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Lungenhochdruck - Wie gefährlich ist er?

Einleitung: Was ist ein Lungenhochdruck?

Wenn man von einem Lungenhochdruck spricht, ist eigentlich ein hoher Blutdruck gemeint, der nur in der Lunge vorkommt.
Dabei kommt es ähnlich wie beim normalen Bluthochdruck (wobei der Blutdruck im gesamte Körperkreislauf erhöht ist) aufgrund vieler Ursachen zu einer Veränderung des Blutdrucks. Dies hat Auswirkungen auf die Atmung und beeinflusst außerdem das Herz – insbesondere die rechte Herzhälfte – negativ.

Insgesamt handelt es sich beim Lungenhochdruck um eine seltene Erkrankung.

Was sind die Ursachen eines Lungenhochdrucks?

Die Ursachen für einen Lungenhochdruck sind vielfältig.
Wie häufig die jeweiligen Ursachen vorkommen, ist dabei vor allem vom Alter der betroffenen Person abhängig.

Im höheren Alter liegt die Ursache des Lungenhochdrucks meist in einer Schwäche der linken Herzhälfte.
Dadurch kann das Herz das Blut nicht mehr gut in den Körper pumpen, wodurch es sich in die Lunge zurückstaut.
So entsteht dort quasi ein Blutstau, der einen hohen Blutdruck in der Lunge hervorruft.

Auch viele Erkrankungen des Lungengewebes wie beispielsweise eine COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) können einen Lungenhochdruck hervorrufen.
Durch Veränderungen des Gewebes werden auch die Gefäße in der Lunge beeinflusst, wodurch sich ein Lungenhochdruck entwickeln kann.

Bei jüngeren Menschen hat der Lungenhochdruck oftmals eine genetische Komponente.
So kann die Veranlagung dafür vererbt werden.
Schuld sind dabei verschiedene Mutationen in bestimmten Genen, die den Widerstand in den Gefäßen der Lunge regulieren.
Durch eine Fehlregulation aufgrund einer Mutation kann es zu einem erhöhten Blutdruck in der Lunge kommen.

Personen, die mit einem Herzfehler zur Welt kommen, erkranken ebenfalls häufiger an Lungenhochdruck.
Schuld sind die veränderten Strömungsverhältnisse des Blutes, wodurch es zur Überbelastung sowohl der linken als auch der rechten Herzhälfte kommen kann.
So staut sich das Blut in der Lunge und es kommt zum Lungenhochdruck.
Auch kleine Blutgerinnsel, die sich in den Lungengefäßen festsetzen, können einen Lungenhochdruck hervorrufen.

So behandelt man einen Lungenhochdruck

Die Behandlung des Lungenhochdrucks ist zunächst davon abhängig, ob es eine zugrundeliegende Erkrankung gibt, die therapiert werden kann.
Ist beispielsweise eine Herzschwäche oder eine Erkrankung des Lungengewebes der Auslöser des Lungenhochdrucks, sollten diese Krankheiten zunächst behandelt werden, bevor eine spezielle Therapie eingeleitet werden muss.
Die medikamentöse Behandlung des Lungenhochdrucks besteht aus einer Kombination von Medikamenten, die die Blutgefäße in der Lunge erweitern und kleine Entzündungen in der Lunge verringern.
Zusätzlich können Wassertabletten eingesetzt werden, die die Wassereinlagerungen minimieren sollen.

Auch eine Sauerstofftherapie kann zum Einsatz kommen, wenn die Sauerstoffsättigung bei Betroffenen unter 90% sinkt.
Häufig ist der Lungenhochdruck mit einem Eisenmangel assoziiert, sodass eine Eiseninfusion helfen kann.

Des Weiteren gibt es spezielle Sport-Rehabilitationsprogramme, die die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern sollen.
Zusätzlich sollten betroffene Raucher mit dem Rauchen aufhören, auch eine Gewichtsreduktion bei Übergewichtigen kann die Beschwerden verbessern.

