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Stottern

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch / Fachbegriff: Balbuties

Englisch: Stuttering

Definition

Stottern (Balbuties) bezeichnet eine Störung im Redefluss. Der Sprechablauf wird häufig durch Wiederholungen von Lauten und Wortsilben unterbrochen. Dabei dominiert eine Koordinationsstörung der Sprechmuskulatur.

Häufigkeit - Vorkommen in der Bevölkerung

Stottern betrifft Jungen eher als Mädchen. Das Verhältnis liegt bei 4:1.
Bei 70 Prozent der Stotterer lassen sich psychische Ursachen nachweisen.
In weniger als zehn Prozent der untersuchten Fälle konnte eine erbliche Ursache nachgewiesen werden. Bei Hirnuntersuchungen von stotternden Kindern hat man sehr oft hirnorganische Ursachen entdeckt. In einer Studie hat man sogar bei jedem Fünften eine Hirnschädigung nachweisen können.

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Formen des Stotterns

Es gibt zwei verschiedene Formen des Stotterns, die aber nicht zwangsläufig getrennt sondern durchaus gemeinsam auftreten können.

  • Tonisches Stottern

Beim Tonischen Stottern werden Silbenenden gedehnt. Der Stotternde hängt mitten in einem Wort fest („Bahn-n-nhof“)

  • Klonisches Stottern

Beim klonischen Stottern werden die ersten Buchstaben der Wörter wiederholt. Der Betroffenen schafft den Anfang eines Wortes oder eines Satzes nur durch mehrfaches wiederholen des Anfangs („B-B-B-Bahnhof“)

Begleitsymptome beim Stottern

Dem Betroffenen ist während des Stotterns seine Sprechhemmung vollkommen bewusst.
Die willkürliche Kontrolle über den Sprechablauf ist nicht vorhanden. Diese Diskrepanz schafft ein Spannungsgefühl und Unwohlsein gegenüber der Umwelt. Besonders in stressigen Situationen oder im Affekt (Gemütsstimmung) sind die Symptome des Stottern noch viel deutlicher und die Sprechhemmung ausgeprägter.
Der Körper ist beim Stotternden von daher von vornherein angespannter bis verkrampft. Sichtbar wird dies vor allem in der mimischen Muskulatur. Mitte im Wort oder am Wortanfang kann sich demnach die Gesichtmuskulatur krampfhaft anspannen. Auch der Atemfluss kommt ins Stocken und wird von einem heftigen Einatmen bis hin zum Atemanhalten während des Sprechens gestört.

Angespanntsein, Verkrampfung, Atemflussstörung und Sprechhemmung können weiterhin zu einer emotionalen Reaktion in Form von Errötung, Schwitzen und Schamgefühl führen.

Wer diagnostiziert das Stottern und wer kann beraten?

Wenn Stottern bei einem Kind auffällt, sollte nicht auf eine alleinige Verbesserung gewartet werden – dies ist in der Regel nie der Fall!
Eine früh einsetzende Therapie kann spätere Schwierigkeiten des Sprechens aufhalten oder im besten Falle beheben. Eine genaue Beratung sowie Diagnose findet bei einem Facharzt (für Kinderheilkunde / Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde) statt.
An erster Stelle ist hierbei der Kinderarzt ein Ansprechpartner. Dieser wird ggf. eine Überweisung zu einem HNO-Arzt oder einem Logopäden veranlassen.
Manche HNO-Ärzte haben die Zusatzbezeichnung „Phoniatrie und Pädaudiologie“ und sind in der Regel mit Diagnose und Therapie von Sprachstörung und Sprechstörungen vertraut.

Lesen Sie mehr zur Therapie des Stotterns unter: Logopädie

Wie sieht die Therapie des Stotterns aus?

Da insbesondere im Erwachsenenalter das Stottern äußerst schwierig zu therapieren ist, sei gleich am Anfang darauf hingewiesen, dass es viele unseriöse Heiler und Methoden gibt, die eine erfolgversprechende Therapie zu unsagbaren Preisen anbieten.
Wissenschaftlich fundierte Therapien existieren aber dennoch und werden in der Regel von der Krankenkasse unterstützt.

