Speiseröhrenentzündung

Lesen Sie auch:

Synonyme

Refluxösophagitis, infektiöse, mechanische, toxische (gifitige), thermische (hitze- oder kältebedingte), radiogene (strahlenbedingte), medikamentöse Speiseröhrenentzündung

Medizinisch: Ösophagitis

Häufige Rechtschreibfehler: Speiserörenentzündung

Englisch: Esophagitis

Abbildung Verdauungstrakt

  1. Rachen / Schlund
  2. Speiseröhre / Ösophagus
  3. Mageneingang auf Zwerchfellhöhe (Diaphragma)
  4. Magen (Gaster)

Formen der Speiseröhrenentzündung

Die Speiseröhrenentzündung wird durch verschiedene Schadstoffe (Noxen) verursacht. Man unterscheidet:

  1. Die Refluxösophagitis / Refluxkrankheit, die durch chronisches Sodbrennen verursacht wird
  2. Die mechanische Speiseröhrenentzündung
  3. Verengung der Speiseröhre (Ösophagus)
  4. Endzündung durch Fremdkörper, z.B. Fischgräten
  5. Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom)
  6. Thermische Ösophagitis
  7. Verätzung der Speiseröhre
  8. infektiöse Speiseröhrenentzündung
  9. Autoimmunerkrankung, z.B. Rheuma
  10. radiogene (strahlenbedingte) Ösophagitis
  11. Pillenösophagitis
  1. Die Refluxösophagitis ist die häufigste Form der Speiseröhrenentzündung. Sie entsteht durch die anhaltende chemische Reizung der Speiseröhrenschleimhaut durch den aufgestoßenen sauren Mageninhalt / Magensaft. Der seltener vorkommende Rückfluss von Gallensaft oder Sekret der Bauchspeicheldrüse führt zu einer viel stärkeren Entzündungsreaktion bei vergleichsweise geringeren Beschwerden.
     
  2. Eine mechanisch-irritative Ösophagitis entsteht in den meisten Fällen durch eine lange einliegende Magensonde.
    Es gibt mehrere Situationen bei denen eine Magensonde zum Einsatz kommt. Die Langzeitversorgung mit einer Magensonde wird meistens zur Ernährung derjenigen Patienten benutzt, die nicht schlucken können oder die nicht bei Bewusstsein sind.
    Bei einer Magensonde handelt es sich um einen Schlauch, der über die Nase bis in den Magen eingeführt wird und dort solange verbleibt, wie die Sondenernährung nötig ist. Die Sonde stellt einen Fremdkörper in der Speiseröhre dar, sie reizt die Schleimhaut und die resultierende örtliche Entzündung kann zur Geschwürbildung führen, sog. Ulceration.
     
  3. Manchmal kann eine Narbe oder eine Verengung (Stenose) anderer Ursache eine Irritation der Schleimhaut hervorrufen, sodass eine Entzündung entstehen kann.
     
  4. Verschiedene Fremdkörper und harte Nahrungsmittel können zu Oberflächenverletzungen in der Speiseröhre führen. Besonders prädestiniert dafür sind Fischgräten.
     
  5. Auch ein Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) kann eine Art Fremdkörper in der Speiseröhre darstellen und so auch eine Irritation mechanische hervorrufen.
     
  6. Wie der Name schon andeutet stellt die thermische Speiseröhrenentzündung eine Verbrennung der Speiseröhrenschleimhaut durch heiße Speisen und Getränke dar.
     
  7. Die akute Verätzung der Speiseröhre wird verursacht durch das Herunterschlucken von Haushaltsreinigern oder anderen Säuren oder Laugen.
    Dieser akute Notfall betrifft vor allem Kinder, die versehentlich diese Flüssigkeiten trinken oder Menschen, die einen Suizidversuch damit begehen wollen.
    Am stärksten ist in der Regel der mittlere Abschnitt der Speiseröhre betroffen. Bei diesem Notfall können verschiedene Komplikationen entstehen. Es kann zu einer Schwellung des Kehlkopfes kommen (Glottisödem), welcher akut die Luftwege verschließt und dadurch eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt. Durch die Gewebezerstörung kann es zu einem Riss in der Speiseröhrenwand (Perforation) kommen und der Inhalt in den Brustraum (Brustkorb / Thorax) austreten. Dieser Zustand hat unbehandelt eine Entzündung des Mittelfells (Mediastinitis) zufolge.
     