Als einzige kurative (heilende) Therapie kommen Operationen zum Einsatz.
Sind kleine Blutgerinnsel die Ursache des Lungenhochdrucks, können diese herausoperiert werden.
Bei der erblichen oder der idiopathischen Form ist oftmals eine Herz-Lungen-Transplantation die einzige Heilungschance.

Diese Medikamente werden eingesetzt

Spezielle Medikamente gegen den Lungenhochdruck zeichnen sich durch ihre gefäßerweiternde Wirkung aus.
Liegt ein positiver Vasoreaktivitätstest vor, so reduziert sich der Lungenhochdruck bei der Gabe von Stickstoffmonoxid (NO) besonders stark.
Denn beim Vasoreaktivitätstest testet man, ob Stickstoffmonoxid- zur Erweiterung der Blutgefäße- zum Erfolg führt.
In diesem Fall können Calciumkanalblocker wie Amiodaron eingesetzt werden.

Andere Medikamente wirken direkt auf die Gefäßwände wie beispielsweise die Endothelin Rezeptor Antagonisten (Ambrisentan, Bosentan, Macitentan).
PDE-5-Hemmer wie Sildenafil sowie der Medikament Riociguat wirken gefäßerweiternd, indem sie in den Stoffwechsel des Stickstoffmonoxids eingreifen.

So lautet die Prognose von Lungenhochdruck

Beim Lungenhochdruck handelt es sich um eine Erkrankung, die nur in wenigen Fällen heilbar ist.
Die meisten Betroffenen behalten die Erkrankung daher ihr ganzes Leben lang.

Die einzige Heilungschance besteht bei dem Lungenhochdruck, der durch Blutgerinnsel ausgelöst wird.
Diese können in einer 8 bis 10 Stunden andauernden Operation herausgeschält werden, sodass danach kein Lungenhochdruck mehr nachweisbar ist.
Bei den anderen Formen des Lungenhochdrucks ist die Prognose in der Regel von der zugrundeliegenden Erkrankung (oftmals Herzerkrankung, auch Lungengewebserkrankung) abhängig.

Wie die Lebenserwartung bei einer koronaren Herzkrankheit ausschaut, können Sie in unserem Artikel lesen: Lebenserwartung bei koronarer Herzkrankheit

Welche Werte sind normal, welche krankhaft?

Beim Lungenhochdruck können viele verschiedene Werte gemessen werden.
Im Herzkatheter kommt es vor allem auf den Druck im Lungenkreislauf an.
Liegt dieser im Durchschnitt über 25mmHg, spricht man von einem Lungenhochdruck.

Auch die Sauerstoffsättigung im Blut spielt eine Rolle.
Normalerweise liegt sie bei über 95%.
Unter 90% liegt auf jeden Fall eine Störung der Oxygenierung (Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff) vor, die auf einen Lungenhochdruck hinweisen kann.

Um Schädigungen am Herzen zu erkennen, wird der NT-proBNP Wert im Blut gemessen.
Dabei handelt es sich um Peptidhormone, die bei einer erhöhten Dehnung der linken Herzkammer freigesetzt werden.
Der NT-proBNP Wert liegt bei Gesunden unter 100pg/ml und kann bei Erkrankten schnell deutlich über 1.000pg/ml, nicht selten sogar über 10.000pg/ml liegen.

Der Wert der Sauerstoffsättigung bei Erkrankten

Die Sauerstoffsättigung gibt Aufschluss darüber, wie gut das Blut mit Sauerstoff angereichert ist.
Bei Gesunden liegt dieser Wert über 95%.
Bei Personen, die an Lungenhochdruck leiden, kann der Wert in Ruhe ebenfalls bei über 95% liegen, oftmals sinkt er jedoch bei Belastungstests, wie beispielsweise dem 6-Minuten-Gehtest unter 90%.
Ist die Sauerstoffsättigung bereits in Ruhe häufig unter 90%, muss eine Langzeit-Sauerstofftherapie in Betracht gezogen werden.

