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Afterentzündung

Allgemein

Unter einer Afterentzündung versteht man grob eine entzündliche Schwellung der Afterregion.

Im Volksmund wird diese Art der Entzündung auch „Wolf“ genannt, in der Fachsprache bezeichnet man sie als Anitis oder Analekzem.
Eine Anitis kann starke Schmerzen hervorrufen die vor allem das Sitzen oder den Stuhlgang zu einer quälenden Angelegenheit macht. Patienten die unter einer Afterentzündung leiden sind häufig in ihrem Alltag stark eingeschränkt da er von Juckreiz und Schmerzen geplagt ist. Die Anitis kann in unterschiedlichen Ausmaßen ablaufen die unterteilt werden in eine akute, subakute und chronische Verlaufsform.
Hervor zu heben ist das die Anitis an sich keine eigenständige Erkrankung ist sondern viel mehr durch andere Erkrankungen im Bereich des Afters oder Rektums hervorgerufen wird.
Sie ist eine Folgeerscheinung die bei verschiedenen anderen Pilz- oder bakteriellen Erkrankungen sowie dermatologischen Beschwerden auftreten kann.

Eine Afterentzündung ist eine häufig auftretende Erkrankung. Die Dunkelziffer der jährlich auftretenden Fälle ist jedoch noch höher, da der Gang zum Arzt mit einem hohen Schamgefühl verbunden ist. Bis heute zählen Erkrankungen des Analbereiches immer noch zu einem Tabuthema.

Anatomie des Afters

Der After oder auch Anus genannt ist die Austrittspforte des Darmkanals aus unserem Körper.

Durch in verlässt die unverdaute Nahrung unseren Körper. Mittels der ihm umgebenden Muskulatur wir die Darmperistaltik fortgesetzt.
Der Schließmuskel kontrolliert so willkürlich wann der Kot unseren Darm verlassen darf.

Der Canalis analis (Analkanal) des Menschen wird in drei Abschnitte gegliedert. Von innen nach außen: 1. Zona columnalis 2. Zona Intermedia und 3. Zona cutanea.
Unsere Analöffnung wird von zwei Schließmuskeln gesichert. Hierbei gibt es zum einen den inneren Schließmuskel (Musculus sphincter ani internus) welcher unwillkürlich beeinflusst wird und eine Verstärkung der Darmwand darstellt. Unser äußere Schließmuskel (Musculus sphincter ani externus) dagegen ist willkürlich beeinflussbar.
Beide Schließmuskeln zusammen bilden das Kontinenzorgan unseres Körpers. Die Haut um unseren Anus ist mit Schweiß- Talgdrüsen und Haaren ausgestattet.

Formen der Afterentzündung

Die Anitis oder auch Analekzem kann grob in drei verschiedene Formen unterteilt werden. 1. Kumulativ- toxisches Analekzem, 2. Kontaktallergisches Analekzem und 3. Atopisches Analekzem.

Zu 1.: Kumulativ- toxisches Analekzem:

Etwa 30% der auftretenden Analekzeme gehören der Kumulativ-toxischen Form an.
Die Leitsymptome hierbei sind vor allem das Nässeln des Afters und eine großflächig gerötete Haut im Analbereich. Eine Vielzahl von Grunderkrankungen können die kumulativ- Toxische Form auslösen. Hierzu zählen Hämorrhiden, Parasitosen, starkes Schwitzen (Hyperhidrose) aber auch eine falsche Analhygiene. Ein weiterer Auslöser kann eine anatomische Fehlbildung sein.
'Eine solche Fehlbildung kann zum Beispiel der Trichteranus darstellen, hierbei liegt der Anus sehr tief zwischen den Pofalten. Zu 80% machen jedoch die Hämorriden den Verlauf einer kumulatis-toxischen Anitis aus. Die Grunderkrankung führt in dieser Form zu einer gehäuften Flüssigkeitsansammlung im Analbereich. Durch verstärke Flüssigkeitsansammlung kann es zu einer Irritation der Haut kommen die Beschwerden eines Analekzems auslösen.

Zu 2. Kontaktallergisches Analekzem:

Etwa 40% aller Analekzeme werden durch die kontaktallergische Form bestimmt. Sie stellt eine spezielle Form der Kontaktallergie dar die durch unterschiedlich Substanzen ausgelöst werden kann. So kann unsere Haut im Analbereich auf verschiedene Stoffe zum Beispiel in Toilettenpapier, feuchten Tüchern, Intimsprays oder anderen Pflegemitteln allergisch reagieren.

