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Verlauf einer Gürtelrose

Einleitung

Der Verlauf einer Gürtelrose ist durch verschiedene Phasen charakterisiert. Nach einer Art „Inkubationszeit“ von Jahrzehnten verläuft eine Gürtelrose in zwei Phasen.
Die erste Phase ist gekennzeichnet durch Allgemeinsymptome. In dieser Phase sind noch keine Hauterscheinungen erkennbar. Je nachdem an welchen Körperstellen sich die Gürtelrose manifestiert hat, kann es in dieser Phase zu verschiedenen fehlinterpretierten Beschwerden kommen.
In der zweiten Phase tritt der charakteristische Hautausschlag auf. Der Verlauf des Hautausschlags ist wiederum eingeteilt in drei Unterphasen. Bei ungünstigen Bedingungen entwickelt sich noch eine dritte Phase nach Abschluss der Erkrankung. Diese Phase verläuft chronisch und geht mit chronischen Schmerzen einher.

Inkubationszeit

Da die Gürtelrose keine Neuinfektion ist, kann man keine „richtige“ Inkubationszeit im klassischen Sinne ausmachen. Wenn man aber die Zeit, in der sich die Viren bereits im Körper befunden haben als Inkubationszeit definiert, hat die Gürtelrose eine sehr lange Inkubationszeit. Diese kann Jahrzehnte dauern

Grund dafür ist der Zusammenhang mit den Windpocken. Es sind dieselben Viren, die diese beiden Erkrankungen verursachen. Nachdem eine Windpockenerkrankung überstanden wurde, lagern sich die sogenannten Varizella-Zoster-Viren in eine Art Sammelstellen für Nervenzellkörper ein. Diese Sammelstellen bezeichnet man als Ganglien. Sie befinden sich im Rückenmark und in den Hirnnervenkernen. Dort ruhen die Viren oft Jahrzehnte und bei intaktem Immunsystem lebenslang. Wenn das Immunsystem stark geschwächt ist, können diese Viren jedoch reaktiviert werden. Sie verlassen die Ganglien und wandern entlang des betroffenen Nervenstrangs. Darüber gelangen sie in Kontakt mit der Haut und können die Gürtelrose auslösen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Inkubationszeit einer Gürtelrose.

Was sind die Anzeichen einer Gürtelrose?

Die ersten Anzeichen sind sehr unspezifisch. Allgemeinsymptome und Schmerzen in einem bestimmten Körperbereich äußern sich zunächst ohne sichtbare Hautveränderungen. So können fälschlicherweise z.B. Schmerzen im Brustbereich als ein Herzproblem interpretiert werden oder bei Schmerzen im Rücken ein Bandscheibenvorfall vermutet werden.
Auch vorkommende Bauchschmerzen können als Magen-Darm-Probleme fehlinterpretiert werden. Zudem können grippeartige Symptome mit Glieder- und Kopfschmerzen auftreten. In manchen Fällen entsteht Fieber. Oft berichten die betroffenen Patienten von einem starken Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit und Müdigkeit.
Nach ein paar Tagen zeigen sich dann sichtbare Anzeichen einer Gürtelrose im Sinne eines meist halbseitigen Hautausschlags.

In welcher Reihenfolge kommen die Symptome?

Die Reihenfolge der Symptome sind in der Regel sehr ähnlich. Oftmals entstehen zunächst im befallenen Körperabschnitt Schmerzen ohne sichtbare Hautveränderungen. Es entstehen also Schmerzen im betroffenen Dermatom. Das bedeutet, dass der Hautbereich, der von dem befallenen Nervenstrang versorgt wird, schmerzt.
Manche betroffene Personen berichten auch von Missempfindungen. Häufig sind daneben die ersten Beschwerden Müdigkeit, Abgeschlagenheit, grippeähnliche Symptome und Fieber. Auch können Übelkeit und Magenschmerzen auftreten
Manche Betroffene leiden vor dem Ausbruch des Hautausschlags an Zahn- oder Rückenschmerzen oder andere Schmerzen. Erst ein paar Tage später entstehen dann im betroffenen Nervensegment diskreten roten Flecks. In der Regel bilden sich Bläschen innerhalb der darauffolgenden 12 – 24 Stunden.
Nach ein paar weiteren Tagen verschmelzen die Bläschen und können eintrüben. Sie füllen sich mit Lymphflüssigkeit. Dies ist eine eiweißhaltige Flüssigkeit unseres Körpers, die zu der trüben Farbe des Bläscheninhaltes führt. Es können Schmerzen und Juckreiz entstehen. In den nächsten Tagen platzen die Bläschen meist auf. Danach bilden sich innerhalb von ein bis zwei Wochen gelb-braune Borken.
Bei gutem Immunsystem sind die Hautveränderungen und Beschwerden nach 3-4 Wochen ohne Folgen vollständig abgeheilt.