An diesen Symptomen erkennt man einen Lungenhochdruck

Die Symptome des Lungenhochdrucks sind vielfältig und äußerst unspezifisch, weshalb die Erkrankung oftmals erst sehr spät erkannt wird.
Meist sind die ersten Anzeichen eine verringerte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit.
Dies fällt besonders bei körperlicher Anstrengung wie Sport oder Treppen steigen auf.
Aber auch das Tragen von schwereren Lasten ist für betroffene Personen oftmals schwierig.
Zudem kommt es häufig zu einer vermehrten Müdigkeit.

In fortgeschrittenen Krankheitsstadien kommt es zu Atemnot bei geringer körperlicher Anstrengung oder sogar bereits in Ruhe.
Zudem wird durch den erhöhten Blutdruck in der Lunge das Herz geschädigt, weshalb es zu einem Rückstau des Blutes in den Körper kommt.
Dadurch wird Wasser beispielsweise an den Knöcheln und den Unterschenkeln eingelagert.

Auch Kreislaufstörungen wie Schwindel und Ohnmachtsanfälle können durch die Herzschädigung ausgelöst werden.
Durch die verminderte Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff ins Blut zu transportieren, kann es auch zu einer sogenannten Zyanose kommen.
Dabei handelt es sich um eine Unterversorgung von Gewebe mit Sauerstoff, wodurch beispielsweise die Lippen oder die Finger sich bläulich verfärben können.

Krankheitsverlauf und Folgen von einem Lungenhochdruck

Zu Beginn der Erkrankung besteht meist ein leicht erhöhter Blutdruck im Lungenkreislauf.
Aufgrund dieses erhöhten Blutdrucks muss die rechte Herzhälfte eine größere Pumpleistung erbringen.
Meist wird dadurch zunächst die Herzmuskulatur trainiert, sie verdickt sich und wird stärker.
Der Effekt ist vergleichbar mit einem Muskel, der durch Krafttraining trainiert wird.

Im Laufe der Zeit verstärkt sich jedoch der Lungenhochdruck, sodass das Herz eine immer größere Leistung erbringen muss.
Ab einem gewissen Punkt kann selbst die trainierte Herzmuskulatur die nötige Kraft nicht mehr aufbringen, das Blut kann nicht mehr vollständig aus dem Herzen in die Lunge befördert werden.
Die Folge ist ein Blutstau in der rechten Herzhälfte, die rechte Herzkammer und der rechte Vorhof vergrößern sich.
Durch die Veränderung der Herzstruktur kommt es zu Herzrhythmusstörungen.
Außerdem staut sich das Blut in den Körper zurück, wodurch es vermehrt zu Wassereinlagerungen kommt.

Während Beschwerden wie Atemnot und Schwindel zu Beginn nur bei starker körperlicher Belastung auftreten, werden sie mit der Zeit immer häufiger.
Das Herz ist aufgrund seiner erhöhten Beanspruchung nämlich immer weniger in der Lage, die bei körperlicher Aktivität zusätzlich benötigte Pumpleistung aufzubringen.

Welchen Sport darf man mit Lungenhochdruck machen?

Bei Lungenhochdruck sind insbesondere Ausdauersportarten empfohlen.

Dazu gehören beispielsweise das Radfahren und das Joggen.
Auch Nordic Walking und regelmäßiges Spazieren sind geeignete Sportarten.
Ob jemand mit Lungenhochdruck schwimmen sollte, ist von der Schwere der Erkrankung abhängig, da im Wasser zusätzlich von außen Druck auf den Brustkorb ausgelöst wird.

Sportarten, bei denen es kurzzeitig zu großen Anstrengungen kommt, sind eher ungeeignet.
Auf Kraftsportarten wie Gewichtheben sollte daher eher verzichtet werden.

