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Sodbrennen

Synonyme

Refluxösophagitis, Refluxkrankheit, Reflux, Gastro-Ösophageale Krankheit, Magen

Häufige Rechtschreibfehler: Sotbrennen, Soodbrennen

Englisch: gastro-esophageal reflux disease (Abk.:GERD)

Definition

Beim Sodbrennen (Refluxkrankheit) kommt es zum übermäßigen Rückfluss von sauerem Mageninhalt (Magensäure) in die Speiseröhre (Ösophagus). Durch die anhaltende chemische Reizung durch Magensäure entsteht eine Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut (Refluxösophagitis).


Epidemiologie

In der gastroenterologischen Praxis (Magen-Darm-Erkrankungen) ist die Refluxkrankheit das am häufigsten auftretende Krankheitsbild.

6-20% der Bevölkerung leiden an der Refluxkrankheit (Sodbrennen). 10% der Patienten mit einer Refluxkrankheit entwickeln im Laufe der Zeit eine Refluxösophagitis.

Von diesen Patienten mit einer Refluxösophagitis entwickeln wiederum 10% ein schweres Speiseröhrengeschwür (Barett-Ulkus)

Aus 10 % der Geschwüre entwickelt sich ein Speiseröhrentumor (Ösophaguskarzinom).

Anatomie Speiseröhre

  1. Luftröhre (Trachea)
  2. Rechter Lungenflügel (Lunge)
  3. Zwerchfell (Diaphragma)
  4. Rachen
  5. Speiseröhre (Ösophagus)
  6. linker Lungenflügel
  7. Magen

Ursachen

Die primäre Refluxkrankheit:

Es gibt zwei Ursachen für die Primäre Refluxkrankheit:

Zum einen kann als Ursache der primären Refluxkrankheit eine Überproduktion der Magensäure vorliegen.

Hierbei schafft es die Peristaltik (koordinierte Muskelkontraktion) der Speiseröhre nicht mehr den sauren Mageninhalt schnell genug zurück in den Magen zu befördern. Man kann sagen, es besteht eine verminderte Selbstreinigung der Speiseröhre.

Als weitere Ursache einer primären Refluxkrankheit (primären Sodbrennen) kann eine Schwäche des unteren Speiseröhrenschließmuskels (unterer Ösophagussphinkter) vorliegen. Häufig liegt dem ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) zugrunde. Bei der Hiatushernie handelt es sich um eine Ausstülpung des oberen Magenanteils, durch eine natürliche Öffnung im Zwerchfell (Hiatus ösophageus), in den Brustraum. Diese Art Zwerchfellbruch (Hernie) ist oftmals ein harmloser Zufallsbefund, doch in einigen Fällen verursacht diese Hernie eine Sodbrennen (Refluxkrankheit).

Zudem gibt es mehrere Faktoren die ein Sodbrennen (Reflux = Rückfluß) begünstigen:

Sekundäre Refluxkrankheit:

Sekundär bedeutet, dass der Reflux (Rückfluß) als Folge einer vorrangigen Krankheit auftritt.


Symptome

Führende Krankheitszeichen (Symptom) der Refluxkrankheit sind das Sodbrennen (saures Aufstoßen), Völlegefühl, Luftaufstoßen und ggf. auch Stuhlunregelmäßigkeiten. Der saure oder bittere Geschmack im Rachen tritt meistens ca. 30-60 min nach der Mahlzeit auf. Die Patienten klagen typischerweise nach üppigen und/oder süßen Mahlzeiten, beim flachen Liegen oder beim Heben von schweren Lasten über eine Beschwerdezunahme. Bei ausgeprägtem Reflux kann es zu Schmerzen in der Brust, Hustenreiz, chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale kommen.

Beschwerden Sodbrennen

  1. Speiseröhre (Ösophagus)
  2. Magen

Das Ausschnittsbild zeigt den undichten Mageneingang, der ein Rückfluß von saurem Speisbrei die Speiseröhre ermöglicht.

Komplikationen

Durch die ständige chemische Reizung der Magensäure an der Speiseröhrenschleimhaut kann es im Laufe der Zeit zu einer Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) kommen. Schwere Entzündungen verheilen durch eine Narbenbildung. Starke Nabenbildungen wiederum können zur Verengung (Narbenstenose) der Speiseröhre führen, was den Nahrungstransport in den Magen beeinträchtigt.

