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Zwillingsschwangerschaft - Das sollten Sie wissen!

Was ist eine Zwillingsschwangerschaft?

Eine Zwillingsschwangerschaft ist eine Schwangerschaft, bei der statt nur einem Kind zwei Kinder zeitgleich in der Gebärmutter heranreifen. Zwillinge können sich eine Fruchtblase und einen Mutterkuchen teilen oder beide selbst entwickeln. Dies hängt davon ab, ob die Kinder eineiig oder zweieiig sind, also ob sie aus der gleichen Eizelle entstanden sind.

Zwillingsschwangerschaften treten sehr viel seltener auf als Schwangerschaften mit nur einem Baby. Einige Risiken sind während einer Zwillingsschwangerschaft etwas erhöht, weshalb es sich häufiger um Risikoschwangerschaften handelt.

Mehr zum Thema Risikoschwangerschaft finden Sie unter: Risikoschwangerschaft

Wann kommt es zu einer Zwillingsschwangerschaft?

Es gibt einige unterschiedliche Ursachen für eine Zwillingsschwangerschaft.
Die erste Ursache ist, dass zufällig in beiden Eierstöcken eine Eizelle heranreift, statt - wie normalerweise - nur auf einer Seite. Beide Eizellen können dann befruchtet werden und eigenständig zu einem Kind heranreifen.
Der zweite Grund ist, dass sich in den frühen Teilungsstadien die Zellen auseinanderbewegen und sich zwei Kinder aus einer Eizelle entwickeln.
Eine weitere mögliche Ursache für Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften ist die künstliche Befruchtung, da hierbei immer mehrere Eizellen eingesetzt werden, um die Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft zu erhöhen.
Ein sehr seltener Fall ist, dass eine Frau zwei Gebärmütter besitzt und so zwei Kinder zeitgleich heranwachsen können.

Wahrscheinlichkeit einer Zwillingsschwangerschaft

Die Natur sieht beim Menschen eigentlich Schwangerschaften mit einzelnen Kindern vor und deshalb sind Zwillinge relativ selten. Etwa jede 80. Schwangerschaft ist eine Zwillingsschwangerschaft, wobei ungefähr ein Drittel dieser Zwillingsschwangerschaften eineiige Kinder hervorbringen. Die Dunkelziffer bei Zwillingsschwangerschaften ist relativ hoch, da viele Embryos bereits in den ersten Schwangerschaftswochen versterben und nur ein Kind heranreift. Die Häufigkeit von Zwillingsgeburten nimmt zu, da Frauen immer häufiger spät schwanger werden und auch häufiger hormonelle Unterstützung einnehmen.

Eineiige Zwillinge

Zu Beginn einer Schwangerschaft teilen sich die befruchtete Eizelle mehrfach und verdoppelt so die Zellzahl.
Bei dieser Teilung sind die Zellen alle noch sehr variabel und könnten theoretisch jede für sich zu einem Kind heranwachsen. Wenn in diesen frühen Phasen die Zellklumpen zu weit auseinander driften, entstehen zwei Kinder.
Je nach Zeitpunkt dieser Teilung können die Kinder sich eine Fruchtblase oder einen Mutterkuchen teilen oder selbst ausbilden. Diese Zwillinge bestehen aus der gleichen Eizelle und dem gleichen Spermium und haben daher eine identische Geninformation. Eineiige Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht und sehen sich auch später sehr ähnlich.
Etwa 30 Prozent aller Zwillingspaare sind eineiige Zwillinge. Die Unterscheidung kann während der Schwangerschaft besonders gut zwischen der achten und der 12. Schwangerschaftswoche untersucht werden. Eineiige Zwillinge müssen während der Schwangerschaft genauer beobachtet werden, da die Häufigkeit von Komplikationen größer ist.
Die genetische Information codiert allerdings auch für vererbbare Erkrankungen. Wenn also ein Kind betroffen ist, wird auch das Geschwisterkind die jeweilige Erkrankung haben.
In sehr seltenen Fällen geschieht die Trennung der Zwillinge so spät, dass diese sich nicht vollständig voneinander lösen, sondern irgendwo als siamesische Zwillinge verbunden bleiben.

