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Cytomegalie

Synonym

Einschlusskörperchenkrankheit, Speicheldrüsenviruskrankheit

Definition

Bei der Cytomegalie handelt es sich um eine Infektionserkrankung, die durch ein bestimmtes Virus, nämlich das Humane Herpesvirus 5 (auch „Humanes Cytomegalievirus“) ausgelöst wird. Die Cytomegalie kommt weltweit nur beim Menschen vor.

Epidemiologie

In den westlichen Industrienationen ist das Virus (Cytomegalie) bei etwa 40% der Erwachsenen nachzuweisen, in Entwicklungsländern ist die Durchseuchung mit annähernd 100% noch bedeutend größer. Die meisten Menschen infizieren sich im Kindesalter und tragen das Virus (Cytomegalie) dann unbemerkt mit sich.

Erreger

Das in den 1950er Jahren entdeckte Humane Herpesvirus 5 (Cytomegalie) gehört zur großen Familie der Herpesviridae. Insgesamt werden hier 8 verschiedene Viren unterschieden, die jeweils spezifische Krankheitsbilder verursachen. Allen Herpesviridae ist gemeinsam, dass sie nach einer Infektion lebenslang im Körper des betroffenen Patienten passiv verweilen können, eventuell kommt es dann bei einer Abwehrschwäche zu einer Reaktivierung der Viren.
Man unterscheidet je nachdem, in welchen Körperzellen das Virus verweilt, 3 Subfamilien der Herpesviren, nämlich Alpha-, Beta- und Gamma-Herpesviren. Das Cytomegalievirus gehört zur Beta-Subfamilie, das bedeutet, es überdauert in sogenannten Lymphozyten und Granulozyten, das sind spezielle Zellen der Immunabwehr. Das Virus (Cytomegalie) vermehrt sich nur sehr langsam, wobei die befallenen Zellen des betroffenen Organismus auch nur sehr langsam zerstört werden.

Übertragungsweg

Das Humane Herpesvirus 5 (Cytomegalie) wird bei engem Körperkontakt durch Speichel und andere Körperflüssigkeiten übertragen, so zum Beispiel beim Küssen oder Geschlechtsverkehr. Außerdem ist eine Infektion eines ungeborenen Kindes über die Plazenta möglich, wenn die Mutter eine hohe Anzahl von Viren in ihrem Blut hat. Auch während der Geburt oder beim Stillen können die Viren von der Mutter an das Kind übertragen werden. Ebenso ist natürlich eine Transfusion mit infiziertem Blut eine Infektionsquelle (Cytomegalie).

Symptome

Ungefähr 90% aller Infektionen (Cytomegalie) verlaufen asymptomatisch. Das bedeutet, dass die Betroffenen, obwohl sie das Virus in sich tragen, keine Krankheitszeichen entwickeln und sich eigentlich gesund fühlen, das Immunsystem hält das Virus hier unter Kontrolle.
In einigen (eher seltenen) Fällen hingegen entwickeln sich jedoch nach einer Inkubationszeit (also dem Zeitraum zwischen Infektion mit dem Virus und dem ersten Auftreten von Krankheitszeichen) von 2-6 Wochen durchaus auch Symptome, das Krankheitsbild ähnelt dann insgesamt dem Krankheitsbild eines Pfeiffer-Drüsenfiebers.
Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl und Unwohlsein können auch Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten auftreten, ebenso wie Kopf- und Gliederschmerzen.
Insgesamt ist der Krankheitsverlauf der Cytomegalie bei ansonsten gesunden Menschen eher harmlos, gefürchtet sind jedoch zum einen eine Infektion eines Ungeborenen im Mutterleib und zum anderen eine Infektion von Patienten, die im Besitz eines nur unzureichend funktionierenden Immunsystems sind.
Infiziert sich eine schwangere Frau im ersten oder zweiten Drittel der Schwangerschaft erstmals mit dem Virus (Cytomegalie), so wird die Infektion in etwa 40% der Fälle auf das ungeborene Kind übertragen und kann bei diesem zu Fehlbildungen führen, im schlimmsten Fall kann eine solche Infektion sogar den Tod des ungeborenen Fötus im Mutterleib nach sich ziehen. War eine Frau im Laufe ihres Lebens allerdings schon einmal mit dem Virus infiziert und erkrankt nun wieder, so ist das Risiko für eine Übertragung auf das Ungeborene mit etwa 1% sehr viel geringer.
Insgesamt geht man von 5-10 infizierten Kindern auf 1000 Lebendgeburten aus, wiederum 10% dieser infizierten Kinder weisen während der Geburt Krankheitszeichen auf (Cytomegalie)
Etwaige Fehlbildungen betreffen vor allem das Herz-Kreislauf-System und den Magen-Darm-Trakt, einige Wochen bis Monate können sich diese Fehlbildungen dann zum Beispiel als Hörschäden, Krampfanfälle, motorische Störungen, einer vergrößerten Leber und Milz sowie Entzündungen der Aderhaut oder der Netzhaut des Auges manifestieren. Weiterhin wurde das Auftreten von Petechien, also sehr kleinen Blutungen aus den Gefäßen in die Haut, die als rote Flecken erscheinen und bei Druck auf die Haut nicht verschwinden, beobachtet. Diese Einblutungen in die Haut beruhen auf einer krankhaft gesteigerten Blutungsneigung, verursacht durch das Virus (Cytomegalie).
Verdächtig auf eine CMV-Infektion während der Schwangerschaft sind grippe-ähnliche Krankheitszeichen bei der Mutter. Da die Symptome denen einer Grippe aber eben so sehr ähneln, wird die Cytomegalie oft nicht erkannt.
Die zweite gefährdete Patientengruppe neben Schwangeren besteht -wie oben beschrieben- aus Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.
Dies können zum Beispiel Patienten sein, die gerade eine Organtransplantation erlebt haben und bei denen das Immunsystem durch bestimmte Medikamente ganz gezielt unterdrückt wird, so dass der Körper das fremde Organ nicht abstößt.
Ein nicht gut funktionierendes Immunsystem haben außerdem AIDS-Patienten, hier greift das HI-Virus die körpereigenen Immunzellen direkt an, die Patienten sind also sehr anfällig für eigentlich harmlose Krankheiten.
Funktioniert das Immunsystem nicht ausreichend, kommt es dann nach einer Infektion mit dem Cytomegalievirus oft zu Entzündungen im gesamten Körper, sehr häufig sind schwere Lungenentzündungen.