  8. Die infektiöse Speiseröhrenentzündung ist in den meisten Fällen durch eine Minderung der Immunabwehr (Immunsuppression) verursacht. Bei einigen Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet (Autoimmunerkrankungen, z.B. die rheumatoide Arthritis), muss man die körpereigene Abwehr durch Medikamente reduzieren. Der Patient ist dann sehr viel anfälliger gegen Keime, die für einen gesunden Menschen harmlos sind. Bei folgenden Erkrankungen tritt auch eine Immunsuppression auf:
    • Leukämie und andere das blutbildende System betreffende Erkrankungen
      Mehr zu diesem Thema unter
      Leukämie
    • Unkontrollierte (d.h. mit Medikamenten schlecht eingestellte) Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
    • Angeborene Defekte der Immunabwehr
    • HIV, besonders im Stadium des AIDS
      Mehr zu diesem Thema unter AIDS
    • Alkoholismus
    • Starke Antibiotika
    • Tumorerkrankung
    • rheumatische Erkrankungen unter immunsupressiver Therapie, wie z.B. die die rheumatoide Arthritis

    Bei der infektiösen Ösophagitis kann eine Reihe von Keimen eine Rolle spielen.

    • Bakterielle Speiseröhrenentzündung
      Die Entzündung der Speiseröhre tritt vereinzelt begleitend bei Scharlach und Diphtherie auf. Diese Speiseröhrenentzündung verläuft komplikationsfrei und heilt bei Behandlung des Infektes problemlos aus.
      Nicht ganz problemlos verläuft dagegen die recht seltenen Entzündungen der Speiseröhre durch die Keime der Tuberkulose und der Syphilis (Lues). Bei der Tuberkulose kann es, durch die Streuung der Keime, zur Bildung hirsekopfgroßer Knötchen (Tuberkel) im ganzen Körper und somit auch in der Speiseröhre kommen.
      Durch Verschlucken des Tuberkulosekeimes kann die Speiseröhre auch durch den direkten Kontakt infiziert werden. Bei der Syphilis können sich unter der Schleimhaut der Speiseröhre im Laufe der langjährigen Erkrankung prall-elastische Geschwülste bilden, die man auch Gummen ("Gummigeschwulste") nennt.
      Sie treten meist im oberen Abschnitt der Speiseröhre auf. Beide Erkrankungen sind in den Stadien, wenn sie die Speiseröhre befallen können, bereits weit fortgeschritten und sehr schwer zu behandeln.
       
    • Virale Speiseröhrenentzündung
      Die Entzündungen der Speiseröhre durch Viren treten manchmal begleitend bei Masern, Röteln und Influenza (Grippevirus) auf und bereiten bei der Behandlung meistens keine Probleme. Andere Viruserkrankungen verbleiben nach der Erstinfektion im Körper und können bei Immunschwäche reaktiviert werden, d.h., die körpereigene Abwehr ist nicht mehr in der Lage den Virus zu bändigen, sodass es dann erneut ausbrechen kann. Zu diesen Viren zählt man unter anderen

      Infektionen mit dem Herpesvirus (HPV) können sich aus dem Mund-Rachenraum bis in die Speiseröhre ausbreiten.
      Man beobachtet zunächst kleine Bläschen, die sich sogar zu Geschwüren ausbreiten können und häufig mit Fieber begleitet werden.
      Das Zytomegalievirus (CMV) ist insbesondere bei stark immungeschwächten Patienten gefürchtet, es kann unter anderem auch eine Ösophagitis verursachen.
      Das Varizella-Zoster-Virus verbleibt nach der Ersterkrankung, den Windpocken, im Körper.
      Dieses Virus kann auch bei nicht gravierenden Immunschwächen eine Reaktivierung durchlaufen. Dann bezeichnet man, die auf ein Segment beschränkte Pustelbildung als Gürtelrose. Beide Erkrankungen können ausgeprägt verlaufen, dabei kann die Speiseröhre in Mitleidenschaft gezogen werden. 

    • Pilzinfektionen der Speiseröhre
      Die zweithäufigste Ösophagitis, gleich nach Refluxösophagitis, ist die Candidaösophagitis oder Soorösophagitis.
      Der Erreger ist Candida albicans ein Hefepilz, der einen normalen Keim der Darmflora darstellt und für einen immungesunden (körpereigene Infektabwehr) Menschen keine Gefahr ist.
      Meistens sind Säuglinge, Ältere und immungeschwächte Menschen betroffen, außerdem zeigt sich die Infektion nicht selten als erstes Anzeichen einer AIDS - Erkrankung.
      Die Bakterien- und Pilzflora halten sich normalerweise gegenseitig im Gleichgewicht. So kann in manchen Fällen eine starke Antibiotikatherapie die normale Bakterienflora des Menschen schädigen, sodass der Candidapilz sich ungehindert ausbreiten kann, was einen Candidainfekt (Soor) zur Folge hat.
       
