Medikamente gegen Husten

Einleitung

Hustensaft ist eine typische Darreichungsform bei Medikamenten gegen Husten.

Gerade zur Erkältungszeit leiden viele Menschen unter Husten. Husten bezeichnet das durch einen Reiz ausgelöste, schnelle Ausstoßen von Luft durch die Stimmritze.

Ursachen für Husten sind entweder Verlegungen der Atemwege (z.B. durch Schleim) oder Reizungen der Schleimhäute(z.B. durch Rauch oder Staub). Als Begleitsymptom bei Schnupfen oder ähnlichen Erkrankungen wird der Husten oft zur Qual. Er schmerzt, stört die Nachtruhe und belastet die Atemwege.

Medikamente gegen Husten (Antitussiva) gehören deshalb mit zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Doch nicht nur bei einer harmlosen Erkältung tritt Husten auf, er kann auch Symptom ernsthafter Krankheiten sein. Dauert der Husten lange an, verschlimmert er sich oder tritt Bluthusten (Auswurf von blutigem Sekret) auf, sollte man einen Arzt zu Rate ziehen.

Wirkstoffe

Hustenstillende Wirkstoffe werden einerseits synthetisch hergestellt, finden sich aber auch in der Natur.

Aus Mohnpflanzen werden beispielsweise Opiate gewonnen, die hustenstillend wirken. Zu diesen Medikamenten gegen Husten gehören die Wirkstoffe Noscapin, Codein, Dihydrocodein und Dextrometorphan.

Noscapin stillt Husten und wirkt nebenbei auch erweiternd auf die Bronchien, was bei Erkältungen von Vorteil sein kann. Anders als die meisten Opiate macht Noscapin nicht abhängig oder müde und übt keine dämpfende Wirkung auf den Atemreiz aus, die Einnahme über einen längeren Zeitraum hinweg ist möglich. Auch Nebenwirkungen treten nur sehr wenige auf. Bekanntestes Noscapinpräparat in Deutschland ist Capval®.

Codein und sein Abkömmling, das Dihydrocodein ähneln in ihrer chemischen Struktur stark dem Morphin. Sie wirken nicht nur hustenstillend, sondern auch schmerzlindernd (analgetisch). In der Schmerztherapie werden Codein und Dihydrocodein mit entzündungshemmenden Arzneistoffen wie dem Ibuprofen oder der Acetylsalicylsäure kombiniert verabreicht. Werden Codein oder Dihydrocodein eingenommen, treten oft Nebenwirkungen, wie etwa Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Müdigkeit auf. I

n Deutschland unterliegen die beiden Wirkstoffe aufgrund ihrer analgetischen und süchtig machenden Wirkung dem Betäubungsmittelgesetz und dürfen folglich nur in äußerst geringen Mengen in Medikamenten enthalten sein und verschrieben werden. Präparate mit Codein oder Dihydrocodein, die als Medikamente gegen Husten eingesetzt werden, sind zum Beispiel Codipront®, Paracodin® oder Longtussin®.

Der dritte Vertreter der Opiate, das Dextromethorphan, wird neben seiner Verwendung als Medikament gegen Husten ebenfalls als Schmerzmittel eingesetzt. Wie auch das Noscapin macht Dextromethorphan nicht süchtig, Nebenwirkungen treten aber trotzdem auf. Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und im speziellen Fall der Überdosierung von Dextromethorphan auch Halluzinationen und psychotische Zustände sind solche Nebenwirkungen. Neotussan® und Hustenstiller Ratiopharm® sind in Deutschland verkäufliche Arzneimittel, welche Dextromethorphan enthalten.


Alle Vertreter der Opiat Gruppe wirken über ähnliche Mechanismen. Im Körper existiert eine Vielzahl von speziellen "Erkennungsstellen" für Opiate oder deren Abkömmlinge. Es handelt sich um sogenannte Opioidrezeptoren. Diese sind überall im Körper verteilt und spielen eine wichtige Rolle bei der Schmerzhemmung. Wirkstoffe auf Opiat Basis binden an diese Erkennungsstellen und wirken deshalb nicht nur lindernd auf den Hustenreiz, sondern in den meisten Fällen auch schmerzlindernd (analgetisch).

