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Kosten einer Wurzelbehandlung

Einleitung

Steht eine Wurzelbehandlung zum Erhalt eines Zahnes an, ist man häufig verunsichert und weiß nicht genau,

ob die Kosten dieses Eingriffes von der Krankenkasse übernommen werden oder ob man aus eigener Tasche für den Eingriff zahlen muss.

Dabei hat die Erhaltung eines körpereigenen Zahnes für jeden Menschen einen anderen Stellenwert.

Vor der Behandlung

Vor der Behandlung ist es in jedem Fall wichtig, die Situation mit dem Zahnarzt abzusprechen.

Auch sollte man sich nur bei dem Zahnarzt behandeln lassen, bei dem man sich wohl fühlt und sicher ist, dass man eine gute Behandlung bekommt.
Auch sollte man nicht das Gefühl haben, man bekommt etwas „aufgeschwätzt“, was man eigentlich nicht möchte.

Auf dem Gebiet der Zahnmedizin gibt es ständig Neuerungen, bessere Geräte und neuartige Behandlungsmethoden, die aber meist nicht von den Krankenkassen übernommen werden.
Diese bezahlen in der Regel nur eine Standardversorgung. Soll eine Wurzelbehandlung stattfinden, ist es wichtig, vorher alle möglichen Kosten und Möglichkeiten mit dem Zahnarzt abzusprechen. Wenn man etwas nicht versteht oder einem etwas nicht ganz klar erscheint, sollte man keine Scheu haben, nochmal um Erklärung zu bitten.

So vermeidet man unangenehme finanzielle Überraschungen nach dem Eingriff, und der Zahnarzt ist dazu verpflichtet, einem alle Möglichkeiten und Risiken darzulegen.
Auch sollte man sich bei einer Wurzelbehandlung nicht zu sehr auf die Krankenkasse verlassen und davon ausgehen, dass komplett alle Kosten uneingeschränkt übernommen werden. Dies stellt sich aber meist im Gespräch mit dem Arzt heraus.

Informieren lohnt sich

Da der Eingriff sehr umfangreich ist und teilweise bis 6-7 Sitzungen beim Zahnarzt erfordert, ist es wichtig, sich über die Wurzelbehandlungskosten zu informieren.

So kann man auch Alternativen einholen und auch bei einem zweiten Zahnarzt eine weitere Meinung einholen.
Dies gibt einem auch die Möglichkeit, die Kosten Wurzelbehandlung der miteinander zu vergleichen und das bessere Angebot zu finden.

Weitere Informationen erhält man von der Zahnärztekammer und von unabhängigen Gutachtern.

Ablauf der Behandlung

In vielen Fällen lässt man eine Behandlung an seinen Zähnen vornehmen, bekommt eine Rechnung, weiß aber nicht so ganz, was eigentlich gemacht wurde.

Um die mögliche Kostenauflistung besser verstehen zu können, ist es ratsam, sich über den Ablauf der Behandlung zu informieren.

Natürlich kann ein Eingriff von einem Zahnarzt ein wenig anders durchgeführt werden, als von einem anderen oder auch unterschiedliche Produkte verwendet werden, jedoch gibt es einen allgemeinen Ablauf.

Vor dem Eingriff wird in der Regel ein Röntgenbild erstellt, um die Entzündung und wie weit sie sich ausgebreitet hat besser einschätzen zu können, da dies äußerlich nur in einem begrenzten Rahmen möglich ist.

Bevor der Zahnarzt den Zahn aufbohrt, bekommt man eine Betäubung, da die Schmerzen zu stark wären. Das Schmerzmittel lässt die Schmerzreize ins Leere laufen, sodass man außer den durch die Behandlung entstehenden Eindrücken, wie ein Druckgefühl oder Geräusche, nichts Schmerzliches empfindet.

Anschließend wir ein Loch in den Zahn gebohrt, um das entzündete Gewebe, Blutgefäße und Nerven entfernen zu können.
Unter kompletter Trockenlegung (Kofferdamm oder Wattepads) wird dies mit sogenannten Wurzelfeilen, die es in unterschiedlicher Dicke und Länge gibt, durchgeführt.

