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Lungenemphysem

Definition

Als Lungenemphysem bezeichnet man die Überblähung der Lungenbläschen. Das Lungenemphysem tritt oft als Folge langjähriger, chronischer Lungenerkrankungen auf.

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Die feinen Lungenbläschen, die sogenannten „Alveolen“ sind durch dünne Wände voneinander getrennt. Die Wände zwischen den Alveolen sind auch daran beteiligt, beim Ausatmen die Luft aus der Lunge zu drücken. Durch langjährige Veränderungen als Folge der Lungenerkrankungen gehen die Alveoläwände zugrunde und die Luft kann nicht abgeatmet werden. Die Lunge überbläht und bildet Emphysemblasen. Die Luft, die dadurch in der Lunge verbleibt, bezeichnet man als „trapped air“.

Ursachen

Die genaue biochemische Entwicklung, bei welcher die Alveoläwände zugrunde gehen, ist nicht vollständig bekannt. Mit verantwortlich sind eine Reihe von Enzymen, die das empfindliche Lungengewebe umbauen.

Die mit Abstand häufigste Ursache ist langjähriges Rauchen. Die eingeatmeten Schadstoffe aktivieren die schädlichen Enzyme, die zum Abbau des Lungengewebes führen können. Zusätzlich führt ein Lungenemphysem zu einer Verengung der Atemwege, vor allem der sogenannten „Bronchiolen“. Auch das trägt dazu bei, dass die Luft nicht ausreichend abgeatmet werden kann.

Das Lungengewebe kann durch das Einatmen jeglicher Schadstoffe Schaden nehmen. Personen, die beruflich giftigen Gasen und Schadstoffen ausgesetzt sind, haben ein ähnlich hohes Risiko an einem Lungenemphysem zu erkranken, wie ein starker Raucher.

Die chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine typische Folgeerkrankung des Rauchens. Sie führt auf Dauer zu einem Lungenemphysem, welches sich oft auf die oberen Abschnitte der Lunge beschränkt.

Nicht immer lässt sich durch eine gesunde Lebensweise ein Lungenemphysem verhindern. Es kann auch zu erblichen Formen kommen. Die Betroffenen produzieren ein Protein zu wenig, welches das Lungengewebe vor einem Umbau schützen soll. In diesen Fällen betrifft die Erkrankung vermehrt die unteren Lungenabschnitte.

Seltenere Formen des Lungenemphysems erstehen als natürliche Folge des Alterungsprozesses. Sie lassen sich auf keine genauere Ursache zurückführen und sind in den meisten Fällen nicht therapiebedürftig.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: COPD Symptome

Symptome

Die in der Lunge gefangene Luft lässt sich durch das Fehlen der Alveoläwände nicht vollständig abatmen. Sie ist nicht mit ausreichend Sauerstoff angereichert und nimmt nicht am regulären Luftaustausch der Lunge teil. Der vom Lungenemphysem betroffene Abschnitt der Lunge ist somit nicht funktionsfähig. Die unmittelbare Folge ist eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Die Symptome, die damit einhergehen, sind Atemnot, bläuliche Lippen (Zyanose), Finger und Zehen und schnelle Erschöpfung, die mit dem Ausmaß des Lungenemphysems ansteigt.

Durch die Schadstoffe, die sich bei Rauchern in der Lunge anreichern, produzieren die Schleimhäute einen gelblich-braunen Schleim zum Schutz der Atemwege. Dieser muss abgehustet werden, was als typischer „Raucherhusten“ bekannt ist. Langjährige Raucher leiden über viele Jahre hinweg an diesem schweren Husten. Hustenstiller können hier auch nur bedingt helfen.

Ist das Lungenemphysem schon stark ausgeprägt kann es zu Exazerbationen und einem Fassthorax kommen. Bei einer „Exazerbation“ verschlimmert sich der Zustand und die Atemnot so drastisch, dass die Patienten krankenhauspflichtig und mitunter beatmet werden müssen. Ist die Lunge so stark überbläht, dass es sich äußerlich erkennen lässt, spricht man von einem Fassthorax. Der Brustkorb mitsamt der Rippen verformt sich unter dem Druck zu einer Art Fass.