Zu 3. Atopisches Analekzem:

Das atopische Analekzem macht etwa 20%-30% aller Analekzeme aus. Im genaueren Sinne ist sie eine Variante der Neurodermitis. Das Atopische Ekzem ist eine chronische und nicht ansteckende Hauterkrankung. Die Anusregion ist für die Entstehung eines atopischen Ekzems eine typische Manifestationsstelle.

Ursachen

Die Ursachen eines Analekzems können unterschiedlich sein.

Hierbei ist auf die Verschiedenen Arten und Unterscheidungen zurück zu verweisen. Wie oben beschrieben sind die häufigste Ursache eine externe Irritation der Haut.
Verstärkend wirken auf die Entstehung von Entzündungen übermäßiges Schwitzen, Traumatisierung der Haut (zum Beispiel durch Toilettenpapier) sowie eine verminderte Analhygiene.

Wichtig ist auch zu wissen das auch eine übermäßige Analhygiene eine Entzündung auslösen kann, da hier die Haut vermehrt beansprucht wird. Andere Ursachen können Hämorrhoiden oder ein Analprolaps sein.

Wird die Haut im Bereich des Afters geschädigt können Keime und Bakterien leichter eintreten und so eine ungewollte Entzündung auslösen.
Auch allergische Reaktionen können eine Afterentzündung auslösen. Bei einer Allergie reagiert der Körper (in diesem Fall die Haut) auf einen Fremdstoff mit einer spezifischen immunologischen Reaktion. Diese Form wird als allergisches Kontaktekzem bezeichnet. Zur Entstehung des allergischen Kontaktekzems benötig es eine sogenannte Sensibilisierungsphase.
Wird der Körper nach dieser Sensibilisierungsphase erneut dem Produkt ausgesetzt so reagiert er mit Allergischen Zeichen die sich in einer Entzündung äußern können. Allergisch reagiert der Körper im Analbereich vor allem auf Stoffe wie Lidocain, Policresulen, Kamillenextrakt, Mafenid und Cinchocain. Solche Stoffe sind vermehrt in Hygieneprodukten zu finden. Hierbei ist nicht entscheiden wie lange unser Körper diesen Stoffen ausgesetzt ist.
Oft kann schon eine kurze Berührungsdauer eine entzündliche Reaktion auslösen. Beachten Sie auch das man jahrelang Allergiefrei auf die Allergie auslösenden Stoffe reagieren kann bevor es zu einer entzündlichen Reaktion kommt. Bei Auftreten eines Analekzems muss man bedenken dass es immer eine Grunderkrankung gibt die eine Entzündung auslösen. Diese können vielfältig sein und sollten vom Arzt abgeklärt werden um eine geeignete Therapie zu finden.

Symptome

Die Symptome einer Afterentzündung können unterschiedlich sein.

Häufig beschreiben Betroffene jedoch das der Beginn mit einem starken Juckreiz einhergeht. Kratzen schafft hierbei kaum Linderung und kann die Situation nur zusätzlich verschlimmern. So kann es zu offenen Stellen kommen die ein Brennen der Afterregion auslösen können.

Salben oder verstärkte Hygienemaßnahmen führen bei eintretenden Juckreiz nur bedingt zu einer Linderung. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann es zu einem Anschwellen des Afters kommen. Diese Schwellung kann oft bereits schon selbst ertastet werden und ist ein weiteres Alarmzeichen einen Arzt aufzusuchen.
In Ausnahmefällen kann die betroffene Stelle auch zu nässen beginnen (Pruritus ani) oder auch bluten. Patienten verspüren häufig heftige Schmerzen die auch in Schonhaltung nicht abklingen. Normales Sitzen oder Stuhlgang kann diese Schmerzen noch verstärken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schmerzen am After, Analkarzinom

Beim Arzt wird oft eine Rötung des betroffenen Bereiches festgestellt. Sowohl die akute als auch die chronisch verlaufende Form der Anitis ist durch eine scharfbegrenzte Rötung gekennzeichnet. Bei der chronischen Entzündung des Afters kann es außerdem noch zu Rhagaden kommen (flächige oder punktförmige Hauterosionen).

In manchen Fällen ist auch eine Mazeration zu beobachten. Mazeration bedeutet die Aufweichung des Gewebes. Dies kann durch das Nässeln und den Haut-zu-Haut-Kontakt entstehen.

Diagnose

Die Untersuchung bei einem Verdacht auf ein Analekzem sollte stets in einem vertrauenswürdigen Rahmen mit dem Arzt geschehen.

