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Logopädie

Definition

Die Logopädie ist ein medizinisches und therapeutisches Fachgebiet, welches sich sowohl mit der Diagnosestellung, als auch mit der Therapie von Sprach -, Stimm -, Schluck -, oder Hörstörungen von Patienten aller Altersklassen beschäftigt. Anhand spezieller Übungen versuchen Logopäden, die vorliegenden komplexen Störungsbilder ausfindig zu machen und  die Kommunikationsfähigkeit, sowie eventuell vorhandene Schluckstörungen zu verbessern. Die Logopädie basiert auf der Mitarbeit des Patienten, in regelmäßigen Sitzungen gezielte Übungen, die speziell auf die vorliegende Störung angepasst sind, zu erlernen und anzuwenden. Medikamente werden in die Behandlung nicht mit einbezogen.

Wer profitiert von der Logopädie?

Im Rahmen einer logopädischen Behandlung können verschiedene Störungen diagnostiziert und behandelt werden. Von der Logopädie profitieren Patienten aller Altersklassen, die an einer Sprach -, Stimm -, Schluck -, oder Hörstörung leiden. Je nach Alter und vorliegender Störung müssen die Therapiekonzepte – und Ziele individuell angepasst werden.

Die Anwendungsgebiete der Logopädie können sich im Kinder – und Erwachsenenalter deutlich unterscheiden. Kinder profitieren von der logopädischen Behandlung vor allem im Rahmen von Sprachentwicklungs – und Artikulationsstörungen.

Das Sprechen und das Sprachverständnis entwickelt sich bei Kindern in einer bestimmten Reihenfolge mit besonderen Meilensteinen, die in einer bestimmten Zeitspanne erreicht werden sollten.
Geschieht dies verzögert oder fehlerhaft, kann das zu einem deutlichen sprachlichen Rückstand und einem erhöhten Risiko für eine Lese – und Rechtschreibschwäche führen. Ebenso profitieren Kinder mit einer Artikulationsstörung, wie dem Lispeln, von einer logopädischen Behandlung. Auffällig ist bei diesen Kindern häufig auch, dass sie neben dem Lispeln eine zusätzliche Schluckstörung aufweisen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Legasthenie oder Lese- Rechtschreibschwäche: eine begriffliche Abgrenzung

Bei Kindern, die an einer Hörstörung leiden, entwickelt sich häufig im Verlauf eine verzögerte Sprachentwicklung, da bei ihnen sowohl die Fähigkeit zu sprechen, als auch die Konzeptbildung – und das Sprachverständnis betroffen sind. Auch sie können ihre Kommunikationsfähigkeiten durch eine logopädische Behandlung verbessern. Zudem kann die Logopädie auch Kindern mit Störungen des Redeflusses, wie dem Stottern, oder auch mit Störungen der Sprachproduktion aufgrund von angeborenen Fehlbildungen helfen.

Lesen Sie hierzu mehr unter: Hörstörung bei Kindern

Bei Erwachsenen treten Sprach -, Sprech – und Stimmstörungen vor allem im Rahmen einer Schädigung des Gehirns auf. Diese können zum Beispiel als Folge eines Schädel – Hirn – Traumas, eines Schlaganfalls, eines Tumors oder einer degenerativen Erkrankung wie Multiple Sklerose oder Parkinson auftreten. Die logopädische Behandlung kann bei diesen Patienten die Sprachproduktion, die Sprachmotorik und auch eventuell bestehende Schluckstörungen verbessern.

Wie läuft die logopädische Behandlung ab?

Die logopädische Behandlung kann akut während eines Krankenhausaufenthaltes, in einer Reha-Klinik oder auch ambulant in einer Praxis für Logopädie begonnen werden.

Am Anfang jeder Behandlung wird eine ausführliche Diagnostik zur Abklärung der vorliegenden Störung vorgenommen. Durch gezielte Tests untersucht der behandelnde Logopäde, welche Bereiche der Sprache beeinträchtigt sind und vor allem, in welchem Ausmaß diese Störungen vorliegen.

In Zusammenschau mit den ärztlichen Befunden bilden die Ergebnisse der Tests die Grundlage für die Planung des individuell auf den Patienten angepassten Therapiekonzeptes.

Die logopädische Behandlung kann sich über einen langen Zeitraum erstrecken und basiert auf verschiedenen Übungen und Techniken. Wesentlicher Bestandteil sind unterschiedliche Sprach – , Atem – und Schluckübungen, sowie die Erarbeitung bestimmter motorischer Sprechtechniken. Einen besonderen Stellenwert bildet die ausführliche Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen über die vorliegende Erkrankung, die Ursachen und die möglichen Behandlungsziele.

Zudem sollte eine Anleitung zur selbstständigen Durchführung der Übungen erfolgen, damit der Therapieerfolg weiter verbessert werden kann. Wie schnell der gewünschte Behandlungserfolg erreicht wird, hängt nicht nur von der vorliegenden Störung und dem Ausmaß ab, sondern auch von der Mitarbeit der Patienten und ihrer Angehörigen und erfordert viel Geduld und Durchhaltevermögen. Insgesamt kann man jedoch sagen, dass die logopädische Behandlung in der Regel immer zu einer Verbesserung beiträgt und manchmal das Problem sogar fast vollständig beheben kann.