Diagnose

Ein Lungenemphysem entwickelt sich über viele Jahre hinweg als Folge chronisch entzündlicher Lungenerkrankungen. Die ausführliche Anamnese kann viele Hinweise liefern. Stellt sich der Patient mit einer Lungenerkrankung vor, als chronischer Raucher, mit Atemnot, starkem Husten, gelb-braunem Auswurf oder lässt sich bereits ein Fassthorax erkennen, kann dies bereits den Verdacht auf ein Lungenemphysem erhärten.

Bei Lungenfachärzten oder im Krankenhaus können daraufhin Lungenfunktionstests durchgeführt werden.
Mittels eines sogenannten „Spirometers“ lassen sich Lungenvolumina in verschiedenen Atemphasen und die Atemtätigkeit überprüfen. Anhand dieser Werte kann der Arzt genau erkennen, ob eine Funktionseinschränkung der Lunge vorliegt und wenn ja, ob eine Restriktion oder eine Obstruktion vorliegt. Ist letzteres der Fall bedeutet das eine Verengung der Atemwege, die das Ausatmen erschwert und typisch für die COPD ist. Liegt diese vor besteht auch der Verdacht auf ein Lungenemphysem.

Mithilfe von Röntgen- oder CT Untersuchungen lässt sich die Verdachtsdiagnose Lungenemphysem endgültig stellen. Auch der Schweregrad der Erkrankung kann eingeschätzt werden, worauf letztendlich auch die Therapie beruht.

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Blutuntersuchungen, bei denen die für das Lungenemphysem typischen Enzymmängel nachgewiesen werden, können ebenfalls die Diagnose sichern.

CT

Die Computertomographie ist die detailreichere Variante zum konventionellen Röntgen. Der Radiologe kann schon in frühen Stadien anhand verschiedener Veränderungen im Brustkorb ein entstehendes Emphysem erkennen. Auch lässt das CT Bild deutlich früher die Diagnose eines Lungenemphysems zu als die Lungenfunktionstests oder die klinischen Symptome.

Von Beginn der Erkrankung an kann man mithilfe der Computertomographie die schrittweise Entwicklung genau verfolgen. Anhand der CT Untersuchung des Thorax wird dann über die künftige Therapie entschieden.

Therapie

Die Therapie des Lungenemphysems setzt sich aus einigen Bausteinen zusammen. Dazu zählen die Veränderung der Lebensweise, Sport, Physiotherapie und eine medikamentöse Therapie. Rückgängig lässt sich der Abbau des Lungengewebes nicht machen, allerdings lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und die Patienten lernen mit der Lungenerkrankung zu leben und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Bei schwerer fortgeschrittenen Lungenemphysemen kann es therapeutisch zu dauerhafter Sauerstoffgabe und Beatmungen kommen. Bei akut lebensbedrohlichen Lungenemphysemen rücken auch operative Eingriffe in den Vordergrund. Eine Möglichkeit die Erkrankung vollständig zu heilen, stellt eine Lungentransplantation dar.

Nach der Diagnose des Lungenemphysems ist der wichtigste Schritt um die Krankheit zu stoppen, sofort mit dem Rauchen aufzuhören oder mögliche andere Ursachen zu unterbinden. Raucht der Patient trotzdem weiter, ist ein Fortschreiten der Erkrankung schwer zu stoppen und die Prognose verschlechtert sich.

Des Weiteren empfiehlt sich die medikamentöse Therapie. Ziel ist es die Atemwege zu erweitern und mit kortisonhaltigen Medikamenten eine Lungenentzündung zu verhindern. Die Medikamente werden als Cortisonspray verabreicht, damit sie möglichst gezielt an der Lunge wirken können.

Durch Physiotherapie und Ausdauersport, sofern möglich, kann sich die Lungenfunktion zu großen Teilen wieder aufbauen und der Patient gewinnt an Lebensqualität. Folge ist, dass die Atemnot auch bei Belastung reduziert wird.