Bei immungeschwächten Personen können die Nerven geschädigt werden. Im Anschluss oder verzögert ein paar Wochen nach der abgeschlossenen Erkrankung kann eine sogenannte postzosterische Neuralgie entstehen. In diesem Rahmen können aus der Gürtelrose chronische Schmerzen entstehen.

Diese Schmerzen werden als neuropathische Schmerzen beschrieben. Sie entstehen aufgrund einer Schädigung eines Nervs oder von mehreren Nerven. Der Schmerz, der in dieser Phase auftritt wird häufig als brennend, elektrisierend und sehr stark beschrieben.
Wenn die Bläschen während der Erkrankung aufgekratzt wurden, können irreversible Narben und Pigmentstörungen entstehen und nach Heilung der Erkrankung verbleiben. In einigen Fällen kann der Hautausschlag aber auch gar nicht auftauchen. Hier spricht man von einer postherpetischen Neuralgie, bei der Schmerzen und Missempfindungen im Vordergrund stehen.

Verlauf der Schmerzen

Die Schmerzen sind oft schon von Anfang an stark. Bei manchen steigert sich das Schmerzgefühl mit Auftreten des Hautausschlags. Oftmals werden die Schmerzen während der Erkrankung als dumpf, pulsierend und stichartig beschrieben.
Es kann zu einem ausstrahlendem Schmerz kommen. Das bedeutet der Schmerz geht über den vom Hautausschlag befallenen Areal hinaus.

In der Regel korreliert die Schmerzstärke mit der Auslöserstärker. Wenn durch das Immunsystem und durch die Medikamente die Viren bekämpft werden und die Virenzahl abnimmt, nimmt auch der Schmerz ab. Wenn sich nach Abheilung des Hautausschlags eine postzosterische Neuralgie entwickelt, kann ein neuropathischer Schmerz entstehen. Dieser Schmerz entsteht aufgrund einer Schädigung eines peripheren oder zentralen Nervs. Man spricht in diesem Fall von einer peripheren Nervenschädigung, da ein bestimmter Nerv an einer Körperstelle und nicht im Gehirn betroffen ist. Wenn ein Nerv im Gehirn geschädigt wurde, spricht man von einer zentralen Störung.
In beiden Fällen kommt es zu einer Hyperaktivierung des Schmerwahrnehmungssystems. Es werden verstärkt Natriumkanäle im Gehirn eingebaut. Das führt zu einer sensibleren und schnelleren Schmerzwahrnehmung. Dieser neuropathische Schmerz verläuft chronisch. Er ist unabhängig vom Auslöser. Oftmals wird er als „kribbelnd“ und sehr stark und unangenehm beschrieben.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Schmerzen bei Gürtelrose

Dauer

Die „Inkubationszeit“ dauert Jahrzehnte. Die Zeit vor dem Ausbruch des Hautausschlages dauert in der Regel ein paar Tage. Das Auftreten der Allgemeinbeschwerden zeigt sich in dieser Zeit. Die ersten Hauterscheinungen zeigen sich als Rötungen und verbleiben ein paar Tage.
Wenn die ersten Hautveränderungen sichtbar sind, dauert die Entstehung der Bläschen auf der Haut meistens einen halben bis einen ganzen Tag. Das Einschmelzen und Eintrüben der Bläschen dauert etwa mindestens einen weiteren Tag. Es kann aber auch 2 – 7 Tage dauern bis der Bläscheninhalt trüb, eitrig gelblich wird. In dieser Zeit klingt die Rötung der Haut ab. Das Platzen der Blasen passiert innerhalb der darauffolgenden Tage und dauert ein paar Tage.
Die bräunlich-gelbliche Krusten und Borkenbildungen geschehen innerhalb von 7-14 Tagen.

Wenn man die Inkubationszeit nicht mit zählt dauert eine Gürtelrose ohne Komplikationen 14-28 Tage. Bei chronischem Verlauf halten die Schmerzen an.
Wenn die betroffenen Hautstellen aufgekratzt wurden, können dauerhafte Pigmentveränderungen und Narben sich entwickeln. Insbesondere wenn sich nekrotisierende Entzündungen und Sekundärinfektionen entwickeln, kann es zu dauerhaften Schädigungen der Haut kommen.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier Dauer einer Gürtelrose.

Verlauf bei HIV

Da im Rahmen einer HIV-Infektion das Immunsystem stark geschwächt ist, dauert die Gürtelrose oftmals länger und schwerer. Häufig entwickeln sich chronische Schmerzen. Gleichzeitig kann die Gürtelrose wiederum das Immunsystem beeinträchtigen. Eine kontrollierte Behandlung ist hier erforderlich.

Weiterführende Informationen zum Thema HIV können Sie hier nachlesen. 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 20.12.2018
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