantien. Sie sind nötig, wenn ein Patient während der Narkose mit einer Maschine über einen Schlauch in der Luftröhre beatmet werden soll. Es gibt allerdings auch Beatmungsmethoden, bei der keine Muskelrelaxation nötig ist. Hier bleibt die selbstständige Atmung des Patienten zum Teil erhalten und wird durch eine Maschine unterstützt.

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Vorteile

Der erste Vorteil der TIVA ist, dass sie das Risiko für Übelkeit nach der Narkose (PONV = Postoperativ Nausa and Vomiting) stark senkt. Die Übelkeit nach der Narkose ist quasi ein Schutzreflex des Körpers, als Reaktion auf die verabreichten Medikamente, die er als Gifte erkennt. Besonders gasförmige Narkosemittel, können diese Übelkeit auslösen. Das bei der TIVA verwendete Propofol wirkt ihr allerdings entgegen, weshalb die TIVA besonders gut für Patienten geeignet ist, bei denen dieses Problem bekannt ist.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wirkung der eingesetzten Medikamente schnell wieder abklingen. Die Erholungsphase nach dem Eingriff ist so relativ kurz und die Patienten können schnell wieder nach Hause entlassen werden. Außerdem wird die Schlafphase meist als sehr angenehm beschrieben.

Bei der TIVA fallen zudem die Nebenwirkung der inhalativen Narkotika weg. Diese sind vor allem die Übelkeit nach der OP und das postoperative Zittern. Außerdem entfällt bei der TIVA das sogenannte Exzitationsstadium, ein Zustand der Übererregung, bevor die hypnotische Wirkung der gasförmigen Narkosemittel einsetzt.

Zusätzlich ermöglicht die TIVA eine Beatmung mit 100% Sauerstoff. Dies wird zum Beispiel bei einer Lungenspiegelung benötigt. Bei einer balancierten Narkose mit inhalativen Medikamenten ist dies nicht möglich.

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Nachteile

Ein Nachteil der TIVA ist, dass die Tiefe der Narkose weniger gut überwacht werden kann. Bei den inhalativen Narkotika kann man messen, wie viel dem Patienten verabreicht wird und wie viel er wieder ausatmet. So lässt sich besser überwachen, wie viel des Medikaments im Körper verbleibt. Sie kumulieren nicht im Körper und sind so noch besser steuerbar als Medikamente, die in die Vene gegeben werden.

Inhalative Narkotika sorgen außerdem für eine Weitstellung der Bronchien. Deshalb ist die TIVA, bei der keine inhalativen Narkotika verwendet werden, weniger gut bei Atemwegserkrankungen mit einer Engstellung der Bronchien wie schweres Asthma oder COPD geeignet.

Ein weiterer Nachteil und häufiger Grund, dass die TIVA weniger eingesetzt wird, ist das sie mit höheren Kosten verbunden ist.

Insgesamt haben die intravenösen Medikamente eine stärkere Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem und senken den Atemantrieb.

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Risiken

Die Risiken einer TIVA sind weitestgehend gleich wie die Risiken bei anderen Vollnarkoseverfahren wie der balancierten Narkose.

Bei jeder Narkose wird kommt es zu einem Abfall von Blutdruck und Puls, sowie zu einem verminderten Atemantrieb. Bei einem zu niedrigen Blutdruck kann es zu Durchblutungsstörungen kommen. Deshalb wird der Patient während der Narkose streng überwacht, um diesen Nebenwirkungen der Medikamente frühzeitig entgegenzuwirken. Die Atmung wird unterstützt oder ganz von einer Maschine übernommen und mit Medikamenten kann der Blutdruck gesteigert werden. Ist der Blutdruck auch nach der Narkose noch verringert, kann es zu Schwindel und Problemen beim Aufstehen nach der Narkose kommen. Dies legt sich mit etwas Ruhe und Abwarten aber meist schnell wieder.

Außerdem kann es bei einer Narkose immer zu allergischen Reaktionen auf verwendete Medikamente und Materialien kommen.

Um die Medikamente in die Vene geben zu können, muss diese punktiert werden. An der Einstichstelle kann es zu kleinen Blutungen und Hämatomen (Blauen Flecken) kommen.

Eine weitere Komplikation bei einer Narkose ist die Aspiration von Mageninhalt, also das Mageninhalt in die Lunge gelangt. Dem wird durch die Nüchternheit vor der OP entgegengewirkt. Das heißt man darf bis 6 Stunden vorher nichts essen und bis 2 Stunden vor OP nichts trinken.  Durch eine Beatmung über einen Beatmungsschlauch, kann eine Aspiration verhindert werden, da Luftwege und Speiseröhre dabei klar getrennt sind. Das Risiko einer Aspiration ist bei alternativen Beatmungsmethoden erhöht.

Bei einer Intubation, also dem Einlegen des Beatmungsschlauches kann es allerdings zu Schäden und Verletzungen an Zähnen und im Mund kommen, vor allem wenn die Bedingungen der Intubation erschwert sind. Durch den Beatmungsschlauch kann es nach der Operation außerdem zu Heiserkeit kommen. Diese verschwindet meist nach kurzer Zeit von selbst wieder.

Bei jeder Narkose kann es zu Übelkeit und Erbrechen nach dem Aufwachen aus der Narkose, leichter Verwirrtheit und Kopfschmerzen kommen. Dieses Risiko ist bei der TIVA allerdings geringer als bei anderen Narkoseverfahren.

Insgesamt sind Narkosen heutzutage sehr sicher. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, meist treten nur vorübergehend leichte Nebenwirkungen auf.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.04.2019
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