In 10% der Fälle einer Refluxösophagitis entsteht ein Barett - Ösophagus (Synonym Endobrachyösophagus = Speiseröhrenverkürzung). Hierbei kommt es zu einer Form- und Funktionsveränderung eines Teils der Speiseröhrenzellen aufgrund der chronischen Schleimhautreizung (Metaplasie). Im Falle der Speiseröhre stellt die Metaplasie eine Umwandlung des natürlichen Plattenepithels der Speiseröhre (innere Zellschicht, Schutzschicht) in ein Zylinderepithel dar. Dieses umgewandelte Gewebe ist weniger widerstandsfähig, sodass es leicht zu einem Geschwür (Ulcus) der Speiseröhre bei anhaltendem Reiz kommen kann. Durch dieses mehrere Zellschichten überschreitende Speiseröhrengeschwür (Barett-Ulkus) kann es zu lebensbedrohlichen Blutverlusten kommen. Im schlimmsten Fall kann aus so einem Barett-Ulkus ein bösartiger (maligner) Speiseröhrentumor (Ösophaguskarzinom) entstehen. Prinzipiell besteht aber die Möglichkeit der Zellerhohlung, d.h. die Metaplasie ist umkehrbar (reversibel), wenn die chronische Schleimhautreizung erlischt.

Der Vagusnerv (Nervus Vagus), der in direkter Nachbarschaft zur Speiseröhre verläuft und alle Organe (Lunge, Herz usw..) bis zum Zwerchfell parasympatisch (Teil des vegetativen Nervensystems) versorgt, kann beim Sodbrennen (Reflux) mitgereizt werden. So ist es nicht ungewöhnlich, dass manche Patienten über chronischen Husten berichten oder darüber, dass ihr bereits vorhandenes Asthma sich verschlimmert habe. Der Grund dafür ist, dass der gereizte Vagusnerv ein Zusammenziehen der Bronchien (Bronchokonstriktion) veranlasst.

Oftmals sind chronischer Husten und Heiserkeit aber auch durch eine krankheitsbedingte Reizung des Rachenraumes und der Stimmbänder bedingt. Ein Mischbild aus beiden Ursachen kann vorliegen.

Die Reizung des Nervus vagus kann darüber hinaus auch zu einem krampfartigen Zusammenziehen der Herzkranzgefäße (Koronarspasmus) kommen. Der damit ausgelöste Herzschmerz ist einem Herzinfarktschmerz (Angina pectoris) sehr ähnlich, sodass die Abgrenzung zu einer Herzerkrankung Schwierigkeiten bereiten kann.

In sehr seltenen Fällen kann es zum Reflux von Gallensäuren oder Sekret der Bauchspeicheldrüse (Laugen) in die Speiseröhre kommen. Laugenverätzungen sind in ihrem Schädigungspotential größer als Säureverätzungen, da sie sich leichter im Gewebe ausbreiten. Tückischerweise können dadurch, trotz geringerer Beschwerden im Vergleich zu Säureverätzungen, weit größere Gewebeschädigungen eintreten.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose kann anhand des oben beschriebenen Symptomkomplexes schnell gestellt werden. Bei unklaren Fällen oder zur Erfassung des Ausmaßes der Schädigung ist eine Zusatzdiagnostik notwendig:

Sonographie (Ultraschall):
Es handelt sich um ein wenig aufwendiges und schnell durchführbares Untersuchungsverfahren zur Beurteilung einzelner Refluxepisoden, zur Beurteilung der Magenentleerung und zum Nachweis einer Hiatushernie. Die Sonographie ist strahlungsfrei, daher sind keine Nebenwirkungen zu erwarten und die Ultraschalluntersuchung kann beliebig häufig wiederholt werden.

Langzeit-Ösophagus-ph-Metrie:
Die Messung erfolgt über eine ph-Elekrode zur Säuremessung, die über die Nase für 24h in die Speiseröhre gelegt wird. Die Elektrode erfasst alle 4-6 Sekunden den ph-Wert im Magen nahen Speiseröhrenanteil. Durch ein transportables Aufzeichnungsgerät, das ein Langzeitprofil erstellt, wird aufgezeichnet, wie oft es zu Refluxereignissen kommt und wie stark die Säure dabei ist. Bei Messungen von ph-Werten unter 4 liegt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Refluxereigniss vor. Über das Ausmaß von bereits erfolgten Schleimhautschäden macht dieses Untersuchungsverfahren keine Aussage.