  9. Seltener können verschiedene chronische Erkrankungen zu einer knötchenbildenden (granulomatösen) Entzündung der Speiseröhre führen. Bei diesen so genannten autoimmunen Erkrankungen richtet sich die Immunabwehr gegen Strukturen des eigenen Körpers. Zum Beispiel kann vereinzelt bei Morbus Crohn und der Sarkoidose so eine Speiseröhrenentzündung beobachtet werden.
    Weitere Informationen erhalten Sie auch unter unserem Thema: Morbus Crohn
     
  10. Beim Speiseröhrenkrebs und vielen anderen Krebsarten, die im Bereich der Speiseröhre liegen, ist eine Bestrahlung notwendig. Häufig kann man nicht die zur Therapie der Krebszellen optimale Strahlendosis geben, weil der gesamte Magen-Darm-Trakt strahlenempfindlich ist. Trotz der starken Vorsichtsmaßnahmen bei der Bestrahlung kann die Speiseröhre trotzdem betroffen sein. Eine radiogene Ösophagitis ist die Folge. Die gleichzeitige Gabe von Chemotherapeutika kann die Folgen der Strahlung zudem noch verstärken. Die akute radiogene Ösophagitits tritt ca. am Ende der 2 Woche nach Beginn der Radio- oder Radiochemotherapie auf. Die Symptome können sich manchmal noch während der Radiotherapie bessern, um dann in der 5-6 Woche wieder an Beschwerden zuzunehmen. Die Beschwerden können durch Unterbrechung der Bestrahlung innerhalb von ein paar Tagen eine deutliche Besserung erfahren, sind jedoch erst nach 2-10 Wochen vollends verschwunden. Selten kann sich als Komplikation eine chronische radiogene Ösophagitis entwickeln, die durch chronische Geschwüre (Ulzera) imponiert, die sehr schmerzhaft sein können. Das größte Problem bei der chronischen radiogenen Ösophagitis ist die schwere Unterscheidung zwischen Entzündung und einem erneuten Ausbruch des Speiseröhrentumors (Tumorrezidiv). Die schleimbildenden Drüsen können durch die Bestrahlung mitbeschädigt sein, sodass die neutralisierende Funktion des Schleims wegfällt und eine Refluxkrankheit begünstigt wird.
     
  11. Eine andere Art der Entzündung kann durch Medikamenteneinnahme verursacht werden. Wenn eine Tablette mit wenig Flüssigkeit eingenommen wird, kann sie an der Schleimhaut haften bleiben oder durch eine Schluckverzögerung oder Störung regelrecht im Halse stecken bleiben. Besonders wenn man sich direkt nach der Tabletteneinnahme flach hinlegt, ist die Passage noch stärker verzögert.
    So können besonders Antibiotika (Tetrazykline), Schmerzmittel ( z. B. NSAR), KCL (Kaliumchlorid), Bisphosphonate ( z.B. Fosamax® gegen Osteoporose), Eisensulfat und viele andere Medikamente eine örtliche Entzündungsreaktion verursachen. Die gereizten Stellen sind meistens kreisrund und nicht größer als die Tablette selbst, man nennt diese Form auch “Pillenösophagitis”.

Symptome

Das typische Symptom bei der Speiseröhrenentzündung ist der Schluckschmerz (Odynophagie). Dieser ist bei der mechanisch-irritativen Form besonders ausgeprägt.
Auch unspezifische Schluckbeschwerden (Dysphagie) kommen vor. Häufig werden die dabei vorkommenden Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternale Schmerzen) mit krankhaften Prozessen im Bereich des Herzens und der Bronchien fehl interpretiert. Besonders bei ausgeprägten infektiösen Speiseröhrenentzündungen kann es zu Blutungen, ödematösen Schwellungen oder sogar zu Vernarbungen und als Folge davon zu Verengungen (sog. Stenosen) kommen und so das Krankheitsbild verkomplizieren.
Wenn außer der Schleimhaut auch andere Wandschichten (besonders die Muskelschicht) mit betroffen sind, dann kann es zu Störungen der Muskelfunktion (Peristaltik) kommen, was zu Schluckbeschwerden und zu einer Refluxkrankheit führen kann.

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Autor: Dr. Marc Jungermann      |     Letzte Änderung: 06.05.2012