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Cushing-Syndrom

Synonyme im weiteren Sinne

Hyperkortisolismus, Morbus Cushing, endokrines und exokrines Cushing-Syndrom

Englisch:

Cushing’s syndrome

Definition

Beim Cushing-Syndrom (Morbus Cushing) ist zuviel Kortisol im Körper vorhanden. Kortisol ist ein Hormon, das vom Körper selbst gebildet wird, jedoch auch als Medikament eingesetzt wird, um z.B. Entzündungsreaktionen zu unterdrücken.
Durch eine Überaktivität der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) auf Grund eines Tumors oder durch einen Tumor der Nebenniere kann es zu einer körpereigenen erhöhten Bildung und Freisetzung von Kortisol kommen.


Regulationsvorgänge im Körper

Kortisol wird im Körper normalerweise auf das Signal von ACTH hin gebildet und in die Blutbahn ausgeschüttet.

Am Beginn der Hormonkette steht das CRH, welches im Hypothalamus, einer bestimmten Region des Gehirns, gebildet wird. Das CRH (Corticotropin Releasing Hormon oder Corticoliberin) regt die Hirnanhangsdrüse dazu an, ACTH ins Blut auszuschütten. ACTH (adrenocorticotropes Hormon) ist ein Hormon, das von der Hirnanhangsdrüse produziert und ebenfalls in die Blutbahn abgegeben wird. Auf dem Blutweg erreicht dieses stimulierende Hormon die Nebenniere und fördert deren Aktivität. Durch die Nebennierenaktivität entsteht schließlich Kortisol.

Wird nun vermehrt Kortisol im Körper gebildet und befindet sich im Blut, sinkt die Bildung und Freisetzung von CRH und ACTH ab. Das Kortisol hat also einen hemmenden Einfluss auf die Bildung dieser beiden Hormone. Man nennt diesen Mechanismus ein negatives Feedback (negative Rückkopplung) und da das Kortisol auf zwei Hormone wirkt, nennt man diesen speziellen Mechanismus doppeltes negatives Feedback.

Formen des Cushing-Syndrom

Ein Zuviel an Kortisol im Körper kann auf zwei Arten hervorgerufen werden:

Zum einen ist das Kortisol im Körper erhöht, wenn es zu Therapiezwecken von außen als Medikament zugeführt, wie es z.B. bei einer chronischen Entzündungsreaktion nötig sein kann (zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen). Man bezeichnet diese Form der Erkrankung auch als exogenes Cushing-Syndrom.

Zum anderen ist es möglich, dass der Körper selbst zuviel Kortisol bildet und in die Blutbahn ausschüttet, wie es beim endogenen Cushing-Syndrom der Fall ist. Bei dieser Erkrankungsform gibt es verschiedene Untergruppen, die sich darin unterscheiden, wo die Überproduktion des Hormons stattfindet. Ist ein Nebennierentumor für die Bildung von zuviel Kortisol verantwortlich, spricht man von einem adrenalen Cushing-Syndrom.

Wenn die Hirnanhangsdrüse zuviel ACTH ausschüttet, produziert die Nebenniere zu viel Cortisol; diese Fehlregulation der Hormonbildung wird als Morbus Cushing bezeichnet.
Zumeist liegt in der Hirnanhangsdrüse ein kleiner hormonbildender Tumor, der für die überschießende ACTH-Bildung verantwortlich ist.

ACTH kann auch durch Tumoren produziert werden, die außerhalb der Hirnanhangsdrüse liegen wie z.B. einen Lungentumor. Man spricht in diesen Fällen von einer ektopen Bildung von ACTH. Ektop bedeutet, dass das ACTH nicht an dem Ort gebildet wird, an dem es unter normalen Bedingungen im Körper gebildet würde.

Die verschiedenen Formen des Cushing-Syndroms und ihre Untergruppen sind in der nachfolgenden Tabelle noch einmal anschaulich dargestellt:

 

 

  1. Exogenes Cushing-Syndrom durch Medikamente

 

 

  1. Endogenes Cushing-Syndrom (Morbus Cushing)

a)     adrenales Cushing-Syndrom

b)     zentrales Cushing-Syndrom, auch Morbus Cushing genannt

c)      ektope ACTH-Produktion

Symptome

Die Entstehung einer endokrinen Hypertonie (hormonell verursachter Bluthochdruck) kann auch durch eine erhöhte Menge von Kortisol, einem Hormon der Nebennieren, im Blut bedingt sein.

Hieraus ergeben sich verschiedene Symptomen:


Hinweis: Äußeres Erscheinungsbild Cushing-Syndrom

Eine Gewichtszunahme, die Körperstamm-betonte Fettverteilung bei eher dünnen Armen und Beinen, ein kräftiger Nacken und ein rundliches Gesicht sind typisch für das Cushing-Syndrom (Morbus Cushing).

Cushing-Syndrom

Oftmals sind die Patienten auch schon in jungem Alter an Osteoporose erkrankt und klagen über Knochenschmerzen. Ebenso sind eine Muskelschwäche und Muskelschmerzen häufige Beschwerden bei einem Cushing-Syndrom. Die Patienten fühlen sich kraftlos und antriebsarm. An der Haut zeigen sich folgende Krankheitszeichen:
Die Wundheilung bei Verletzungen ist schlecht und die Haut verdünnt sich, was man besonders am Handrücken sehen kann. Die Patienten haben des Weiteren rote Dehnungsstreifen der Haut (Striae).

