Fassthorax - Was steckt dahinter?

Was ist ein Fassthorax?

Der Begriff Fassthorax beschreibt eine veränderte Form des knöchernen Brustkorbs (Thorax), bei der der Brustkorb zu kurz und breit erscheint. So erinnert der Brustkorb an ein Fass, wodurch sich der Begriff Fassthorax erklärt.

Wie sieht ein Fassthorax aus?

Bei einem Fassthorax ist der Brustkorb im Vergleich zur normalen Thoraxform verkürzt und breiter und erinnert somit an ein Fass. Der Brustkorb (Thorax) ist in der Sagittalebene (in der seitlichen Ansicht) verbreitert. Der untere Brustkorbeingang (untere Thoraxapertur) ist vergrößert. Die Rippen verlaufen hier horizontal. Der gesamte Brustkorb erscheint also wie in der Inspirationsstellung (während des Einatmens) fixiert.

Ursachen des Fassthoraxes

Am häufigsten ist ein Fassthorax auf eine Überblähung der Lunge zurückzuführen (Lungenemphysem). Bei einem solchen Lungenemphysem ist der Luftgehalt in der Lunge übersteigert und führt so zu einer Zerstörung von Lungengewebe. Die Luft ist am Ende der Atemwege gefangen und bildet sogenannte Emphysembläschen, die aber für die Atmung unbrauchbar sind. Über Monate und Jahre führt diese Überblähung der Lunge dann zu einer veränderten Thoraxform.
Die häufigste Ursache für eine Überblähung der Lunge ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), für welche wiederum in neun von zehn Fällen das Rauchen verantwortlich ist.

    Seltener spielen Berufskrankheiten (durch die Inhalation von Stäuben oder Asbest) oder genetische Faktoren (Alpha-1-Antitrypsin-Mangel) eine Rolle bei der Entstehung eines Lungenemphysems. Die harmlosere Ursache eines Fassthoraxes ist eine verschleißbedingte Veränderung im Bereich der Brustwirbelsäule. Solche Veränderungen resultieren aus jahrelangen Fehlhaltungen oder Überbelastungen der Wirbelsäule und führen häufig zu chronischen Rückenschmerzen.

    Lesen Sie mehr zu den Ursachen eines Fassthoraxs unter:

    COPD als Ursache eines Fassthoraxs

    Bei der COPD handelt es sich um eine fortschreitende, nicht-rückläufige Atemflussbehinderung auf dem Boden einer abnormalen Entzündungsreaktion, die auf das chronische Einatmen von schädigenden Teilchen zurückzuführen ist. Somit besteht bei COPD- Patienten ein klarer Zusammenhang zum langjährigem Rauchen. COPDler husten vermehrt morgens angesammelten Schleim ab, und haben bei Belastung keinen gesteigerten Hustenreiz, jedoch Atemnot. Da COPD im Durchschnitt nach dem 50. Lebensalter auftritt und die Betroffenen sich in diesem Alter ohnehin wenig belasten, fällt Ihnen der Leistungsabfall meist erst dann auf, wenn die Atemnot in Ruhe auftritt. Somit wird die COPD oft spät diagnostiziert. Ein Spätstadium der COPD ist das Entstehen eines Fassthoraxs.

    Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:Das sind die Symptome einer COPD!

    Asthma als Ursache eines Fassthoraxs

    Das Asthma bronchiale beschreibt eine chronisch entzündliche Veränderung der Atemwege, die mit einem überempfindlichen Bronchialsystem einhergeht. Betroffene haben oft anfallsartig auftretende (Vgl. COPD) Luftnot, Husten und Brustenge, die vor allem nachts und früh morgens auftreten.

    Im Vergleich zum COPD handelt es sich bei Asthma um eine rückläufige Verengung der Bronchien. Aufgrund der erschwerten Ausatmung kann es daher zu einer Lungenüberblähung kommen. Diese ist jedoch - wie bereits erwähnt - rückläufig. Somit ist das Auftreten eines Fassthorax beim Asthma nicht typisch, jedoch prinzipiell möglich.

    Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter:Das sind die Symptome bei Asthma!

    Lungenemphysem als Ursache eines Fassthoraxs

    Bei einem Lungenemphysem ist die Lunge überbläht, da die eingeatmete Luft am Ende der Atemwege in Form von Emphysembläschen gefangen bleibt und nicht wieder ausgeatmet werden kann. Ursächlich ist in den meisten Fällen eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die in 90% der Fälle Raucher betrifft. Eine chronische Entzündung führt zur Verengung der Atemwege. Ein Teil der eingeatmeten Luft kann die verengten Atemwege nicht mehr verlassen und es entstehen Emphysembläschen. Diese können jedoch nicht am Gasaustausch teilnehmen, sondern sorgen für eine Überblähung der Lunge. Diese Überblähung führt im Verlauf von Monaten und Jahren zu einer veränderten Morphologie des knöchernen Brustkorbes, indem sich dieser in der Sagittalebene (von der seitlichen Ansicht her) verbreitert, sodass ein Fassthorax entstehen kann.

    Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Alles zum Thema Lungenemphysem!

