Speiseröhrenriss

Einleitung

Der Speiseröhrenriss wird in der medizinischen Fachsprache als Ruptur bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Einriss der Speiseröhre (Ösophagus), sodass ein Durchgang in den Brustkorb entsteht.

Eine Ruptur kann im Rahmen verschiedener Erkrankungen oder Ereignisse entstehen. So reißen zum Beispiel auch bei dem Boerhaave-Syndrom alle Wandschichten der Speiseröhre ein. In vielen Fällen ist die Schleimhaut der Speiseröhre durch verschiedene Ursachen schon vorgeschädigt, wodurch eine Verletzung auch begünstigt wird.

Der Einriss stellt eine lebensbedrohliche Situation für den Patienten dar, weil starke Blutungen entstehen können, die durch die Lage oft nur schlecht gestillt werden können. Zudem besteht die Gefahr, dass der gesamte Brustkorb kontaminiert wird und somit eine Entzündung entsteht, die als Mediastintis bezeichnet wird. Daher ist eine schnelle Behandlung eines Speiseröhrenrisses mit intensivmedizinischer Überwachung erforderlich.

Symptome beim Speiseröhrenriss

Wenn die Speiseröhre reißt, liegt eine schwerwiegende Organschädigung im Körper vor, die meist zu sehr starken Schmerzen hinter dem Brustbein führen. Diese setzten in der Regel sehr plötzlich ein und werden oft als brennend oder zerreißend beschrieben. Häufig strahlen die Schmerzen auch in den Rücken aus. Eine Ausstrahlung in den Bauchraum oder einen der beiden Arme ist ebenfalls möglich. Bei manchen Menschen kommt es zusätzlich zu meist blutigem Erbrechen. Begleitet werden diese Beschwerden meist von einem ausgeprägten Angstgefühl. Zusätzlich kann es zu Atemnot und einem Kreislaufversagen, der zum Bewusstseinsverlust führt, kommen.

Das wichtigste ist in einem solchen Fall, dass sofort ein Notarzt gerufen wird! Die beschriebenen Symptome können alle auch bei einem Herzinfarkt auftreten, sodass der Arzt durch entsprechendes Vorgehen die richtige Diagnose herausfinden und eine Therapie einleiten muss. Es gibt jedoch ein weiteres Zeichen, dass sehr für einen Speiseröhrenriss als Ursache spricht. Durch den Einriss ist es möglich, dass Luft in die Körperhöhlen eintritt, die gegebenenfalls von innen unter die Haut eindringt und sich durch Knistern über dem Brustkorb bemerkbar macht. Dieses sogenannte Hautemphysem ist jedoch häufig nicht zu vorzufinden.

Schmerzen

Ein Speiseröhrenriss geht mit einigen Beschwerden und Symptomen einher. Besonders typisch ist dabei ein plötzlich einsetzender sehr starker Schmerz hinter dem Brustbein (Sternum). Der Schmerz hat häufig einen zerreißenden und brennenden Charakter, besonders wenn die Schleimhaut der Speiseröhre bereits entzündet war. Es kann zu einer Ausstrahlung des Schmerzes in Bauchraum, Rücken oder Arm kommen.

Je nach Ursache für das Einreißen der Speiseröhre kann der starke Schmerz hinter dem Brustbein auch von Erbrechen begleitet sein. Für viele Patienten kann der Schmerz unerträglich sein und bereitet ihnen häufig auch Angst, sodass es im weiteren Verlauf auch zu einer erschwerten Atmung kommt. Dann besteht die Gefahr, dass der Patient auch ein Kreislaufversagen (Schock) bekommt und das Bewusstsein verliert.

Lesen Sie mehr zum Thema: Speiseröhre Schmerzen.

Ist bei dem Patienten keine Vorerkrankung bekannt, die denn Schmerz erklären würden, muss eine gute Differentialdiagnostik erfolgen.
Der Einriss der Speiseröhre kann zum Beispiel auch mit Schmerzen, die durch einen akuten Herzinfarkt verursacht werden, verwechselt werden. Die Schmerzen werden auch als Vernichtungsschmerz bezeichnet und werden in der Regel mit starken Schmerzmitteln behandelt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Brustbeinschmerzen.


Ursachen eines Speiseröhrenrisses

Ein Speiseröhrenriss kann durch verschiedene Ursachen entstehen. Häufig sind davon Patienten betroffen, die an einer Erkrankung leiden, die die Schleimhaut der Speiseröhre schädigt. Dadurch ist diese anfälliger für Verletzungen. Somit können als Ursachen in Frage kommen: ein übermäßiger Alkoholgenuss, Patienten mit einer Essstörung, häufiges Erbrechen sowie die Refluxkrankheit.

Bei der Refluxkrankheit fließt Mageninhalt nach dem Essen und im Liegen in die Speiseröhre zurück und reizt extrem die Schleimhaut, sodass es zu großflächigen Entzündungen kommen kann. Grund für den Rückfluss der Magensäure ist meist eine eingeschränkte Funktion des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Magen.

Ein zu hoher Druck im Bauchraum kann ebenfalls die Speiseröhre zum Einreißen bringen. Dieser entsteht zum Beispiel bei starken Erbrechen oder extremen Hustenanfällen.