Es existieren jedoch nicht nur Medikamente gegen Husten, die ihre Wirkung durch Opiate entfalten. Levodropropizin und Pentoxyverin sind Wirkstoffe, die ebenfalls gegen Husten wirken, allerdings sind die genauen Mechanismen ihrer hustenstillenden Wirkung noch nicht bis ins Detail geklärt.

Levodropropizin, ein Alkohol, wird aus Bakterien gewonnen und bei starkem Reizhusten eingesetzt. Das in Apotheken erhältliche Medikament wird unter dem Namen Quimbo Sirup® verkauft.

Pentoxyverin wirkt an spezialisierten Stellen (Rezeptoren) von Nervenfasern und dämpft so den Hustenreiz. Es wird als Sedotussin® in Deutschland verkauft.

Nimmt man Medikamente gegen Husten mit den Wirkstoffen Levodropropizin oder Pentoxyverin ein, treten als Nebenwirkungen am häufigsten Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen aber auch Müdigkeit auf. Wie bei allen Medikamenten kann es bei Unverträglichkeit zu allergischen Reaktionen mit allergischem (anaphylaktischem) Schock kommen.

Medikamente gegen Husten sind hilfreich um das lästige Symptom zu behandeln, sollten aber nicht in Eigenregie über lange Zeit eingenommen werden.

Darreichungsformen

Medikamente gegen Husten existieren in nahezu jeder Darreichungsform.

Die bekannteste Variante ist der Hustensaft, er wird entweder mit dem Löffel verabreicht oder aber über einen, im Flaschendeckel integrierten, Trinkbecher. Eine andere flüssige Darreichungsform von Medikamenten gegen Husten stellt der Hustensirup dar. Dieser hat eine zähflüssigere Konsistenz als Hustensaft und wird mit einem Löffel dosiert.

Weitere Darreichungsformen wie Brausetabletten zum Auflösen in Wasser oder Lutschpastillen werden ebenso verwendet wie Tees mit antitussiver (gegen Husten) Wirkung.

Hausmittel

Bei leichtem Husten können eine Reihe Hausmittel leicht Abhilfe schaffen.

In der Natur gibt es jede Menge Pflanzen und Kräuter, denen medizinische Wirkungen nachgesagt werden. Medikamente gegen Husten kommen also auch in der Natur vor. Sie werden dann oft als "Hausmittel" angewendet.

Die "Klassiker" unter den Hausmitteln sind:

  • Kakao
  • Ingwer
  • Inhalieren von Salzwasserdampf
  • Aufgüsse aus Zwiebeln und Honig

Kakao wird eine hustenstillende Wirkung nachgesagt, da er den Stoff Theobromin enthält. Dieser anregend wirkende Stoff (Stimulans) stillt nicht nur Husten, sondern erweitert auch Blutgefäße. Er entspannt die glatte Muskulatur, die in den Bronchien vorkommt und kann so die Atemwege aufweiten. In hohen Dosen treten einige Nebenwirkungen, wie Herzrasen und Kopfschmerzen auf.

Die Knollenpflanze Ingwer hat ebenfalls den Ruf, hustenstillend zu wirken. Viele an Husten leidende Menschen greifen daher auf Ingwertee oder Ingweraufgüsse zurück, um ihre Beschwerden zu bessern. Ätherische Öle und Scharfstoffe des Ingwers wirken befreiend auf die Atemwege, die Schärfe sorgt für vermehrten Speichelfluss und verringert so den Hustenreiz. Doch nicht nur bei Husten, sondern auch bei Entzündungen hilft Ingwer und lindert Schmerzen.