Ist die Wurzel komplett ausgehöhlt, kommen verschiedene Lösungen zum Einsatz, mit denen der Kanal gespült wird.
Das sind Chlorhexidin, Wasserstoffperoxid und Natriumhypochlorid.
Diese wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Damit stellt man sicher, dass sämtliche Bakterien aus dem Wurzelkanal entfernt werden.

Bei stärkeren Entzündungen wird nun vorerst ein Medikament in den Zahn eingebracht, welches man einige Tage wirken lässt, bevor die endgültige Füllung vorgenommen werden kann.

Bei der Füllung wird ein Material in den Kanal eingebracht, das sich Guttapercha nennt und den Kanal dicht verschließt.
Zum Schluss kommt noch ein Dichtezement zum Einsatz.
Abschließend wird nochmals ein Röntgenbild angefertigt, um überprüfen zu können, ob die Füllung dicht und bis zum Ende des Kanals vorhanden ist.

Nun kann der Heilungsprozess beginnen, der in regelmäßigen Abständen bei Kontrollterminen vom Zahnarzt überprüft wird.

Lesen Sie mehr zum Thema: Wurzelbehandlung Ablauf

Einschränkungen

Die Krankenkassen besitzen bezüglich der Übernahme für die Kosten einer Wurzelbehandlung einige Einschränkungen, die erfüllt werden müssen.

So muss die Behandlung sinnvoll sein und sicherstellen, dass der Zahn dadurch gerettet werden kann.
Dies bedeutet, dass bei einer Nichtbehandlung der Zahn verloren gehen würde, und durch den Eingriff der Zahn sicher gerettet werden kann.

Dies setzt aber voraus, dass der Zahnarzt in der Lage ist, eine dichte Füllung bis zu den Spitzen durchführen zu können. Dafür wird vorher ein Röntgenbild erstellt, da der Verlauf der Wurzeln nicht immer gleich und gerade ist, sondern die Wurzelspitzen gebogen sein können, besonders an den Backenzähnen. Eine Wurzelbehandlung an den Schneidezähnen ist in der Regel etwas unkomplizierter.
Ein Röntgenbild gibt darüber Aufschluss und der Zahnarzt kann beurteilen, ob er dies für möglich hält.

Jedoch kann es auch sein, dass er erst während des Eingriffes bemerkt, dass sich das Bearbeiten der Kanäle schwieriger gestaltet, als vorher angenommen.

Wurzelfüllungen müssen dicht und vollständig sein, da sie bei Mangelhaftigkeit Ursache für einen erneuten Entzündungsprozess sein können.
Auch müssen alle Bakterien entfernt werden können, da es sonst in dem behandelten Zahn nach einer Zeit wieder zur Verbreitung und Entzündung kommt, sodass der komplette Eingriff wiederholt werden muss.

Ist der betroffene Zahn ein Backenzahn, gibt es noch drei weitere Einschränkungen, die von der Krankenkasse vorgegeben werden und wovon mindestens eine erfüllt werden muss.

So ist die erste Bedingung, dass in der Zahnreihe, in der der Backenzahn liegt, die restlichen Zähne gesund sind, damit die Zahnreihe erhalten werden kann.
Sind mehrere Zähne in derselben Zahnreihe stark kariös geschädigt, ist die Bedingung nicht erfüllt.

Die zweite Bedingung lautet, dass der Zahn, wenn er schon einen Zahnersatz trägt, dieser durch die Wurzelbehandlung erhalten bleibt.
Dient der Zahn beispielsweise als Pfeiler für eine Brückenversorgung, würde durch die Wurzelkanalbehandlung die Brücke und der Zahn erhalten bleiben.
Würde man den Eingriff nicht durchführen, müsste man die komplette Brückenkonstruktion entfernen.

