Hustensaft

Allgemeines

Ein Hustensaft (Antitussivum) ist ein Arzneimittel, welches den Hustenreiz unterdrückt oder dämpft. Meistens bildet die Basis für einen Hustensaft ein einfacher Sirup (Sirupus Simplex, gereinigtes Wasser und Haushaltszucker) oder eine alkoholische Lösung.
Es sind eine Vielzahl von Hustensäften mit vielen verschiedenen Wirkstoffen erhältlich. Bei einigen Wirkstoffen ist der hustenstillende Wirkmechanismus sehr gut bekannt, bei einigen ist der Wirkmechanismus aber auch weitgehend unbekannt.
Es gibt verschiedene Arten von Husten, deshalb ist die Wahl des richtigen Hustensafts mit einem geeigneten Inhaltsstoff wichtig. Gegen trockenen Reizhusten werden hustenstillende Mittel eingesetzt, schleimlösende Mittel helfen dem Körper, den im Zuge der körpereigenen Abwehrreaktion entstandenen Schleim wieder loszuwerden.

Die meisten hustenreizstillenden Arzneistoffe enthalten als Inhaltsstoffe Abkömmlinge der Opiate, die aus dem Schlafmohn gewonnen werden. Opiate haben nicht nur eine schmerzstillende (analgetische) Wirkung, sondern wirken auch hustenstillend (antitussiv).
Diese Opiatabkömmlinge sind verschreibungspflichtig und werden vor allem bei trockenem Reizhusten ohne Schleimbildung verwendet. Beispielsweise Codein, Dihydrocodein und Noscapin fallen unter diese Gruppe von Hustensäften. Die Wirkung dieser Substanzen findet am Zentralnervensystem statt, dort haben sie einen dämpfenden Effekt auf das Hustenzentrum im Stammhirn und einen leichten beruhigenden (sedierenden) Effekt.
Opiatabkömmlinge sollten nur wenige Tage angewendet werden, da die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung besteht.
Hustensaft mit neueren Wirkstoffen enthält Substanzen, bei denen dieses Suchtpotential und die dämpfende (sedierende) Nebenwirkung nicht besteht. Clobutinol, Levodropizin und Pentoxyverin sind Beispiele für diese Gruppe von hustenreizstillendem Hustensaft.
Rezeptfreier (nicht pflanzlicher) Hustensaft enthält oft den Wirkstoff Dextrometorphan. Dextrometorphan hemmt den Hustenreiz, lässt aber im Gegensatz zu den Opiatabkömmlingen noch ein reinigendes Abhusten zu. Das Risiko einer Abhängigkeitsentwicklung ist zudem deutlich geringer.

Zur Behandlung von Husten mit Schleimbildung werden andere Inhaltsstoffe verwendet, die das Abhusten erleichtern sollen. Hustenreizstillende Medikamente sollten in diesem Fall nicht angewandt werden, da durch die Unterdrückung des Hustenreizes der Schleim in den Atemwegen nicht mehr abgehustet wird, was die Atmung behindern kann und das Ansiedeln von Bakterien im festsitzenden Schleim begünstigt.
Hustensaft zum Schleimlösen (enthält Expektoranzien) enthält beispielsweise Acetylcystein (ein Mukolytikum, reduziert die Zähigkeit des Schleims) oder Bromhexin und Ambroxol (Sekretolytika, stimulieren die Absonderung des dünnflüssigen Bronchialsekrets).
Hustensaft mit diesen Inhaltsstoffen ist nicht verschreibungspflichtig. Für diese Gruppe der Schleimlösenden Hustensäfte sind die Wirkmechanismen nicht alle geklärt, im Vordergrund steht die Normalisierung der Zähflüssigkeit des Schleims (Schleimviskosität).

Hustensaft mit pflanzlichen Inhaltsstoffen kann ebenfalls den Hustenreiz beruhigen (zB Spitzwegerichkraut, Huflattich, isländisch Moos und Eibischwurzel) und schleimlösend wirken wie Thymian, Efeu, Fichte, Fenchel, Eukalyptus und Anis.


Hustensaft bei Babys und Kindern

Husten ist ein unangenehmes Symptom einer Erkältung, jedoch hat Husten auch eine wichtige Reinigungsfunktion der Lunge, da Schleim abgehustet werden muss.
Husten bei Säuglingen und Babys ist vor allem in der Nacht sehr quälend für das Kind. Hustenstiller sollten erst verwendet werden, wenn das Baby ein Jahr alt ist, vorher sollte in jedem Fall bei Husten ein Kinderarzt aufgesucht werden.
Ein Kind ab einem Jahr (manche Empfehlungen lauten sogar ab zwei Jahren) kann mit Hustensaft und Hausmitteln behandelt werden, sollte jedoch der Baby-Husten länger als eine Woche anhalten, muss ein Arztbesuch stattfinden. Ebenso, wenn das Kind Blut hustet, Fieber bekommt oder beim Husten erbricht.