Das mit Abstand am häufigsten angewandte Medikament gegen Husten aus der Hausapotheke ist die Inhalation von Salzwasserdampf. Hierzu wird Wasser gekocht und Salz hinzugefügt, dann beugt man sich über den Topf mit dem dampfenden Wasser, bedeckt den Kopf mit einem Handtuch und atmet den Wasserdampf durch die Nase ein. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da man sich am heißen Wasser oder dem Wasserdampf leicht verbrennt. Im Zweifelsfall sollte man das Wasser zuerst eine wenig abkühlen lassen, bevor man mit der Inhalation beginnt. Salzwasser hält die angegriffene Schleimhaut im Nasen- Rachenraum feucht, nebenbei löst es festsitzenden Schleim.

Lesen Sie mehr Informationen zu dem Thema Inhalation

Ein weiteres gängiges Hausmittel, der Saft einer Zwiebel vermischt mit Honig, verspricht ebenfalls Husten zu lindern, da Zwiebeln ebenso wie Honig schleimlösend und antimikrobiell wirken sollen. Um die Mischung zuzubereiten, schneidet man eine Zwiebel in kleine Stücke und kocht sie mit ein paar Löffeln Honig, bis aus den Zwiebeln der Saft austritt, dann gießt man die Mischung durch ein Sieb, um den Saft von den Zwiebelstücken zu trennen. Bei Husten oder Hustenreiz nimmt man dann jeweils einen Teelöffel von dem Zwiebel-Honig Gemisch zu sich.

Generell sind Hausmittel sinnvoll und oft hilfreich, gerade bei leichtem Husten, sie ersetzten aber nicht immer die medikamentöse Therapie.

Lesen Sie für weitere Informationen auch unseren Artikel: Hausmittel bei Husten

Medikamente gegen einen Hustenanfall

Ein akuter Hustenanfall tritt oft ganz plötzlich auf. Es beginnt mit einem leichten Kratzen im Hals, welches schnell sehr unangenehm wird. Der Betroffene verspürt den Drang zu husten. Typisch für einen Hustenanfall ist, dass man mit dem husten nicht mehr aufhören kann und bisweilen sogar das Gefühl hat keine Luft mehr zu bekommen.

In einem solchen Fall gilt zunächst einmal Ruhe bewahren. Sind die Pausen zwischen dem Husten lang genug, kann man versuchen vorsichtig einen Schluck Wasser oder lauwarmen Tee zu trinken. Dies genügt oft schon, um gereizte Schleimhäute ein wenig zu beruhigen und den Hustenanfall zu unterbrechen.

Alternativ empfiehlt es sich ein Hustenbonbon mit hustenstillenden Wirkstoffen wie Salbei, Isländisch Moos oder Eukalyptus zu lutschen. Ist der Hustenanfall unterbrochen muss man darauf achten genug zu trinken, um nicht erneut einen Hustenanfall zu bekommen. Wasser oder Tee mit Honig eignen sich besonders gut.

Medikamente gegen einen Hustenanfall gehören zur Kategorie der Hustenstiller, welche auch beim Reizhusten verwendet werden.

Medikamente gegen Reizhusten

Reizhusten, oder trockener Husten ohne Schleim tritt gehäuft nachts auf und bringt die Patienten um den Schlaf. Um besser durchzuschlafen und den lästigen Hustenreiz loszuwerden kann man zu Hustenstillern greifen. Dies sind Medikamente gegen Husten, die auf das Hustenzentrum im Gehirn wirken und den Hustenreflex dämpfen.

Verwendete Wirkstoffe sind das Codein, Dihydrocodein oder Dextrometorphan. In Apotheken ist beispielsweise das Monopax® als Hustenstiller erhältlich. Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Medikamente gegen Erkältung.

Bei allergisch bedingtem Husten enthalten die Medikamente oft entzündungshemmende Stoffe wie Kortison um neben dem Reizhusten auch die Schwellung in den Bronchien zu bessern.

Es wird empfohlen, hustenstillende Arzneien gegen Abend einzunehmen, um über Nacht nicht andauernd zu husten. Ergänzen kann man die Behandlung gut mit Hausmitteln und vor allem mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr.

Lesen Sie für weitere Informationen auch unseren Artikel: Reizhusten.