Wer trägt die Kosten für die Logopädie?

Ist bei einem Patienten eine logopädische Therapie notwendig, kommt immer die Frage auf, wer die Kosten für die Behandlung übernimmt. Die Verordnung für die Notwendigkeit einer logopädischen Behandlung muss zuvor von einem Hals – Nasen – Ohrenarzt, einem Neurologen, einem Kinderarzt oder einem Kieferorthopäden ausgestellt werden.

In einigen Fällen reicht auch eine Verordnung vom Hausarzt. Bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt in der Regel die gesetzliche oder private Krankenkasse die Kosten für die Therapie. Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres sind generell von Zuzahlungen befreit. Bei Erwachsenen über 18 Jahren kann eventuell eine Zuzahlung notwendig werden. Das kommt ganz auf die Krankenkasse und die Notwendigkeit der Behandlung an.

Bei Patienten, die von Zuzahlungen nicht befreit sind, fällt ein Eigenanteil in Höhe von 10 %  des Kassensatzes, sowie eine Versorgungsgebühr an. Die Therapie einer Lese – und Rechtschreibschwäche, die auch im Rahmen einer logopädischen Behandlung vorgenommen werden kann, zählt in der Regel zu den Privatleistungen und wird nicht von den Krankenkassen übernommen.

Welche Übungen kann ich selbst machen?

Eine erfolgreiche logopädische Behandlung beansprucht viel Zeit und Geduld und ist nur erfolgreich, wenn die Patienten eine große Eigeninitiative zeigen, die Übungen auch außerhalb der Übungsstunden zu Hause durchzuführen. Damit die Patienten in der Durchführung dieser Übungen auch motiviert und unterstützt werden, ist es deshalb von großer Wichtigkeit, auch die Familie oder wichtige Bezugspersonen in die Behandlung mit einzubeziehen und auch sie in der korrekten Ausführung der Übungen zu schulen.

Es gibt viele leichte und schnell durchführbare Übungen, die auch in alltäglichen Situation durchgeführt werden können und den Therapieerfolg maßgeblich verbessern können. Vor allem bei kleinen Kindern besteht die Herausforderung, diese Übungen in den Alltag einzubauen. Dies kann man gut in spielerischer Form oder auch in Form von kleinen Wettkämpfen erreichen. Durch einfach durchzuführende Lippen -, Zungen -, und Pustebewegungen können Sprach -, Sprech -, und Stimmstörungen schnell verbessert werden.

Lippenübungen stärken die Lippen – und Zungenmuskulatur, bereiten die Lautbildung vor und verbessern die Aktivität des Zwerchfells. Insgesamt dienen sie der Sprachvorbereitung. Einfache Lippenübungen sind zum Beispiel, aus einem Strohhalm zu trinken oder eine Kerze auszupusten. Die Muskulatur wird ebenfalls durch das Halten eines Stiftes mit den Lippen oder das Aufblasen eines Luftballons gefördert.

Zungenübungen stärken ebenfalls die Muskulatur und dienen der Sprachförderung. Hilfreich dafür sind zum Beispiel, die Zunge rauszustrecken und in verschiedene Richtungen zu bewegen. Man kann mit der Zunge auch an der Zahnreihe entlang gehen oder versuchen, die Zungenspitze langsam in Richtung Nase zu bewegen.  Außerdem kann man versuchen, die Zunge zu rollen oder mit der Zunge zu schnalzen.

Wenn Patienten ein Problem mit der Aussprache haben, wie zum Beispiel beim Lispeln, ist es oft hilfreich, das Summen und Zischen zu üben. Dadurch wird die Wahrnehmung trainiert, wie der Laut normalerweise klingen soll.

Vielen Patienten und besonders kleinen Kindern fällt es oftmals schwer, das B und das P voneinander zu differenzieren. Dies kann zum Beispiel durch die Verwendung eines Blattes Papier gefördert werden. Man nimmt ein Blatt Papier, hält es vor den Mund und spricht abwechselnd Wörter mit B und P, wobei sich beim P das Papier bewegt.

Auch Atemübungen wie das Anhalten von Luft oder das bewusste langsame Auspusten von wenigen Luftmengen können bei Sprach – und Sprechstörungen hilfreich sein. Zu Hause kann dies geübt werden, indem man langsam eine Kerze auspusten lässt, versucht ein Wattebällchen allein mittels Pusten fortzubewegen oder vor allem bei kleinen Kindern spielerisch Seifenblasen pusten lässt.

Bei Patienten mit Schluckstörungen kann zu Hause darauf geachtet werden, dass man langsam isst und immer nur kleine Portionen zu sich nimmt. Zudem sollte man bei jedem Schluckvorgang immer den Mund geschlossen halten. Das Schlucken kann gut mit leicht angedickten Nahrungsmitteln oder Joghurt geübt werden. Durch trockene Schluckübungen kann die Schlundmuskulatur zusätzlich gestärkt werden und den Therapieerfolg weiterhin fördern.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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