Logopäden, Psychologen, Kinder-Jugendpsychiater und Phoniatristen (Schwerpunkt von Hals-Nase-Ohren-Ärzten) haben sich seit Jahrzehnten Gedanken zu der Behandlung des Stotterns gemacht und folgende Ansätze entwickelt:

Atemschulung
Gerade der Atemfluss ist beim Betroffenen erheblich gestört. Atemanhalten, heftiges Ausatmen ungebremste Atemzüge erschweren den Redefluss. Übungen zum rhythmischen, entspannten Atem mit gleichzeitigen Sprechübungen können zu einer entspannteren Situation und einer besseren Sprechkontrolle führen.

Sprech- und Gesangstechnischer Ansatz
Interessanterweise tritt das Stottern beim Singen nicht auf. Diese Tatsache macht man sich therapeutisch nutzbar. Über Gesangs-, Atem- und Stimmtechniken richtet sich diese Therapie auf das Erlernen eines flüssigeren Sprechens aus.

Mentales Training
Hierbei wird in regelmäßigen Sprech- und Leseübungen versucht, zunächst die Angst und Hemmung vorm Sprechen zu nehmen. Regelmäßigkeit und das Antrainieren von Selbstsicherheit sind die Stützpfeiler dieser Therapie. Man geht hierbei von einer Überlagerung alter Sprachmuster durch das Erlernen neuen Sprechverhaltens aus.

Modifikationsansatz
Über verhaltentherapeutische Methoden soll dem Betroffenen die Annahme seiner Sprechstörung erleichtert werden. Über Situations- und Kommunikationstraining innerhalb einer Gruppe sollen Angst und Sprechhemmung genommen werden. Ziel ist eine Modifikation des Stotterns – also eine Verbesserung der Stottersymptome – und nicht eine komplette Heilung.

Weitere Methoden
Die folgenden Methoden werden teilweise unterstützend und in Kombination mit den anderen Ansätzen angewendet. Eine Therapie wird für jeden Stotterer individuell zugeschnitten und berücksichtigt immer Alter, Symptomatik, Voraussetzungen, Intelligenz etc.

Zusätzlich kommen Methoden aus folgenden Bereichen mit zum Einsatz:

Medikamente

Es gibt noch keine Medikamente gegen das Stottern selbst. Dennoch können Medikamente gegen Spannungs- und Angstzustände (Angst) gewisse Situationen erleichtern und dadurch die Symptomatik verbessern.
Den besten Rat hierzu können Kinder- und Jugendpsychiater geben. Sie haben einen großen Erfahrungsschatz in Sachen Angsttherapie und kennen das Spektrum von angstlösenden Medikamenten (Anxiolytika).

  • Wann verspürt der Stotterer Erleichterung?
  • Was sollte jede Therapie begleiten?
  • Was können Eltern und Lehrer tun?

Wenn die Bezugspersonen dem Stotterer geduldig zuhören, ihn ausreden lassen und verständnisvoll entgegentreten, führt das beim Stotterer in der Regel zu einer Freude am Sprechen und erleichtert ihm die eigene Kontrolle über seinen Redefluss.
Innerhalb der Familie sollte das Stottern gar nicht beachtet werden. Ganz im Gegenteil fördern korrigierende Eingriffe der anderen, Ungeduld und Inakzeptanz eine Stresssituation und erschweren den Redefluss des Betroffenen.
Letzteres findet vor allem in der Schule statt. Kinder erkennen schnell, dass sie ihren stotternden Mitschüler schwächen und kränken können, gerne korrigieren und ihn durch Belächeln und Ignoranz ärgern können. Eltern und Lehrer sollten sich daher nicht scheuen, die Situation in der Klasse offen anzusprechen, um an das Verständnis der Mitschüler zu appellieren!
Der Betroffene selbst spricht meist ungern über solche Hänselein und verbirgt seinen Scham geschickt vor den Erziehenden und den Eltern.
Auch hier sollten hin und wieder offene Gespräche geführt werden, um die Situation des Kindes einzuschätzen und ggf. einwirken zu können.

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Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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