Bluthochdruck und Sport

Einleitung

Grundsätzlich kann man sagen, dass Sport in Form von Ausdauertraining auf Dauer zu einer Verringerung des Bluthochdrucks führt. Um die Effekte von Sport auf das Herz und somit auch auf den Blutdruck besser beschreiben zu können, hier ein Beispiel.

Durch ein Ausdauertraining, welches ca. 30 Minuten dauert und dreimal wöchentlich durchgeführt wird, kann der Bluthochdruck um 10-20 mmHg reduziert werden. Zusätzlich sinkt der Puls um 20% und der Auswurf des Herzens vergrößert sich. Außerdem sinkt der Ruheblutdruck um ca. 10mmHg.

Damit das Training einen Effekt hat, muss jedoch mindestens 20-30 Minuten trainiert werden. Dabei kann das Training in 10 minütige Phasen eingeteilt werden.

Es ist darauf zu achten, dass die Intensität zu Beginn langsam gesteigert wird . Wichtig ist auch den Puls dabei im Auge zu behalten. Dieser darf nicht zu hoch sein, da es sonst zu einer zu starken Herzbelastung kommt. Am besten man schreibt mit Hilfe seines Arztes/seiner Ärztin einen geeigneten Trainingsplan. Der Arzt kann durch ergometrische Untersuchungen genau den Leistungsgrad feststellen. Diese ergometrischen Untersuchungen können mithilfe eines Laufbandes oder eines Fahrradergometers durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass der Arzt Vorschädigungen, Herzrhythmusstörungen oder eine koronare Herzkrankheit (KHK) am Herz mit Hilfe von Belastungs- und Ruhe-EKGs beurteilen kann.

Gefahren beim Sport

Die Frage ob Sport bei Bluthochdruck nützlich oder gefährlich ist entscheidet zunächst einmal die Ausprägung des Bluthochdrucks. Grundsätzlich empfiehlt man bei leichtem oder moderatem Bluthochdruck Sport, bei hohem Bluthochdruck jedoch nicht, wenn dieser unter Medikation immer noch zu hoch ist.

Als leichten und moderaten Bluthochdruck würde man Blutdruckwerte von <160mmHg systolisch und <100 mmHg diastolisch bezeichnen. Als hohen Bluthochdruck würde man Werte über 160 mmHg systolisch und über 100 mmHg diastolisch bezeichnen. Bei zu hohem Blutdruck kann der Bluthochdruck aber medikamentös eingestellt werden, damit nun auch Sport betrieben werden kann. So können auch Patienten/innen mit sehr hohem Blutdruck sportlich aktiv werden.

Allerdings kann man in allen Schweregraden die körperliche Aktivität etwas steigern, beispielsweise durch Walken oder Wandern.

Betroffene mit leichtem oder moderatem Bluthochdruck sollten am besten Ausdauertraining bevorzugen. Dazu zählen Joggen, Walken, Fahrradfahren, Rudern, Skilanglauf, Schwimmen oder Wandern. Ungünstig sind dagegen Sportarten mit großem Kraftaufwand, wie Gewichte heben, Expandertraining, Kampfsportarten, Ringen, Boxen, Tauchen, Klettern oder Bodybuilding. Ebenfalls ungeeignet ist Sport, wo abrupt Belastungen auf den Körper einwirken . Dazu zählen Sportarten wie Tennis oder Kraftsport.


Übergewicht

Sport in Form von Ausdauertraining hat auch bei Übergewicht auf Dauer einen positiven Effekt auf den Blutdruck, denn er sinkt auch hier durch das Training. Positiv sieht es auch mit den Cholesterin- Werten bei Übergewicht und Sport aus. Dabei muss man beachten, dass es zwei Formen von Cholesterin gibt. Zum einen das HDL-Cholesterin, dieses ist dafür zuständig das Cholesterin aus dem Körper abzutransportieren und sorgt so in unseren Blutgefäßen für ein geringeres Risiko an Arteriosklerose zu erkranken („Gefäßverkalkung“). Die Arteriosklerose bezeichnet eine Ablagerung in den Gefäßwänden. Das „gute“ HDL-Cholesterin wird durch sportliche Aktivität erhöht und ist somit nützlich bei Übergewicht. Daneben gibt es das LDL- Cholesterin, welches das Cholesterin in den Körper schleust und somit Arteriosklerose begünstigt. Durch Sport kommt es zur Reduktion des LDL Cholesterins.

Weitere positive Effekte von Sport bei Übergewicht liegen in einer Verringerung der Herzfrequenz und in der Erhöhung des Schlagvolumens des Herzens. Dies steigert langfristig die Herzleistung. Daneben wird eine bessere Insulinwirkung und weniger hohe Fettwerte in Form vom Triglyceriden beobachtet. Außerdem wird von einem anaeroben Stoffwechsel, bei welchem Laktat als Säure entsteht, dauerhaft auf einen aeroben Stoffwechsel umgestellt.

Betablocker

Bei Betablockern ist zunächst einmal darauf zu achten, dass der Patient/die Patientin keine Leistungseinbusen durch den Betablocker erleidet. Es kann nämlich vorkommen, dass durch den Betablocker der Puls und vor allem der systolische Blutdruck so niedrig eingestellt sind, dass das Herz dadurch nicht genügend Leistung erbringen kann. Wichtig ist insbesondere, dass die maximale Herzfrequenz gesenkt wird, die aber bei körperlicher Anstrengung als zusätzliche Herzleistung benötigt wird. Dies hat zur Folge, dass der Betroffene weniger Leistung erbringen kann. Kreislaufprobleme sind ebenfalls möglich. Daher sollte der Patient/die Patientin mit angepasstem Training sein Wohlbefinden unter Belastung von einem Arzt beobachten lassen . Zu befürchten sind bei nicht gut eingestelltem Betablocker oder herzfrequenzmindernden Medikamenten eine Bradykardie. Eine Bradykardie bezeichnet eine Herzfrequenz unter 50 Herzschlägen pro Minute. Durch die Bradykardie kann es zu einer Minderdurchblutung von Organen kommen. Durch Minderdurchblutung des Gehirns führt eventuell zu einer Bewusstlosigkeit . Zusätzlich stören Betablocker die Zucker- und Fettverwertung.

Alternativ zu Betablockern kann man erwägen andere Medikamente einzusetzen, wie zum Beispiel ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptor-Antagonisten, Kalziumantagonisten. Diese Medikamente haben keinen so großen Effekt auf die Leistungsfähigkeit des Herzens, wie die Betablocker und zeigen auch weniger Einfluss auf Zucker- und Fettverwertung.

Puls

Grundsätzlich wirkt sich Sport positiv auf den Puls aus, da er auf lange Frist gesenkt wird und dies ist förderlich für das Herz . Um das Herz auch beim Sport zu schonen und nicht zu stark zu belasten, ist darauf zu achten, dass der Trainingspuls nicht zu hoch ansteigt.

Grob kann man sagen, dass der Puls bei Training nie über 180 liegen sollte.

Als Faustregel kann man den Trainingspuls folgendermaßen berechnen:

180 – Lebensalter = optimaler Trainingspuls. Sollte man zusätzlich pulsverlangsamende Medikamente einsetzen, wie z.B. einen Betablocker, muss der Trainingspuls anders berechnet werden. Im Falle der Behandlung mit einem Betablocker sollte ein Puls angestrebt werden, der um 10-20% niedriger ist.

Zudem sollte auch beim Schwimmtraining der Puls um ca. 10-15 Schläge niedriger sein als der errechnete Trainingspuls bei anderen Sportarten.

Ursache und Erfolge

Die Erfolge durch den Ausdauersport, bezüglich des Bluthochdrucks, sind nach 10-12 Wochen zu erwarten. Dabei gilt, umso stärker ausgeprägt der Bluthochdruck vorher war, umso besser der Erfolg. Außerdem ist der Effekt zu Beginn am höchsten. Über Jahre gesehen sinkt der Blutdruck trotzdem noch leicht. Der Effekt der Blutdrucksenkung bei Sport wird durch eine geringere Ausschüttung von Stresshormonen erreicht. Diese Hormone werden auch Katecholamine genannt. Zu ihnen zählen Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone werden von unserem autonomen Nervensystem reguliert, in diesem Fall dem Sympathikus. Die Senkung dieser Stresshormone sorgt nun dafür, dass die Gefäße sich erweitern. Die Gefäßinnenwinde (Endothel) haben nämlich Rezeptoren. Wenn also weniger Stresshormone an diesen Rezeptoren andocken, kommt es zu einer Gefäßerweiterung. Diese Gefäßerweiterung wird durch einen Anstieg durch Stickstoffmonooxid erreicht und sorgt für die eigentliche Blutdrucksenkung.

Kopfschmerzen

Die Kopfschmerzen bei Bluthochdruck kommen insbesondere in den Morgenstunden vor. Lokalisiert sind sie meist am Hinterkopf. Durch die Kopfschmerzen kann es zu Schlafstörungen kommen. Ursache der Schmerzen bei Bluthochdruck ist der erhöhte Druck in den Gefäßen, der auch zu einer Druckerhöhung in der Umgebung führt und somit auf den nervenversorgendenden Teil des Kopfes, die HirnhautHirnhäute drückt. Kopfschmerzen können Beginn oder Begleitsymptom einer hypertensiven Krise sein. Bei einer hypertensiven Krise handelt es sich um einen massiv erhöhten Blutdruck, der symptomatisch wird. Hierbei beschreiben die Patienten oft sehr starke Kopfschmerzen und haben meist auch noch weitere Symptome.

