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Entzündung des Zwölffingerdarms

Allgemeines

Der Zwölffingerdarm befindet sich als Teil des fünf bis sechs Meter langen Darmschlauches direkt im Anschluss an den Magenpförtner und bildet als 30 cm lange C-förmige Kurve den ersten Teil des Dünndarms.

Er befindet sich ungefähr auf höhe des Rippenbogens, dem Rand der untersten Rippe, etwas rechts von der Mittellinie weg gelegen. Seine unmittelbaren Nachbarn sind neben dem Magen, an den er sich anschließt, noch die Leber, die Gallenblase, die rechte Niere und die Bauchspeicheldrüse (=Pancreas).

Die Bauchspeicheldrüse gibt ihr Verdauungssekret durch einen langen Gang zusammen mit der Gallenflüssigkeit der Gallenblase in den Zwölffingerdarm ab.

Hieraus ergibt sich auch die Aufgabe des Zwölffingerdarmes in der Neutralisierung der Magensalzsäure, die mit der Nahrung aus dem Magen in den Darm gelangt, sowie der Aufspaltung der Nahrungsbestandteile. Dies alles geschieht mit Hilfe basischer Sekrete sowie der Gallenflüssigkeit und der von der Bauchspeicheldrüse produzierten und abgegebenen Enzyme.

In der medizinischen Fachsprache wird der Zwölffingerdarm als Duodenum bezeichnet. Weiter wird eine Entzündung in der Medizin immer durch die Wortendung „-itis“ gekennzeichnet, woraus sich leicht der fachlich korrekte Name einer Entzündung des Zwölffingerdarmes ergibt: Die Duodenitis.

Der Grund der Benennung des Zwölffingerdarmes/Duodenums nach den zwölf Fingern liegt in seiner ungefähren Breite von 12 Fingern. Die einzelnen Schichten der Darmwand gliedern sich von innen nach außen in eine innere Schleimhautschicht umringt von 2 Sichten Muskulatur und Bindegewebe. Von einer Duodenitis ist im Allgemeinen die innere Schleimhautschicht betroffen.
Sind auch tiefere Schichten betroffen so spricht man von einem Geschwür (=Ulcus).

Symptome

Die Anzeichen einer Entzündung können sehr unterschiedlich sein.
Nicht selten bleibt sie unbemerkt und wird wenn überhaupt nur zufällig festgestellt. Die klassischen Zeichen einer Entzündung im Zwölffingerdarm gehen mit Übelkeit, Erbrechen, drückenden oder stechenden Schmerzen unter dem Rippenbogen sowie Appetit- und Verdauungsstörungen einher. Gelegentlich können sich die Schmerzen auch im Rücken zeigen. Dies erschwert die Diagnosefindung.

Beim Zwölffingerdarmgeschwür treten diese Zeichen vor allem in der Zeit zwischen den Mahlzeiten bzw. nüchtern auf und verbessern sich durch Nahrungsaufnahme, das bedeutet der Schmerz lässt nach dem Essen nach. Bei Patienten, die durch eine dauerhafte Entzündung unter einem Zwölffingerdarmgeschwür leiden, sollten bei Anzeichen wie starken Bauchschmerzen, blutigem oder schwarzem Stuhl oder Erbrechen immer sofort einen Arzt aufsuchen, da sie Anzeichen einer Blutung in den Darm sein können. Eine Duodenitis kann selten ein Grund für das Auftreten von Durchfall sein. Natürlich kann jedoch der Durchfall aus anderem Grund parallel zur Duodenitis auftreten.

Entzündet sich der Ausführungsgang von Pankreas und Gallenblase ebenso, so können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (=Pancreatitis) oder ein Rückstau von Galle die Folge sein. Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse macht sich mit einem geblähten Bauch, gürtelförmigen Schmerzen (=Schmerzen, die sich wie ein Gürtel rund um den Bauch ziehen) sowie Übelkeit und Erbrechen bemerkbar. Den Gallerückstau erkennt man ab einem gewissen Grad an der Gelbfärbung der Augen und später der gesamten Haut, der sogenannten Gelbsucht (=Ikterus).

