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Wie ist die Lebenserwartung bei Vorhofflimmern?

Einleitung

Die Lebenserwartung ist bei dem Vorhofflimmern von der Form der Herzrhythmusstörung und den Behandlungsmöglichkeiten abhängig. Liegt neben dem Vorhofflimmern zusätzlich eine Herzerkrankung vor, nimmt die Lebenserwartung im Vergleich zu Herzgesunden ab. Aufgrund der heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten ist die Lebenserwartung jedoch deutlich höher als noch vor 50 Jahren.

Reduziert Vorhofflimmern meine Lebenserwartung?

Es gibt verschiedene Formen von Vorhofflimmern, die auf unterschiedlichen Ursachen beruhen. Die Lebenserwartung hängt stark von begleitenden Herzerkrankungen ab.

Die koronare Herzkrankheit (KHK) ist die Hauptursache für Vorhofflimmern und kann durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflusst werden. Bei einem geschwächten Herz und Vorhofflimmern ist die Sterblichkeit erhöht. Ist man jünger als 65 Jahre alt und leidet an Vorhofflimmern und ist sonst herzgesund, hat man trotz des Flimmerns eine ähnliche Lebenserwartung wie Menschen ohne Vorhofflimmern.

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Welche Formen von Vorhofflimmern beeinflussen meine Lebenserwartung besonders negativ?

Man unterscheidet das Vorhofflimmern nach Zeitpunkt und Dauer des Auftretens in:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern (tritt anfallsweise auf und verschwindet von selbst wieder)
  • Persistentes Vorhofflimmern (hält länger als 7 Tage an, ist therapierbar)
  • Permanentes Vorhofflimmern (besteht dauerhaft und ist therapieresistent)

Das paroxysmale Vorhofflimmern (paroxysmal = anfallartig) tritt plötzlich auf und verschwindet meistens innerhalb von 48 Stunden und maximal innerhalb von 7 Tagen von alleine. Das paroxysmale Vorhofflimmern bleibt sehr häufig unerkannt. Man geht davon aus, dass Menschen mit paroxysmalem Vorhofflimmern ein ähnliches Schlaganfallrisiko haben, wie Patienten mit permanentem Vorhofflimmern. Die Symptome können beim Vorhofflimmern unspezifisch sein: unregelmäßiger Herzschlag und Puls, Schwindel, Schwitzen, Atemnot, innere Unruhe oder Abgeschlagenheit. Dadurch wird diese Form, die schnell von selbst weggeht, oft übersehen. Das paroxysmale Vorhofflimmern kann mit der Zeit chronisch werden.

Das persistente Vorhofflimmern (persistent = fortbestehend/andauernd) dauert mehr als 7 Tage an und lässt sich mit medizinischen Mitteln beenden. Langanhaltende persistierendes Vorhofflimmern kann ohne Behandlung länger als ein Jahr andauern. Diese Form der Erkrankung wird meistens durch medikamentöse oder elektrische Kardioversion behandelt.

Permanentes Vorhofflimmern (permanent = dauerhaft) wird diagnostiziert, wenn ein Fortbestehen des Vorhofflimmerns vom Patienten akzeptiert wird und man keine Behandlung durchführt, die den Rhythmus normalisiert. Besteht Vorhofflimmern länger als 48 Stunden, ist das Risiko ein Blutgerinnsel zu entwickeln stark erhöht. Die Blutgerinnsel können sich lösen und über die Gefäße fortgeschwemmt werden, sie können dann Gefäßverschlüsse (Embolien) verursachen. Entsteht eine Embolie oder sogar ein Schlaganfall, ist das für die Lebenserwartung schlecht. Deshalb ist es wichtig, Vorhofflimmern früh zu diagnostizieren und gezielt zu behandeln mit ggf. Blutverdünnung und Rhythmuswiederherstellung. Für die Lebenserwartung ist die Dauer des  Vorhofflimmerns deshalb besonders wichtig, da diese einen großen Einfluss auf das Risiko für Embolien und Schlaganfälle hat. Langanhaltendes Vorhofflimmern ohne Behandlung beeinflusst die Lebenserwartung negativ.

