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Diastole

Definition

Die Diastole (griech. „die Ausdehnung“) ist die Entspannungs- und Füllungsphase der Herzkammern (Ventrikel). Sie steht im Gegensatz zur Systole (Anspannungs- und Auswurfphase des Herzens) und dient deren Vorbereitung. Auf die Füllungsphase während der Diastole folgt dann die Austreibungsphase in der Systole.

Aufbau der Diastole

Im Allgemeinen beginnt die Diastole mit der Erschlaffung der Kammermuskulatur und dem gleichzeitigen Schluss der beiden Taschenklappen als Verbindung zu den großen Arterien. So kann das Blut aus den Vorhöfen nicht direkt in die großen Arterien fließen, sondern wird zunächst in den beiden Kammern gesammelt. Im EKG ist die Diastole die Phase zwischen dem Ende der T- Welle und dem Beginn der Q- Zacke. Genauer wird die Diastole in 4 verschiedene Phasen gegliedert:

  • Die Entspannungsphase, auch als isovolumetrische Relaxation bezeichnet, ist der Zeitraum direkt nach der Kontraktion der Herzkammern. In dieser Phase sind sowohl die Segel- als auch die Taschenklappen geschlossen. Im EKG zeigt sich diese Phase zwischen dem Ende der T- Welle und der Mitte der TP-Strecke. Im Echokardiogramm kann man die Entspannungsphase am Ende des systolischen Ausstroms erkennen.
  • Darauf folgt die frühe Füllungsphase, welche auch als aktive Diastole bezeichnet wird. Die beiden Herzkammern (Ventrikel) saugen das Blut aus den Vorhöfen durch die geöffneten Segelklappen an. Im EKG findet sich diese Phase zwischen der Mitte der TP-Strecke und dem Anfang der P- Welle. Im Echokardiogramm wird diese Phase durch die E- Welle dargestellt.
  • Auch die Diastase wird teilweise noch zur frühen Füllungsphase gezählt. Im EKG wird sie durch die P- Welle dargestellt, im Echo durch die Phase zwischen E- Welle und A- Welle.
  • Darauf folgt die späte Füllungsphase. Hier kontrahieren sich die beiden Vorhöfe bis zu deren Erschlaffung und der vollständigen Füllung der beiden Kammern. Die Segelklappen zwischen Vorhof und Kammer schließen sich wieder, um einen Rückfluss des Blutes aus den Kammern in die Vorhöfe zu vermeiden, und die Austreibungsphase kann beginnen. Im EKG wird diese Phase durch die P-R Strecke dargestellt, im Echo handelt es sich um die A- Welle. Nun sind die beiden Kammern mit Blut gefüllt und die Auswurfphase (Systole) kann beginnen.

Diastole zu niedrig

Der untere Normwert für die Diastole (genauer: der diastolische Blutdruck) liegt bei 60-65 mmHg. Liegt der gemessene Blutdruckwert für die Diastole darunter, ist die Diastole also zu niedrig, spricht man von Hypotonie (niedrigem Blutdruck).
In der Regel verursacht ein niedriger Wert für die Diastole kaum Probleme, weil der diastolische Blutdruckwert für die Durchblutung der Organe eine eher untergeordnete Rolle spielt.
Ein symptomloser niedriger Blutdruck kommt vor allem bei jungen Mädchen und Frauen vor, kann aber auch im Rahmen einer Essstörung oder einer Schwangerschaft auftreten.

Man bezeichnet diese Form des niedrigen Blutdrucks als primäre Hypotonie, die unbedenklich ist und keine direkte organische Ursache hat. Man vermutet, dass vor allem erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle für die primäre Hypotonie spielen. Es gibt sogar wissenschaftliche Daten, die belegen, dass eine dauerhaft niedrige Diastole die Lebensdauer positiv beeinflusst.

Bei der sekundären Hypotonie dagegen kann man eine organische Ursache finden, dass heißt dass die zu niedrige Diastole ein Symptom einer bestehenden Erkrankung ist. Gründe für eine zu niedrige Diastole können z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine Schilddrüsenunterfunktion, eine chronische Blutung oder bestimmte Medikamente sein.

