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Sprachstörung bei Kindern

Definition

Unter einer Sprachstörung versteht man die Unfähigkeit, Sprachlaute richtig und flüssig zu bilden. Man muss klar zwischen einer Sprachstörung und einer Sprechstörung unterscheiden.

Eine Sprechstörung betrifft die motorische Bildung von Lauten oder Worten. Die Sprachstörung hingegen betrifft die neurologische Ebene der Sprachbildung. Das Problem liegt also in der gedanklichen Bildung der Sprache. Eine Sprachstörung bei Kindern kann die unterschiedlichsten Ausprägungen und Gründe haben. Etwa acht Prozent der Vorschulkinder in Deutschland haben eine Sprachstörung. Das Problem ist also häufig.

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Was ist eine expressive Sprachstörung?

Eine expressive Sprachstörung bezeichnet ein Problem bei dem Bilden von Sprachlauten. Wie der Name schon sagt, ist die Sprachstörung rein expressiv, es geht also um das sprachliche Ausdrücken. Personen mit einer expressiven Sprachstörung haben häufig Probleme dabei, die richtigen Worte zu finden und zu verwenden.

Außerdem ist der Aufbau von grammatikalisch richtigen Sätzen erschwert. Die gebildeten Sätze sind oft sehr kurz und von grammatikalischen Fehlern durchzogen. Man kann auch sagen, dass der Wortschatz an aktiven Wörtern stark verringert ist. Das Verständnis von Sprache stellt in der Regel jedoch kein Problem dar. Hierbei ist das Sprachverständnis der Betroffenen mit dem Sprachverständnis von Gesunden vergleichbar.

Eine expressive Sprachstörung beginnt meistens schon in der Kindheit. Häufig ist schon im zweiten Lebensjahr die Bildung von Worten oder Lauten, die Worten ähneln, nicht möglich. Die Ursache der expressiven Sprachstörung ist noch nicht ausreichend erforscht. Man vermutet, dass sowohl genetische (vererbbare) Faktoren als auch neurologische (das Hirn betreffende) Faktoren eine Rolle spielen.

Poltern als eine Form der Sprachstörung

Das Poltern ist eine Sprechstörung. Sie zeichnet sich durch die Störung des Redeflusses aus. Hierbei werden oftmals Wortlaute miteinander verschmolzen oder ausgelassen. Es ist auch typisch, dass Laute ersetzt oder so verändert werden, dass sie teilweise nicht zu verstehen sind. Auch der Rhythmus der Sprache kann gestört sein. Die Sprache wird häufig als ruckartig und zu schnell empfunden.

Auf der anderen Seite findet man bei polternden Personen eine hohe Dichte an Füllwörtern (z.B. „ähm“), welche den Satz sehr unflüssig machen. Anzumerken ist, dass die Probleme den Betroffenen häufig nicht wirklich bewusst sind. Die polternden Personen haben Schwierigkeiten damit, die Sprachfehler zu erkennen.

Stottern als eine Form der Sprachstörung

Das Stottern ist ein sehr bekanntes Störungsbild des Sprachflusses. Beim Stottern werden Sätze häufig unterbrochen und bestimmte Laute wiederholt (Beispiel: w-w-was?).

Es wirkt so, als würde die betroffene Person an einer Stelle hängen bleiben. Auch das „pressen“ von gewissen Buchstaben ist typisch für das Stottern. Die Ursachen des Stotterns sind in zwei Gruppen einzuteilen. Zum einen gibt es psychische Gründe, welche zum Stottern führen. Auf der anderen Seite verstärkt das Stottern Nervosität und Angst. Bei Kindern kommt es jedoch häufig zum Stottern, ohne dass ein erkennbarer Grund vorliegt.

Das Stottern ist sogar ein häufig durchlaufener Schritt, welcher in der Kindheit auftritt. Zwischen zwei und fünf Jahren tritt oft das Phänomen auf, dass die Kinder nach einem Wort suchen und solange ein Wort wiederholen. In der Regel verschwindet dieses Stottern jedoch wieder mit dem Sprachfortschritt der Kinder.

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Dyslalie als eine Form der Sprachstörung

Der Begriff der Dyslalie wurde früher häufig für eine Artikulationsstörung benutzt. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für verschiedene Störungen.

Die Störungen betreffen stets die Aussprache von Wörtern oder Lauten. Eine sehr bekannte Form der Artikulationsstörung bzw. Dyslalie ist das Lispeln. Hierbei werden S-Laute nicht richtig gebildet und es entsteht ein Zischen.

