Folgen Sie uns auf:


Entzündung Enddarm

Definition

Der Enddarm ist wie sein Name schon vermuten lässt der letzte Teil des 5-6 Meter langen Darms im menschlichen Körper. Der Enddarm schließt sich mit einer Länge von 20 bis 30 cm im rechten unteren Teil des Bauches an den Dickdarm an und endet mit dem After.

Bis der verdaute Nahrungsbrei im Enddarm ankommt, wurden ihm schon alle verwertbaren Nährstoffe, sowie fast alles an enthaltenem Wasser entzogen, sodass der hier ankommende Brei schon die feste Konsistenz von Stuhl hat.

Der Vorwärtstransport geschieht auch im Enddarm wie im restlichen Darm durch wellenförmige Anspannung der Muskulatur rund um den Darm in der Darmwand. Eine andere Bezeichnung des Enddarms ist auch Mastdarm oder in der lateinischen Fachsprache Rectum. Aufgabe des Rectums ist das Sammeln des fertig verdauten Nahrungsbreies in der sogenannten Ampulle, dem erweiterten Eingangsstück des Enddarms. Der untere Teil des Enddarms ist dann für die kontrollierte Ausscheidung des Stuhls durch willentliche Muskelentspannung des Anus verantwortlich.

Der Anus besteht aus einem sehr starken Muskelring, der im angespannten Zustand den festen oder flüssigeren Stuhl sowie Darmgase im Darm hält. Unterstützt wird der Muskelring von einem Netz aus Venen die ihn umgeben. Füllen sich diese mit Blut, so können sie den Schließmuskel zusätzlich unterstützen. Füllt sich die Ampulle und dehnt sich aus, so werden Nervensignale weitergeleitet, die dann den Stuhldrang auslösen und man bekommt das Bedürfnis zur Toilette zu gehen.

Ursachen

Ursachen einer Entzündung im Enddarm können vielfältig sein. Hinweise auf die Ursache kann eine Magen-Darm-Spiegelung liefern, die Aussagen darüber machen kann ob noch weitere Teile des Magen-Darm-Traktes (lat: Gastrointestinaltrakt) betroffen sind. Ist nur der Enddarm betroffen, so spricht man in der medizinischen Fachsprache auch von einer Proktitis (die Endung „-itis“ wird in der Medizin immer zur Bezeichnung einer Entzündung verwendet)

Eine reine Entzündung des Enddarmes (=Proktitis) wird nicht selten mit Hämorrhoiden verwechselt. Diese finden sich jedoch am Anus und nicht im Inneren des Enddarmes.

Die Ursachen sind weit reichend und können von Geschlechtskrankheiten, Verletzungen, Krebsleiden, Allergien oder auch im Rahmen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung reichen. Bei den Geschlechtskrankheiten spielen der sogenannte Tripper (lat: Gonorrhoe) oder Syphilis (lat: Lues) durch Bakterien oder ein genitaler Herpes durch Herpesviren sowie Feigwarzen durch Papillomaviren eine Rolle.

Eine dauerhafte Entzündung aufgrund einer chronischen Erkrankung wird als sogenannte chronisch entzündliche Darmerkrankung bezeichnet. Bekannteste Vertreter sind der Morbus Crohn oder auch die Colitis ulcerosa. Beide können den Enddarm befallen und ähneln sich in ihren Krankheitsmerkmalen.

Sie führen beide zur fortschreitenden Entzündung der Darmwand unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Ausbreitung in verschiedenen Darmanteilen. Der Enddarm kann bei beiden Erkrankungen betroffen sein. Die Ursachen dieser Entzündungen sind bis heute noch nicht ganz geklärt, man vermutet jedoch eine Kombination verschiedener Auslöser unter denen erbliche Veranlagung, Autoimmunerkrankung, Ernährungsgewohnheiten oder auch eine Infektion mit Viren oder Bakterien als auch psychische Einflüsse diskutiert werden.

Einen Rückschluss auf Umwelteinflüsse lässt die Tatsache vermuten, dass die Zahl der Erkrankten in der westlichen Welt in den letzten Jahren viel höher liegt als in anderen Ländern. Beiden Erkrankungen gemein ist auch ein schubweiser Verlauf, was bedeutet dass die Betroffenen immer wieder Phasen haben werden, in denen keine Krankheitszeichen zu erkennen sind, die von Phasen mit einer starken Entzündung abgelöst werden.

Symptome

Eine Proktitis kann ganz unterschiedliche Anzeichen beim Betroffenen hervorrufen.

In wenig ausgeprägten Fällen ist der After nur sehr sensibel auf kleinste Berührungen und fühlt sich wund an und nicht selten tritt Juckreiz auf. Auch Schmerzen beim Stuhlgang finden sich häufig.

Bei starken Entzündungen kann auch Eiter oder gar Blut auf dem Toilettenpapier oder in der Unterwäsche zu finden sein. Ist Blut beigemengt kann auf Dauer eine Blutarmut mit Müdigkeit, Blässe, Schwindel, Kurzatmigkeit und Konzentrationsstörungen entstehen. Findet sich Blut im Stuhl muss auch immer ein Mastdarmtumor abgeklärt werden.

Die Diagnose einer chronisch Entzündlichen Darmerkrankung ist oft nicht so eindeutig und leicht zu stellen und nicht alle Anzeichen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung lassen direkt auf eine Beteiligung des Darmes schließen, denn bei diesen Erkrankungen leiden die Betroffenen unter sogenannten „Allgemeinsymptomen“.

