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Niereninfarkt - Gefährlich oder doch heilbar?

Was ist ein Niereninfarkt?

Als Niereninfarkt wird der Untergang von Nierengewebe bezeichnet. Der Niereninfarkt entsteht, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß der Niere verstopft und die Niere infolgedessen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden kann. Wird die Durchblutungsstörung nicht sofort behoben, geht das Nierengewebe zugrunde. Ein Leitsymptom ist dabei an kolikartiger Flankenschmerz. Je nach Ausmaß des Infarktes unterscheidet man einen kompletten Niereninfarkt von einem Nierenteilinfarkt. Niereninfarkte treten heutzutage aufgrund guter Vorsorgemaßnahmen selten auf. Fällt ein Niereninfarkt rechtzeitig auf, kann er gut behandelt werden und schwere Folgen sind vermeidbar.

Ursachen eines Niereninfarkts

Embolien und Thrombosen sind die wichtigsten Ursachen für einen Niereninfarkt. Am häufigsten lösen Embolien Niereninfarkte aus. Dabei kommt ein Embolus (Gefäßpropf) meistens aus dem Herzen und bleibt in einer kleinen Nierenarterie stecken und verstopft das Gefäß.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie ein Embolus entstehen kann. Er kann beim Vorhofflimmern im linken Vorhof des Herzens gebildet werden. Bei einer bakteriellen Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) können sich Auflagerungen der Herzwand ablösen und Gerinnsel bilden, vor allem in der linken Herzkammer. Neben dem Herzen kann auch die Hauptschlagader (Aorta) Ursprung des Embolus sein. Bei der Volkskrankheit Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) können sich Gefäßplastiken ablösen und die Nierengefäße verschließen. Ein Niereninfarkt kann außerdem durch eine Nierenarterienthrombose verursacht werden. Risikofaktoren für eine Thrombose sind Veränderungen der Gefäßwände, der Blutströmung und der Blutzusammensetzung. Das Blutgerinnsel, das die Nierenarterie bei der Nierenarterienthrombose verstopft, entsteht lokal und kann über die Thrombose einen Infarkt der Niere auslösen.

Weitere Informationen zum Thema "Embolie" finden Sie unter: Gefahren einer Embolie - Das sollten Sie wissen!

Symptome eines Niereninfarkts

Die Symptome bei einem Niereninfarkt können sehr unterschiedlich ausgeprägt ausfallen. Das Leitsymptom bei einem Infarkt der Niere ist ein plötzlicher, heftiger Flankenschmerz. Der Schmerz tritt dabei häufig kolikartig auf, das heißt, dass der Schmerz in Intervallen auftaucht. Die Schmerzen kommen sehr schnell und sehr stark, verschwinden plötzlich und kommen heftig wieder. Die Schmerzen können von Schweißausbrüchen, Übelkeit und Kreislaufschwierigkeiten begleitet werden. Neben der Übelkeit kann es auch zu Erbrechen und starken Bauchschmerzen kommen, besonders wenn größere Nierenareale betroffen sind. In den darauffolgenden Tagen kann eine Makrohämaturie entstehen. Das bedeutet, dass das But im Urin zu erkennen ist. Bleibt der Niereninfarkt unbemerkt und unbehandelt, kann eine verschlechterte Nierenfunktion auftreten. Symptome dafür sind ein veränderter Urin, der dunkler oder heller ist oder in der Menge abnimmt. Es kann passieren, dass man sehr häufig auf die Toilette muss und nur wenig Wasser lässt. Nächtlicher Harndrang und Blut im Urin können vorkommen. 25% aller Niereninfarkte bleiben jedoch ohne irgendwelche Symptome und sind deshalb schwer frühzeitig zu diagnostizieren.

Was können Anzeichen für einen Niereninfarkt sein?

