Symptome eines vorderen Kreuzbandrisses

Symptome

Ein Riss des vorderen Kreuzbandes (Ligamentum cruciatum anterius; ligamentum = lat. Band, anterius = lat. vorne) macht sich zum Zeitpunkt der Verletzung häufig durch ein Geräusch – ähnlich einem Knacken – als typisches Symptom bemerkbar. In aller Regel verspürt der Betroffene auch den Kreuzbandriss.

Dem vorderen Kreuzbandriss nachfolgend entwickelt sich folgende Symptome:

  • ein Schmerz im Bereich des Knies, da durch den Riss und die nachfolgende Dehnung der Gelenkkapsel (Capsula articularis) Nerven geschädigt werden, welche die Schmerzempfindung vermitteln
  • weiterhin kommt es bei einem vorderen Kreuzbandriss zu einer Instabilität des Knies, welche sich jedoch erst nach einigen Tagen zeigt, wenn die Schwellung zurückgegangen ist. In der ersten Zeit wird die Instabilität in Folge eines vorderen Kreuzbandrisses durch reflektorische Anspannung der Muskulatur überdeckt.

Nach einigen Tagen entwickelt sich in nahezu jedem Fall (ca. 95%) ein Erguss des Kniegelenks als wichtigstes Symptom. Es kommt zur Blutansammlung innerhalb der Gelenkkapsel, was man als Hämarthros bezeichnet. Durch den Riss der das Kniegelenk versorgenden Blutgefäße blutet es bei einem vorderen Kreuzbandriss in die Kapsel ein. Von außen ist dies als Schwellung des Knies sichtbar.
Bei der Untersuchung der im Kniegelenk enthaltenen Flüssigkeit (Kniegelenkspunktion) können dem Blut außerdem Fettaugen aufgelagert sein. Dies ist ein Zeichen für eine knöcherne Begleitverletzung des vorderen Kreuzbandrisses, wobei das Fett aus dem Knochenmark des betroffenen Knochens freigesetzt wird, zum Beispiel aus dem Oberschenkelknochen (Humerus) oder dem Schienbein (Tibia).
Alternativ kann das Fett auch infolge einer Quetschverletzung des Hoffa-Fettkörpers des Knies (lat. corpus adiposum infrapatellare) austreten. Bei dem Hoffa-Fettkörper handelt es sich um eine bindegewebige Struktur mit Fettgewebsanteilen unterhalb der Kniescheibe (lat. Patella).
Zudem wird durch einen vorderen Kreuzbandriss die Beweglichkeit des Beins eingeschränkt, der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, das Knie normal zu bewegen. Vielmehr nimmt ein von einem vorderen Kreuzbandriss Betroffener eine Schonhaltung des Beines ein: Das verletzte Knie wird in Beugestellung gehalten.
Bei der Untersuchung des Knies auf Symptome für einen Kreuzbandriss tritt ein für einen vorderen Kreuzbandriss typisches Zeichen –das vordere Schubladen-Phänomen – zu Tage. Dieses manifestiert sich bei Kniebeugung um 90 Grad, wenn der Untersucher den Unterschenkel nach vorne zieht. Beim Gesunden ist keine Bewegung möglich, bei einem vorderen Kreuzbandriss hingegen kommt es zu einer Verschieblichkeit des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel. Ein ähnlicher Test ist bei einem vorderen Kreuzbandriss ebenfalls positiv. Bei diesem handelt es sich um den vorderen Lachmann-Test. Prinzipiell wird er wie der vordere Schubladen-Test durchgeführt, allerdings in nur 30 Grad Beugung.

Test "vordere Schublade"

Abbildung vordere Schubladentest

Bild links mit freundlicher Genehmigung Prof. J. Jerosch, Neuss

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Die beschriebene Symptomatik bei einem vorderen Kreuzbandriss klingt in der Regel nach etwa einer Woche ab. Wird ein vorderer Kreuzbandriss hingegen nicht therapiert (Therapie Kreuzbandriss), entwickelt sich nach Ablauf einiger Wochen eine bleibende Instabilität. Diese entsteht durch Abnutzung des Gelenks, des Kapsel-Band-Apparates des Knies, der Menisken sowie des Gelenkknorpels des Kniegelenks. Die bleibende Instabilität nach einem vorderen Kreuzbandriss bezeichnet man als giving way Symptomatik.
Hierbei kommt es beim Betroffenen zu einem Wegknicken des Beins im Bereich des Knies mit Herausrutschen des Unterschenkels. Das Ausmaß dieser Instabilität ist – wie auch die Beeinträchtigung der Stabilität zu Beginn der Beschwerden bei einem vorderen Kreuzbandriss – abhängig von der Festigkeit der Kniegelenks-Strukturen, zu welchen Bänder, Muskeln und Gelenkkapsel zählen.
Ein vorderer Kreuzbandriss wird häufig von anderen Verletzungen begleitet. Dies ist bei etwa 80% aller Betroffenen der Fall. Oft sind der innere oder äußere Meniskus oder die Seitenbänder des Knies (Kollateralbänder) gleichzeitig verletzt. Andere Begleitverletzungen stellen Beschädigungen des Gelenkknorpels oder der Gelenkkapsel dar. Auch knöcherne Ausrissfrakturen (Fraktur = Bruch) gehören zu den Begleitverletzungen bei einem vorderen Kreuzbandriss.
Typisch ist die sogenannte Segond-Fraktur, welche durch einen knöchernen Ausriss der Gelenkkapsel an der Stelle des Schienenbeinplateaus (Tibiplateau, oberes Ende des Schienenbeins) gekennzeichnet ist.
Eine besondere Krankheitsform mit Beteiligung des vorderen Kreuzbandes stellt das Symptom - Kompination „unhappy triad“ („unglückliche Triade“) dar. Hierbei liegen neben einem vorderen Kreuzbandriss eine Schädigung des Innenbandes sowie des Innenmeniskus vor.