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Ursachen

Infektionen, die Einnahme schädigender Medikamente, Stress oder auch die Erkrankung eines benachbarten Organes sind die häufigsten Ursachen einer Entzündung des Zwölffingerdarms.

Sehr selten kann auch ein Morbus Crohn, eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, Ursache einer Entzündung des Zwölffingerdarmes sein.

Infektionen mit vielen verschiedenen Keimen können eine Entzündung des Zwölffingerdarmes auslösen. Die mit Abstand häufigste Infektion ist die mit dem Keim Helicobacter pylori. Dieser Keim nistet sich bei vielen Menschen schon im Kindesalter im Magen ein.
Beschwerden macht er jedoch nur bei 10% der Betroffenen.
Durch seine einzigartige Fähigkeit Ammoniak bilden zu können führt er nicht nur im Magen, sondern auch im Dünndarm zur Reizung der Oberflächenschleimhaut und sie kann sich bei dauerhafter Reizung schließlich entzünden. Überschreitet die Entzündung die oberflächliche Schleimhautschicht, so kann sich in diesen Fällen ein Zwölffingerdarmgeschwür ausbilden.

 

Bei den Medikamente, die die Magen- und Zwölffingerdarmschleimhaut reizen und zur Entzündung führen, stehen die sogenannten Nicht-steroidalen Schmerzmittel an erster Stelle. Auch wenn die meisten mit dem Begriff Nicht-steroidal nichts anfangen können, so kennen die meisten Menschen doch ihre bekanntesten Vertreter:

  • Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®, ASS®)
  • Ibuprofen (z.B. Nurofen®, Neuralgin®)
  • Naproxen (z.B. Dolormin®)
  • Diclofenac (z.B. Voltaren®).

Sie werden als Schmerzmittel bei Rheuma und anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, dem M. Bechterew oder auch der Gicht eingesetzt und führen nicht selten bei längerer Anwendung zur Entzündung der Magen- oder Zwölffingerdarmoberfläche.

Alkohol ist sowohl für die Entzündung der Zwölffingerdarmschleimhaut als auch für die Entzündung der Magenschleimhaut ein möglicher auslösender Faktor. Sicher geklärt ist dies jedoch noch nicht. Fakt ist jedoch, dass sich die Aufnahme von Alkohol bei einer bereits bestehenden Entzündung kontraproduktiv auf die Entwicklung dieser auswirkt. Außerdem können sich bei einer vorliegenden Duodenitis die Symptome wie Schmerzen und Übelkeit nach Alkoholkonsum verschlechtern.

Diagnose

Als Untersuchungsmethode eignet sich neben Röntgen und Ultraschall noch die Duodenoskopie für den Zwölffingerdarm und andere Darmabschnitte.

Bei der Duodenoskopie wird wie bei einer Magenspiegelung ein dünner Schlauch, in dem eine Kamera eingebaut ist, durch die Speiseröhre und den Magen in den Zwölffingerdarm eingebracht über den dann auf einen Bildschirm projiziert die Schleimhaut untersucht werden kann.
Über ein am Schlauch befestigtes kleines Instrument können im Rahmen einer Duodenoskopie Proben von der Darmwand genommen werden, sollte der Untersucher verdächtige Stellen an der Oberflächenschleimhaut entdecken (=Biopsie).

Leidet ein Patient unter der Erkrankung so ist dies eindrücklich an einer Schwellung der Schleimhaut der obersten Darmwandschicht oder auch dem Vorkommen von Magenschleimhautzellen im Zwölffingerdarm zu erkennen.
Besonders schwere Formen einer Entzündung sind an einer Ausdünnung (=Atrophie) der Schleimhaut zu erkennen. Ein Magengeschwür ist als eine scharf begrenzte Entzündung zu erkennen. In Kombination mit einem dünnen Ultraschallgerät kann dann die Darmwand auch noch per Ultraschall untersucht werden.