Zuerst sollte es hierbei ein Gespräch zwischen ihnen und dem Arzt geben. Nach Schilderung der Symptome und einer Inspektion durch den Arzt wird in der Regel eine digital- rektale Untersuchung (händische Untersuchung des Rektums) durchgeführt.

Eine Verdachtsdiagnose kann hierbei noch zusätzlich durch eine histopathologische Untersuchung (Untersuchung von Gewebe unter dem Mikroskop) bestätigt werden. Histologisch sind hierbei häufig Akanthosen und Spongiosen zu finden.
In tieferen Hautschichten sind manchmal auch Lymphknoten infiltriert. Des weiteren sollte ein Test stattfinden um die wichtigsten Kontaktallergien auszuschließen. Eine weitere diagnostische Maßnahme ist das erstellen einer Differentialdiagnose um die eigentliche Grunderkrankung zu erkennen und andere Erkrankungen aus zu schließen.

Ihr Arzt kann zur Diagnosestellungen auch Prokto- und Rektoskopie anwenden.

Therapie

Das Ziel der Therapie sollte es stets sein die Grunderkrankung zu finden und zu behandeln.

Um eine schnelle Linderung der akuten Beschwerden zu erzielen können Salben und Cremes verwendet werden. Sitzbäder können eine zusätzliche Linderung der Symptome bewirken. Diese sind meist desinfizierend und adstringierend (entzündungshemmend, blutstillend und austrocknend).

Stellt sich heraus das die Entzündung durch eine allergische Reaktion vermittelt wurde sollte auf die jeweiligen Kontaktallergene verzichtet werden.
Zur Reinigung des Analbereiches wird empfohlen auf Stoffe zurückzugreifen die nur ein geringes allergenes Potential aufweisen. Diese können spezielle Seifen, reines Wasser oder auf bestimmte Öle sein. Bei nässelnden Analekzemen können topische Glucocorticoide kurzzeitig angewendet werden. Dauerhaft kann eine Therapie des kontaktallergischen Ekzems durch Salben wie Ichthyol behandelt werden. Ichthyol weißt antiphlogistische (entzündungshemmende) Eigenschaften auf. Glucocorticoide wirken entzündungshemmend, antiallergisch, immunsuppressiv und lindern auch auftretende Juckreizbeschwerden. Es sollte darauf geachtet werden das Glucocorticoide nur zur kurzzeitigen Anwendung dienen und auf längere Sicht eher kontrainduzierend sind.

In manchen Fällen kann auch eine Ernährungsumstellung Linderung verschaffen. In vielen Fällen sind Hämorrhoiden der Auslöser. Hierzu sollten sie mit dem Arzt eine geeignete Therapie besprechen um die Hämorrhoidale Grunderkrankung zu beseitigen. Hier kann es unter anderen sein das sehr große Hämorrhoiden operativ entfernt werden müssen.

Beim Auftreten einer Anitis sollten die Betroffenen besonders auf Hygiene achten. Zu beachten ist jedoch das die Reinigung des Analbereichs in diesem Falle sehr vorsichtig geschehen sollte um weitere Verletzungen zu vermeiden.

Komplikationen

Man sollte bei der Entstehung einer Entzündung möglichst direkt einen Arzt aufsuchen um einen chronischen Verlauf zu vermeiden.

Liegt ein chronisches Analekzem vor kann es unter Umständen dazu kommen das sich ein Plattenepithelkarzinom entwickelt. Klingt ein Analekzem auch nach durchgeführter Therapie nicht ab sollten sie durch ihren Arzt abklären lassen ob ein Karzinom des Analkanals eine mögliche Ursache sein könnte.

Prognose

Um eine Prognose zu stellen muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Um Erkrankung vollständig zu beseitigen ist es oft nötig eine länger andauernde Behandlung durchzuführen. Wird ein Analekzem nicht behandelt kann es zu einer chronischen Erkrankung werden. Unbehandelt können dauerhafte Hautschäden entstehen.

Prophylaxe

Eine Prophylaxe ist nur bedingt möglich, da Auslöser wie allergische Reaktionen oder Hämorrhoiden häufig nicht vermieden werden können. Generell ist auf eine ausreichende Hygiene der Afterregion zu achten. Durch hygienische Maßnahmen können Krankheitserreger davor gehindert werden in den After einzudringen Hierbei sollten sie aber berücksichtigen das übermäßige Hygiene ebenfalls schädlich für die Haut sein kann.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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