Schmerzen bei einem Kreuzbandriss

Neben Symptomen wie Schwellung, Instabilität und Ergussbildung stellen die Schmerzen ein wichtiges Leitsymptom des Kreuzbandrisses dar.
Die Schmerzen im Knie nach einem traumatischen Ereignis gelten in diagnostischer Hinsicht als hinweisführendes Indiz eines Kreuzbandrisses.

Der Schmerz, bedingt durch einen Kreuzbandriss, tritt unmittelbar nach dem Rupturereignis ein. Dabei wird der Schmerz von Betroffenen meistens als mäßig stark bis sehr stark beschrieben, mit leicht stechendem Schmerzcharakter.
Die Schmerzen im Inneren des Knies klingen dann in der Regel wieder etwas ab. Sobald das Knie und damit die gerissenen Kreuzbänder jedoch wieder belastet werden, verstärkt sich der Schmerz wieder.
Der Schmerz entsteht im Allgemeinen zum einen natürlich durch den Kreuzbandriss an sich selbst.
Zum anderen kommt es aufgrund eines Kreuzbandrisses aber auch zu einer Schwellung im Knie als Resultat einer Gefäßverletzung mit Einblutung ins Kniegelenk (= sogenanntes Hämarthros).

Die Dehnung der Kniegelenkskapsel durch die Schwellung sorgt dann wiederum dafür, dass es über Dehnungsrezeptoren und entsprechende Info weiterleitende Nerven zu einer Schmerzempfindung kommt.
Durch Punktion des Kniegelenks kommt es zur Druckentlastung und damit zu Schmerzlinderung. Um die Schmerzen bedingt durch den Kreuzbandriss zu lindern kommt nur deren konservative oder operative Versorgung in Frage. (siehe: Operation eines Kreuzbandrisses)

Symptome beim Kind

Kinder erleiden sehr häufig einen Riss des vorderen Kreuzbandes.
Die Symptome des kindlichen Kreuzbandrisses weichen jedoch nicht bedeutend von einem Kreuzbandriss bei Erwachsenen ab. Klassische Symptome sind auch bei Kindern:

  • Schmerzen
  • Schwellung
  • Ergussbildung

Zudem ist das Knie durch die den Kreuzbandriss sehr instabil und die Streckbewegung ist nicht mehr möglich. Mit diesen beiden Einschränkungen geht der allgemeine Funktionsverlust des Knies einher.
Gerade bei Kindern denkt man bei Schmerzen im Knie mit entsprechenden weiteren Symptomen jedoch nicht sofort an einen Kreuzbandriss. Die korrekte Diagnosestellung ist allerdings sehr wichtig, da ein unbehandelter vorderer Kreuzbandriss im Kindesalter schwerwiegende Folgen auf das Knie des Kindes haben kann.

Bleibende Schäden gingen in diesem Falle mit Symptomen wie wiederkehrenden Schmerzen und einem Instabilitätsgefühl sowie einem hinkendem Gangbild einher.
Die Schmerzintensität wird gerade von jüngeren Kindern womöglich als intensiver wahrgenommen, weil jene stechenden Schmerzen im Inneren des Kniegelenks sehr unangenehm und auch unbekannt im Zusammenhang mit einer Instabilität im Knie sind.
Man sollte zudem berücksichtigen, dass die Symptome bei Kindern stärker ausgeprägt sein können. Das liegt daran, dass die kindlichen Knochen im Verhältnis zum Bandapparat, also die Kreuzbänder, noch schwächer ausgebildet sind.
Daher ist es für den kindlichen Kreuzbandriss typisch, dass es zum gleichzeitige Ausriss der knöchernen Befestigung kommt. Das heißt, dass sowohl Band –als auch Knochenstrukturen verletzt sind und die Schmerzempfindung somit intensiver ist.