Die komplette Untersuchung kann auf Wunsch im wachen Zustand oder auch in einer oberflächlichen Narkose durchgeführt werden

Therapie

Die Therapie einer Entzündung des Zwölffingerdarmes besteht in erster Linie aus der Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.

Bei einer Entzündung im Rahmen einer Schmerzmittelbehandlung so sollten diese unverzüglich durch alternative Präparate ersetzt werden, die die Schleimhaut nicht reizen. Liegt die Ursache in einer Infektion mit Helicobacter pylori so wird die Entzündung unbehandelt nicht verschwinden.
Hier besteht die Therapie dann in der indirekten Behandlung der Entzündung durch Beendigung der Besiedelung mit Helicobacter pylori.
Diese Therapie wird als Eradikation bezeichnet und dauert im Normalfall in etwa 7-10 Tage. In dieser Zeit muss ein Magensäureblocker (meist ein sogenannter Protonenpumpenhemmer) zusammen mit einer Kombination aus 2 Antibiotika (meist Amoxicillin, Clarithromycin oder Metronidazol) eingenommen werden. Nach dieser Zeit ist der Keim in den meisten Fällen erfolgreich bekämpft und die Schleimhaut des Magens und Zwölffingerdarmes kann sich von der Entzündung erholen.

Für alle anderen Entzündungen kann es oftmals schon hilfreich sein die Magensäureproduktion zu senken, denn die im Magen produzierte Salzsäure kann auch im Zwölffingerdarm noch die empfindliche Schleimhaut enorm schädigen.
Weniger Salzsäure aus dem Magen richten folglich auch im Zwölffingerdarm weniger Schäden an. Die Reduktion der Magensäureproduktion ist durch eine gesunde Lebensweise mit leicht verdaulicher, fettarmer, milder Vollkost in leichten Fällen ausreichend möglich.
Schwer verdauliche und fettreiche Lebensmittel liegen sehr lange im Magen und führen zu viel mehr Magensäureproduktion als leichte Produkte, die schnell im restlichen Verdauungstrakt verdaut werden können.
Es empfiehlt sich lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus gibt es auch Medikamente, die die Magensäureproduktion chemisch regulieren. Neben leichteren Präparaten wie den sogenannten Antazida (= „gegen Säure“) spielen die oben schon erwähnten Protonenpumpenhemmer hier eine herausragende Rolle als effektivste magensäurereduzierende Medikamente.

Auch aus dem Bereich der Naturheilmittel gibt es Unterstützung zur Behandlung einer Entzündung im Zwölffingerdarm. Hier eigenen sich Senf-Samenkörner, sowie Breitwegerichsaft gemischt mit Honig oder auch Mischungen von Aloe mit Zuckerwasser und Weißwein.

Medikamente

Wie bereits oben beschrieben ist für eine Duodenitis oftmals die Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori verantwortlich. Ist dies der Fall bedarf es oftmals einer medikamentösen Therapie, um das Bakterium zu beseitigen. Man spricht von einer Eradikationstherapie. Hierbei wird meist eine Kombination aus drei Wirkstoffen eingesetzt. Dabei handelt es sich um den Säurepumpenhemmer Omeprazol und zwei Antibiotika.

Bei diesen handelt es sich entweder um Clarithromycin und Metronidazol oder Clarithromycin und Amoxicillin. Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika sollten bei Vorliegen einer Duodenitis vermieden werden. Sie sind nicht selten Auslöser der Erkrankung und führen oftmals zur einer Verschlechterung einer bereits bestehenden Entzündung. Zu dieser Medikamentengruppe zählen zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac. Diclofenac in Form einer Salbe (zum Beispiel Voltaren®) ist hiervon nicht betroffen, da die Substanz nicht in den Körper aufgenommen wird.

