Rippenbruch

Synonyme

Rippenbruch, Rippe, Rippenserienbruch, Rippenserienfraktur, Bruch der Rippe, Pneumothorax, Schmerzen, Lunge, Bauch, Rippenstückbruch, Rippenfraktur

Definition

Bei einem Rippenbruch (Rippenfraktur) handelt es sich um einen Bruch der Rippe im knöchernen oder knorpeligen Anteil. Von einem Rippenserienbruch (Rippenserienfraktur) spricht man, wenn mindestens drei oder mehr benachbarte Rippen einen Bruch aufweisen. Von einer Rippenstückbruch (Rippenstückfraktur) spricht man, wenn eine Rippe zweimal gebrochen ist, wenn sozusagen ein Stück Rippe herausgebrochen ist. In der Regel treten Rippenstückbrüche nur noch erheblichen äußerlichen Gewalteinwirkungen auf, wie Sie bei Verkehrsunfällen oder Fahrradstürzen unter hoher Geschwindigkeit vorkommen.

Ursache

In der Regel entsteht ein Rippenbruch durch einen direkten Unfallmechanismus wie z.B. den Sturz auf den Brustkorb / Rippen. Bei bekannter Osteoporose kann es auch ohne Unfall zu einem Rippenbruch, z.B. durch ein kräftiges Husten kommen.

Bei weniger starken Gewalteinwirkungen kann es auch nur zu einer Rippenprellung kommen, die sich jedoch zunächst mit ähnlichen Symptomen zeigt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Rippenbruch oder Rippenprellung

Bei starker Gewalteinwirkung wie bei Verkehrsunfällen oder Reitunfällen können gleich mehrere Rippen brechen.

Abbildung Rippenbruch

Abbildung Rippenbruch

A -Rippenbruch (Rippenfraktur)
B -Pneumothorax (Lungenkollaps)
C - Rippenserienbruch
D - Rippenstückbruch
(Rippenreihenbruch)

  1. Schlüsselbein - Clavicula
  2. Rippe - Costa
  3. Rippen 1-7 (wahre Rippen) -
    Costa 1-7 (Costae verae)
  4. Rippenknorpel -
    Cartilago costalis
  5. Rippen 11
    (rudimentäre Rippen) -
    Costa 11 (Cost. fluctuantes)
  6. Rippen 8-10 (falsche Rippen) -
    Costa 8-10 (Costae spuriae)
  7. Brustbeinhandgriff -
    Manubrium sterni
  8. Rechte Lunge - Pulmo dexter
  9. Brustbeinkörper - Corpus sterni
  10. Linke Lunge - Pulmo sinister
  11. Schwertfortsatz - Processus xiphoideus
  12. Rippen 12 (rudimentäre Rippen) - Costa 12 (Cost. fluctuantes)
  13. Rippenbogen - Arcus costalis

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Hinweis

Für die anatomischen Grundlagen beachten Sie bitte unsere Themen Rippe und Brustkorb (Thorax).

Sport bei einem Rippenbruch

Bei jungen gesunden Menschen sind Sportunfälle eine häufige Ursache eines Rippenbruchs (Rippenfraktur). So unterschiedlich wie die verschiedenen Sportarten sind auch die jeweiligen Verletzungsmuster, die sich hieraus ergeben können.

Bei vielen Sportarten kann es zu Rippenbrüchen kommen, besonders jedoch bei Sportarten mit viel Körperkontakt. Hier ist zunächst das Boxen zu nennen, bei dem die Rippen durch eine direkte Gewalteinwirkung brechen können. Beim sogenannten Leberhaken versucht der Boxer, seinen Gegner durch einen Schlag auf das empfindliche Organ zu schwächen. Da die Leber jedoch relativ geschützt unter dem rechten Rippenbogen liegt, kommt es häufiger zu Frakturen der unteren Rippen. Da die unteren Rippen (Rippenpaare 8 bis 12) im Gegensatz zu den darüber liegenden Rippen nicht fest am Brustbein verankert sind, sondern sich an die jeweils obere Rippe anschließen, sind sie generell weniger elastisch und so anfälliger für Brüche. Desweiteren kann das Radfahren (hier ist eher das professionelle Rennradfahren gemeint) als besonders risikoreich für Rippenbrüche erwähnt werden. Durch abruptes Abbremsen oder einen Sturz kommt der Radfahrer mit dem Brustkorb auf die Lenkerstange auf, was zur Fraktur einer oder mehrerer Rippen führen kann. Auch bei Ballsportarten wie Handball oder Basketball, die mit viel Körperkontakt einhergehen, sind Verletzungen der Rippen nicht selten. Sportarten, die mit höheren Geschwindigkeiten und einem Sturzrisiko verbunden sind, bergen generell ein Risiko für Rippenbrüche. Denkbar sind hierbei zum Beispiel Snowboarding oder (Spring-)Reiten.

Da die Therapie eines Rippenbruchs (insofern dieser nicht von Verletzungen innerer Organe begleitet wird) meist konservativ erfolgt, ist die körperliche Schonung neben einer guten Schmerztherapie von großer Wichtigkeit. Wie lange auf das Ausführen der jeweiligen Sportart verzichtet werden muss, hängt mit Sicherheit von der jeweiligen Sportart an sich und dem individuellen Heilungsverlauf des Patienten ab und sollte in jedem Fall vom behandelnden Arzt entschieden werden. Sofern keine Komplikationen auftreten, beschränkt sich die Heilungsphase jedoch auf wenige Wochen.

Da Vorsorge immer besser ist als Nachsorge, kann es in bestimmten Sportarten sinnvoll sein, sich explizit vor Rippenbrüchen zu schützen. Sogenannte Protektoren, in diesem Fall Brustpanzer, sind auch für Freizeitsportler zu erschwinglichen Preisen im Fachhandel zu erwerben und schützen den Brustkorb vor Stößen und Stürzen. Im Idealfall behindern sie den Sportler dabei nicht in seiner Bewegungsfreiheit.

Lesen Sie mehr zum Thema: Sport bei einem Rippenbruch

Symptome

Typische Symptome bei einem Rippenbruch sind die lokalen Schmerzen, die sich bei der Atembewegung verstärken. Insbesondere das tiefe Einatmen und Husten verursachen Schmerzen direkt über dem Bruchbereich.

Schmerzbedingt kann es zu einer nur oberflächlichen Schonatmung oder Atemhemmung kommen, was sich insbesondere bei älteren Patienten problematisch auf die Sauerstoffversorgung auswirken kann.

Besonders bei der Rippenserienfraktur kann es zu einer Atemhemmung kommen.

Sind mehrere nebeneinander liegende Rippen, ggf. auch mehrfach gebrochen (Rippenstückbruch) kann es zu einer sogenannten paradoxen Atmung oder inversen Atmung kommen. Hierbei zieht sich der Brustkorb - entgegen der natürlichen Bewegung – bei Einatmung (Inspiration) ein und beult sich bei Ausatmung entsprechend aus.

Brüche in der vorderen Brustkorbwand wirken sich stärker schwächend auf die Atmung aus, als rückseitig gelegene Frakturen, da hier die Rippe durch die Rückenmuskulatur zusätzlich stabilisiert wird.

Beim Rippenserienbruch müssen weitere Begleitverletzungen wie beispielsweise Verletzungen innerer Bauchorgane abgeklärt werden.

Das größte Risiko beim Rippenbruch liegt in der Verletzung der Lunge, des Herzens oder der Hauptschlagader (Aorta) durch die gebrochene Rippe. Hierdurch kann es zu massiven Blutungen in die Lunge (Hämatothorax) oder zum kollabieren (zusammenfallen) der Lunge (Pneumothorax) kommen.
Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auch unter: Pneumothorax

In den meisten Fällen handelt es sich jedoch um isolierte unverschobene Rippenfrakturen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Rippenbruch Schmerzen

Dauer

Da es verschiedene Formen des Rippenbruchs gibt unterscheidet sich die Dauer bis zur vollständigen Heilung von Fall zu Fall. In diesem Zusammenhang spielt vor allem die genaue Lokalisation des Rippenbruchs eine entscheidende Rolle.
In den meisten Fällen kommt es durch eine immense Krafteinwirkung auf den Brustkorb zu einem Rippenbruch im Bereich des vorderen oder hinteren Drittels des Knochens.
Darüber hinaus muss der einfache Rippenbruch, bei dem eine einzelne Rippe bricht, von der sogenannten Rippenserienfraktur unterschieden werden. Bei einer Rippenserienfraktur brechen mehrere Rippen.

Im Allgemeinen kann davon ausgegangen werden, dass die Dauer der Heilung bei einem Rippenbruch ungefähr 12 Wochen beträgt. Während dieser Zeit beginnt der Abbau des zerstörten Knochengewebes durch körpereigene Fresszellen. Anschließend können die Enden des Rippenbruchs wieder knöchern zusammenwachsen.
In der Regel geschieht die Verbindung der Frakturenden auch bei einem Rippenbruch nicht unmittelbar durch den Aufbau neuen Knochengewebes.
Nachdem die zerstörten Knochenfragmente abgebaut wurden, beginnt der Organismus vorerst mit der Produktion von Knochenersatzmaterial (sogenannter Kallus). Diese Phase der Rippenbruch-Heilung umfasst in den meisten Fällen eine Dauer von ungefähr 3-4 Wochen.
Der die Bruchenden verbindende Kallus besteht aus einer, dem eigentlichen Knochen ähnlichen Substanz. Im direkten Vergleich zum gewöhnlichen Knochen ist das Ersatzmaterial jedoch wesentlich nachgiebiger und aus diesem Grund wenig belastbar. Dennoch berichten die betroffenen Patienten nach dieser Heilungsphase von einem spürbaren Rückgang oder dem vollkommenen Verschwinden der Schmerzen. Im Laufe der Zeit wird das Knochenersatzmaterial durch widerstandsfähigen Knochen ausgetauscht. Diese Form der Heilung findet vor allem bei einfachem Rippenbruch ohne Verschiebung der Bruchenden statt.
In Fällen in denen ein sogenannter dislozierter Rippenbruch vorliegt (die Bruchenden stehen nicht in ihrer gewöhnlichen Position), kann die Dauer der Heilung verlängert sein. In der Regel muss vor dem Beginn der Abheilungsphase eine Reposition der Bruchenden durchgeführt werden.

Komplizierte Formen des Rippenbruchs können sogar eine chirurgische Behandlung notwendig machen. Die Stabilisierung der Frakturenden des Rippenbruchs wird in der Regel durch das Einbringen von Schrauben und Platten gewährleistet. In den meisten Fällen zeigen derartig versorgte Formen des Rippenbruchs eine deutlich verkürzte Dauer bis zur vollständigen Abheilung. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Bildung neuen Knochenmateriales durch die sinkende Beweglichkeit des Rippenbruchs beschleunigt werden kann.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Dauer eines Rippenbruchs

Diagnostik

Die Diagnose eines Rippenbruchs wird durch das Röntgenbild gestellt. Hierfür muß der Brustkorb in zwei Ebenen geröntgt werden. Bei konkretem Anhalt für einen Bruch einer bestimmten Rippe kann eine Röntgenzielaufnahme (knöcherner Hemithorax) angefertigt werden.

Beim Bruch der Rippe kann der Knochen einen Lungenflügel verletzen. Als Folge daraus kann der betroffene Lungenflügel in sich zusammenfallen. Dieser Lungenteil kann nicht mehr an dem Gasaustausch teilnehmen. In der Regel reicht der andere Lungenflügel aus, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu gewährleisten. Zum Ausschluss eines Pneumothorax (kollabierter Lungenflügel) kann gezielt eine Röntgenuntersuchung in Ausatmung (Exspiration) durchgeführt werden.

Einzelne unverschobene Rippenbrüche können teilweise erst nach Tagen erkannt werden. Hierbei empfiehlt es sich bei gleichbleibenden Beschwerden eine Röntgenkontrollaufnahme (Vergleichsaufnahme) durchzuführen.

Zum Ausschluss von weiteren Verletzungen von inneren Organen kann eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) durchgeführt werden. Hierbei kann festgestellt werden, ob sich Flüssigkeit in der Lunge befindet, z.B. als Folge einer Lungenblutung (Pleuraerguss) oder wenn Milz, Leber und / oder Niere verletzt wurden.

Andere Ursachen für Schmerzen im Rippenbereich können ein Bruch oder Prellung des Brustbeins sein.

Bei Verdacht auf eine Herzverletzung, bzw. bei einer vorliegenden Rippenserienfraktur sollte ein EKG geschrieben werden.

Bei einer Rippenserienfraktur kann ggf. zur Gesamtbeurteilung eine Computertomographie (CT) sinnvoll sein.

Therapie

Der unverschobene Rippenbruch kann konservativ unter Gabe von Schmerzmedikamenten wie z.B. Ibuprofen oder Tramadol (Tramundin®) oder Novalgin gut behandelt werden. Bei bestehendem Reizhusten sollte dieser ebenfalls medikamentös gedämpft werden. Hierfür kommen z.B. Paracodein – Tropfen in Frage.

Bei einer Rippenserienfraktur sollte der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen werden, um zu Überprüfen das die Sauerstoffversorgung sichergestellt ist.

Bei einer Schonatmung muß darauf geachtet werden, daß sich keine Infektionen über die verminderte Beatmung bilden.

Ist die Lunge geringgradig kollabiert (Mantelpneumothorax) müssen in regelmäßigen Abständen Röntgenkontrollen durchgeführt werden, um die Verbesserung des Befundes zu dokumentieren.

Ist ein Lungenflügel (Pneumothorax) kollabiert, muß dieser kurzfristig wieder entfaltet werden. Hierzu wird von außen ein kleiner Schlauch (Drainage) in die Lunge, genauer gesagt, in das Rippenfell eingebracht. Über einen Unterdruck (25 – 30 cm H20), der an die Saugdrainge (Schlauch) angebracht wird, kann nun die fehlerhaft in das Rippenfell eingebrachte Luft wieder absagen und die Lunge entfalten.
Hierbei handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Therapie eines Rippenbruchs

Abbildung Brustkorb (Thorax) im CT

  1. Schlüsselbein (Clavicula)
  2. Brustbein (Sternum)
  3. Rippen (Costae)

Nachbehandlung

Eine Röntgenkontrollaufnahme ist in der Regel nicht notwendig.

Insbesondere bei älteren Patienten sollte ein Atemtraining durchgeführt werden, da durch die schmerzbedingte Schonatmung es zu Minderbelüftungen von Lungenanteilen (Hypoventilation) oder einem Kollaps von kleinen Lungenanteilen (Atelektase) kommen kann.

Prognose

Rippenfraktur verheilen in den meisten Fällen auch bei Stückbrüchen oder Serienfrakturen problemlos wieder zusammen.

Unterhalb jeder Rippe verläuft ein Gefäß – Nervenbündel. Bei Verletzung des Nerven können Schmerzen im Bereich der Rippe, eine sogenannte Intercostalneuralgie, die auch als Zwischenrippenneuralgie bezeichnet wird, resultieren.

Abbildung Rippen

Abbildung Knochengerüst des Brustkorbs von vorn und Brustwirbel mit Rippe von oben

I-XII Rippen 1-12 -
Costa I-XII
(I-VII) Wahre Rippen -
Costae verae
(VIII-X) falsche Rippen -
Costae spuriae
(XI-XII) rudimentäre Rippen -
Cost. fluctuantes

  1. Rippenkopf - Caput costae
  2. Rippenhals - Collun costae
  3. Rippenhöckerchen -
    Tuberculum costae
  4. Rippenkörper - Corpus costae
  5. Rippenkopfgelenk -
    Articulatio capitis costae
  6. Brustbein - Sternum
  7. Wirbelkörper - Corpus vertebrae
  8. Rippenknorpel -
    Cartilago costalis
  9. Rippen-Brustbein-Gelenk - (Sternocostalgelenk)
  10. Rippen-Wirbelkörper-Gelenk - (= Pkt. 5.)

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.08.2016
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