Die Krampfanfälle des Frühgeborenen spiegeln das Krankheitsbild der Spastischen Zerebralparese wider. Für den Erhalt weiterer Informationen rund um diese schwerwiegende Erkrankung lesen Sie unseren ArtikelSpastische Zerebralparese

Diagnostik

Besteht durch das vorliegende Krankheitsbild eines Patienten der Verdacht auf eine Infektion mit dem Cytomegalievirus, so kann die Diagnose durch verschiedene Labortests und Untersuchungen gestellt werden.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem der direkte Nachweis von Antikörpern gegen das Virus im Blut des Patienten. Antikörper sind spezielle Eiweiße, die von den Abwehrzellen des betroffenen Organismus gebildet werden, um das Virus zu inaktivieren.
Neben dem Antikörpernachweis spielt auch die direkte Virusisolierung eine Rolle für die Diagnostik (Cytomegalie)
Typisch für eine Infektion mit dem Cytomegalievirus sind sogenannte „Eulenaugenzellen“, also körpereigene Zellen, die sich durch den Befall mit dem Virus so verändern, dass sie unter dem Mikroskop wie große Eulenaugen aussehen.
Dieses charakteristische Merkmal des Virus beschreibt auch sein Name: Die griechischen Begriffe „kytos“=Zelle und „megalo“=groß bilden den Begriff Cytomegalie.

Therapie

Bei einer leichten Form der Cytomegalie eines ansonsten gesunden Menschen reicht es meist völlig aus, symptomatisch gegen die Krankheitszeichen vorzugehen (z.B. Senkung des Fiebers) und nicht das Virus an sich anzugreifen.
Handelt es sich jedoch um immungeschwächte Menschen, so ist oft eine Therapie mit dem Arzneistoff Aciclovir sinnvoll. Bei Aciclovir handelt es sich um ein Medikament, das lokal als Salbe, als Tablette oder auch intravenös verabreicht werden kann und im Körper die Virusvermehrung stoppt.
Dies funktioniert, da Aciclovir einem bestimmten Baustein der viralen DNA (der Nukleinbase Guanin) sehr ähnelt. Dieser DNS-Baustein Guanin wird normalerweise von einem bestimmten viralen Enzym aktiviert und dann in die DNA des Virus eingebaut, so dass dieses sich vermehren kann. Ist allerdings gleichzeitig Aciclovir im Körper vorhanden, so wird dieses auf Grund der großen Ähnlichkeit zu Guanin von dem viralen Enzym aktiviert, das unaktivierte Guanin kann nicht verwendet werden und die Viren können sich nicht vermehren.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Aciclovir


Aciclovir sollte nicht während einer Schwangerschaft angewandt werden, hat aber im Großen und Ganzen nicht sehr viele Nebenwirkungen. Leider entwickeln sich zunehmend Resistenzen der Viren gegen Aciclovir, daher wird in einigen Fällen zur Behandlung der Cytomegalie auch der Wirkstoff Ganciclovir angewandt.
Ganciclovir ist strukturell mit Aciclovir verwandt und ähnelt ebenfalls dem DNA-Baustein Guanin, der Wirkmechanismus ist der Gleiche.
Ganciclovir hat leider eine höhere Nebenwirkungsrate als Aciclovir, es kann unter anderem zu Störungen des Blutbildes mit verminderter Blutplättchenzahl kommen, außerdem sind Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes und zentralnervöse Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Halluzinationen mögliche Nebenwirkungen.

Prophylaxe

Leider existiert bisher noch keine wirksame Impfung gegen das Cytomegalie-Virus, es befinden sich allerdings verschiedene Impfstoffe in der Entwicklung.
Frauen, die eine Schwangerschaft planen, können sich auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Virus im Körper testen lassen, dies ist jedoch bisher kein fester Bestandteil der Schwangerenvorsorge und wird nicht von den Krankenkassen übernommen (die Kosten belaufen sich etwa 13 Euro).
Sind keine Antikörper gegen das Virus vorhanden, so ist grundsätzlich die Gefahr einer Infektion mit dem Virus während der Schwangerschaft gegeben. In einem solchen Fall wird eine Kontrolluntersuchung in der 20. bis 24. Schwangerschaftswoche empfohlen.
Ist dann ein Kontakt mit dem Virus (Cytomegalie) erfolgt, so können passiv Antikörper gegen das Virus verabreicht werden, allerdings ist nicht sicher, ob auch das Ungeborene so vollkommen geschützt ist.
Sinnvoll ist vor einer geplanten Schwangerschaft grundsätzlich auch immer eine Untersuchung des Partners auf Cytomegalieviren, schließlich kann eine Übertragung auf die Schwangere hier besonders schnell erfolgen.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 02.01.2019
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