Man kann das Vorhofflimmern darüber hinaus in „klassisches valvuläres Vorhofflimmern“ und „nicht-valvuläres Vorhofflimmern“ unterscheiden (valvulär = eine Herzklappe betreffend). Diese historische Unterteilung stellt einen Zusammenhang des Vorhofflimmerns mit krankenhaften Veränderungen der Herzklappen her. Bei dem „klassischesn valvulären Vorhofflimmern“ gibt es Vorhofflimmern bei einer Mitralklappenverengung (Mitralstenose) oder nach einem mechanischen Herzklappenersatz. Diese Herzklappenerkrankungen, die dieser Definition zuzuordnen sind, haben ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse im Vergleich zu „nicht-valvulärem Vorhofflimmern“.

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Was kann ich tun, bei bestehendem Vorhofflimmern meine Lebenserwartung positiv zu beeinflussen

Um die Lebenserwartungen bei bestehendem Vorhofflimmern günstig zu beeinflussen sind zwei Punkte wichtig: eine angemessene Therapie und ein gesunder Lebensstil. Ist das Vorhofflimmern bekannt, muss ein Kardiologe regelmäßig besucht werden und das Herz gründlich untersuchen. Es ist wichtig, dass Kontrollbesuche ernst genommen werden. Bekommt man Medikamente verschieben, muss man diese streng so nehmen, wie vom Arzt aufgetragen.

Daneben spielt ein gesunder Lebensstil eine wichtige Rolle. Ist das Herz gesund, verbessert das die Lebenserwartung bei Vorhofflimmern deutlich. Für ein gesundes Herz sind eine ausgewogene, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung äußerst gesund. Alkohol und Nikotin sollten möglichst gemieden werden. Schlechtes Essen, Bewegungsmangel, Alkohol und Zigaretten fördern die Entstehung einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und schließlich koronaren Herzkrankheit (KHK), dem Hauptrisikofaktor von Vorhofflimmern. Ein gesunder Lebensstil hilft dem Herzen effektiv und wirkt sich insgesamt sehr günstig auf die Lebenserwartung aus.

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Kann ein Herzschrittmacher meine Lebenserwartung erhöhen?

Die Lebenserwartung von Patienten mit einem Herzschrittmacher bei Vorhofflimmern hat sich in den letzten dreißig Jahren deutlich verbessert. Herzschrittmacher-Operationen werden in deutschen Krankenhäusern routinemäßig durchgeführt und die Schrittmacher-Geräte erkennen lebensbedrohliche Herzaktionen in der Regel zuverlässig, sodass die Schrittmacher Rhythmusstörungen durch gezielte elektrische Stimulationen aufheben. Die Schrittmacher kontrollieren den Herzrhythmus und beheben vorhandene Rhythmusstörungen. Durch eine Rhythmuskontrolle und Therapie mithilfe des Herzschrittmachers können gefährliche Komplikationen von Vorhofflimmern wie Embolien und Schlaganfälle vorgebeugt werden und die Lebenserwartung positiv beeinflusst.

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Kann Blutverdünnung meine Lebenserwartung positiv beeinflussen?

Blutverdünnende Medikamente sind bei Vorhofflimmern indiziert, wenn ein Risiko für Embolien und Schlaganfälle besteht. Embolien und Schlaganfälle können im schlimmsten Fall tödlich verlaufen oder schwere Behinderungen verursachen, die sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken. Leidet man unter Vorhofflimmern und hat ein erhöhtes Risiko für Embolien und Schlaganfälle, kann eine Blutverdünnung die Lebenserwartung definitiv positiv beeinflussen.

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Wenn ich alles optimal umsetze, kann ich meine Lebenserwartung auf ein normales Niveau anheben?

Es ist nicht möglich, das Vorhofflimmern an sich vorzubeugen, wohl aber Krankheiten günstig zu beeinflussen, die Vorhofflimmern verursachen. Eine ausgewogene Ernährung, Sport und der Verzicht auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin senkt erheblich das Risiko für eine koronare Herzkrankheit, das Hauptrisiko für Vorhofflimmern. Ein gesunder Lebensstil wirkt sich positiv auf das Herzkreislaufsystem aus und kann die Lebenserwartung steigern.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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