Diese können bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ein Leistungsabfall mit Müdigkeit, Appetitlosigkeit und in manchen Fällen Fieber sein. Sehr eindeutig ist oft auch ein deutlich fortschreitender Gewichtsverlust, da durch die dauerhafte Entzündung der Schleimhaut Nährstoffe nicht mehr richtig in den Körper aufgenommen werden können.

Bei Patienten mit einer Colitis ucerosa findet sich nicht selten wie bei einer blutigen Proktitis noch eine Blutarmut in Folge eines Blutverlustes durch den häufigen Stuhlgang. Blutiger Stuhl bildet sich bei Morbus Crohn seltener als bei einer Colitis ulcerosa aus. Was die meisten Betroffenen als erstes bemerken sind die Veränderungen des Stuhlganges. Meist tritt Durchfall auf und die Betroffenen berichten nicht selten über Stuhlgänge in einer Häufigkeit von über zwanzig Mal pro Tag! Dieser Durchfall wird dann von Bauchschmerzen begleitet, die meist vor oder nach dem Stuhlgang auftreten. Diese Phasen wechseln sich durch den schubweisen Verlauf von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen mit Phasen nahezu völliger Beschwerdefreiheit ab. Diesen Wechsel kann ein Betroffener mehrmals pro Jahr durchlaufen.

Therapie

Je nach Ursache der Proktitis ist diese unterschiedlich zu behandeln.

Ist eine sexuell übertragbare Krankheit durch Bakterien, wie der Tripper oder Syphilis, die Ursache so wird eine Antibiotikatherapie Abhilfe durch Abtöten der Erreger verschaffen und der Enddarm kann heilen. Andere Ursachen, wie Verletzungen, heilen oft von selbst aus.

Lokale Betäubungsmittel in Form von Zäpfchen, Salben oder Gelen können in dieser Zeit der Heilung die Beschwerden lindern. Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen sind schwerer zu behandeln und nur in den seltensten Fällen zu heilen. Nicht selten bedarf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung einer lebenslangen Therapie mit Medikamenten.
Um die Entzündung einzudämmen wird oftmals eine Kortisontherapie oder eine Therapie mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, angewendet. Diese haben erhebliche Nebenwirkungen und sollten bei Besserung der Beschwerden wieder reduziert werden.

Ein enges Verhältnis zwischen Betroffenem und Arzt kann die Behandlung optimal auf den derzeitigen Entzündungsstand abstimmen. Um einem Rückfall vorzubeugen muss jedoch oftmals dauerhaft eine geringe Dosis Kortison oder eines anderen Medikamentes eingenommen werden. Für den behandelnden Arzt kann ein Protokoll über Stuhlgang und Beschwerden hilfreich sein um eine optimale Therapie für den aktuellen Zustand festzusetzen. Als nicht-medikamentöse Maßnahme gilt es auf eine ausgewogene Ernährung zu achten und Lebensmittel, die Unverträglichkeiten auslösen zu meiden. Während eines Schubes empfiehlt sich leichte, ballaststoffarme Kost.

Diagnose

Die Diagnose einer Entzündung im Enddarm kann oft durch eine körperliche Untersuchung gestellt werden. Eine Tastuntersuchung des Enddarmes und Abstriche können zur Ursachenfindung beitragen. Bei Geschlechtskrankheiten ist auch immer der Geschlechtspartner zu untersuchen.

Bei Unklarheiten oder dem Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung können eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Darmspiegelung hilfreich sein. Die Darmspiegelung wird bei einer Entzündung stark gerötete Wandanteile und gelblich bis weißliche Auflagerungen zeigen. Letzte Unklarheiten können durch eine Probeentnahme (=Biopsie) und mikroskopischen Untersuchung der Probe oft geklärt werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Ultraschall des Bauches

Prognose

Die meisten Entzündungen des Enddarmes durch Infektion, Verletzung etc. heilen von selbst aus, sobald die Ursache beseitigt ist.

Eine chronisch entzündlichen Darmerkrankung heilt nur in den seltensten Fällen von selbst aus. Meist begleitet sie die Betroffenen ein Leben lang in unterschiedlicher Intensität. Ein lang andauernder Krankheitsverlauf mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung erhöht auch das Risiko an Darmkrebs zu erkranken.

Prophylaxe

Vielen Ursachen einer Entzündung im Enddarm kann man durch einfache Vorsichtsmaßnahmen Einhalt gebieten. Allen voran den sexuell übertragbaren Krankheiten durch die Verwendung von Kondomen sowie Gleitmittel um Verletzungen vorzubeugen.

Wie auch viele anderen Darmerkrankungen werden Erkrankungen des Enddarmes durch Rauchen ebenso ungünstig beeinflusst und Nikotin sollte vermieden werden. Eine Prophylaxe einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist durch die teilweise erbliche Herkunft nur schwer möglich. So zeigten Zwillingsstudien, dass der zweite Zwilling bei Erkrankung seines Geschwisterkindes ein 40% erhöhtes Risiko hat selbst zu erkranken. Geschwister von Betroffenen haben nur ein Risiko von 2-5%.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
Für Sie passende Themen
Ihre Meinung ist uns wichtig

Dr-Gumpert.de ist ein Projekt, das mit viel Engagement vom Dr-Gumpert.de Team betrieben wird. Im Vergleich zu anderen Webseiten ist vielleicht nicht alles so perfekt, aber wir gehen persönlich auf alle Kritikpunkte ein und versuchen die Seite stets zu verbessern.
An dieser Stelle bedanken wie uns bei allen Unterstützern unserer Arbeit.
Wenn Ihnen diese Seite gefallen hat, unterstützen auch Sie uns und drücken Sie: