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Nekrotisierende Enterokolitis

Synonyme

Nekrotisierende Enterokolitis, NEK, NEC

Definition

Die Nekrotisierende Enterokolitis ist eine vor allem bei Frühgeborenen (Geburtsgewicht <1500g) auftretende Darmwandentzündung, bei der es zu einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darms und zu dem Absterben einzelner Abschnitte (Nekrose) des Darmes kommen kann.

Sie ist der häufigste Grund für akute Magen-Darm-Erkrankungen (akutes Abdomen) bei Frühgeborenen.

Ursache

Die Ursachen der Nekrotisierenden Enterokolitis sind bis heute noch nicht sicher geklärt.

Man weiß aber, dass es durch eine Minderversorgung (Ischämie) zu einer Durchwanderung der Darmwand des Krummdarm-Endabschnittes (terminales Ileum) und des aufsteigenden Teils des Dickdarms (colon ascendens) von Bakterien kommt.
Diese Bakterien rufen Entzündungen der Darmwand hervor, die zu Wasserablagerungen und Einblutungen in der Darmwand und zum Absterben einzelner Darmabschnitte (Nekrosen) führen.

Letztendlich gelangen auf diese Weise Bakterien in den Bauchraum und können dort zu Entzündungen des Bauchfells (Peritonitis) und dann zu einer generalisierten Infektion des Blutes (Sepsis) mit einem Schock führen.

Mögliche Risikofaktoren für das Entstehen einer Nekrotisierenden Enterokolitis sind z.B. eine Pulslosigkeit (Asphyxie), eine Periduralanästhesie unter der Geburt (PDA), eine Kathetherisierung der Nabelschnurgefäße, eine erhöhte Anzahl an roten Blutkörperchen (Polyglobuli) und ein Schock.

Symptome

Als Hauptsymptom finden sich bei einer Nekrotisierenden Enterokolitis erweiterte, starre Darmschlingen und einen geblähten, schmerzhaften Bauch.

Bei der Untersuchung können kaum Darmgeräusche festgestellt werden.
Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich als problematisch, da die Kinder keine Nahrung bei sich behalten können und erbrechen müssen.
Zudem zeigt der Stuhlgang Blutbeimengungen oder es findet überhaupt kein Stuhlgang mehr statt.

Weitere Informationen zu Stuhlveränderungen finden Sie auf unserer Seite Stuhlgang.

Durch die sich ausbreitende Infektion im Bauchraum (Peritonitis) können Rötungen an den Flanken zu erkennen sein. Wenn sich die Infektion weiter ausbreitet, nimmt der Allgemeinzustand des Kindes ab (Sepsis). Die Kinder sind meist schläfrig, atmen schlechter bis gar nicht (Apnoe) und haben eine sehr geringe Herzfrequenz (Bradykardie).
Außerdem fällt häufig eine fahle, blassgraue Hautfarbe auf.

Diagnose

Da es sich bei der nekrotisierenden Enterokolitis um eine Entzündung handelt, findet man in den Blutwerten erhöhte Entzündungswerte, desweiteren erhöhte Laktatwerte und Elektrolytstörungen.

Eine Nekrotisierende Enterokolitis kann in einem Röntgenbild des Bauches gut dargestellt werden. Hierbei zeigen sich erweiterte Darmschlingen, sowie Luftbläschen in der verdickten Darmwand (Pneumatosis intestinalis), die durch die Bakterien verursacht werden. Diese Gaseinschlüsse können auch in den Darmvenen und der Pfortader (V.porta) vorkommen. Außerdem kann im Röntgenbild durch einen möglichen Darmdurchbruch (Perforation) auch freie Flüssigkeit und Luft im Bauchraum gefunden werden. Die verdickten Darmwände und die Luftbläschen lassen sich teilweise auch im Ultraschall (Sonographie) nachweisen.

Therapie

Die Behandlung der Nekrotisierenden Enterokolitis setzt sich aus 3 wichtigen Maßnahmen zusammen.

Erstens muss eine Nahrungsaufnahme über den Magen-Darm-Trakt strikt vermieden werden.
Das Kind sollte für diesen Zeitraum (ca. 10Tage) über Infusionen und/oder durch eine Magensonde mit den wichtigen Nahrungsbausteinen, Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Flüssigkeit versorgt werden.
Wenn sich der Zustand des Kindes gebessert hat, kann dann langsam mit einem Nahrungsaufbau begonnen werden.

Zweitens sollte eine medikamentöse Therapie mit Antibiotika erfolgen, die zielgerichtet die Bakterien im Darm bzw. im ganzen Körper bekämpfen.

Als dritte wichtige Maßnahme sollte der Darm durch eine Operation und Anlage eines künstlichen Darmausganges (Anus praeterminalis) entlastet werden.
Ist die Entzündung einzelner Darmabschnitte schon weit fortgeschritten, kann eine Entfernung (Resektion) dieser Darmabschnitte von Nöten sein.

Prognose

Die Heilungsausicht (Prognose) der Nekrotisierenden Enterokolitis ist immer abhängig vom Schweregrad der Erkrankung.
Entscheidend hierbei ist das zeitige Erkennen der Erkrankung und der sich eventuell entwickelnden Infektion des gesamten Körpers (Sepsis). Je schlimmer die Symptomatik des Kindes ist und je weiter die Nekrotisierende Enterokolitis fortgeschritten ist, desto häufiger wird eine operative Maßnahme nötig. Hierbei besteht immer die Gefahr, dass sich bei dem Kind durch die weiträumige Entfernung vieler Darmabschnitte ein sogenanntes Kurzdarmsyndrom entwickelt, bei dem es zu Durchfällen und Mangelernährung kommen kann.

Einen tödliches Ende nimmt die Nekrotisierende Enterokolitis in ca. 5-10% der Kinder mit dieser Erkrankung.

Prophylaxe

Als erfolgreiche Vorbeugungsmaßnahme der Nekrotisierenden Enterokolitis gilt die vorgeburtliche mütterliche Betamethason-Prophylaxe zur kindlichen Lungenreifung, bei drohender Frühgeburt.
Zudem ist eine kindliche Ernährung mit Muttermilch vorbeugend, ebenso wie eine Antibiotikaprophylaxe bei Frühgeborenen.
Wegen der sich bildenden Resistenzen ist dieses Vorgehen jedoch umstritten. Gegenstand aktueller Forschung ist unter anderem die Verwendung von guten Bakterienstämmen (Probiotika) bzw. von Substanzen , die guten Darmbakterien als Nahrung dienen(Präbiotika), und so den Aufbau einer günstigen Darmflora beschleunigen.

Häufigkeitsverteilung

Am häufigsten tritt die Nekrotisierende Enterokolitis bei unreifen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht <1500g auf.
Die Häufigkeit der Neuerkrankungen (Inzidenz) bei dieser Patientengruppe liegt hier bei ca.10%, dagegen bei reifen Neugeborenen bei weniger als 1%. Die Gesamtrate an Nekrotisierender Enterokolitis Erkrankter unter allen lebendgeborenen Kindern beträgt ungefähr 1-3:1000, wobei Mädchen und Jungen etwa gleich häufig betroffen sind.

Trotz des großen medizinischen Fortschritts in den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Erkrankungshäufigkeit nicht zurückgegangen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema entzündliche Darmerkrankungen finden Sie unter:

Eine Übersicht aller internistischen Themen finden Sie unter: Innere Medizin A-Z

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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