Eine Sonderform des zu niedrigen Blutdrucks mit zu niedriger Diastole ist die sogenannte orthostatische Hypotonie. Dabei kommt es beispielsweise beim zu schnellen Aufstehen zum Versacken einer große Menge Blut in den Beinen, wodurch das Gehirn kurzfristig zu wenig Blut bekommt. Diese Form der zu niedrigen Diastole äußert sich durch ein Schwarzwerden vor den Augen, Kopfschmerzen und Schwindel. Normalerweise ist diese Form der Hypotonie durch langsames Aufstehen und eine ausreichende Trinkmenge gut in den Griff zu bekommen, bei Hitze und Flüssigkeitsmangel im Sommer kann diese Form der Hyptonie aber häufiger zum Kollaps (kurze Bewusstlosigkeit) führen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Diastole zu niedrig

Diastole zu hoch

Von einer zu hohen Diastole (genauer: diastolische Blutdruck) spricht man, wenn der untere Blutdruckwert dauerhaft über 90mmHg gemessen wird. Diese Form der Hypertonie kann entweder zusammen mit einer zu hohen Systole auftreten oder aber alleine. Im zweiten Fall spricht man dann von einer isolierten diastolischen Hypertonie. Sind sowohl die Diastole als auch die Systole zu hoch, liegt in 90% der Fälle eine primäre Hypertonie ohne erkennbare organische Ursachen vor, die natürlich aufgrund der zu befürchtenden Spätfolgen medikamentös eingestellt werden sollte. Ist nur die Diastole zu hoch und die Systole weist normale Werte auf, kann das auf eine Frühform des Bluthochdrucks hinweisen, kann aber auch ein Hinweis auf eine sekundäre Hypertonie sein, die nur das Symptom einer zugrundeliegenden Krankheit darstellt. Beispiele für Krankheiten, die eine zu hohe Diastole verursachen können sind eine Nierenarterienstenose, verschiedene hormonelle Erkrankungen und Krankheiten des Bindegewebes.

Lesen Sie mehr zum Thema: Diastole zu hoch.

Wie kann ich meine Diastole senken?

Bis heute ist wenig über den Hintergrund einer isolierten Erhöhung des diastolischen Blutdruckwertes bekannt.
Teilweise kann eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als Ursache ausgemacht werden, sodass die Kontrolle der Schilddrüsenwerte im Rahmen einer Blutuntersuchung durchaus sinnvoll sein kann, falls dies nicht ohnehin schon geschehen ist.
Ist dies nicht der Fall, kann eine medikamentöse Therapie durch blutdrucksenkende Medikamente wie Entwässerungstabletten (Diuretika), ACE-Hemmern, und Betablockern erfolgen, wie dies auch bei insgesamt erhöhtem Blutdruck der Fall.
Insbesondere der Betablocker Nebivolol kann hierbei hilfreich sein, da er gefäßerweiternd wirkt.

Des Weiteren gilt es bei diastolischem Bluthochdruck genauso wie bei Bluthochdruck im Allgemeinen eine Lebensstiländerung vorzunehmen.
An erster Stelle steht dabei eine Gewichtsreduktion, beziehungsweise eine Gewichtsnormalisierung. Idealerweise wird dabei ein BMI von 25kg/m² angestrebt.
Auch eine Ernährungsumstellung im Sinne von salz- und fettarmer Kost und einer Rauchentwöhnung tragen viel zu einer Normalisierung des diastolischen Blutdruckes bei.
Zu guter Letzt, sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend Sport (und hierbei Ausdauersport im speziellen) getrieben wird. Werden diese Maßnahmen effektiv umgesetzt, kann es sogar möglich sein, dass auf eine medikamentöse Therapie verzichtet werden kann.

Umfangreiche Informationen finden Sie unter: Wie Sie Ihre Diastole am besten senken können

Weitere Informationen zum Thema Diastole

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 25.10.2018
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