Meistens verläuft die Erkältung zweiphasig, zunächst mit trockenem, unproduktivem Husten, danach mit feuchtem, schleimproduzierenden Husten. Dies gilt übrigens nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.
Im ersten Stadium sind Hustenreizstiller die Medikamente der Wahl, in der zweiten Phase ist ein schleimlösender Hustensaft angezeigt.
Bei Kindern und Babys helfen gegen den trockenen Husten häufig schon einfache Hausmittel wie heiße Milch mit Honig oder hustenreizstillender Hustensaft wie beispielsweise Tuscalman®.
Stärker gegen den Hustenreiz wirkende Mittel, die beispielsweise Codein enthalten, sind rezeptpflichtig und sollten vor allem dann angewendet werden, wenn der Husten das Durchschlafen nachts verhindert.
Auch Thymian kann durch enthaltende ätherische Öle entkrampfend auf die Bronchien wirken, den Auswurf fördern und Bakterien abtöten. Thymian lindert Krampf- und Reizhusten sowie Heiserkeit bei Erkältungen der oberen Luftwege und ist bei Baby Husten ab einem Jahr anwendbar.
Gegen den feuchten, produktiven Baby Husten der meist in der zweiten Phase auftritt, können schleimlösende Hustensäfte das Abhusten des Schleims unterstützen. Hustensaft mit dem Wirkstoff Clenbuterol (wie Mucospas®) wirkt schleimmobilisierend und kann auch schon bei Babys angewendet werden. Generell ist zu beachten, dass zu viel Alkohol (über fünf Prozent) im Hustensaft nicht für Babys und Kinder geeignet ist. Gegen die Beschwerden bei Keuchhusten haben Hustensäfte keine Wirkung.

Hustensaft gegen Reizhusten

Reizhusten ist ein nicht-schleimiger (unproduktiver), trockener Husten, der häufig von Heiserkeit begleitet wird.
Besonders zu Beginn einer Erkältungskrankheit tritt Reizhusten auf, es kann aber auch nach Abklingen aller anderen Erkältungssymptome unter Umständen zu dauerhaftem Reizhusten kommen.
Außerdem kann Reizhusten ein Hinweis auf Asthma bronchiale sein, ohne dass es schon zu einem klassischen Asthmaanfall gekommen sein muss.
Rezeptfreier dextromethorphan-haltiger Hustensaft (zB Silomat®) kann zur Dämpfung von Reizhusten verwendet werden. Aber auch Inhaltsstoffe wie Isländisch Moos (zB Aspecton®), Pentoxyverin (zB Sedotussin®) und Eibisch (zB Imupret®) kann in der Apotheke ohne Rezept erstanden werden, um den Reizhusten zu bekämpfen.
Verschreibungspflichtiger Hustensaft, der gut gegen den Reizhusten wirkt, enthält Inhaltsstoffe wie Codein, Dihydrocodein (zB Paracodin®), Noscapin (zB Capval®) oder Levodropropizin (zB Quimbo®).

Hustensaft bei akutem Husten

uAkuter Husten dauert weniger als drei bis vier Wochen und wird am häufigsten durch Bakterien oder Viren ausgelöst. Die Infektion der oberen und unteren Atemwege oder Erkältungskrankheiten mit einer Entzündung der Atemwege (akute Bronchitis) sind die häufigsten Ursachen für akuten Husten.
Wenn der Husten produktiv ist, also Schleim fördert, dann kann Hustensaft mit Inhaltsstoffen wie Ambroxol (zBAmbril®), Bromhexin (zB Bisolvon®), Acetylcystein (zB ACC Brausetabletten) oder Eibisch (zB Imupret ®) helfen, das Abhusten zu erleichtern und der Verschleimung der Atemwege entgegenzuwirken.
Beschwerden durch Entzündungen der Atemwege bei akutem Husten werden durch Schlüsselblumen und Thymiankraut (zB Bronchicum®), Cineol (zB Soledum®) und Eukalyptusöl (zB Aspecton Eukaps®) gelindert.
Im Allgemeinen bedarf der akute Husten keiner ärztlichen Behandlung, jedoch bei schwerer, lang andauernder Erkrankung, Atemnot oder Fieber sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Der Arzt wird in der Regel schleimlösende Mittel (wie bereits oben beschrieben) verschreiben.

Hustensaft bei chronischem Husten

Ein chronischer Husten wird laut Definition als chronische Bronchitis bezeichnet, wenn Husten und Auswurf an den meisten Tagen während mindestens drei Monaten in zwei aufeinander folgenden Jahren auftritt.
Rezeptfreie Medikamente, die bei chronischem Husten zunächst angewendet werden können, sind zum Beispiel Hustensäfte mit Wirkstoffen wie Ambroxol (zB Ambril®) oder Bromhexin (zB Bisolvon®). Damit kann Schleim gelöst werden, das Abhusten erleichtert werden und Halsschmerz gelindert werden.
Hustensaft mit Efeu kann zusätzlich Krämpfe der Atemwegsmuskulatur mindern und die Bronchien erweitern. Auch Thymian, Acetylcystein (zB ACC Brausetabletten), Eibisch (zB Imupret ®) und Myrtol (zB GeloMyrtol®) können zur Behandlung der Symptome bei chronischem Husten eingesetzt werden.
Gegen die chronische Bronchitis (aber auch bei Asthma bronchiale und chronisch obstruktiver Lungenkrankheit, COPD) können Inhaltsstoffe angewendet werden, die die glatte Muskulatur in der Lunge entspannen und die Bronchien erweitern. Dazu zählen Wirkstoffe wie Theophyllin (zB Afonilum®), Clenbuterol (zB Spiropent®) und Salbutamol (zB Apsomol®). Auch Noscapin (zB Capval®) kann bei chronischem Husten zur Hustenreizdämpfung eingesetzt werden.