Es kommt bei Patienten mit Hyperkortisolismus (zu viel Kortisol) häufig zu einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), da Kortisol die Freisetzung von Zucker in die Blutbahn bewirkt und somit hohe Blutzuckerspiegel auftreten können.

In 85% der Fälle haben Cushing-Patienten einen hohen Blutdruck.

Die Entwicklung einer Depression ist ein nicht seltenes Symptom beim Cushing-Syndrom.

Veränderungen im Blutbild können festgestellt werden: Die Werte für die Blutplättchen und roten Blutkörperchen sowie die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen sind erhöht, während für spezielle Formen der weiße Blutkörperchen, die Eosinophilen und Lymphozyten, erniedrigte Werte vorliegen.

Bei Frauen kann es zu Zyklusstörungen und Aknebildung kommen. In 80% der Fälle haben Männer mit Cushing-Syndrom Potenzprobleme und bei beiden Geschlechtern kommt es zum Libidoverlust. Wenn Kinder von einem Cushing-Syndrom betroffen, treten Wachstumsstörungen und eine Entwicklungsverzögerung auf.

Diagnostik

Bei Verdacht auf ein Cushing-Syndrom muss zunächst geklärt werden, ob die Beschwerden durch eine medikamentöse Kortisol-Therapie hervorgerufen sind oder nicht. Nimmt der Patient regelmäßig Kortison ein, liegt höchstwahrscheinlich ein ektopes Cushing-Syndrom vor.

Es werden spezielle Untersuchungen vorgenommen, wenn der Patient nicht mit Kortisol behandelt wird, jedoch typische Symptome des Cushing-Syndroms vorliegen. Die Bestimmung der Kortisolmenge im Blut sowie Funktionstests der Hirnanhangdrüse und der Nebenniere können zur Diagnosesicherung beitragen.

Die Schritte der Diagnostik sehen also folgendermaßen aus:

 

Eine Untersuchungsmethode zum Nachweis einer inadäquat erhöhten Kortisolproduktion im Körper ist die Bestimmung der Kortisolmenge im Urin. Der Harn wird vom Patienten über 24 Stunden in einem Gefäße gesammelt und auf Kortisol hin untersucht. Ist hier die Kortisolmenge erhöht, deutet das auf einen ebenso erhöhten Kortisolspiegel im Blut hin.

Der so genannte niedrig dosierte Dexamethasontest wird durchgeführt, um die Funktion der Hirnanhangsdrüse zu testen. Hierbei erhält der Patient 2mg Dexamethason, welches beim Gesunden dazu führt, dass die Kortisolmenge im Blut abnimmt. Kann beim Bluttest am darauf folgenden Tag keine Absenkung des Kortisolwertes festgestellt werden, spricht dies für ein Cushing-Syndrom, denn bei dieser Erkrankung wird das Kortisol unabhängig von den normalen Regulationsvorgängen gebildet und ins Blut abgegeben.

Um nun genau sagen zu können, warum das Kortisol im Blut erhöht ist und wo die Ursache des Hyperkortisolismus liegt, kann ein CRH-Test gemacht werden. Corticotropin Releasing Hormon bewirkt im Körper, dass die Hirnanhangsdrüse ACTH ins Blut ausschüttet. Beim Patienten wird der ACTH-Wert im Blut vor und nach der Gabe von CRH gemessen. Steigt die Bildung von ACTH an bzw. kann im Blut ein erhöhter ACTH-Wert bestimmt werden, so liegt ein Morbus Cushing vor: Die Hirnanhangsdrüse ist der Ort der Erkrankungsursache.

Kommt es hingegen nach der CRH-Gabe nicht zu einem Anstieg von ACTH im Blut, deutet dies auf ein adrenales oder ektopes Cushing-Syndrom hin.

Auch der hoch dosierte Dexamethasontest dient der Diagnostik beim Cushing-Syndrom: Der Patient erhält 8mg Dexamethason. Fällt der Wert für das Kortisol im Blut innerhalb von 2 Tagen ab, so handelt es sich bei der zu Grunde liegenden Erkrankung um einen zentralen Morbus Cushing. Bleibt der Wert weiterhin hoch, produziert entweder ein Nebennierentumor oder ein ektoper Tumor das Kortisol.

Um zwischen einem Nebennierentumor und einem ektopen Tumor unterscheiden zu können, werden Ultraschalluntersuchungen und eine computertomografische Bildgebung (CT), evtl. auch eine Magnet-Resonanz-tomografische Untersuchung (MRT) veranlasst.

Therapie

Wird Kortisol als Medikament gegeben, kann eventuell eine Verringerung der Dosis in Erwägung gezogen werden, um die Symptome des Cushing-.Syndroms zu mildern.

Liegt der Erkrankung ein hormonproduzierender Tumor zu Grunde, sollte eine Operation zur ursächlichen Behandlung des Cushing-Syndroms durchgeführt werden: Die Nebenniere bzw. der Tumor der Hypophyse wird operativ entfernt.

Die Hormone, die von der Nebenniere produziert werden, müssen nach der Operation für eine individuell verschieden lange Zeit in Tablettenform ersetzt werden, da die Nebenniere als hormon-bildendes Organ wegfällt und die Bildung von Hormonen in der gegenseitigen Nebenniere evtl. nicht ausreicht um den Bedarf des Körpers zu decken.

Ist eine Operation der Hirnanhangsdrüse nicht möglich, kann diese bestrahlt werden, um den Tumor zu zerstören und die Kortisolproduktion abzusenken.

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