Atemmuskulatur

Synonym

Atemhilfsmuskulatur

Einleitung

Als Atemmuskulatur (beziehungsweise Atemhilfsmuskulatur) bezeichnet man verschiedene Muskeln aus der Gruppe der Skelettmuskulatur, die dazu beitragen den Brustkorb zu erweitern oder zu verengen. Auf diese Weise steuern diese Muskeln einen wichtigen Beitrag zur Ein- und Ausatmung bei.

Den mit Abstand wichtigsten Bestandteil der Atemmuskulatur bildet das Zwerchfell (lat. Diaphragma). Darüber hinaus werden auch verschiedene Muskeln der Brust, des Bauches und des Rückens zur Gruppe der Atemmuskulatur gezählt. Welche dieser Muskeln genau an der Ein- beziehungsweise Ausatmung beteiligt sind, hängt in hohem Maße von der jeweiligen Atemtechnik ab. Im Groben wird in diesem Zusammenhang zwischen der sogenannten Brustatmung und der Bauchatmung unterschieden.

Atmet der Mensch normal, also ohne Anstrengung, so tragen die Atemmuskeln lediglich einen Anteil zur Einatmung (lat. Inspiration) bei. Die zuständige Muskulatur (Inspirationsmuskulatur) dient beim Einatmen vor allem der Erweiterung des Brustkorbes. Auf diese Weise kann eine Erhöhung des Unterdrucks im Spalt zwischen Lungen- und Rippenfell (Pleuraspalt) und eine damit einhergehende Erweiterung der Lunge erreicht werden.
Direkte Folge dieses Mechanismus ist ein einwärtsgerichteter Luftstrom. Die Lunge wird also mit Luft gefüllt. Im Gegensatz dazu stellt das Ausatmen unter Normalbedingungen einen rein passiven Vorgang dar. Das Erschlaffen der während der Einatmung aktivierten Atemmuskeln und die elastischen Rückstellkräfte des Lungengewebes erzeugen einen nach außen gerichteten Luftstrom. Die Lunge entleert sich. Die Atemmuskulatur wird während des Ausatemvorgangs nur im Falle einer verstärkten Atmung oder bei Vorliegen von Lungenerkrankungen benötigt.

Inspiratorische Atemmuskulatur

(Atemmuskulatur bei der Einatmung)

Der wichtigste Bestandteil der Atemmuskulatur der Inspiration ist das sogenannte Zwerchfell (Diaphragma). Aus diesem Grund können Erkrankungen des Zwerchfells auch atemabhängige Schmerzen verursachen. Im Grunde handelt es sich bei dieser Struktur weniger um einen wirklichen Muskel als vielmehr um eine aus Muskelfasern und Sehnen bestehende Platte.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Erkrankungen des Zwerchfells.

Das Zwerchfell ist beim Menschen ungefähr 3 bis 5 mm dick und trennt die Brust- von der Bauchhöhle. Alleine das Zwerchfell kann als Atemmuskel durch eine ausreichende Kontraktion zwischen 60 und 80 Prozent der zur Einatmung benötigten Muskelarbeit leisten. Aus diesem Grund gilt das Diaphragma als „Motor“ der sogenannten Zwerchfell- oder Bauchatmung.
In neutraler Atemposition (also am Ende der Exspiration) nimm das Diaphragma eine zum Brustraum vorgewölbte Stellung ein. Bei Beginn der Einatmung beginnt sich die Muskel-Sehnen-Platte um bis zu 35 Prozent zu verkürzen. Im Zuge dessen kommt es zu einer deutlichen Abflachung und zur Entstehung einer Kegelform. Durch diesen Vorgang und das Zusammenspiel mit anderen Bestandteilen der Atemmuskulatur wird der Brustraum stark vergrößert.

Zeitgleich löst die Aktivität des Zwerchfells eine Erhöhung des Unterdrucks innerhalb des Pleuraspaltes aus. Neben dem Diaphragma werden die äußeren Zwischenrippenmuskeln (Musculi intercostales externi), die Skalenusmuskeln und die Muskeln im Bereich des Rippenknorpels (Musculi intercartilaginei) zur Gruppe der inspiratorischen Atemmuskulatur gezählt.

