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Demenzformen

Einleitung

Unter der Demenz-Erkrankung versteht man ein sogenanntes demenzielles Syndrom, also ein Zusammenspiel mehrerer, verschiedener, gleichzeitig vorkommender Symptome, die durch einen voranschreitenden Untergang von Hirngewebe hervorgerufen werden (besonders betroffen ist das Hirnrindengewebe und das unmittelbar unter der Rinde liegende Gewebe).

Demnach kann bei der Demenzerkrankung also von einem neurologischen Krankheitsbild gesprochen werden. Die Symptome müssen dabei mindestens 6 Monate bestehen bleiben, um die Diagnose letztlich stellen zu können.

Zusammenfassend spricht man von einer Abnahme höherer kortikaler Funktionen, also kognitiver (z.B. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen etc.) und intellektueller Fähigkeiten, die in den meisten Fällen unaufhaltsam in einem Persönlichkeitszerfall und einem Verlust der Alltagskompetenz endet (wenige Demenzformen sind jedoch auch reversibel, also heilbar).

Drei große Formgruppen an Demenzerkrankungen werden unterscheiden, die sich anhand der zugrundeliegenden Ursachen in vaskuläre Demenzen (Multiinfarktsyndrom, nach Mikrogefäßveränderungen), neurodegenerative Demenzen (Morbus Alzheimer, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz) und sogenannte Mischformen gliedern lassen können.

Ursache

Als Ursache für vaskuläre Demenzen gelten in der Regel einzelne oder mehrere, kleinere oder größere Hirninfarkte oder Hirnblutungen, durch die Hirngewebe zerstört und untergegangen ist. Diesen Infarkten oder Blutungen können beispielsweise ein langandauernder, schlecht eingestellter Bluthochdruck, Thrombosen oder Embolien in Gehirngefäßen, Gehirngefäßrupturen zugrundeliegen.

Die Demenzformen, die aufgrund von neurodegenerativen Erkrankungen auftreten, d.h. durch erblich bedingtem, fortschreitendem Untergang von Nervenzellen, sind allesamt durch Ablagerungen von fehlerhaften Eiweiß-Spaltprodukten bedingt, wobei sich die verschiedenen Demenzformen (Alzheimer, Frontotemporale Demenz, Lewy-Körperchen-Demenz) jedoch in dem jeweiligen Eiweißspaltprodukt und in der Hirnregion, in der sich diese ablagern, unterscheiden.

Darüber hinaus können aber auch verschiedene Stoffwechselstörungen und hormonelle Störungen (Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenunterfunktion, Gehirnbeteiligung bei Leberinsuffizienz oder Niereninsuffizienz), Vergiftungszustände (Alkohol, Kohlenstoffmonoxid, Lösungsmittel) oder Infektionen (AIDS, Prionenerkrankung, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) demenzielle Symptome hervorrufen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ursachen einer Demenz

Symptome

Am Anfang der Krankheit steht in der Regel der allmähliche Verlust der Merkfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses, sodass die Betroffenen zunehmend schlechter neue Informationen aufnehmen, speichern und wiedergeben können.

Erst im weiteren Verlauf, wenn sich die Demenzerkrankung in einem fortgeschrittenen Stadium befindet, kommen auch Störungen im Langzeitgedächtnis hinzu, sodass länger zurückliegende Ereignisse vergessen und im Laufe des Lebens erworbene Fertigkeiten und Fähigkeiten verloren gehen können.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Gedächtnisverlust.

Weiterhin können den Demenzformen Störungen in der Orientierung (erst zeitlich, dann örtlich und dann zur eigenen Person), im Denken (verlangsamt, im Fluss behindert), im Erkennen, in der Sprache, der willkürlichen Bewegungen sowie Veränderungen in der Persönlichkeit (erhöhte Labilität und Reizbarkeit, sozialer Rückzug, paranoide Züge) auffallen.

Allgemein gilt jedoch, dass die vorliegende Symptomatik länger als 6 Monate bestehen muss, um ein demenzielles Syndrom diagnostizieren zu können.

Lesen Sie mehr zum Thema: Anzeichen einer Demenz

Diagnose

Um eine Demenzerkrankung zu diagnostizieren, gelten in erster Linie standardisierte Testverfahren als Mittel der Wahl. Anhand von Tests, wie dem Mini Mental State Test (MMST), dem Montreal Cognitive Assessment Test (MOCA-Test) oder dem DemTec-Test, können die Aufmerksamkeit, die Gedächtnisleistung, die Orientierung sowie rechnerische, sprachliche und konstruktive Fähigkeiten beurteilt werden. Anhand eines Punktevergabesystems kann dann die Wahrscheinlichkeit einer vorliegenden Demenzkrankheit abgeschätzt werden.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Demenztests

Daneben gehören eine ausführliche Anamnese (sowohl eine Eigen- als auch eine Fremdanamnese durch z.B. Angehörige), eine körperliche und eine neuro-psychologische Untersuchung zur klassischen Diagnostik dazu, genauso wie auch eine Blutkontrolle, Hirnwasseruntersuchungen, eine Bildgebung (CCT, MRT) vom Kopf bzw. Gehirn und eine Elektroenzephalographie (EEG).