Näheres darüber, welche Auswirkungen Sport im Allgemeinen auf einen Bluthochdruck haben kann, finden Sie in unserem Artikel: Bluthochdruck und Sport - Was ist zu beachten?

So sieht das Endstadium von Lungenhochdruck aus

Das Endstadium des Lungenhochdruck ist vor allem durch eine Rechtsherzinsuffizienz, also eine Schwäche der rechten Herzhälfte gekennzeichnet.
Die rechte Herzhälfte muss bei der Erkrankung dauerhaft gegen den hohen Blutdruck in der Lunge anpumpen.
Kann das Herz den notwendigen Druck jedoch nicht mehr aufbringen, vergrößern sich die rechte Herzkammer und der rechte Vorhof im Herzen.

Es kommt zu Herzrhythmusstörungen, die häufig Ohnmachtsanfälle und Schwindel auslösen.
Durch den Stau des Blutes im rechten Herzen kommt es verstärkt zu Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen.

Außerdem macht sich die Luftnot bereits bei geringster körperlicher Anstrengung oder in Ruhe bemerkbar.

Wie Wassereinlagerungen in den Beinen, sogenannte Ödeme, am besten therapiert werden, lesen Sie im folgenden Artikel: Das ist zu tun bei Wasser in den Beinen

Wie hoch ist die Lebenserwartung bei einem Lungenhochdruck?

Die Lebenserwartung mit einem Lungenhochdruck ist stark davon abhängig, welche Erkrankung dem erhöhten Blutdruck zugrunde liegt.

Ist die auslösende Erkrankung gut behandelbar (wie beispielsweise bei dem Lungenhochdruck, der durch viele kleine Blutgerinnsel ausgelöst wird), ist die Lebenserwartung sehr gut.
Auch Betroffene mit Lungenhochdruck aufgrund einer angeborenen Herzerkrankung oder einer erworbenen Schwäche des linken Herzens überleben meist lang.

Handelt es sich jedoch um die erbliche oder die idiopathische Form des Lungenhochdrucks, ist die Lebenserwartung bei Diagnosezeitpunkt sehr begrenzt.
Man geht von nur etwa 70-80% Überlebensrate innerhalb von 3 Jahren aus.

Was beeinflusst die Lebenserwartung?

Die Lebenserwartung wird vor allem dadurch beeinflusst, wie stark das Herz durch den Lungenhochdruck geschädigt wird.
Meist kommt die rechte Herzhälfte für eine lange Zeit gegen den hohen Blutdruck an.
Irgendwann dekompensiert das Herz jedoch, dann ist es nicht mehr in der Lage gegen den hohen Druck zu pumpen, es kommt innerhalb kürzester Zeit zu einem massiven Rückstau des Blutes in den Körperkreislauf.
Damit einher gehen oftmals schwere Herz-Rhythmus-Störungen, die zu einem plötzlichen Versterben führen können.

Die Therapie einer solchen akuten Rechtsherzverschlechterung besteht aus einer starken diuretischen Behandlung, bei der mittels starken Wassertabletten oder Infusionen viel Flüssigkeit aus dem Kreislauf ausgeschieden wird.

Wie diagnostiziert der Arzt einen zu hohen Druck in der Lunge?

Die Diagnose des Lungenhochdrucks erfolgt meist sehr spät, also wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist.
Der Grund dafür ist die Seltenheit der Erkrankung, weshalb betroffene Personen oftmals erst nach einigen Monaten bis Jahren auf die Krankheit getestet werden.
Bei entsprechenden Symptomen wird meist zunächst ein Ultraschall des Herzens durchgeführt.
Dabei kann eine Vergrößerung der rechten Herzhälfte sowie eine Veränderung der Strömungsverhältnisse des Blutes auffallen.

Die endgültige Diagnostik erfolgt über einen Herzkatheter.
Dabei wird ein Draht meist vom Hals aus bis ins Herz geschoben.
Dort kann der Blutdruck gemessen werden und so ein erhöhter Druck im Lungenkreislauf festgestellt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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