    Begleitende Symptome bei einem Fassthorax

    Da sich ein Fassthorax über Monate und Jahre ausbildet, bemerkt der Patient selbst meist nichts von diesen Veränderungen. Für den erfahrenen Arzt ist ein Fassthorax jedoch eine Blickdiagnose. Da ein Fassthorax keine eigene Erkrankung ist, sondern ein Symptom bzw. eine Folge von anderen Erkrankungen, steht die Symptomatik dieser ursächlichen Erkrankungen im Vordergrund.
    Wird ein Fassthorax durch ein Lungenemphysem bedingt, so klagen die Patienten zusätzlich über Luftnot, eine verringerte Atembreite und eine Zyanose(Blaufärbung der Lippen oder Schleimhäute durch einen verringerten Gasaustausch). Ist ein Fassthorax auf eine verschleißbedingte Veränderung der Brustwirbelsäule zurückzuführen, so leiden die Betroffenen zudem häufig unter chronischen Rückenschmerzen und Bewegungseinschränkungen.

    Da ein Fassthotax als Folge folgender Erkankungen auftreten kann, empfehlen wir Ihnen auch unsere Seiten zu:

    Diagnose eines Fassthoraxs

    Häufig ist ein Fassthorax bereits als Blickdiagnose ohne weitere Diagnostik erkennbar. Die charakteristische Form ist je nach Ausprägung leicht an der verkürzten und verbreiterten Form des Brustkorbes erkennbar. In einer Röntgenaufnahme lässt sich zum einen der knöcherne Thorax weiter beurteilen; hier fallen eine verbreiterte untere Thoraxapertur (Brustkorbeingang) und horizontal stehende Rippen auf. Auch degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, die zu einer veränderten Thoraxform führen, können im Röntgen diagnostiziert werden.

    Desweiteren lässt sich im konventionellen Röntgen die Lunge grob beurteilen, hierbei können spezielle Röntgenzeichen auffallen, die auf ein Lungenemphysem hindeuten. Wichtig bei der Diagnosestellung ist es jedoch, sich zu verdeutlichen, dass ein Fassthorax keine Krankheit sondern lediglich ein Symptom ist, und somit die Diagnosestellung der Grunderkrankung (am häufigsten ein Lungenemphysem oder degenerative Veränderungen der Brustwirbelsäule) im Vordergrund stehen muss.

    Lesen Sie mehr zum Thema:Röntgen des Brustkorbs (Röntgen Thorax)

    Röntgenbild bei Fassthorax

    Ein ausgeprägter Fassthorax lässt sich bereits durch eine einfache Blickdiagnose ermitteln. Das Röntgenbild des Brustkorbs liefert jedoch weitere wichtige Erkenntnisse. Im Röntgenbild eines Fassthorax verlaufen die Rippen weitgehend horizontal. Bei einem gesunden Patienten sollten die Rippen dagegen von hinten-oben nach vorne-unten verlaufen. Zudem ist der Abstand zwischen den Rippen bei Vorliegen eines Fassthorax vergrößert. Das Zwerchfell steht tief und ist abgeflacht. Die Überblähung der Lunge lässt sich durch eine erhöhte Strahlentransparenz darstellen. Das betroffene Lungengewebe erscheint im Röntgen somit dunkler als gesunde Lungenanteile. Außerdem sind Blutgefäße bei Vorliegen eines Fassthorax nicht mehr gut erkennbar.

    Lesen Sie auch:Röntgenbild des Brustkorbs

    Kann man ein Fassthorax behandeln?

    Auch im Hinblick auf die Therapie sollte man sich vor Augen halten, dass ein Fassthorax keine eigene Erkrankung, sondern lediglich ein Symptom ist. Liegt ein Lungenemphysem zugrunde, so sind die Veränderungen in der Lunge irreversibel, das bedeutet nicht mehr rückgängig zu machen. Mit Rauchverzicht und bronchienerweiternder Medikation kann das Fortschreiten der Erkrankung jedoch verlangsamt werden. Auch Physiotherapie und Atemgymnastik können helfen, die Lebensqualität zu erhalten. Ein Fassthorax bildet sich hierdurch jedoch nicht zurück.

    In sehr fortgeschrittenen Stadien kann eine operative Therapie indiziert sein. Hier kommen eine chirurgische Reduktion des Lungenvolumens oder eine Lungentransplantation in Frage. Ist der Fassthorax auf Verschleißerscheinungen der Brustwirbelsäule zurückzuführen, so steht zunächst die konservative Therapie der Rückenbeschwerden im Vordergrund. Hierzu zählen vor allem Schmerzmedikation und Physiotherapie. Ein Vorteil von operativen Verfahren bei unspezifischen Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule ist auf längere Dauer nicht gegeben, wobei derartige Eingriffe gleichzeitig ernsthafte Risiken mit sich bringen.

    Da der Fassthorax selbst nicht therapiert werden kann, sondern lediglich die Ursachen dessen behandelt werden können, empfehlen wir Ihnen auch unsere Seiten zu:

    Was sind die langfristigen Folgen bei einem Fassthorax?

    Da ein Fassthorax erst bei langjährigem Sauerstoffmangel im Gewebe– meist infolge von COPD – entsteht, beschreibt es ein spätes Stadium. Prinzipiell ist die Prognose einer Erkrankung immer besser, je früher diese erkannt wird. Somit kann bei Vorliegen eines Fassthorax die  komplette Beschwerdefreiheit nicht erreicht werden, zumal der Fassthorax einen nicht-rückläufigen Zustand beschreibt. Durch Bronchien- erweiternde und entzündungshemmende Medikamente können jedoch die Atembeschwerden verbessert werden. Einen sehr wichtige Maßnahme, die den Krankheitsverlauf aufhalten kann, ist der komplette Verzicht auf das Rauchen.

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    Autor: Dr. Nikolas Gumpert
    Veröffentlicht: 11.01.2017 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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