Es stellte sich nun heraus, dass bei leichtem moderatenm Bluthochdruck keine Kopfschmerzen ausgelöst werden. Allerdings wird noch erforscht, ob sich daraus nicht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Kopfschmerzen ergibt.

Weitere Symptome

Symptome bei Bluthochdruck können sehr unterschiedlich sein. Sie sollten jedoch auch beim Sport aufmerksam Ihren Körper beobachten, damit der Sport sich nicht kontraproduktiv auswirkt und um Blutdruckspitzen nicht zu übersehen. Ein schlecht eingestellter Blutdruck kann sich sehr unauffällig äußern und zu Anfang unbemerkt bleiben. Daher ist es wichtig rechtzeitig mögliche Symptome zu erkennen, denn es kann zu Langzeitschäden durch den Bluthochdruck kommen. Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck kann zu Schäden von Herz, Gefäßen, Augen, Nieren und Gehirn führen.

Zu Anfang können aber auch keine Symptome vorliegen und die Erkrankung bleibt jahrelang unerkannt. Daher lohnt es sich regelmäßige Körperchecks beim Hausarzt durchführen zu lassen. Sollte der Bluthochdruck symptomatisch werden, kann dieser sich folgendermaßen in den Anfangsstadien äußern: Schwindel, Kopfschmerzen vor allem am Morgen, Ohrensausen, Müdigkeit, Schlafstörungen, Nasenbluten, ein roter Kopf, gerötete Äderchen, Nervosität, Übelkeit. Die Schlafstörungen resultieren oft aus den Kopfschmerzen, durch die die Betroffenen aufwachen. In der Regel sollte der Blutdruck in der Nacht sogar absinken. Betroffene, bei denen der Blutdruck nicht wie normal in der Nacht absinkt, werden auch non-dipper genannt.

In den Folgestadien, in denen es schon zu Organschäden gekommen ist, können folgende Symptome beobachtet werden: Atemnot, Sehstörungen, Schmerzen in der Brust, Brustenge. Durch massivere Gefäßschädigungen kann es auch zu Brustschmerzen kommen, welche aber schon in Folge eines Herzinfarktes auftreten, zudem können durch starke Gefäßschäden auch Schlaganfälle im Gehirn ausgelöst werden. Im Falle von starken Nierenschäden, durch den chronischen Bluthochdruck, kann es auch zu Wassereinlagerungen im Augenlid und in den Füßen und Unterschenkeln kommen

Bei manchen Menschen verschlimmern sich die Symptome des Bluthochdrucks in den Wintermonaten.

Bei sehr hohem Blutdruck über 230 mmHg systolisch, der symptomatisch wird, kommt es zum Auftreten eines sogenannten hypertensiven Notfalls . Zu diesem kommt es, wenn zu den hohen Blutdruckspitzen auch noch chronische Organschäden vorliegen. Hier können ebenfalls extreme Brustschmerzen durch Herzinfarkt oder Aortendissektion (Einblutung zwischen die Gefäßwände der Hauptschlagader durch starke Gefäßschädigungen), Lähmungserscheinungen, Bewusstseinsstörungen und Schwindel durch Schlaganfälle oder Hirnblutungen, Luftnot durch Lungenödeme (Wassereinlagerungen in die Lunge) Sehstörungen durch Einblutungen in die Retina (Netzhaut) des Auges auf. Bei einem hypertensiven Notfall muss sofort gehandelt werden. Man sollte augenblicklich einen Notarzt verständigen. Je nach Symptomen kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz. Mögliche Medikamente sind Nitroglycerin, Urapidil, Calciumantagonisten oder Clonidin.

Es kann auch zu einem sehr hohen Blutdruck über 230 mmHg ohne Symptome auftreten. Dabei spricht man von einer hypertensiven Krise. Auch hier sollte man den Blutdruck versuchen zu senken, allerdings ist hier die Gefahr nicht so akut wie bei einem hypertensiven Notfall.

Risiken des Bluthochdrucks

Die Risiken des Bluthochdrucks liegen neben den Symptomen in den Frühstadien, welche die Lebensqualität beeinträchtigen können, vor allem in den chronischen Spätfolgen. Oft liegen auch Komorbiditäten, also mehrere chronische Erkrankungen gemeinsam vor, welche sich gegenseitig beeinflussen können. Hierbei spielen Diabetes (Zuckerkrankheit), Übergewicht, erhöhte Fettwerte (Hypercholesterninämie, Hyperdyslipidämie) eine große Rolle hinsichtlich des Risikos an Bluthochdruck zu erkranken.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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