Medikamente gegen Schleim

Produktiver, schleimfördernder Husten kommt bei Erkältungen oder grippalen Infekten eher im späteren Verlauf vor. Man kann das Abhusten von Schleim unterstützen, indem man Medikamente nimmt, die den Husten, beziehungsweise den Schleim lösen. Verwendete Wirkstoffe sind das Acetylcystein (ACC) oder das Abroxol. Beide Stoffe lösen Schleim, in dem chemische Verbindungen innerhalb der Sekretmoleküle gespalten werden und fördern das Abhusten des Sekrets aus den Atemwegen.

Hustenlöser werden deshalb besser morgens eingenommen, da der Husten durch die schleimlösende Wirkung mehr gefördert als gestillt wird. Nimmt man Hustenlöser abends ein, so bringt man sich eventuell selbst um den Schlaf.

Lesen Sie für weitere Informationen auch unseren Artikel: Hustenlöser

Medikamente in der Schwangerschaft

Leiden Schwangere an Husten, stellen sie sich die Frage, welche Medikamente sie zu sich nehmen können, ohne ihrem ungeborenen Kind damit zu schaden.

Bei leichtem Husten haben Schwangere die Möglichkeit zuerst auf Hausmittel oder pflanzliche Mittel zurückzugreifen. Mittel auf Thymian oder Eibischbasis sind in der Regel gut verträglich und unbedenklich für das Kind, da sie pflanzlichen Ursprungs sind. Tee mit Honig oder Aufgüsse aus Zwiebeln können ebenfalls bedenkenlos konsumiert werden. Gerade beruhigende Kräutertees helfen nicht nur gegen den Husten, sondern entspannen insgesamt.

Gegen Schleim hilft die regelmäßige Befeuchtung der Atemwege, etwa durch Inhalation mit Kamillendampf.

Verschlimmert sich der Husten, kann die schwangere Frau nach ärztlicher Rücksprache und über einen kurzen Zeitraum hinweg hustenlösende Mittel, etwa ACC akut® mit Acetylcystein nehmen.

Stillende Medikamente gegen Husten sollten wenn überhaupt auch nur nach ärztlicher Rücksprache und über kurze Zeit eingenommen werden. Hierbei empfiehlt sich der Wirkstoff Dextromethorphan. Enthalten ist dieser Stoff zum Beispiel in Hustenstiller Ratiopharm®.

Medikamente bei Kindern

Husten Kinder, muss man auf mehrere Dinge besonders Acht geben.

  1. Zum einen kann es sein, dass das Kind hustet, weil es einen Fremdkörper verschluckt hat. Häufig passiert so etwas bei Kleinkindern. Dieser Husten ist unproduktiv und geht oft mit Luftnot einher. Eine solche Situation ist ein Notfall. Hier muss man so schnell wie möglich den Rettungsdienst alarmieren oder einen Arzt konsultieren.
  2. Eine andere Ursache für kindlichen Husten ist der sogenannte Pseudokrupp. Pseudokrupp ist eine Erkrankung der Atemwege bei Kindern, ausgelöst wird sie durch eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes. An Pseudokrupp erkrankte Kinder haben trockenen Husten, der bellend klingt sowie Atemnot. Auch in dieser Situation sucht man lieber einen Arzt auf, denn der kann das Kind fachgerecht behandeln.
  3. Haben Kinder aber nur eine Erkältung und Husten deswegen, ähnelt die Therapie der bei Erwachsenen. Je nach Art des Hustens, also trocken oder verschleimt, gibt man entweder Hustenstiller oder Hustenlöser. Die Medikamente gegen Husten, die man Kindern geben kann, sind auf pflanzlicher Basis und gut verträglich. Bronchicum® auf Thymianbasis oder Prospan® mit Efeu eignen sich gut, die Gabe sollte trotzdem mit einem Arzt besprochen werden, da auch die Dauer der Behandlung sowie die Dosierung vom Arzt am besten eingeschätzt werden können. Neben der behandlung mit Medikamenten kann man seinem Kind mit Hausmitteln die Beschwerden nehmen. Tees und stilles Wasser sorgen für feuchte Schleimhäute, größere Kinder (ab ca 4 Jahren) können Bonbons mit der Heilpflanze Isländisch Moos lutschen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 03.02.2017
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