Atemhilfsmuskulatur bei der Einatmung

Das Zwerchfell stellt zwar den wichtigsten Atemmuskel dar, doch bei intensiverer Belastung kann der Sauerstoffbedarf häufig nur unter Zuhilfenahme der Atemhilfsmuskulatur abgedeckt werden. Diese besondere Gruppe der Atemmuskulatur ist überwiegend an den knöchernen Strukturen des Brustkorbes fixiert. Aus diesem Grund ermöglichen die einzelnen Muskeln eine Vergrößerung des Brustraumes und eine deutliche Steigerung des Atemvolumens.

Im Gegensatz zur gewöhnlichen Atemmuskulatur kann die Atemhilfsmuskulatur in normaler Körperlage weder zur In- noch Exspirationsunterstützung verwendet werden. Die Aktivierung dieser speziellen Atemmuskulatur bedarf der Umkehr von Ansatz und Ursprung der Muskelfasern. Um die Atemhilfsmuskulatur zur Unterstützung verwenden zu können genügt es in der Regel die Arme fest gegen die Oberschenkel, einen Tisch oder ähnliches zu drücken.

Diese Gruppe der Atemmuskulatur spielt demnach gerade bei sportlicher Betätigung eine entscheidende Rolle. Darüber hinaus erleichtert sie das Atmen bei Vorliegen verschiedener Lungenerkrankungen. Zu den in diesem Zusammenhang relevanten Krankheiten zählen Wasseransammlungen (Lungenödem), Asthma und Vernarbungen des Lungengewebes (Lungenfibrose). Zu den wichtigsten Vertretern dieser Gruppe der Atemmuskulatur gehören die Rippenhebemuskeln (Musculi levatores costarum), der vordere Sägemuskel (Musculus serratus anterior), der hintere obere und hintere untere Sägemuskel (Musculus serratus posterior superior et inferior), der große und kleine Brustmuskel (Musculus pectoralis minor et major) und der Muskel zwischen Brustbein und Mastoid (Musculus sternocleidomastoideus).

Exspiratorische Atemmuskulatur

(Atemmuskulatur bei der Ausatmung)
Bei starker körperlicher Belastung und/oder dem Vorliegen verschiedener Lungenerkrankungen kann die sogenannte exspiratorische Atemmuskulatur dazu verwendet werden den normalerweise rein passiv ablaufenden Ausatemprozess zu intensivieren. Zu den wichtigsten Atemmuskeln der Ausatmung gehören die inneren Zwischenrippenmuskeln (Musculi inercostales interni et intimi), der Subkostale Muskel (Musculus subcostalis) und der querverlaufende untere Thoraxmuskel (Musculus transversus thoracis).
Die Aktivierung dieses Anteils der Atemmuskulatur wird in der Regel durch eine erhöhten Verbrauch und Bedarf an Sauerstoff auf Hirnebene gesteuert. Je nach Belastungssituation kann eine unterschiedliche Anzahl dieser Muskeln in unterschiedlicher Intensität genutzt werden.

Atemhilfsmuskulatur bei der Ausatmung

Die Unterstützung der Atmung auf Ebene der Exspiration erfolgt vor allem durch Muskelgruppen des Bauchraumes und des Rückens. Zu den wichtigsten exspiratorischen Atemhilfsmuskeln gehören der quer verlaufende äußere Bauchmuskel (Musculus obliquus externus abdominis) und der quer verlaufende innere Bauchmuskel (Musculus obliquus internus abdominis). Darüber hinaus wirkt der horizontal verlaufende untere Bauchmuskel (Musculus transversus abdominis) zur Verstärkung des Ausatmens bei Belastung und/oder Lungenerkrankungen bei.
Kann trotz Steigerung der Aktivität der Atemmuskulatur der erhöhte Sauerstoffverbrauch dennoch nicht abgedeckt werden, so kann vor allem der große Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi) unterstützend wirken. Dieser Muskel ist außerdem dazu in der Lage das Abhusten von festsitzenden Sekreten zu erleichtern. Es handelt sich demnach nicht bloß um einen Teil der Atemmuskulatur, sondern auch um einen sogenannten Hustenmuskel.
Des Weiteren wird der quadratische Lendenmuskel (Musculus quadratus lumborum) zur Gruppe der exspiratorischen Atemhilfsmuskulatur gezählt.

Weitere Informationen zum Thema Atemmuskulatur

Weitere Informationen zum Thema Atemmuskulatur finden Sie unter:

Folgende Themen könnten für Sie von Interesse sein:

Eine Übersicht aller Themen der Anatomie finden Sie unter Anatomie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.04.2017
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Seiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: