Rippenbruch durch Sport

Einleitung

Zu jeder Sportart gehört ein gewisses Verletzungsrisiko. Zu den häufigsten Verletzungen gehören Prellungen, Bänderrisse, aber auch Brüche. Der Rippenbruch oder auch Rippenfraktur stellt eine besondere Form von Fraktur dar, da er an einer klinisch ungünstigen Stelle liegt.

Ein Rippenbruch kann durch eine Vielzahl von Ereignissen (wie beispielsweise auch Reanimation, Unfall, oder starken Husten) ausgelöst werden, im Folgenden soll jedoch primär auf den Rippenbruch nach Sportverletzung eingegangen werden.

Man unterscheidet zudem zwei Formen des Rippenbruchs:

  1. Den Bruch einer einzelnen Rippe
  2. Die Rippenserienfraktur, also den Bruch mehrerer Rippen.

Beide äußern sich durch unterschiedliche Symptome, und müssen auch unterschiedlich versorgt werden.


Symptome

Die Symptome sind allgemein starke Schmerzen im Brustkorb, vor allem bei der Atembewegung, beim Sprechen, und beim Husten. Damit unterscheidet sich der Rippenbruch symptomatisch nur wenig von einer Rippenprellung. Der Patient reagiert daher oft mit einer flachen (da weniger schmerzhaften) Atmung, bis hin zur Dyspnoe, also Atemnot. Dieser Zustand ist für den Patienten besonders unangenehm, da er einerseits panisch versucht Luft zu holen, ihm dieser Vorgang aber jedes Mal starke Schmerzen bereitet.

Weitere Symptome können Luftansammlungen unter der Haut im Rippenbruch-Bereich sein, wobei dies bereits ein Zeichen für eine schwerere Verletzung ist: In diesem Fall wurde eine gebrochene Rippe nach innen, auf das Lungenfell gedrückt, und hat dieses durchstoßen. Luft entweicht aus der Lunge in das Unterhautgewebe, es besteht die Gefahr eines Pneumothorax. Dies ist eine absolute Notfallindikation.

Ferner ist die frakturierte Stelle druckdolent, also druckempfindlich. Durch die verletzten Blutgefäße strömt Blut ins Unterhautgewebe, und ein Hämatom entsteht.

Klassisch für eine Rippenserienfraktur, also eine Fraktur mehrerer nebeneinanderliegender Rippen ist die sogenannte „paradoxe Atmung“: Dabei zieht sich der Brustkorb während des Luftholens ein, und wölbt sich während des Ausatmens nach außen vor, also genau andersrum, als wie man es beim gesunden Patienten erwarten würde. Das liegt daran, dass das Zwerchfell – also der große Muskel, der unterhalb der beiden Lungenflügel liegt – bei der Inspiration (also der Einatmung) aktiv eine Art Vakuum erzeugt, damit Luft von außen in die Lungen strömt. Da nun aber Der Brustkorb instabil ist, wird dieser bei der Inspiration mit eingezogen, und beim Ausatmen nach außen gepresst.

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Ursache

Die Ursachen des Rippenbruchs sind verschieden und treten vor allem bei Sportarten mit viel Körperkontakt auf. Diese alle zu nennen würde den Rahmen sprengen, allerdings seien Boxen und Radfahren besonders hervorgehoben:

Beim Boxen zielt der berüchtigte „Leberhaken“ auf die unter den Rippen geschützt liegende Leber ab. Meist wird aber weniger die Leber, und mehr die Rippen getroffen – bei einem zu starken Schlag brechen diese.

Zwar ist der Brustkorb äußerst elastisch, jedoch sind nicht alle Rippenpaare gleich stabil: Während die oberen sieben Rippenpaare, die sogenannten „echten Rippen“ (lateinisch: "costae verae") fest am Brustbein verankert sind, enden die Rippenpaare 8 bis 12 kaskadenartig in der jeweils oberen Rippe (die sogenannten "unechten Rippen“, oder lateinisch "costae spuriae“). Dadurch sind erstens instabiler, und zweitens weniger elastisch aufgebaut.

Bei Radfahrern, und insbesondere Rennradfahrern besteht ein erhöhtes Risiko bei einem Sturz, oder einer plötzlichen Bremsung mit dem Brustkorb auf den Lenker zu schlagen. Besonders Rennradfahrer haben noch dazu oft einen asthenischen Körperbau, mit wenig schützender Fett- oder Muskelmasse.

Therapie

Ein Rippenbruch wird in Normalfall konservativ therapiert.

