Dauer eines Schleudertraumas

Einleitung

Die Dauer eines Schleudertraumas hängt maßgeblich von der Schwere des Unfalls ab. Erste Symptome treten in der Regel 0-72 Stunden nach dem Ereignis auf, und dauern unterschiedliche lange an.

Quebec-Klassifikation

Auf den Körper wirken je nach Unfallmechanismus unterschiedlich starke Kräfte, woraus auch unterschiedlich lange Genesungszeiten resultieren. Der Schweregrad eines Schleudertraumas wird in der Quebec-Klassifikation eingeteilt:

  • Grad 0keine Beschwerden, keine Symptome
  • Grad 1Nackenschmerzen, Steifheit des Nackens. Diese Symptome können Tage bis hin zu Wochen bestehen
  • Grad 2Muskelverspannungen mit Bewegungseinschränkung – Je nach Therapie und Ausbreitung kann es mehrere Wochen dauern, bis diese Symptome verschwinden
  • Grad 3 – Beschwerden mit neurologischen Symptomen. Dies weist auf eine besonders schwere Krafteinwirkung mit Beteiligung des zentralen Nervensystems hin. Es ist an eine Beeinträchtigung oder Beschädigung von Nervenbahnen in Hirn und/oder Rückenmark zu denken, die gegebenenfalls noch Jahre fortbestehen kann
  • Grad 4Schleudertrauma mit Wirbelfraktur oder Dislozierungen (Verschiebungen).

Zwar heilen Frakturen in der Regel binnen 6 Wochen aus, jedoch ist zur Stabilisierung der gebrochenen Wirbelkörper oft eine invasive Operation notwendig, bei der auch Stützmuskulatur verletzt werden kann. Nicht umsonst bildet Grad 4 die letzte und schwerste Stufe des Schleudertraumas. Meist ist auch eine entsprechende Nachbehandlung mittels Reha oder Physiotherapie notwendig.


Therapie

Nachdem man früher noch eine Halskrause zur Immobilisierung des Halses verordnet hat, ist man heutzutage davon abgegangen und stellt mehr die frühe Wiederaufnahme der Beweglichkeit in den Vordergrund. Die zwangsläufig entstehenden Schmerzen werden mit Schmerzmitteln bekämpft. Diese haben zwar den Nachteil, dass sie die Magenschleimhaut angreifen und daher in Kombination mit einem Magenschutz genommen werden müssen, allerdings wird durch eine frühe Wiederaufnahme der Bewegung die Heilungsrate wesentlich beschleunigt.

Eine Halskrause wird meist nur noch innerhalb der ersten Tage nach dem Schleudertrauma verwendet, sie hat aber weder sonderlich großen Vor- , noch Nachteil. Ihre Hauptaufgabe ist, den Patienten in seiner Bewegung einzuschränken, um ruckartige Bewegungen zu vermeiden. Insbesondere kurze Zeit nach der OP ist der betroffene Bereich noch äußerst labil.

Mit dem Ziel, die Heilungsdauer nach einem Schleudertrauma zu verkürzen, wird auch oft Physiotherapie verschrieben. Auch wenn diese bei anderen muskulären Problemen einen erwiesenen Nutzen hat, stellt sich die Therapie nach einem Schleudertrauma kompliziert dar: Die Dauer bis zur Beschwerdefreiheit konnte in einer großen Studie mit knapp 4000 Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht maßgeblich verkürzt werden, wenn auch kleine Verbesserungen erzielt werden konnten.

Die Kopf-Hals-Region ist eine anatomisch und muskulär gesehen vergleichsweise kompliziert strukturierte und anfällige Region – in Kombination mit der hohen Krafteinwirkung bei einem Schleudertrauma also eine schlechte Voraussetzung zur schnellen Heilung. Es stellt für Physiotherapeuten, Mediziner und Patienten eine schwierige und teilweise langwierige Aufgabe dar, die nicht immer zur vollkommenen Zufriedenstellung gelöst werden kann.

Zusammenfassung

Eine pauschalisierende Aussage, wie viel Zeit nach einem Schleudertrauma vergehen muss, um wieder beschwerdefrei zu sei, lässt sich daher nicht treffen. Es hängt von zu vielen verschiedenen – und teilweise nicht beeinflussbaren Faktoren ab. In einer Vielzahl der Fälle treten die Beschwerden noch länger als ein halbes Jahr nach dem Schleudertrauma auf, in anderen Fällen sind sie bereits nach zwei Wochen verschwunden. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, kann man als Autofahrer mit wenigen Handgriffen einen großen Effekt erzielen: Die richtige Einstellung der Kopfstütze reduziert das Risiko eines Schleudertraums drastisch – diverse Aufklärungskampagnen zielen daher auf dieses Thema ab.

In der Regel werden jedoch fast 100% aller Betroffenen innerhalb eines Jahres wieder beschwerdefrei. (87% nach einem halben Jahr). Allerdings existieren stark unterschiedliche Ergebnisse, je nach durchgeführtem Studiendesign und Befragungsmethode.

Oft kommt auch eine psychosomatische Komponente hinzu, d.h. die Beschwerden können also auch ohne körperliche Ursache weiterbestehen. In seltenen Fällen chronifiziert die Beeinträchtigung und verursacht dauerhaft Schmerzen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.03.2017
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