Weiterhin können auch Verletzungen durch Fremdkörper oder von außen verantwortlich für einen Einriss der Speiseröhre sein. Dabei kann es sich um Stichverletzungen oder auch dem Verschlucken eines spitzen Gegenstandes handeln, der dann die Schleimhaut der Speiseröhre einreißt.

Auch bei einigen medizinischen Eingriffen kann die Speiseröhre stark verletzt werden.
Eine Endoskopie wird zur Begutachtung des Magens oder des Darms durchgeführt. Bei einer dünnen Speiseröhre oder einer schlechten Handhabung seitens des Arztes kann das Endoskop die Wand der Speiseröhre schwer verletzen, besonders dann, wenn diese bereits in einem schlechten Zustand ist.

Erbrechen

Eine Speiseröhrenriss kann auch durch sehr starkes und häufiges Erbrechen entstehen. Erbrechen ist auch die Ursache für einen Einriss der Speiseröhre beim Boerhaave-Syndrom.

Das Erbrechen kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden. In den meisten Fällen tritt es nach reichhaltigem Essen oder übermäßigem Alkoholkonsum auf. Weiterhin sind auch Patienten mit einer Essstörung in Form einer Bulimie davon betroffen. Diese Patienten erbrechen gewollt nach dem Essen, um nicht zu zunehmen.

Beim Erbrechen wird ein sehr starker und hoher Druck im Bauchraum aufgebaut. Wenn der Patient sich schließlich übergibt, entlädt sich dieser intraabdominelle Druck und es kann passieren, dass das Gewebe einreißt. Besonders vorgeschädigte Schleimhaut, wie es bei der Bulimie oder Alkoholikern der Fall ist, kann schnell einer Verletzung unterliegen, da die Wandschichten nicht mehr stabil genug sind.

Durch den Riss besteht nun eine Verbindung zwischen der Speiseröhre und dem Brustkorbbereich. Dadurch kann nun Mageninhalt in den Brustkorb fließen und eine schwere Entzündung verursachen. Diese Entzündung wird als Mediastinitis bezeichnet und kann als Folge eine Blutvergiftung (Sepsis) nach sich ziehen.

Die Patienten müssen umgehend intensivmedizinisch und operativ behandelt werden, da sie sonst häufig an dieser Komplikation versterben. Mit einem chirurgischen Eingriff wird schließlich der Defekt in der Speiseröhre verschlossen und anschließend sollte auch die Ursachen für das Erbrechen geklärt werden.

Alkohol

Regelmäßiger bis übermäßiger Genuss von Alkohol kann in einigen Fällen auch zu einem chronischen Alkoholmissbrauch führen. Dieser hat schwerwiegende Wirkungen auf den gesamten Körper.

So ist die häufigste Folge die Zerstörung der Leber, was unter Medizinern als Leberzirrhose bezeichnet wird. Diese führt schließlich dazu, dass die Leber des Alkoholikers nicht mehr richtig arbeitet. Weiterhin besteht bei Patienten mit übermäßigen Alkoholkonsum ein erhöhtes Risiko für Krebs und anderen Erkrankungen des Gewebes. Besonders der Mund-, Rachen- und Speiseröhrenbereich werden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Durch den ständigen für den Körper giftigen Alkohol kommt es zu einer Reizung der Schleimhaut. Die Schleimhaut wird als Plattenepithel bezeichnet und kann sich in Folge dessen stark verändern, wodurch die Entstehung von Krebs begünstigt wird. Es treten außerdem sehr häufig Speiseröhrenentzündungen auf, wodurch die Schleimhaut und auch die darunter liegenden Wandschichten, wie die Muskulatur, stark geschädigt werden. Durch diese Vorschädigung wird auch das Auftreten eines Einrisses in der Speiseröhre gefördert. Es entstehen starke Blutungen und die Gefahr, dass sich eine Entzündung im Brustkorb bildet. Der Speiseröhrenriss stellt eine lebensbedrohliche Situation dar und häufig versterben die betroffenen Patienten an den genannten Komplikationen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Folgen von Alkohol.

Behandlung eines Speiseröhrenrisses

Bei einen Riss der Speiseröhre handelt es sich um einen medizinischen Notfall und eine lebensbedrohliche Situation, die schnellstmöglich behandelt werden sollte. Der Patient muss unter Überwachung des Kreislaufs in ein Krankenhaus gebracht und direkt operiert werden. Zusätzlich werden Antibiotika mit einem breiten Wirkspektrum verabreicht, um einer Infektion der Körperhöhle, in der sich die Speisröhre befindet, vorzubeugen. Möglicherweise ist es bei der Operation nicht möglich, den Riss in der Speiseröhre zu verschließen.

Als letzte Maßnahme, das Leben des Patienten zu retten, verbleibt dann nur eine Entfernung des betroffenen Abschnitts der Speiseröhre. Danach muss der Magen hochgezogen und mit dem verbleibenden Ende vernäht werden, um einen geschlossenen Verdauungstrakt wiederherzustellen.

Weitere Informationen

Eine Übersicht aller Themen der Inneren Medizin finden Sie hier: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.01.2018
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