Der heftige Flankenschmerz, der häufig kolikartig auftritt, ist als Leitsymptom ein wichtiges Anzeichen für einen Niereninfarkt. Übelkeit, Bauchschmerzen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen können ebenfalls auf eine Erkrankung der Niere hinweisen und müssen gründlich untersucht werden. Blut im Urin ist ein ernstzunehmendes Symptom und sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Diagnose eines Niereninfarkts

Der Verdacht auf einen Niereninfarkt ergibt sich aus den Symptomen. Eine Einweisung in die Klinik muss in kürzester Zeit erfolgen, um Folgen wie ein Nierenversagen zu verhindern. Für die Diagnosestellung erfolgt ein Gespräch mit anschließender körperlicher Untersuchung. Das Abklopfen der Nieren als Bestandteil der körperlichen Untersuchung wird von den Betroffenen meist als schmerzhaft empfunden. Zudem wird Blut abgenommen, um die Nierenfunktion über Laborparameter zu überprüfen und Nierenschäden zu detektieren. Eine Ultraschalluntersuchung liefert schnell eine gute Sicht über die Nierengefäße und ermöglicht bis zu 97% der Nierenarterienpathologien festzustellen. Um die Diagnose zu sichern, kann eine Angiographie durchgeführt werden, wodurch mithilfe von Kontrastmittel die Nierendurchblutung dargestellt wird. Gegebenenfalls sind weitere bildgebende Maßnahmen notwendig, um die Diagnose „Niereninfarkt“ zu stellen, wie ein MRT der Niere oder eine Nierenszintigrafie.

Ultraschalluntersuchung bei einem Niereninfarkt

Die Ultraschalluntersuchung ist eine schnelle, schonende Methode, um einen Überblick über die Durchblutung der Nieren zu erhalten. In den meisten Fällen lassen sich die Arterien dabei gut darstellen und starke Veränderungen der Nierenarterien werden in bis zu 97% der Fälle mit dem Ultraschallgerät festgestellt. Moderne Ultraschallgeräte haben die Möglichkeit mit einem Dopplersignal zu überprüfen, wie gut die dargestellten Gefäße durchblutet werden.

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Angiographie bei einem Niereninfarkt

Bei einer Angiographie handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung von Blutgefäßen, bei der mithilfe eines Katheters Kontrastmittel in die zu untersuchenden Gefäße gegeben wird. So lassen sich die Arterien sehr gut darstellen. Eine Nierenarterienangiographie kann genutzt werden, um die Diagnose „Niereninfarkt“ zu sichern.

Lesen Sie auch: Angiographie -  Ablauf und Komplikationen

MRT bei einem Niereninfarkt

Das MRT (Magnetresonanztomographie) ist eine Untersuchung, mit der die Nieren dargestellt werden können. Diese Untersuchung kann mit Kontrastmittel durchgeführt werden und eignet sich besonders gut zur Abklärung unklarer Raumforderungen. Ein MRT kann in der Praxis zur Abklärung einer Nierenarterienverengung verwendet werden. In den meisten Fällen reicht dennoch schon eine einfache Ultraschalluntersuchung aus, um die Diagnose „Niereninfarkt“ zu stellen.

Weitere Informationen zum Thema "MRT" finden Sie unter: MRT - Verfahren und Risiken

Behandlung des Niereninfarkts

Ein Niereninfarkt sollte so schnell wie möglich behandelt werden, um Konsequenzen durch die unzureichende Sauerstoffversorgung der Niere zu vermeiden. Als Sofortmaßnahme wird den Betroffenen mit einem akuten Niereninfarkt Heparin verabreicht (5.000 bis 10.000 IE, internationale Einheiten). Dabei handelt es sich um einen Blutgerinnungshemmer, um eine weitere Blutgerinnselbildung zu vermeiden und vorhandene aufzulösen. Sollten beide Nieren betroffen sein, kann eine Dialyse nötig sein, bei der die Nierenfunktion mit einem Gerät ersetzt wird. Kann das Gerinnsel nicht mit Herapin aufgelöst werden, kommt eine Operation oder eine Lysetherapie infrage. Man kann den schädlichen Embolus oder Thrombus operativ entfernen. Im Rahmen einer Lysetherape schiebt man einen Katheter bis in die Niere vor, verabreicht darüber ein Medikament, welches das Gerinnsel schließlich abbaut. Bei der Lysetherapie verwendet man häufig das Enzym Urokinase oder den Wirkstoff rtPA (Recombinant Tissue Plasminogen Activator), das heißt Stoffe, die auf eine natürliche Weise zu einer Auflösung des Blutgerinnsels führen.