Lesen Sie mehr zum Thema: vorderer Kreuzbandriss beim Kind

Symptome in der Kniekehle

Allgemein zählt die Kniekehle zu einem Bereich des Kniegelenks, sodass sich Läsionen an Strukturen des hinteren Anteils des Kniegelenks symptomatisch in der Kniekehle äußern können.
Je nachdem welches Kreuzband gerissen ist, variiert zum Teil die Lokalisation der Schmerzen:

Bei einer Ruptur des hinteren Kreuzbandes ist der Schmerz in der Kniekehle beispielsweise sehr charakteristisch. Grund dafür ist das „Erguss-Symptom“ bei einem Kreuzbandriss.
Es kommt durch den Erguss normalerweise nur zu einer Schwellung. Liegt der Erguss jedoch sehr weit hinten in der Kniekehlen-Region, so wie es typisch beim hinteren Kreuzbandriss ist, so sickert die Ergussflüssigkeit (Blut und Lymphe) in die Kniekehle und den Unterschenkel. Der abgeflossene Erguss provoziert daraufhin in der Kniekehle also ein Spannungsgefühl und Druckschmerzen.
Die Schmerzempfindung ist generell bei allen Kreuzbandrissen primär in der Kapselregion und der Kniekehle lokalisiert. Neben dem Schmerz in der Kniekehle ist dort zudem nach Inspektion der unter anderem für den Schmerz verantwortliche Bluterguss zu erkennen.

Symptome des vorderen Kreuzbandrisses

Das menschliche Kniegelenk hat auf jeder Seite 2 Kreuzbänder, ein vorderes (VKB) und ein hinteres Kreuzband (HKB).
Diese können beide unabhängig voneinander reißen und jeweils Symptome auslösen.

Reißt das VKB so spricht man auch von einem „Kreuzbandriss vorne“. Dabei kommt es klassisch zu Symptomen wie Schmerzen, Schwellung, Ergussbildung und Instabilität.
Gerade letztgenannter Aspekt ist in Hinblick auf bestimmte Bewegungseinschränkungen im verletzten Kniegelenk wichtig. Liegt der Riss vorne vor, kann man den Unterschenkel wie eine Schublade bei fixiertem Oberschenkel nach vorne ziehen. Man spricht dann von einem Vorliegen einer „vorderen Schublade“ beim VKB.
Weitere Instabilitätskriterien sind die gehemmte Streckbewegung im Knie sowie eine gewisse Gangunsicherheit.

Betroffene haben zudem immer das Gefühl weg zu knicken. Daher versucht man automatisch die Instabilität durch eine reflektorische Kontraktion der Oberschenkelmuskeln zu kompensieren. Der Schmerz beim VKB ist in der Regel im Knieinneren lokalisiert und klingt nach mehreren Tagen erst einmal wieder ab. Durch Belastung tritt er selbstverständlicher Weise wieder vermehrt und intensiviert auf und erfordert eine adäquate Behandlung des VKB.

Symptome des hinteren Kreuzbandrisses

Das hintere Kreuzband (HKB) kann genauso wie das vordere Kreuzband reißen.
Der „Kreuzbandriss hinten“ ist jedoch sehr viel seltener als der „Kreuzbandriss vorne“.

Die Symptome erstrecken sich ebenfalls von primären Schmerzen über Schwellung, Ergussbildung und Instabilität im Knie mit begleitender Bewegungseinschränkung und Gangunsicherheit.
Eine charakteristische Eigenschaft stellt beim hinteren Kreuzbandriss der Schmerz in der Kniekehle dar. Diese resultiert aus der Tatsache, dass die Flüssigkeit des Erguss beim hinteren Kreuzbandriss nach hinten in die Kniekehle abfließt.
Dort ist eigentlich kein Platz für vermehrte Flüssigkeitsansammlungen, sodass es durch die Raumforderung zu Druckschmerzen kommt. Außerdem zeichnet sich in der Kniekehle beim „Kreuzbandriss hinten“ ein Bluterguss ab. Des Weiteren kann es bei einem HKB zu einer abnormen Verschieblichkeit kommen. Das sogenannte hintere Schubladenphänomen ist positiv, wenn der Unterschenkel gegen den fixierten Oberschenkel nach hinten verschoben werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome des hinteren Kreuzbandrisses

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Wer bin ich?
Meine Name ist Dr. Nicolas Gumpert. Ich bin Facharzt für Orthopädie und Gründer von Dr-Gumpert.de
Diverse Fernsehsendungen und Printmedien berichten regelmäßig über meine Arbeit. Im HR Fernsehen sehen Sie mich alle 6 Wochen live bei "Hallo Hessen". 
Aber jetzt ist genug angegeben ;-)

Das Kniegelenk gehört zu den Gelenken mit der größten Belastung.

Daher erfordert die Behandlung des Kniegelenks (z.B. Meniskusriss, Knorpelschaden, Kreuzbandschaden, Läuferknie, etc.) viel Erfahrung.

Ich behandele die unterschiedlichsten Erkrankungen des Knies auf konservative Weise.

Ziel jeder Behandlung ist die Behandlung ohne eine Operation.

Welche Therapie nachhaltig die besten Ergebnisse erzielt, kann nur nach Zusammenschau aller Informationen (Untersuchung, Röntgenbild, Ultraschall, MRT, etc.) beurteilt werden.

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Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.01.2018
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