Bei einem Verdacht auf eine vaskuläre Demenz können auch Untersuchungen der Halsschlagadern und des Herzens (EKG, Herzecho) Aufschluss über die bestehende Situation geben. Da es aber keinen eindeutigen Marker für eine Demenzerkrankung gibt, dient ein Großteil dieser Diagnostikverfahren vielmehr dazu, andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie die Demenzformen inne haben können, auszuschließen (z.B. Depressionen, Delir, Amnesie, Altersvergesslichkeit, Schilddrüsenunterfunktion, Vitaminmangel etc.).

Therapeutische Maßnahmen

Da es sich bei der Mehrzahl der Demenzformen um irreversible Erkrankungen des Gehirns handelt, stehen demnach auch für ca. 90% der Demenzpatienten keine Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die eine vollständige Heilung ermöglichen.

Lediglich kann ein Verzögern des Voranschreitens und einen möglichst langen Erhalt der Selbstständigkeit durch eine geeignete Kombination aus psychotherapeutischer, sozialtherapeutischer und medikamtentöser Behandlung erreicht werden.

Bei den Demenzmedikamenten handelt es sich dabei um sogenannte Antidementiva (z.B. Donepezil®, Galantamin® oder Rivastigmin®), die vor allem bei der Alzheimerdemenz eingesetzt werden und als zentrale Cholinergika wirken.

Als unterstützende und symptomlindernde, medikamentöse Maßnahmen können daneben auch Antidepressiva (z.B. Citalopram®) bei depressiven Symptomen oder atypische Neuroleptika (z.B. Risperidon®) bei psychotischen Symptomen und Schlafstörungen eingesetzt werden.

Speziell bei vaskulären Demenzen basiert die Therapie in erster Linie in der verbesserten Durchblutungssituation des Hirngewebes und somit auch in der Senkung des kardiovaskulären Risikos.

Verlauf der Demenzformen

Der Verlauf einer Demenzerkrankung lässt sich etwa in drei Stadien einteilen: der leichten, mittleren und schweren Demenz.

Die leichte, anfängliche Demenzphase ist durch zunehmende Vergesslichkeit (vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen) und Orientierungsschwierigkeiten, die zunächst auf der zeitlichen Ebene beschränkt ist. Die Betroffenen sind in diesem Stadium in ihrer Selbstständigkeit in der Regel nicht eingeschränkt, auffallen kann jedoch ein gehäuftes Verlegen von Gegenständen oder zum Beispiel ein häufiges Irren im Wochentag.

Die mittelschwere Demenz kommt zu den stärker werdenden Gedächtnisproblemen, Störungen in der Kommunikation, der Erkennungsfähigkeit, der Mobilität und der Lernfähigkeit hinzukommen, sodass komplexe Handlungsabläufe oftmals schwer fallen und die Selbstständigkeit allmählich eingeschränkt wird. Hinzukommen kann auch eine Orientierungslosigkeit auf räumlicher und personeller Ebene und eine Störung in der Sprache.

Geht die Demenz dann in das schwere Stadium über, liegt meist ein vollständiger Verlust von Erkennung und Gedächtnis vor sowie ein kompletter Sprachzerfall und meist auch Inkontinenz. Die Betroffenen werden bettlägerig und benötigen zunehmend Hilfe und Betreuung.

Allgemein gilt jedoch, dass nicht jede Demenzform gleich verläuft und nicht jeder Patient die gleichen Symptome aufweisen muss. Zudem können sich die Demenzformen untereinander auch deutlich im zeitlichen Verlauf unterscheiden, sodass einige schneller (z.B. vaskuläre Demenz) und andere schleichender (z.B. Alzheimer-Demenz) voranschreiten.

Lesen Sie mehr zum Thema: Verlauf einer Demenz

Häufigkeit der Demenzformen

Weltweit sind derzeit rund 47 Millionen Menschen an einer Demenzform erkrankt, wobei in den kommenden Jahren mit wachsenden Zahlen gerechnet wird (vermutet wird ein Prävalenzanstieg auf 131,5 Millionen Menschen im Jahr 2050), die sich darauf begründet, dass – bedingt durch den demographischen Wandel – jährlich mehr Menschen neu an einer Demenz erkranken, als dass es zu Sterbefällen unter den bereits schon an Demenz Erkrankten kommt.

Das Risiko an einer der Demenzformen zu erkranken steigt deutlich mit zunehmendem Alter, sodass schätzungsweise etwa 1,2% aller Menschen im Alter von 65-69 Jahren, 2,8-6% im Alter von 70-79 Jahren, 13,3-23,9% im Alter von 80-89 Jahren und 34,6% der über 90-Jährigen betroffen sind.

Frauen erkranken dabei häufiger an einer Demenzform, als Männer (70% der Erkrankten sind weiblichen Geschlechts).

Die häufigste Demenzform ist dabei die Alzheimer-Demenz, die ca. 50-60% der gesamten Demenzerkrankungen darstellt. An zweiter Stelle steht die vaskuläre, als gefäßbedingte Demenz, die ca. 20% ausmachen. Seltener sind hingegen die Mischformen (15%).

Weitere Informationen zum Thema Demenzformen

Weitere allgemeine Informationen:

Eine Übersicht über bereits veröffentliche neurologische Themen finden Sie unter: Neurologie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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