Man sagt, dass ein Kind bis zum sechsten Geburtstag alle Sprachlaute richtig aussprechen können sollte. Bis zu diesem Alter sind Fehler in der Aussprache normal und gehören zu einer Sprachentwicklung dazu. Kommt es jedoch nach dem sechsten Geburtstag zu fehlerhafter Aussprache, kann man von einer Artikulationsstörung sprechen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen kann eine schwache oder unzureichend koordinierte Muskulatur des Mundes der Grund sein. Auch eine Hörstörung oder ein fehlendes Unterscheiden für ähnliche Laute können ursächlich für die Artikulationsstörung sein.

Ein Hörtest beim Arzt sollte eine Hörstörung ausschließen. Die korrekte Aussprache kann von einem Logopäden gefördert werden. Hier werden beispielsweise Übungen für die Stärkung der Mundmotorik eingesetzt.

Lispeln als eine Form der Sprachstörung

Das Lispeln ist eine Form der Dyslalie. Beim Lispeln werden die Zischlaute nicht richtig gebildet. Die Zischlaute sind s, sch und ch.

Am häufigsten ist jedoch der Laut s betroffen. Normalerweise wird der S-Laut mit der Zunge an den Zähnen gebildet. Es ist jedoch wichtig, dass die Zunge hier an der Unterseite der unteren Zahnreihe liegt.

Das Problem beim Lispeln ist, dass die Zunge zu hoch um Mund liegt oder zwischen die Zähne rutscht. Der entstandene Laut gleicht dann dem englischen „th“. Die Zischlaute sind sehr schwierige Laute, weswegen Kinder lange brauchen, um diese zu erlernen.

Ursachen von Sprachstörungen

Die Ursachen von Sprachstörungen können sehr verschieden sein. Zum einen kommt es vermehrt vor, dass bei Kindern mit einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung die Sprachentwicklung ebenfalls verzögert ist. Beispielsweise bei geistigen Behinderungen kann es zu einer Sprachstörung kommen. Ursachen hierfür können z.B. Schäden während oder nach der Geburt sein.

Auch eine psychische Ursache kann in Frage kommen. Langen Krankenhausaufhalten und deren Folgen (Hospitalismus) oder schlechten sozialen Bedingungen wird häufig ein negativer Einfluss auf die Sprachentwicklung nachgesagt. Autisten neigen teilweise auch zu einer Verzögerung in der Sprachentwicklung.

Insbesondere der Kanner-Typ ist häufig davon betroffen. Die Sprechstörungen, bei denen nur die Aussprache gestört ist, haben häufig muskuläre (motorische) Ursachen. Beispielweise ist die Zungen- und Mundbodenmuskulatur oft nicht ausreichend ausgeprägt, weswegen bestimmte Laute nicht korrekt gebildet werden können.

Auch eine Hörstörung sollte immer überprüft werden. Liegt die Hörstörung vor, dann lag die Sprechstörung an der unzureichenden Wahrnehmung der Laute. Dadurch ist auch das richtige Nachsprechen erschwert. Auch Fehlbildungen im Bereich der Zähne oder des Kiefers sollten überprüft werden.

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Stress als Ursache für eine Sprachstörung

Auch bei Kindern ohne Sprachstörungen kann es unter Stress zu Fehlern oder einem stockenden Sprachfluss kommen. Das ist normal und kann meistens durch das Entschärfen von Stresssituationen verringert werden. Es ist wichtig, dem Kind Ruhe und Vertrauen entgegenzubringen um den Stress zu reduzieren.

Ebenso kann eine Sprachstörung jedoch zu Stress führen. Insbesondere wenn das Kind von Gleichaltrigen gehänselt wird oder für die fehlerhafte Sprache von den Eltern oder Erziehern getadelt wird. Hier ist es ratsam, die richtige Aussprache zu loben aber Fehler nicht zu kritisieren. Im schlimmsten Fall wird das Kind sonst darauf konditioniert, immer weniger zu sprechen.

Diagnose einer Sprachstörung

Oftmals fällt den Eltern schon im frühen Kindesalter auf, dass etwas nicht stimmt. Hier wird häufig schon im Alter von sechs bis zwölf Monaten auffällig, dass die Kinder entweder verstummen oder Konzentrationsprobleme haben.