Hustensaft in der Schwangerschaft

Besonders zentral wirkender Hustensaft darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden, also sind Opiatabkömmlinge wie Codein, Dihydrocodein, Noscapin und der nichtopioide Hustenblocker Dextromethorphan tabu!
Aber auch peripher wirkender Hustensaft sollte mit Vorsicht und nur mit strenger Indikationsstellung angewendet werden. Beispielsweise Dropropizin, Pentoxyverin und Pipaceta sollten in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verwendet werden.
Das schleimlösende Arzneimittel Bromhexin ist absolut kontraindiziert während der Schwangerschaft und Stillzeit, während Acetylcystein und Ambroxol nur bei strenger Indikationsstellung angewendet werden sollten.

Nebenwirkungen von Hustensaft

Vor allem nicht-pflanzliche Inhaltsstoffe von Hustensaft können unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Bei Codein- und Hydrocodonhaltigen Hustensäften besteht die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung. Diese Medikamente sollten daher im Einsatz gegen Husten nur in geringen Dosierungen und nur für kurze Zeit eingenommen werden.
Durch die beruhigende (sedierende) Wirkung kommt es bei Einnahme dieser Wirkstoffe häufig zu Müdigkeit, wodurch die Reaktionsfähigkeit, die Verkehrstüchtigkeit und das sichere Bedienen von Maschinen eingeschränkt wird. Auch unter dem rezeptfreien Hustenstiller Dextrometorphan kann zu Benommenheit, Müdigkeit und Schwindelgefühlen führen, weshalb es besser ist, auf das Autofahren während der Wirkdauer zu verzichten. Außerdem kann Dextrometorphan unerwünschte Wirkungen im Magen- und Darmbereich und Hautprobleme hervorrufen.

Schleimlösender Hustensaft kann ebenfalls verschiedene Nebenwirkungen haben. So können zum Beispiel durch die Einnahe von Acetylcystein- oder Bromhexin-haltigem Hustensaft Kopfschmerzen, Ohrengeräusche sowie Magen- und Darmbeschwerden ausgelöst werden.
Nebenwirkungen von Ambroxol sind beispielsweise Mundtrockenheit, Atemnot, Fieber, Schnupfen, Schwellungen im Gesicht oder Hautausschläge. Weitere Nebenwirkungen von Hustensäften können beispielsweise durch zu hohe Dosierung zu Herzrhythmusstörungen und Halluzinationen führen, weshalb die angegebene oder verordnete Dosierung streng eingehalten werden sollte.

Zudem ist immer zu bedenken, dass bei allen Inhaltsstoffen von Hustensäften auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auftreten können. Dazu sollte sorgfältig die Packungsbeilage gelesen werden oder der Apotheker beziehungsweise der behandelnde Arzt befragt werden.

Ist ein Hustensaft immer notwendig?

Bei einer Erkältungskrankheit dient Husten dazu, die Lunge von Schleim zu befreien, oder der Hustenreiz wird durch eine Entzündungsreaktion des Körpers ausgelöst. Regelmäßiger und andauernder Husten kann jedoch sehr nervenaufreibend sein und Alltag und Schlaf stören. Aus diesen Gründen kann es sinnvoll sein, Hustensaft zu verwenden.
Die Wahl des Hustensafts sollte sich immer an den Beschwerden orientieren, also sollten Hustenstiller bei trockenem, unproduktivem Husten und Schleimlöser bei feuchtem, produktivem Husten angewendet werden. Jedoch sollte Husten nicht medikamentös unterdrückt werden, solange die zugrunde liegende Krankheit nicht erkannt ist. Durch die richtige Behandlung der Grunderkrankung legt sich in der Regel auch der Husten. Bewährte Hausmittel wie ausreichend Flüssigkeitszufuhr, angemessenes Raumklima, Inhalation oder Dampfbäder können in vielen Fällen die Beschwerden lindern.
Hustensaft kann bei sehr quälendem Husten sinnvoll sein. Grundsätzlich ist es ratsam, bei einem Husten, der länger als zwei Wochen anhält, einen Arzt aufzusuchen, bei Babys und Kindern schon nach einer Woche. Auch wenn sich die Husten-Symptome trotz Hustensaft nicht bessern oder der Schleim sich gelblich oder grünlich verfärbt, ist ein Besuch beim Arzt anzuraten.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.11.2017
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