Die dritte Bedingung ist, dass man durch die Behandlung erreicht, dass eine Freiendsituation vermieden wird. Der Zahn soll den letzten Zahn in der Zahnreihe darstellen, und somit nicht die Zahnreihe verkürzen.

Ist der Zahn nicht zu retten oder wird keine der Bedingungen an die Backenzähne erfüllt, zahlt die Krankenkasse nur die Kosten für eine Extraktion.
Entscheidet man sich dennoch für eine Wurzelbehandlung, ist diese aus der eigenen Tasche zu zahlen.

Der Zahnarzt entscheidet nach der Anfertigung des Röntgenbildes über den groben Verlauf der Behandlung, erstellt einen Therapieplan, den der Patient bei seiner Krankenkasse einreicht. Diese entscheidet daraufhin, ob sie die Kosten für die Therapie übernimmt.

Die Kosten für die Behandlung belaufen sich auf ca. 200€-800€.
Wurzelbehandlungen an den Frontzähnen sind günstiger, als an den Backenzähnen. Bei einer reinen Kassenleistung liegt die Erfolgsaussicht um die 50%, mit Zusatzleistungen kann man 60-70% erreichen.

Abbildung Anatomie Zahn

a - Zahnkrone - Corona dentis
b - Zahnhals - Cervix dentis
c - Zahnwurzel - Radix dentis

  1. Zahnschmelz -
    Enamelum
  2. Zahnbein (=Dentin) -
    Dentinum
  3. Zahnmark in der Zahnhöhle -
    Pulpa dentis in Cavitas dentis
  4. Zahnfleisch -
    Gingiva
  5. Wurzelkanal
  6. Zement -
    Cementum
  7. Wurzelhaut - Periodontium
  8. Öffnung der Zahnwurzelspitze -
    Foramen apicale dentis
  9. Nervenfasern
  10. Alveolarknochen (zahntragender
    Teil der Kieferknochen) -
    Pars alveolaris
    (Processus alveolaris)
  11. Blutgefäße
  12. Zahnwurzelspitze -
    Apex denitis
  13. Aufteilungsstelle der Zahnwurzeln
    (Gabel) - Bifurkation
  14. Zahnfurche

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Wann zahlt die Krankenkasse nicht?

Sobald der Zahnarzt den Zahn als nicht erhaltungswürdig einstuft und wenig Chancen in einer Behandlung sieht, bezahlt die Krankenkasse nicht.

Wünscht man dennoch eine Behandlung, ist diese privat zu zahlen. Es liegt jedem Patienten frei, sich dennoch für eine Wurzelbehandlung zu entscheiden.
Der Patient müsste auch dann die Kosten tragen, wenn die Zähne bereits wurzelbehandelt sind, oder man sich für die Behandlung entscheidet, obwohl in der betroffenen Zahnreihe schon Lücken vorhanden sind.

Man muss sich dabei bewusst machen, dass es ein umfangreicher Eingriff ist, der längere Zeit dauern kann und viele Zahnarztbesuche erfordert.
Stehen die Chancen nicht gut, sollte man überlegen, ob man trotzdem die Behandlung machen lasse möchte.

Aufgrund der hohen Kosten, sollte man jedoch auch die Alternativen bedenken, wie das Ziehen des Zahnes und die Versorgung mit einem Zahnersatz.
Dies ist meist günstiger und wir auch von der Kasse bezahlt.

Speziell bei der Wurzelbehandlung gibt es weitere Methoden, die die Behandlung präziser machen und somit die Erfolgsaussichten erhöhen.
Die Kasse übernimmt das Aufbohren des Zahnes, das Entfernen des entzündeten Gewebes und die Füllung. Sind Extraleistungen darüber hinaus erwünscht, werden diese auch nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen.

Dazu zählen die Verwendung eines speziellen Mikroskops und der Einsatz eines Lasergerätes.
Vor allem letzteres verspricht laut Studien eine Erfolgsquote von 90 Prozent. Der Laserstrahl tötet alle Bakterien ab und kann auch bis in die verwinkeltsten Ecken vordringen. Dadurch, dass die Chance höher ist, alle Bakterien abzutöten, ist auch die Erfolgsaussicht erhöht.