Auch in der Naturheilkunde gibt es mittlerweile einige Ansätze, die eine Linderung der Symptomatik bringen können. Hierbei gibt es verschiedene Angriffspunkte der Therapie. Zur Linderung der Atemnot haben sich bei einigen Patienten Kneippsche Brustwickel, Hydrotherapien, Aufenthalte in Solethermen und Dampfbädern, sowie Akupressur und Akupunktur bewährt. Um den schleimigen Husten zu lösen, bieten sich diverse pflanzliche Mittel an, die auf pflanzlichen antibakteriellen Wirkungen beruhen. Hierzu zählen Öldispersionsbäder aus Ingwer, Eukalyptus oder Salbei. Auch Hustensäfte aus Thymian und Efeu kommen häufig zum Einsatz.

Ein neuer Ansatz ist die Implantation sogenannter „Coils“. Coils sind Drahtspiralen, die in das Lungengewebe eingesetzt werden und das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten können, um die Symptome der Atemnot lindern.

Das funktioniert, indem die Coils das kranke Lungengewebe zusammenziehen, somit die Überblähung stoppen und Platz im Brustkorb schaffen für die übrigen gesunden Lungenabschnitte.
Erste klinische Studien seit 2010 beweisen die Wirksamkeit mithilfe von Lungenfunktionstests, die nach der Implantation durchgeführt werden.

Verlauf

Der Verlauf der Erkrankung kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Die Erkrankung lässt sich nicht heilen, sie lässt sich jedoch verlangsamen oder aufhalten. In den meisten Fällen zerstören die chronischen Lungenkrankheiten über Jahre bis Jahrzehnte das empfindliche Lungengewebe.

Der Grad der Erkrankung wird unter anderem durch die Symptome bestimmt. Der Beginn des Emphysems ist hauptsächlich durch den Raucherhusten und leichte Atemnot, zum Beispiel nach Treppensteigen gekennzeichnet. Setzt keine Therapie ein, werden diese Symptome mit der Zeit schwerer, bis es zur dauerhaften Sauerstoff Langezeittherapie und fortgeschrittenen Symptomen wie dem Fassthorax kommt.

Die Erkrankung kann akute oder chronische Komplikationen mit sich bringen, die den Verlauf verschlimmern und die Krankheit vorantreiben. Auch die Lebenserwartung ist je nach Verlauf deutlich reduziert.

Lebenserwartung

Schon eine COPD als Folgeerkrankung langjährigen Rauchens vermindert die allgemeine Lebenserwartung um etwa sieben Jahre. Setzt als Folge ein Lungenemphysem ein, verschlechtert sich statistisch die Prognose. Bei sofortigem Therapiebeginn lässt sich jedoch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Die allgemeine Lebenserwartung hängt stark von den Therapieerfolgen ab. Die Lebensqualität kann effektiv verbessert werden und Komplikationen können ausbleiben. Vor allem die Folgeerkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems können mit einer konsequenten Behandlung verhindert werden.

Bei schweren genetischen Formen des Lungenemphysems durch Enzymmangel ist bei Auftreten schon in jungen Lebensjahren die Lebenserwartung deutlich reduziert.

Komplikationen

Die Krankheit kann sich akut verschlimmern, wenn es zu einer Exazerbation kommt. Ebenfalls können die Lungenbläschen platzen. Dabei kann es dazu kommen, dass Luft in den Spalt zwischen Lunge und Rippenfell gelangt und die Lunge dabei zusammenfällt. Mediziner bezeichnen das als Pneumothorax, der einen Notfall darstellt und sofort behandelt werden sollte.

Schwere Infekte der Lunge, die während der Krankheit begünstigt werden, können einen lebensbedrohlichen Verlauf annehmen.

Langfristige Komplikationen und Folgeerkrankungen betreffen das Herz-Kreislaufsystem. Die Funktionsfähigkeit der Lunge ist beeinträchtigt und der hohe Druck durch die Überblähung führt zu einer enormen Belastung des Herzens. Ein sogenanntes „Cor pulmonale“ und eine Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzversagen) sind die Folgen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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