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Boerhaave Syndrom

Einleitung

Das Boerhaave-Syndrom bezeichnet in der medizinischen Fachsprache eine nach einem niederländischen Mediziner benannter Einriss der Speiseröhre (Ösophagus). Diese selten auftretende Krankheit ereignet sich spontan. Es kommt zu einem Einriss aller Wandschichten der Speiseröhre, sodass schließlich eine Öffnung in den Brustkorbbereich besteht. Die spontane Ruptur erfolgt meist direkt oberhalb des Zwerchfells. Diese Lage der Verletzung wird als supradiaphragmal bezeichnet. Als Ursache kommt in den meisten Fällen ein zu hoher Druck im Bauchraum in Frage. Beim Erbrechen oder bei starken Hustenanfällen baut sich ein hoher intraabdomineller Druck auf, der so stark sein kann, dass das Gewebe der Speiseröhre diesem erhöhten Druck nicht stand halten kann.

Voraussetzung für die Verletzung ist häufig eine bestehende Vorschädigung der Muskulatur des Ösophagus. Die Muskulatur kann durch verschiedene Faktoren wie zum Beispiel eine falsche Ernährung oder ein massiver Alkoholmissbrauch beeinträchtigt sein. Ebenfalls sieht man das Boerhaave-Syndrom häufig bei essgestörten Patienten. So zeigt sich bei einer Bulimie, bei der die Patienten häufig gezielt Erbrechen, eine typische Schädigung der Gewebeschichten. Bei der Ruptur der Speiseröhre besteht erhöhtes Risiko für den Patienten eine Entzündung im Brustkorb oder sogar eine übergreifende Infektion, die als Sepsis bezeichnet wird, zu entwickeln.

Symptome

Das Boerhaave-Syndrom tritt plötzlich und mit verschiedenen Symptomen auf. Typisch für diese Erkrankung ist eine plötzlich einsetzender Schmerze hinter dem Brustbein (Sternum). Diese als retrosternale Beschwerden bezeichnete Symptomatik wird auch Vernichtungsschmerz genannt. Die Beschwerden versetzen den häufig in eine sehr ängstliche bis hin zu panische Sitiation, da viele Patienten auch nicht mehr richtig atmen können. Sie leiden unter Atemnot (Dyspnoe). Weitere Symptome können Erbrechen auch mit Blutbeimengungen sein. Dies wird dann als Hämatoemesis bezeichnet.

Gelegentlich tritt auch ein Hautemphysem auf. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Luftansammlung in der Unterhaut, die durch Deformität der Haut festgestellt werden kann. Beim Abtasten der Haut kann man ein leises Knistern wahrnehmen, was sich wie typischerweise wie auf dem Schnee laufen anhört. Die Verletzung der Speiseröhre stellt in einigen Fällen eine akute und möglicherweise auch bedrohliche Situation für den Patienten dar, da in einigen Fälle auch ein Schock eintreten kann. Dieser geht mit Kreislaufversagen und Blutdruckabfall einher und sollte sofort behandelt werden.

Therapie

Das Boerhaave-Syndrom stellt für den Patienten eine gefährliche und auch akut lebensbedrohliche Lage dar. Hier ist eine sofortige intensivmedizinische Behandlung erforderlich. Eine Operation ist notwendig um das Loch in der Speiseröhre zu schließen. Diese Defektdeckung erfolgt mittels Eröffnung des Brustkorbes (Thorakotomie) oder des Bauchraumes (Laparotomie). Dabei handelt es sich um einen größeren Eingriff, weshalb anschließend eine sorgsame intensivmedizinische Überwachung erfolgt. Die Verletzung kann genäht oder mit eigenem Gewebe gedeckt werden. Dadurch dass durch den Defekt in der Speiseröhre Mageninhalt in den Brustbereich fließen kann, besteht die Gefahr, dass sich der Brustkorb entzündet. Diese gefährliche Komplikation wird als Sepsis oder Mediastinitis bezeichnet.

Um den Patienten zusätzlich davor zu schützen, erhält er ein Breitbandantibiotikum als Infusion. Zusätzlich erhält der Patient Schmerzmittel. Nach der Operation erfolgt zunächst eine parenterale Ernährung. Das bedeutet, der Patient erhält Nahrung in Form von Infusionen über einen in der Vene liegenden Zugang oder über die Magensonde. Dadurch soll ein erneutes Einreißen der Naht verhindert werden und die Wunde kann erstmal in Ruhe heilen. Später erfolgt dann ein langsamer Kostaufbau. Die Behandlung sollte möglichst schnell nach dem Auftreten des Syndrom erfolgen, da sonst die Patienten meistens nach kurze Zeit später an den Komplikationen versterben.

Abgrenzung zum Pneumothorax

Das Boerhaave-Syndrom kann in manchen Fällen auch irrtümlicherweise als Pneumothorax diagnostiziert werden. Hier sollte deshalb eine Pneumothorax erfolgen. Bei dem Pneumothorax handelt es sich um eine ähnliche spontan auftretende Erkrankung. Durch ein Pneumothorax, kollabiert die eine Lungenhälfte. Der Patient leidet unter akuten stechenden Schmerzen im Brustkorb und plötzlichlicher Atemnot. Es folgt ein Angstsgefühl und nicht selten verlieren die Patienten auch das Bewusstsein.

Der Pneumothorax kann durch eine Verletzung oder auch spontan auftreten. Im Falle eines Spontanpneumothorax kann die Ursache ähnlich wie bei dem Boerhaave-Syndrom ein zu großer intraabdomineller Druck im Bauchraum sein. Die Behandlung sollte auch hier möglichst schnell erfolgen, damit dem Patienten das Atmen wieder leichter fällt. Durch Einlage einer Drainage in den Lungenspalt wird die Luft entfernt und die kollabierte Lunge kann sich wieder entfalten. Zusätzlich wird auch ein Defekt im Lungenfell mittels einer Operation genäht. Wenn der normal Druck im Lungenspalt wieder hergestellt ist, kann auch die Drainage wieder entfernt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Pneumothorax

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    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicholas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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