Diese Methode steht aber nicht jedem Zahnarzt zur Verfügung, da er nicht die benötigten Geräte verfügt.
Der Zahnarzt kann den Patienten an einen Spezialisten mit solchen Instrumenten überweisen.

Die Kosten fallen dann aber in jedem Fall höher aus und sind privat zu begleichen.

Weiterführende Kosten

Wurzelbehandelte Zähne können sich mit der Zeit verfärben und bräunlich werden, sodass der Wunsch besteht, diese wieder farblich an die anderen Zähne anzupassen.

Dieser Aufhellungsprozess (siehe Bleaching), der vom Inneren des Zahnes heraus durchgeführt wird, ist keine Kassenleistung.
Auch wird häufig von Zahnärzten dazu geraten, den wurzelbehandelten Zahn zu überkronen, wodurch extra Kosten für das Anfertigen der Krone anfallen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bleaching

Befindet man sich im Frontzahnbereich, gehört es zur Regelversorgung, den Zahn auf der Wangen und Lippen zugewandten Seite (vestibulär) mit Keramik zu verblenden.
Das Gerüst ist demnach aus Metall, welches anschließend mit Keramik verblendet wird.
Keramik ist aufgrund seiner Farbe der Farbe des natürlichen Zahnes fast gleich, sodass ein Unterscheid kaum bemerkbar ist. Die Krankenkasse bezuschusst dieses Vorgehen. Wünscht man sich eine komplette Krone aus Keramik, also ohne Metallanteil, hat man mehr Eigenleistung zu zahlen.

Im Backenzahnbereich, sobald es nicht mehr im sichtbaren Feld liegt, werde die Kosten für eine reine Metallmantelkrone von der Kasse übernommen. Wünscht man eine Verblendung mit Keramik oder eine vollständige Keramikkrone, ist dies mit einem erhöhten Eigenanteil verbunden.
Des Weiteren können Zusatzkosten aufkommen, da die Erfolgsaussichten meist nur bei 50% liegen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Keramikinlay

Eine gescheiterte Wurzelbehandlung zeigt sich meist jedoch nicht sofort, sondern kann auch erst nach Monaten oder Jahren Probleme verursachen.
Häufig haben sich neue Bakterien in dem gefüllten Zahn eingefunden, die eine Entzündung bedingen.

Man muss die Prozedur wiederholen, die jedoch auch keine höheren Erfolgsaussichten verspricht, sodass eine zweite Behandlung nicht von der gesetzlichen Kasse übernommen wird. Man muss die Entscheidung treffen, ob man den neuen Eingriff selbst bezahlen möchte, oder doch lieber den Zahn ziehen lässt, was dann wiederum in die Kassenleistung fällt.

Zusammenfassung

Eine Wurzelbehandlung ist keine günstige Angelegenheit und bedarf der sorgfältigen Überlegung, ob man den Eingriff machen lassen möchte, besonders dann, wenn man die Kosten aus eigener Tasche zu zahlen hat oder vor einem zweiten Eingriff steht.

Vorteile einer Wurzelbehandlung sind, dass bei erfolgreichem Abschließen, man seinen natürlichen Zahn erhalten hat, was ästhetisch keinen Unterschied macht und auch funktionell gut ist.
Über viele Jahre hinweg wird einem der Zahn keine weiteren Probleme bereiten.

Dagegen sprechen, besonders wenn die Erfolgsaussichten gering sind, die hohen Kosten und der unangenehme Eingriff. In diesem Fall sollte man eine mögliche Extraktion und einen prothetischen Zahnersatz in Betracht ziehen, da sich dies als die günstigere und sicherere Methoden erweisen könnte.

Weitere Informationen

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Eine Übersicht über alle bisher veröffentlichten Themen der Zahnmedizin finden Sie immer unter: Zahnmedizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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