Röntgen-Breischluck (Obere Magen-Darm Passage):
Um Komplikationen wie Narben und Verengungen (Stenosen) zu diagnostizieren eignet sich der Röntgen-Breischluck als nicht invasives bildgebendes Verfahren. Bei Vorliegen von Stenosen (Engstellen) kann man sanduhrartige Verengungen der Speiseröhre im Röntgenbild erkennen. Zudem sind Aussagen über Transportstörungen der Speiseröhre und über die Magenentleerung möglich.

Endoskopie (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie):
Die „Spiegelung“ (Endoskopie) der Speiseröhre, des Magens und der oberen Dünndarmanteile ist zur direkten Beurteilung und Einteilung von Schleimhautschäden das Mittel der Wahl. Über eine Schlauchkamera (Endoskop) werden Bilder auf einen Monitor übertragen. Während der Endoskopie können dann auch Gewebeproben (Biopsie) aus verdächtigen Schleimhautbereichen genommen werden. Die Gewebeuntersuchung unter dem Mikroskop (histologischer Befund) ist aussagekräftiger als der mit bloßem Auge erfasste (makroskopische) Befund. Erst in der histologischen Untersuchung kann der Beweis einer Gewebeumwandlung (Metaplasie) oder aber der Nachweis und die Art eines Tumors erbracht werden. Zudem kann eine Therapie erfolgen, z.B. die Stillung blutender Schleimhautgeschwüre.

Einteilung der Schleimhautschäden nach Savary und Miller

Grad I

Umschriebene, einzelne, oberflächliche Schleimhautschäden (Erosionen)

Grad II

Längsverlaufende, verbundene Schleimhautschäden (längs konfluierende Erosionen)

Grad III

Kreisförmige Schleimhautschäden (zirkuläre Erosionen)

Grad IV

Geschwür (Ulkus), Stenose (Enge), Brachyösophagus (s.o.)

Bernstein-Test:
Sollte trotz wegweisender Symptomatik ein unauffälliger endoskopischer Befund die Verdachtsdiagnose einer Refluxerkrankung nicht erhärten (10-15% der Patienten), dann kann der Bernstein-Test helfen, die Diagnose zu sichern. Bei diesem Test wird eine Säurewirkung auf die Speiseröhrenschleimhaut simuliert. Über eine Sonde wird von außen eine wenig ätzende Säure auf die Speiseröhrenschleimhaut geträufelt. Wenn hierdurch Beschwerden ausgelöst werden, die mit denen der Grunderkrankung übereinstimmen, ist eine Refluxkrankheit (Refluxösophagitis) sehr wahrscheinlich. In diesen Fällen liegt eine chemische Überempfindlichkeit der Speiseröhre vor.

Ösophagusmanometrie:
In seltenen Fällen muss mit Hilfe der Durchzugsdruckmessung die Funktion des unteren Schließmuskels kontrolliert werden. Hierbei wird ein dünner Schlauch (Katheter) durch die Nase zunächst in den Magen gelegt und dann langsam in Richtung Mund zurückgezogen, wobei vom Patienten regelmäßig etwas Wasser geschluckt werden muss. Beim Zurückziehen wird am Ende des Katheters permanent der innere Speiseröhrendruck gemessen. Eine Computergraphik zeigt die Druckverhältnisse im Verlauf der Speiseröhre an. Funktionsstörungen der Speisröhre können so diagnostiziert werden. Eine Refluxkrankheit wird also nur indirekt über den Nachweis einer Speiseröhrenfunktionsstörung nachgewiesen

Therapie

Eine ursächliche Therapie der Refluxkrankheit (Sodbrennen) ist außer bei anatomischen Veränderungen (Hiatushernie) meistens nicht möglich. Die konservative, medikamentöse Therapie muss meistens über Jahre fortgesetzt werden, da nur die Symptome, nicht aber die Ursache der Erkrankung selbst therapiert wird.

Die konservative Therapie ist deshalb eine symptombezogene Dauertherapie.

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