Auf einen Gips oder ein Korsett verzichtet man aus praktischen Gründen: Einerseits würde eine Ruhigstellung des Brustkorbes mittels Gipsanlage die Atmung nahezu unmöglich machen. Andererseits würde ein Verband an dieser Stelle nicht allzu lange halten.

Die Therapie erfolgt also in Form von Ruhigstellung und symptomatischer Behandlung der Schmerzen. Dazu verwendet man meist Analgetika (Schmerzmittel) der NSAR-Klasse, wie beispielsweise Ibuprofen oder Paracetamol. Da diese Schmerzmittel auf Dauer die Magenschleimhaut schädigen, werden sie stets mit einem „Magenschutz“ wie zum Beispiel Pantoprazol gegeben.

Sollten die anfänglichen Schmerzen extrem stark sein, kann auch eine kurzzeitige Behandlung mit einem niedrigpotenten Opioid wie Tramadol in Betracht gezogen werden.

Die Behandlungsdauer eines Rippenbruchs ist abhängig von der Art der Fraktur und Patientenalter, liegt aber im Normalfall im Bereich 2-3 Wochen.

Bei einer Rippenserienfraktur reicht eine konservative Therapie in der Regel nicht aus, weswegen sie oft eine OP-Indikation darstellt. Dazu werden die gebrochenen Rippen operativ reponiert, also in ihre ursprüngliche Stelle zurückgebracht, und mit Schrauben oder Platten in dieser Stellung fixiert.

Anschließend ist eventuell eine künstliche Beatmung notwendig. Dabei muss man bedenken, dass die Krafteinwirkung bei einer Rippenserienfraktur meist so stark ist, dass ohnehin meist eine Beteiligung der inneren Organe, oder anderer Knochen gegeben ist. Es handelt sich dann also um ein Polytrauma, welches intensivmedizinisch versorgt werden muss.

Diagnose

Die Diagnose wird relativ schnell und einfach mittels Röntgen oder auch Sonographie gestellt. Beim „Röntgen-Thorax“ steht der Patient in einem abgeschirmten Raum, und wird mittels Röntgenstrahlung vom Rücken in Richtung Bauch durchleuchtet. Dieser Vorgang dauert nur wenige Sekunden, die Diagnose Rippenbruch kann innerhalb weniger Minuten gestellt werden.

Zur Verlaufskontrolle eignet sich auch die Sonographie, also die Untersuchung mittels Ultraschallgerät.

Ferner liefert die händische Untersuchung des Patienten durch den Arzt, mit Abtasten des betroffenen Bereiches ebenfalls eine Reihe an Informationen: So gelten Knirsch-Geräusche bei der Bewegung, oder abnormale Stellung der Rippe (beispielsweise Durchtritt durch die Haut) als sichere Zeichen für eine Fraktur.

Prognose

Ein Rippenbruch verheilt in der Regel völlig komplikationslos innerhalb von 2-3 Wochen. Eine Beeinträchtigung besteht jedoch vor Allem nachts, wenn sich der Patient auf die frakturierte Seite dreht, und auf Grund der Schmerzen ein Schlafdefizit entwickelt. Hier ist eine gute Schmerztherapie eine wichtige Voraussetzung!

Im Übrigen unterscheiden sich Rippenbruch und Rippenprellung weder symptomatisch noch klinisch sonderlich stark, weswegen beide Verletzungen auch auf dieselbe Art und Weise behandelt werden. Eine Unterscheidung ist selbst im Röntgen nicht immer ganz einfach, allerdings aus oben genannten Gründen auch nicht unbedingt wichtig.

Prophylaxe

Sportverletzungen lassen sich durch korrektes Ausführen der Übungen, und Rücksichtnahme unter den Trainingspartnern leicht vermeiden. Ein wesentlicher Bestandteil ist auch das gewissenhafte Aufwärmen, und Konzentration auf die Übungen.

Bei nahezu allen Sportarten kann man zudem Protektoren tragen, diese sind nicht nur für Handgelenke oder Knie verfügbar, sondern in Form eines Art „Brustpanzers“ auch für den gesamten Brustkorb und Rücken. Besonders in Extremsportarten wie Ski-Freeride und Downhill haben diese über die letzten Jahre vermehrt Einzug gehalten.

Aber auch für Freizeitsportler kann eine solche Anschaffung durchaus sinnvoll sein. Sie schützen neben dem Brustkorb auch die Wirbelsäule und beeinträchtigen den Sportler dabei kaum in Bewegungsumfang und -Ausmaß. Einfach Brustpanzer sind in jedem Sportgeschäft für unter 100€ erhältlich, können aber je nach Marke auch über 200€ kosten.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.01.2018
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