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Die richtige Ernährung nach einem Niereninfarkt

Nach einem Niereninfarkt richtet sich die Ernährung nach der auslösenden Grunderkrankung und den Folgen des Infarktes. Entsteht ein akutes Nierenversagen ist die Flüssigkeitszufuhr ein wichtiger Aspekt und sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Die Ernährung sollte gezielt den Gehalt an harnpflichtigen Substanzen im Blut senken, den Blutdruck normalisieren und die Wassereinlagerungen ausschwemmen. Zu viel Eiweiß in der Nahrung kann die Nieren belasten, während ein Verzicht auf Eiweiß das Fortschreiten der Nierenschwäche verlangsamt. Je nach Schweregrad der Nierenschwäche sollte der Eiweißgehalt in den Speisen angepasst werden, insgesamt sollte die Diät in jedem Fall eiweißarm sein. Es sollte außerdem mit dem Arzt besprochen werden, wie viel Salz aufgenommen werden darf. Zu viel Salz kann sich negativ auf den Blutdruck auswirken, aber ein Verzicht kann die Nierenfunktion sogar verschlechtern. Deshalb ist es wichtig, die Salzaufnahme der individuellen Situation anzupassen. Grundsätzlich ist nach einem Niereninfarkt eine eiweißarme Diät positiv für die Prognose. Die Folgen eines Niereninfarktes können unterschiedlich ausgeprägt sein, sodass die Ernährungsweise individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden sollte.

Weitere Informationen finden Sie unter: Ernährung bei Nierenerkrankungen

Die möglichen Komplikationen eines Niereninfarkts

Die Dauer und das Ausmaß des Niereninfarktes bestimmen den Krankheitsverlauf maßgeblich. Betrifft der Niereninfarkt ein größeres Gebiet der Niere, kann ein akuten Nierenversagen entstehen. Akutes Nierenversagen ist dadurch gekennzeichnet, dass die Niere ihre Aufgaben nicht richtig erfüllen kann. Harnpflichtige Substanzen aus dem Blut, die normalerweise über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden werden, verbleiben im Blut. Das wirkt sich negativ auf den Elektrolyt- und Säure-Base-Haushalt des Körpers aus. Es kann eine lebensbedrohliche Urämie (Harnvergiftung) entstehen, wenn sich der Urin in den Harnwegen anstaut. Daneben können bei Nierenversagen andere Symptome auftreten, wie Übelkeit, Erbrechen, unerträglicher Juckreiz und Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut. Es können sogar Lungenödeme, Atemnot und eine Zyanose (Blaufärbung der Haut und Schleimhäute) auftreten. Ein langfristig erhöhter Harnstoffgehalt im Blut kann zu krankhaften Veränderungen im Gehirn führen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie unter: Akutes Nierenversagen

Ist der Niereninfarkt durch einen arteriellen Gefäßverschluss verursacht, kann das Nierenversagen chronisch werden und in eine Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) übergehen. Eine Niereninsuffizienz wird häufig dialysepflichtig.

Weitere Informationen finden Sie unter: Niereninsuffizienz

Die langfristigen Folgen eines Niereninfarkts

Die langfristen Folgen sind stark vom Ausmaß und der Dauer der Minderdurchblutung der Niere abhängig. Bei einem leichten Niereninfarkt, der früh erkannt und behindert wird, ist eine weitgehende Erholung der Niere zu erwarten. Ist der Infarkt ausgeprägt und dauert länger an, kann ein Nierenversagen resultieren. Bei einem chronischen Nierenversagen kann die Niere sogar Eiweiß und Blut ausscheiden. Wassereinlagerungen können auftreten und Erkrankungen der ableitenden Harnwege entstehen. Im fortgeschrittenen Stadium eines chronischen Nierenversagens können ausgeprägte Symptome auftreten, die mit einer mangelnden Leistungsfähigkeit, Erbrechen, Übelkeit, starken Wassereinlagerungen und Hautveränderungen einhergehen. Bei terminalem Nierenversagen ist eine Nierentransplantation notwendig.

Lesen Sie mehr zu: Stadien der Nierenschwäche bis zur Nierentransplantation

Dauer und Prognose eines Niereninfarkts

Der Krankheitsverlauf und die Prognose werden bei einem Niereninfarkt von individuellen Gegebenheiten bestimmt, wie Vorerkrankungen und Ursachen des Infarktes, dem betroffenen Nierengebiet und der Dauer der Minderdurchblutung der Niere. Die Niere kann sich nahezu vollständig erholen oder in ein Nierenversagen geraten, das dialysepflichtig ist. Die Prognose ist demnach individuell sehr unterschiedlich. Ist ein arterieller Gefäßverschluss für den Niereninfarkt verantwortlich, ist die Prognose nicht besonders gut.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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