Zweieiige Zwillinge

Normalerweise reift bei einer Frau in jedem Zyklus, also alle 28 Tage, eine Eizelle heran. Diese kann dann befruchtet werden und sich zu einem Kind entwickeln. In einigen Fällen reifen jedoch in beiden Eierstöcken Eizellen heran und es kommt zum doppelten Eisprung. Jede Eizelle wird von einem anderen Spermium befruchtet und es entstehen zwei Kinder.
Die Kinder haben unterschiedliche Gene und sind sich nicht ähnlicher als unterschiedlich alte Geschwister. Jedes Kind hat seine eigene Fruchtblase und auch seinen eigenen Mutterkuchen. Hierdurch sind die Kinder weniger anfällig für bestimmte Komplikationen. Ein Beispiel hierfür ist, dass die Versorgung der Kinder unabhängig voneinander ist und somit nicht ein Kind dem anderen Kind Nährstoffe entziehen kann.
Auch bei einer schwerwiegenden Erkrankung eines Kindes muss das Geschwisterkind nicht mit betroffen sein. Etwa zwei von drei Zwillingsschwangerschaften sind zweieiige Zwillinge. Ob Zwillinge zweieiig sind, lässt sich am besten vor der 16. Schwangerschaftswoche bestimmen. Bei Kindern mit unterschiedlichem Geschlecht lässt sich auch später in der Schwangerschaft noch sicher sagen, dass es sich um zweieiige Zwillinge handelt.

Das sind die Anzeichen einer Zwillingsschwangerschaft

Gerade in der frühen Schwangerschaft unterscheidet sich eine Zwillingsschwangerschaft nicht von einer Schwangerschaft mit einem einzelnen Kind.
Der Befund ist häufig ein Zufallsbefund bei einer der ersten Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Erst in der späten Schwangerschaft ergeben sich einige Unterschiede, wie ein möglicherweise größerer Bauch. Ein Anhaltspunkt für eine Zwillingsschwangerschaft kann sein, dass es in der Familie vermehrt zu Zwillingsgeburten gekommen ist oder dass die Schwangerschaft auf einer künstlichen Befruchtung beruht.

So verändert sich der Bauch bei einer Zwillingsschwangerschaft

Während einer Schwangerschaft durchläuft der Körper der Mutter viele Veränderungen.
Zu Beginn der Schwangerschaft unterscheidet sich der Bauch einer Zwillingsmama noch nicht von dem Bauch einer Frau, die nur ein Kind erwartet. Etwa ab der 16. Woche haben die Kinder eine Größe, die die Gebärmutter dehnt und der Schwangerschaftsbauch wird sichtbar. Die Organe der Mutter müssen nun verschoben werden, da die Zwillinge Platz im Bauch brauchen. Dies geschieht bei Zwillingen etwas eher und in größerem Ausmaß als bei anderen Schwangerschaften.
Ab der 24. Schwangerschaftswoche ist der Babybauch nicht mehr zu verstecken. Dies ist auch etwa vier Wochen früher als bei Müttern, die nur ein Kind erwarten. Da zwei Kinder mehr Platz brauchen, als ein einziges Kind, wächst der Babybauch stärker und schneller. Das führt vermehrt zu Schwangerschaftsstreifen und einem stärkeren Druck auf die Harnblase der Mutter. Auch die Rückbildung nach der Geburt kann etwas länger dauern, als nach einer einzelnen Geburt, da das Gewebe deutlich stärker gedehnt wird.

Da es v.a. bei Zwillingsschwangerschaften zu Schwangerschaftsstreifen kommen kann, könnte Sie auch folgende Seiten interessieren:

Verbundene Risiken

Grundsätzlich ist eine Schwangerschaft keine Krankheit, sondern ein natürliches Ereignis. Schwangerschaften können jedoch mit Komplikationen verbunden sein und bei Zwillingsschwangerschaften kommt es häufiger zu Komplikationen.
Bei Zwillingen ist zum Beispiel das Risiko einer Frühgeburt größer, als bei einem einzelnen Kind. Wenige Wochen sind hierbei eher unkritisch, aber auch sehr frühe Geburten sind bei Zwillingen häufiger. Diese Kinder können dann unter einer unreifen Lunge und anderen Entwicklungsstörungen leiden.
Bei einer Zwillingsschwangerschaft kann es zudem zu einem Zwillingstransfusionssyndrom kommen. Hierbei sind die Kreisläufe der Kinder gekoppelt und das eine Kind wird zum Spender und das andere Kind zum Empfänger. Dadurch ergibt sich eine unterschiedliche Versorgung und ein ungleiches Wachstum der Kinder. Dies kann bis zum Tod des unterversorgten Kindes führen.
Auch grundsätzlich kann eine Wachstumsverzögerung bei Zwillingen auftreten, da die Mutter die Nährstoffe für zwei Kinder bereitstellen muss.
Während der Geburt kann es auch zu zusätzlichen Risiken kommen, da die Kinder eine andere Lage im mütterlichen Bauch einnehmen, als ein einzelnes Kind. Zwillingsgeburten werden dadurch häufiger als Kaiserschnitt durchgeführt. Alle anderen Risiken sind ähnlich wie bei einzelnen Kindern und können lediglich in ihrer Häufigkeit gesteigert sein. 