Auch motorische Fehler oder nicht vorhandener Blickkontakt können die ersten Anzeichen einer Sprachentwicklungsstörung sein. Die wirkliche Diagnose ist jedoch erschwert, weil die Sprachentwicklung sehr individuell ist.

Es ist normal, wenn ein Kind schneller Sprechen lernt als ein Altersgenosse. Die Diagnose einer Sprachstörung versucht man mithilfe von bestimmten Tests zu stellen. Diese werden spielerisch durchlaufen. Es müssen beispielsweise Bilder beschrieben werden oder gesprochene Anweisungen ausgeführt werden. In der Regel können Kinderärzte oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte gut diagnostizieren, ob eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt.

Begleitende Symptome bei einer Sprachstörung

Die begleitenden Symptome sind vor allem psychischer Natur. Oftmals werden diese Symptome sogar als belastender empfunden als die Sprachstörung selbst. Zu den begleitenden Symptomen zählt beispielsweise ein vermindertes Selbstwertgefühl. Die Kinder sehen sich im Vergleich zu ihren Freunden und Altersgenossen und kriegen mit, dass ihre Sprache nicht „normal“ ist.

Das kann Selbstzweifel und eine Abwertung der eigenen Person zur Folge haben. Zusätzlich tritt häufig eine Angst vor dem Sprechen auf. Auch Situationen, wo gesprochen werden könnte, werden vermieden. Das liegt an den negativen Erfahrungen, welches das Kind mit dem Sprechen gemacht hat. Wurde sich über die Sprache des Kindes lustig gemacht oder das Kind dafür kritisiert, ist ein vermeidendes und ängstliches Verhalten typisch.

Während des Sprechens kann es zu einigen körperlichen Symptomen kommen, welche in Zusammenhang mit Stress stehen. Beispielsweise eine körperliche Anspannung, vermehrtes Blinzeln, Zittern oder Erröten können häufig auftreten.

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Therapie der Sprachstörung bei Kindern

Die Behandlung von Sprachstörungen bei Kindern sollte möglichst früh begonnen werden. Fällt schon in der frühen Kindheit auf, dass das Kind eine Störung in der Sprachentwicklung aufweist, sollte ein Spezialist aufgesucht werden. Dieser kann in einer gründlichen Untersuchung die Probleme feststellen und anschließend zielgerichtet therapieren. Liegt die Sprachstörung an einer Hörstörung, kann diese häufig von einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt untersucht und beseitigt werden. Es ist jedoch notwendig, auf eine Hörstörung zu untersuchen, da das Kind diese nicht selbst mitteilen kann.

Hat die Sprachstörung eine psychische Ursache kann es helfen, dem Kind die Angst abzugewöhnen. Durch das Schaffen einer beruhigenden Umgebung und das wiederholte Sprechen ohne negatives Feedback wird dafür gesorgt, dass das Kind die antrainierte Angst „verlernt“.

Hat die Sprachstörung motorische Gründe, kann durch gezielte Übungen die Muskulatur verstärkt werden. Ein Logopäde kann hierbei helfen. Auch Wortschatz und Sprachfluss werden vom Logopäden auf eine spielerische Art gefördert.

Fehlbildungen in der Zahn- und Kieferarchitektur müssen eventuell von einem Zahnarzt oder Kieferchirurgen behoben werden. Insgesamt es es auch hilfreich, langsam mit dem Kind zu reden und deutlich zu sprechen.

Das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern und Benennen von Objekten fördert ebenfalls die Sprachentwicklung des Kindes.

Lesen Sie mehr zur Therapie unter: Logopädie

Die Dauer von Sprachstörungen ist schwer zu pauschalisieren. Gewisse Sprachstörungen sind in der Kindheit in der Phase des Spracherlernens normal. Diese Störungen verschwinden in der Regel auch bis zum sechsten Lebensjahr. Falls die Sprachstörung länger auftritt und das Kind in Behandlung bei einem Logopäden ist, kann die Sprachstörung behoben werden.

In welchem Zeitraum das geschieht, hängt sehr stark von der Art der Sprachstörung und dem Fortschritt des Kindes ab. Eine Sprachstörung kann jedoch teilweise über Jahre hinweg behandelt werden, bis die Sprachbildung korrekt ist.

Hat die Sprachstörung die Ursache beim Hören, kann häufig mit der Therapie des Hörapparats die Sprachstörung innerhalb kurzer Zeit behoben werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sprachstörungen bei Kindern gut therapierbar sind und oftmals von alleine oder durch ein entspanntes Umfeld verschwinden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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