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Kann man eine Neurodermitis heilen?

Einleitung

Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Das bedeutet, dass zwischen längeren beschwerdefreien Phasen immer wieder akute Krankheitsschübe auftreten. Bisher ist es nicht möglich, eine Neurodermitis zu heilen, weshalb die symptomatische Therapie mit entzündungshemmenden und juckreizlindernden Cremen im Vordergrund steht. In vielen Fällen kann die Krankheit dadurch gut behandelt werden und die Lebensqualität der Betroffenen steigt. Außerdem verschwinden die Beschwerden meist im Laufe des Lebens von selbst: mehr als 60 Prozent der Kinder mit Neurodermitis haben als Erwachsene keine Anzeichen der Krankheit mehr.

Kann man eine Neurodermitis heilen?

Warum man Neurodermitis nicht heilen kann

Die Hautkrankheit Neurodermitis (medizinisch auch als atopisches Ekzem bezeichnet) bildet sich bei Menschen mit genetischer Veranlagung aufgrund einer Überempfindlichkeit gegen bestimmte Stoffe aus. Bisher ist eine vollständige Heilung der Neurodermitis nicht möglich. Auch wenn Patienten für eine sehr lange Zeit beschwerdefrei sind (häufig über mehrere Jahre), gelten sie in der Schulmedizin nicht als geheilt, sondern befinden sich in einem „erscheinungsfreien Intervall“.

Um die Frage zu beantworten, warum Neurodermitis bisher als nicht heilbar gilt, muss man sich zunächst mit dem Pathomechanismus, also der Entstehung des Krankheitsprozesses, befassen. Patienten mit Neurodermitis leiden unter einem Ungleichgewicht im Immunsystem, wodurch körpereigene Strukturen in der Haut fälschlicherweise als „fremd“ erkannt und angegriffen werden. In der Folge entstehen entzündliche Hautveränderungen und Ekzemherde (siehe auch: Ekzem der Haut), die mit einem starken Juckreiz einhergehen. Daher ist die Neurodermitis nicht als eine Hauterkrankung, sondern vielmehr als eine Art allergische Reaktion gegen körpereigene Strukturen zu sehen.

Studien haben gezeigt, dass die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Neurodermitis spielt. Personen, die bestimmte Veränderungen in den Genen aufweisen, sind also anfälliger dafür, in ihrem Leben einmal eine Neurodermitis zu entwickeln. Aber wie bei vielen chronischen Krankheiten spielen nicht nur die Gene eine Rolle. Auch die Lebensbedingungen und Umweltfaktoren tragen dazu bei, ob genetisch vorbelastete Personen an Neurodermitis erkranken oder nicht.

Man bezeichnet diesen Umstand als „multifaktoriell“: der Ausbruch der Krankheit hängt vom Zusammenspiel mehrerer Faktoren ab. Gerade dadurch erweist es sich auch als so schwierig, Neurodermitis vollständig zu heilen. Wohingegen bestimmte Trigger, die neue Krankheitsschübe auslösen, durch den Patienten vermieden werden können, kann die genetische Komponente einer Neurodermitis bisher noch nicht behandelt werden. Die Forschung an neuen Therapien macht allerdings Hoffnung auf neue Behandlungsmöglichkeiten der Neurodermitis in naher Zukunft.

Was kann ich zur Verbesserung der Symptome beitragen?

Patienten können selbst einige Maßnahmen ergreifen, um die Symptome einer Neurodermitis zu verbessern. Zunächst ist es wichtig, krankheitsauslösende Trigger zu identifizieren. Das geschieht am einfachsten mit einem sogenannten Allergietagebuch, in dem vermerkt wird, ob man Beschwerden hat, was gegessen wurde, wie das Wetter war etc. Viele Menschen mit Neurodermitis reagieren beispielsweise empfindlich auf Kleidung aus Wolle: durch das kratzige Material wird die Haut gereizt und ein neuer Neurodermitisschub kann entstehen.

Auch verschiedene Nahrungsmittel verschlimmern die Beschwerden einer Neurodermitis und diese sollten besser gemieden werden. Trotzdem sollten die Patienten auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung achten, da diese den Körper stärkt und das allgemeine Wohlbefinden fördert. Wenn die Patienten darauf achten, diese Auslöser zu vermeiden, kann die Lebensqualität deutlich gesteigert werden.

Auch wenn es den Betroffenen schwer fällt, Kratzen ist bei Neurodermitis ein absolutes No-Go! Dadurch wird die Haut noch weiter geschädigt und der quälende Juckreiz nimmt in der Folge zu. Am besten ist es, wenn sich Neurodermitiker die Fingernägel möglichst kurz schneiden - so werden unnötige Verletzungen vermieden, falls man sich doch einmal kratzt. Ganz wichtig ist bei Neurodermitis natürlich die richtige Hautpflege (siehe hierzu: Hautpflege bei Neurodermitis). Am besten eignen sich rückfettende und kühlende Cremen, die auf die betroffenen Hautareale aufgebracht werden. Auch Bäder mit Badezusätzen aus dem toten Meer helfen gut gegen die Beschwerden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Superinfektion

Wird man in Zukunft Neurodermitis heilen können?

Zurzeit wird intensiv an sogenannten Immunmodulatoren geforscht. Dabei handelt es sich um lokal eingesetzte Medikamente, welche die fehlgeleitete Immunreaktion, die bei einer Neurodermitis abläuft, hemmen soll. Neue wissenschaftliche Studien beschäftigen sich auch mit der Entwicklung sogenannter Gentherapien. Dabei wird versucht, krankheitsauslösende Gene in Patienten mit Neurodermitis zu identifizieren und die defekten Gene dann gezielt zu reparieren.

Ob Neurodermitis durch diese innovativen Behandlungsansätze in Zukunft heilbar sein wird, wird sich zeigen. Allerdings ermöglicht der medizinische Fortschritt eine immer bessere Behandlung. Durch neue Medikamente und das Erkennen von Auslösefaktoren können sowohl die Häufigkeit neuer Krankheitsschübe als auch die Schwere der Symptome deutlich verringert werden.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema "Kann man Neurodermitis heilen?" finden Sie unter:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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