Hausmittel

Bei einer Duodenitis helfen zur Symptomlinderung vor allem magenschonende Kost und die Vermeidung des Konsums von Alkohol, Nikotin und Kaffee. Warme, sanfte Tee-Sorten wie Kamillentee oder Pfefferminztee können Abhilfe schaffen. Spezifische Hausmittel zur Behandlung einer Duodenitis gibt es nicht.

Ernährung

Bei einer Entzündung der Schleimhaut des Zwölffingerdarms gilt bezüglich der empfohlenen Ernährung im Großen und Ganzen dasselbe wie bei einer Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis): Es sollte möglichst gut bekömmliche Nahrung aufgenommen werden. Zu vermeiden sind fette und scharfe Gerichte. Auch Alkohol sollte bei Vorliegen einer Duodenitis vermieden werden, da dieser zu einer zusätzlichen Reizung der Schleimhaut führen kann. Selbiges gilt für Kaffee und Nikotin.

Prognose

Je nach Ursache der Entzündung des Zwölffingerdarms ist die Prognose im Allgemeinen recht gut.

Ursachen wie die Entzündung durch reizende Medikamente oder den Keim Helicobacter pylori können relativ einfach behandelt werden und führen meist innerhalb weniger Tage bis Wochen zur Heilung und Beschwerdefreiheit.

Kann die Ursache der Entzündung nicht geklärt werden so besteht die Gefahr, dass die Entzündung immer wiederkehrt und lebenslange schonenden Ernährung sowie die dauerhafte Einnahme eines Magensäureblockers notwendig werden.
Das persönliche Risiko kann neben gesunder Ernährung auch durch den Verzicht auf Rauchen und Alkohol gesenkt werden.

Dauer

Die Dauer einer Zwölffingerdarmentzündung hängt von der Ursache und von der Therapie ab. Oftmals ist eine Duodenitis – wie auch die Gastritis – durch die Besiedelung von Helicobacter pylori ausgelöst. Ist dies Ursache, so bedarf es in der Regel einer medikamentösen Therapie. Die Entzündung dauert dann so lange an, bis die Therapie erfolgreich war. Bei Auslösern wie Stress oder Noxen (zum Beispiel Alkohol, Nikotin oder bestimmten Schmerzmitteln) findet die Entzündung oft erst ein Ende wenn die auslösenden Faktoren ausgeschaltet werden. Eine Duodenitis muss jedoch nicht immer mit Beschwerden einhergehen, sodass der Betroffene manchmal nicht merkt, wie lange sie bereits andauert.

Prophylaxe

Eine Entzündungsprophylaxe ist unter anderem durch eine gesunde und ausgeglichene Lebensweise möglich.

Die Ernährung sollte ähnlich der einer vorhandenen Entzündung aussehen und aus leicht verdaulicher, fettarmer, milder Vollkost bestehen. Die Mahlzeiten sollten ebenso auf mehrere kleine statt wenige große verteilt werden. Rauchen und Alkohol sollten als Reiz der Magensäureproduktion vermieden werden.

Bei der Einnahme von Schmerzmitteln sollten empfindliche Patienten auf magenschonende Präparate zurückgreifen.

Lassen sich die Risikofaktoren nicht vermeiden so können auf ärztlichen Rat hin in manchen Fällen prophylaktische Magensäurehemmer zur Anwendung kommen um einer Entzündung vorzubeugen.

Einer Entzündung mit Helicobacter pylori ist nur schwer vorzubeugen, da die Infektion meist schon Jahre bis Jahrzehnte vorher im Kindesalter stattgefunden hat. Ist man jedoch sicher von einer Helicobacter pylori-Besiedelung betroffen, so sollte man über die vorsorgliche Behandlung der Besiedelung nachdenken, falls man zwingend nicht-steroidalen Schmerzmittel oder andere die Dünndarmschleimhaut schädigende Medikamenten einnehmen muss, um das Risiko einer Entzündung des Zwölffingerdarmes nicht unnötig zu erhöhen

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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