Ausführliche Informationen zu den Komplikationen finden Sie unter: Schwangerschaftskomplikationen - Alles rund um dieses Thema!

Was passiert, wenn während der Schwangerschaft ein Kind stirbt?

Heutzutage ist die Diagnose einer Zwillingsschwangerschaft bereits sehr früh möglich. Dies kann Fluch und Segen sein. Die Mütter müssen sich darauf einstellen, dass nicht beide Kinder überleben, da bei vielen Zwillingsschwangerschaften ein Embryo bereits in den ersten Schwangerschaftswochen verstirbt und nur ein Kind heranwächst.
Ein verstorbener Zwilling in dieser frühen Phase bedeutet kein höheres Risiko für die Mutter oder den lebenden Zwilling.
Wenn ein Kind später in der Schwangerschaft stirbt: stellt dies jedoch sehr wohl ein Risiko dar. Der verstorbene Zwilling muss normalerweise rausgeholt werden oder die Mutter verliert das Kind von selbst. Bei getrennten Fruchtblasen ist dies gut mit einer Fortsetzung der Schwangerschaft vereinbar, während bei einer geteilten Fruchtblase das zweite Kind oft als Frühgeburt geboren werden muss.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Fehlgeburt

Dauer einer Zwillingsschwangerschaft

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Dies ist auch bei Zwillingsschwangerschaften nicht anders, da die Zeit, die ein Kind zum Wachsen braucht, sich nicht ändert. Schwangerschaften die weniger als 37 Wochen dauern bedeuten eine Frühgeburt.
Zwillinge sind deutlich häufiger Frühgeburten, da einfach der Platz im Bauch der Mutter begrenzt ist und die Geburt eher eingeleitet wird. Meistens handelt es sich jedoch nur um drei bis vier Wochen kürzere Schwangerschaften, was für die Kinder unkritisch ist, da die wichtige Organreifung bereits erfolgt ist.

Beschäftigungsverbot bei einer Zwillingsschwangerschaft

Obwohl die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit auch von Schwangerschaft und Beruf zunimmt, gibt es einige Berufe, die eine Schwangere nicht ausüben kann und darf.
Da Zwillingsschwangerschaften oft als Risikoschwangerschaften laufen, sind hierbei die Einschränkungen noch größer.
Ein generelles Beschäftigungsverbot, egal ob normale Schwangerschaft oder Risikoschwangerschaft, ist im Mutterschutzgesetz verankert. Darin ist enthalten, dass die werdende Mutter nicht mehr als fünf Kilogramm heben darf und in der Spätschwangerschaft nicht mehr als vier Stunden stehen darf. Auch Gefahren für Mutter und Kind in Form von Berufskrankheiten und Infektionskrankheiten, zum Beispiel im Labor, sind zu verhindern.
Ein teilweises Berufsverbot besagt, dass die Frau nur bestimmte Tätigkeiten nicht ausüben darf. Eine Zwillingsschwangerschaft kann ein Grund für ein individuelles Beschäftigungsverbot sein. Zwillinge sind häufiger Frühgeburten und die Mütter müssen sich stärker schonen, weshalb viele werdende Zwillingmütter bereits vor dem absoluten Beschäftigungsverbot zum Schwangerschaftsende der Arbeit fernbleiben müssen. Für ein individuelles Beschäftigungsverbot ist ein ärztliches Attest erforderlich und eine Bescheinigung einer Hebamme reicht nicht aus.

Ausführlichere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Weitere Informationen

Lesen Sie mehr zu diesem Thema auf unserer Hauptseite: Schwangerschaft

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 07.06.2019
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